Freitag, 23. Dezember 2022

Galiani war gewiss der reizendste Harlekin, den Italien hervorgebracht hat, aber auf den Schultern dieses Harlekins ruht der Kopf eines Machiavell. Er ist Epikureer, aber mit einem melancholischen Gemüt, da er alles von der lächerlichen Seite sieht. Er konnte über jegliche Frage der Moral und Politik eine lustige Geschichte erzählen, und diese Geschichten trafen immer das Richtige und waren mit unvorhergesehen geistreichen Anspielungen gewürzt. Man denke sich dabei in seiner Art zu erzählen und in seinem Gebärenspiel die naivste Zierlichkeit, und man begreift, welch ein Vergnügen uns der Gegensatz zwischen dem tiefen Sinn der Erzählung und der tändelnden Manier des Erzählers bereiten musste.

Wenn der Abbé seine Geschichte erzählt hatte, berichtet man, zog er sich plötzlich still und traurig werdend, in eine Ecke des Zimmers zurück, wie wenn eine Stimme sich erschöpft hat und eine andere an ihre Stelle tritt. Dieser Rhythmus der Melancholie und Heiterkeit, der freilich in der objektiven Lage der französischen Aufklärung tief begründet ist, ist doch zugleich subjektiv bedingt in dem Leben des komischen kleinen Abbé.

Montag, 19. Dezember 2022

Dieses kleine, Fuß des Vesuvs geborene Wesen ist ein wahres Phänomen. Er verbindet mit einem klaren durchdringenden Blick ein umfassendes und gründliches Wissen, mit dem Scharfsinn des Genies die Heiterkeit und Lustigkeit eines Menschen, der nur amüsieren und gefallen will. Er ist Platon mit dem Feuer und den Gebärden eines Harlekins.

Dienstag, 13. Dezember 2022

Kunst der Darstellung. - Kleine Themen muss man ernst nehmen, ihnen ein Relief geben und eine Wichtigkeit, die sie an sich nicht haben. Ernste muss man leicht behandeln, sonst erdrückt uns ihr Gewicht.   

 

Den Vergnügen der Venus, die das Thema vieler seiner Dichtungen bildeten, war Horaz eigentümlich ergeben. Immer oder fast immer hat er unter erfundenen poetischen Namen die Mädchen verborgen, in die er sich verliebte; so ist es außerordentlich schwer, die Epochen und die Geschichte seiner Liebschaften zu erzählen, zumal da er manchmal unter verschiedenem Namen dieselbe Person meint. Die Namen der Mädchen, die er geliebt hat und die man in seinen Dichtungen findet, sind die folgenden: Pyrrha, Pholoe, Lydia, Leuconoe, Tyndaris, Glycera, Lalage, Chloe, Myrtale, Barina, Lide, Neera, Cinara, Phidile, Lyke, Canidia, eine reiche alte namens Inachia, Phryne, den Jüngling Liciro aus Ligurien.