Niemals fröhlich
Niemals bin ich fröhlich gewesen; und doch hat es
immer so ausgesehen, als wäre in meinem Gefolge die Freude, als tanzten rings
um mich her die leichten Genien der Freude, für andre immerhin unsichtbar,
nicht aber für mich, dessen Augen ja vor Freude glänzten. Wenn ich alsdann so
glücklich und heiter wie ein Gott den Leuten vorbeigehe, und sie mein Glück mir
mißgönnen, so lache ich; denn ich verachte die Menschen, und ich räche mich.
Nie habe ich gewünscht, einem Menschen unrecht zu tun, aber immer den Anschein
hervorgerufen, dass jeder in meine Nähe kommende Mensch gekränkt und beleidigt
wurde. Höre ich dann, wie andre ob ihrer Treue, ihrer Rechtschaffenheit gerühmt
werden, dann lache ich; denn ich verachte die Menschen und ich räche mich. Mein
Gemüt ist nie gegen irgend einen Menschen verhärtet gewesen; aber jedesmal,
gerade wenn ich innerlich recht ergriffen war, habe ich den Anschein gehabt,
dass mein Gemüt jedem Gefühle verschlossen und fremd sei. Wenn ich dann andre
ihres guten Herzens wegen preisen höre, wenn ich sehe, wie sie um ihres tiefen
und reichen Gefühls willen geliebt werden, so lache ich: denn ich Verachte die
Menschen und räche mich. Wenn ich sehe, wie ich selbst meiner Kälte und
Herzlosigkeit wegen verwünscht, verabscheut, gehaßt werde, so lache ich;
alsdann wird mein Zorn gesättigt. Wenn nämlich die guten Leute mich dahin
brächten, wirklich unrecht zu haben, wirklich ein Unrecht zu begehen, ja, dann
hätte ich verloren.