Es
gibt Fälle, wo es einen so namenlos schmerzlich berühren kann, einen Menschen
ganz allein in der Welt dastehen zu sehen. So sah ich neulich ein armes Mädchen,
das ganz allein zur Kirche ging, um konfirmiert zu werden.
Mittwoch, 19. Dezember 2018
Außer
meinem sonstigen zahlreichen Umgangskreise habe ich noch einen intimen
Vertrauten: meine Schwermut. Mitten, in meiner Freude, in meiner Arbeit, winkt
er mir, ruft mich auf die Seite, auch wenn ich dem Leibe nach am selben Flecke
bleibe. Meine Schwermut ist die treueste Geliebte, die ich kennen gelernt! Was
Wunder, dass ich sie wieder liebe?
Freitag, 7. Dezember 2018
Nous les pouvons donq bien appeller barbares, eu
esgard aux regles de la raison, mais non pas eu esgard à nous, qui les
surpassons en toute sorte de barbarie. Leur guerre est toute noble et
genereuse, et a autant d’excuse et de beauté que cette maladie humaine en peut
recevoir : elle n’a autre fondement parmy eux que la seule jalousie de la
vertu. Ils ne sont pas en debat de la conqueste de nouvelles terres, car ils
jouyssent encore de cette uberté naturelle qui les fournit sans travail et sans
peine de toutes choses necessaires, en telle abondance qu’ils n’ont que faire
d’agrandir leurs limites. Ils sont encore en cet heureux point, de ne desirer
qu’au tant que leurs necessitez naturelles leur ordonnent : tout ce qui
est au delà, est superflu pour eux.
Ils s’entr’appellent generalement, ceux de
mesme aage, freres ; enfans, ceux qui sont au dessoubs ; et les
vieillards sont peres à tous les autres. Ceux-cy laissent à leurs heritiers en
commun cette pleine possession de biens par indivis, sans autre titre que celuy
tout pur que nature donne à ses creatures, les produisant au monde. Si leurs
voisins passent les montaignes pour les venir assaillir, et qu’ils emportent la
victoire sur eux, l’acquest du victorieux c’est la gloire, et l’avantage
d’estre demeuré maistre en valeur et en vertu : car autrement ils n’ont
que faire des biens des vaincus, et s’en retournent à leur pays, où ils n’ont
faute de aucune chose necessaire, ny faute encore de cette grande partie, de
sçavoir heureusement jouyr de leur condition et s’en contenter.
Mittwoch, 21. November 2018
Mittwoch, 7. November 2018
Dienstag, 16. Oktober 2018
Dem
Knaben ist das Alleinsein eine große Pönitenz. Jünglinge gesellen sich leicht
zueinander: nur die edleren und hochgesinnten unter ihnen suchen schon
bisweilen die Einsamkeit: jedoch einen ganzen Tag allein zuzubringen wird ihnen
noch schwer. Dem Manne hingegen ist dies leicht: er kann schon viel allein
sein, und destomehr, je älter er wird. Der Greis, welcher aus verschwundenen
Generationen allein übrig geblieben und dazu den Lebensgenüssen teils
entwachsen, teils abgestorben ist, findet an der Einsamkeit sein eigentliches
Element.
Immer
aber wird hierbei, in dem Einzelnen, die Zunahme der Neigung zur Absonderung
und Einsamkeit nach Maßgabe ihres intellektuellen Wertes erfolgen. Denn
dieselbe ist, wie gesagt, keine rein natürliche, direkt durch die Bedürfnisse
hervorgerufene, vielmehr bloß eine Wirkung gemachter Erfahrung und der
Reflexion über solche, namentlich der erlangten Einsicht in die moralisch und
intellektuell elende Beschaffenheit der allermeisten Menschen; bei welcher das
Schlimmste ist, daß, im Individuo, die moralischen und die intellektuellen
Unvollkommenheiten desselben konspirieren und sich gegenseitig in die Hände
arbeiten, woraus dann allerlei höchst widerwärtige Phänomene hervorgehn, welche
den Umgang der meisten Menschen ungenießbar, ja, unerträglich machen.
Freitag, 5. Oktober 2018
So
kommt es denn, daß, obwohl in dieser Welt gar vieles recht schlecht ist, doch
das Schlechteste darin die Gesellschaft bleibt; so daß selbst Voltaire, der
gesellige Franzose, hat sagen müssen: la
terre est couverte de gens qui ne méritent pas qu'on leur parle. Den selben
Grund gibt auch der die Einsamkeit so stark und beharrlich liebende,
sanftmütige Petrarka für diese Neigung an:
Cercato ho sempre solitaria vita
(Le rive il sanno, e le campagne, e i boschi),
Per fuggir quest' ingegni storti e loschi,
Che la strada del ciel' hanno smarita.
(Le rive il sanno, e le campagne, e i boschi),
Per fuggir quest' ingegni storti e loschi,
Che la strada del ciel' hanno smarita.
In
gleichem Sinne führt er die Sache aus, in seinem schönen Buche de vita solitaria, welches Zimmermanns
Vorbild zu seinem berühmten Werke über die Einsamkeit gewesen zu sein scheint.
Eben diesen bloß sekundären und mittelbaren Ursprung der Ungeselligkeit drückt,
in seiner sarkastischen Weise, Chamfort aus, wenn er sagt: on dit quelquefois d'un homme qui vit seul, il n'aime pas la société. C'est souvent
comme si on disait d'un homme, qu'il n'aime pas la promenade, sous le prétexte
qu'il ne se promène pas volontiers le soir dans la forêt de Bondy.
