Montag, 28. Mai 2018

Auf der metaphysischen Identität des Willens, als des Dinges an sich, bei der zahllosen Vielheit seiner Erscheinungen, beruhen drei Phänomene, welche man unter den gemeinsamen Begriff der Sympathie bringen kann: 1) das Mitleid (caritas), die Basis der Gerechtigkeit und Menschenliebe; 2) die Geschlechtsliebe mit eigensinniger Auswahl (amor), welche das Leben der Gattung ist, das seinen Vorrang vor dem der Individuen geltend macht; 3) die Magie.

Alle Verliebtheit, wie ätherisch sie sich auch gebärden mag, wurzelt allein im Geschlechtstriebe, ja, ist durchaus nur ein näher bestimmter, spezialisierter, wohl gar im strengsten Sinne individualisierter Geschlechtstrieb. Es ist keine Kleinigkeit, um die es sich hier handelt. Der Endzweck aller Liebeshändel ist wirklich wichtiger, als alle anderen Zwecke im Menschenleben und daher des tiefen Ernstes womit jeder ihn verfolgt, völlig wert. Das nämlich, was dadurch entschieden wird, ist nichts Geringeres, als die Zusammensetzung der nächsten Generation. Wie das Sein, die Existentia unserer Nachkommen durch unseren Geschlechtstrieb überhaupt, so ist das Wesen, die Essentia derselben durch die individuelle Auswahl bei seiner Befriedigung, d. i. die Geschlechtsliebe, durchweg bedingt und wird dadurch unwiderruflich festgestellt.
Es handelt sich also in den Liebesangelegenheiten nicht, wie in allen übrigen Angelegenheiten, um individuelles Wohl und Wehe, sondern um das Dasein und die spezielle Beschaffenheit des Menschengeschlechts in künftigen Zeiten, und daher tritt hier der Wille des Einzelnen in erhöhter Potenz, als Wille der Gattung auf. Die künftige Generation, in ihrer ganzen individuellen Bestimmtheit, ist es, die sich, mittelst des ganzen Treibens und Mühens Verliebter um Erlangung des geliebten Gegenstandes, ins Dasein drängt. Ja, sie selbst regt sich schon in der so umsichtigen, bestimmten und eigensinnigen Auswahl zur Befriedigung des Geschlechtstriebes, die man Liebe nennt.
Die Leidenschaft der Liebe hat unzählige Grade, deren beide Extreme man als Αφροδιτη πανδημος und ουρανια bezeichnen mag; dem Wesen nach ist sie jedoch überall die selbe. Hingegen dem Grade nach wird sie um so mächtiger sein, je individualisierter sie ist. Die höchsten Grade entspringen aus derjenigen Angemessenheit beider Individualitäten zu einander, vermöge welcher der Charakter des Vaters und der Intellekt der Mutter, in ihrer Verbindung, gerade dasjenige Individuum vollenden, nach welchem der Wille zum Leben als Gattungswille eine das Maß eines sterblichen Herzens übersteigende Sehnsucht empfindet. Je vollkommener die gegenseitige Angemessenheit zweier Individuen zu einander in jeder der mannigfachen Rücksichten, die hier walten, ist, desto stärker wird ihre gegenseitige Leidenschaft ausfallen.
Je mehr Geist, desto bestimmtere Individualität, daher desto bestimmtere Forderungen an die dieser entsprechende Individualität des anderen Geschlechts; woraus folgt, dass geistreiche Individuen sich besonders zu leidenschaftlicher Liebe eignen.    

Montag, 7. Mai 2018


Es scheint, dass die Natur, indem sie den Männern einen unzerstörbaren Trieb zu den Frauen eingab, erraten hat, dass sonst die Verachtung, die ihre Fehler, vor allem die Eitelkeit hervorrufen, der Erhaltung des Menschengeschlechts hinderlich sein könnte.    

Il semble que la nature, en donnant aux hommes un goût pour les femmes, entièrement indestructible, ait deviné que, sans cette précaution, le mépris qu'inspirent les vices de leur sexe, principalement leur vanité, serait un grand obstacle au maintien et à la propagation de l'espèce humaine.  

It seems that nature, in giving men a completely indestructible inclination for women, guessed that without this precaution, the scorn that the vices of this sex would inspire, mainly its vanity, would be a great obstacle to the maintenance and propagation of the human species.  

Man wäre zu unglücklich, wenn man sich bei den Frauen nur im geringsten an das erinnerte, was man auswendig weiss.

On serait trop malheureux si, auprès des femmes, on se souvenait le moins du monde de ce qu'on sait par cœur.

A person would be too unhappy if, when he was around women, he remembered the smallest thing that he knew in his heart.  

Dienstag, 1. Mai 2018


J'ai remarqué, en lisant l'Écriture, qu'en plusieurs passages, lorsqu'il s'agit de reprocher à l'humanité des fureurs ou des crimes, l'auteur dit: les enfants des hommes; et quand il s'agit de sottises ou de faiblesses, il dit: les enfants des femmes.     



I noticed, when reading Scripture, that in many passages when it wants to reproach humanity for its violence or crimes, the writer mentions: 'the children of men'; and when it wants to reproach humanity for its follies and weaknesses, he mentions: 'the children of women'.   

Unschicklichkeit und Schamlosigkeit sind abgeschmackt in jedem System, in der Philosophie des Genusses und in der der Enthaltsamkeit.  

L'indécence, le défaut de pudeur sont absurdes dans tout système: dans la philosophie qui jouit, comme dans celle qui s'abstient.    

Indecency and lack of modesty are absurd in every system: in the philosophy that enjoys it and in the one that refrains from it.