Aber
auch der sanfte und christliche Angelus Silesius sagt, in seiner Weise und
mythischen Sprache, ganz das Selbe:
Herodes
ist ein Feind; der Joseph der Verstand,
Dem macht Gott die Gefahr im Traum bekannt.
Die Welt ist Bethlehem, Ägypten Einsamkeit:
Fleuch, meine Seele! Fleuch, sonst stirbest du vor Leid.
Dem macht Gott die Gefahr im Traum bekannt.
Die Welt ist Bethlehem, Ägypten Einsamkeit:
Fleuch, meine Seele! Fleuch, sonst stirbest du vor Leid.
Donnerstag, 20. September 2018
In gleichem Sinne läßt sich Jordanus Brunus vernehmen: tanti uomini, che in terra hanno voluto
gustare vita celeste, dissero con una voce: »ecce elongavi fugiens, et mansi in
solitudine«. In
gleichem Sinne berichtet Sadi, der Perser, im Gulistan, von sich selbst:
»meiner Freunde in Damaskus überdrüssig zog ich mich in die Wüste bei Jerusalem
zurück, die Gesellschaft der Tiere aufzusuchen.«
In
diesem Sinne haben alle geredet, die Prometheus aus besserm Tone geformt hatte.
Welchen Genuß kann ihnen der Umgang mit Wesen gewähren, zu denen sie nur
vermittelst des Niedrigsten und Unedelsten in ihrer eigenen Natur, nämlich des
Alltäglichen, Trivialen und Gemeinen darin, irgend Beziehungen haben, die eine
Gemeinschaft begründen, und denen, weil sie nicht zu ihrem Niveau sich erheben
können, nichts übrig bleibt, als sie zu dem ihrigen herabzuziehen, was demnach
ihr Trachten wird? Sonach ist es ein aristokratisches Gefühl, welches den Hang
zur Absonderung und Einsamkeit nährt.
Alle
Lumpe sind gesellig, zum Erbarmen: daß hingegen ein Mensch edlerer Art sei,
zeigt sich zunächst daran, daß er kein Wohlgefallen an den übrigen hat, sondern
mehr und mehr die Einsamkeit ihrer Gesellschaft vorzieht und dann allmählich,
mit den Jahren, zu der Einsicht gelangt, daß es, seltene Ausnahmen abgerechnet,
in der Welt nur die Wahl gibt zwischen Einsamkeit und Gemeinheit. Sogar auch
dieses, so hart es klingt, hat selbst Angelus Silesius, seiner christlichen
Milde und Liebe ungeachtet, nicht ungesagt lassen können:
»Die
Einsamkeit ist not: doch sei nur nicht gemein:
So kannst du überall in einer Wüste sein.«
So kannst du überall in einer Wüste sein.«
Mittwoch, 19. September 2018
Was
nun aber gar die großen Geister betrifft, so ist es wohl natürlich, daß diese
eigentlichen Erzieher des ganzen Menschengeschlechtes zu häufiger Gemeinschaft
mit den übrigen so wenig Neigung fühlen, als den Pädagogen anwandelt, sich in
das Spiel der ihn umlärmenden Kinderherde zu mischen. Denn sie, die auf die
Welt gekommen sind, um sie auf dem Meer ihrer Irrtümer der Wahrheit zuzulenken
und aus dem Unstern Abgrund ihrer Roheit und Gemeinheit nach oben, dem Lichte
zu, der Bildung und Veredlung entgegenzuziehn, – sie müssen zwar unter ihnen
leben, ohne jedoch eigentlich zu ihnen zu gehören, fühlen sich daher, von
Jugend auf, als merklich von den andern verschiedene Wesen, kommen aber erst
allmählich, mit den Jahren zur deutlichen Erkenntnis der Sache, wonach sie dann
Sorge tragen, daß zu ihrer geistigen Entfernung von den andern auch die
physische komme, und keiner ihnen nahe rücken darf, er sei denn schon selbst
ein mehr oder weniger Eximierter von der allgemeinen Gemeinheit.
Aus
diesem allen ergibt sich also, daß die Liebe zur Einsamkeit nicht direkt und
als ursprünglicher Trieb auftritt, sondern sich indirekt, vorzüglich bei
edleren Geistern und erst nach und nach entwickelt, nicht ohne Überwindung des
natürlichen Geselligkeitstriebes, ja, unter gelegentlicher Opposition
mephistophelischer Einflüsterung:
»Hör'
auf, mit deinem Gram zu spielen,
Der, wie ein Geier, dir am Leben frißt:
Die schlechteste Gesellschaft läßt dich fühlen,
Daß du ein Mensch mit Menschen bist.«
Der, wie ein Geier, dir am Leben frißt:
Die schlechteste Gesellschaft läßt dich fühlen,
Daß du ein Mensch mit Menschen bist.«
Dabei
hat der Flug der Zeit sich beschleunigt, und geistig möchte man sie noch
benutzen. Denn, wenn nur der Kopf seine Kraft behalten hat; so machen jetzt die
vielen erlangten Kenntnisse und Erfahrungen, die allmählich vollendete
Durcharbeitung aller Gedanken und die große Übungsfertigkeit aller Kräfte das
Studium jeder Art interessanter und leichter, als jemals. Man sieht klar in
tausend Dingen, die früher noch wie im Nebel lagen: man gelangt zu Resultaten
und fühlt seine ganze Überlegenheit.
Dienstag, 18. September 2018
Einsamkeit
ist das Los aller hervorragenden Geister: sie werden solche bisweilen
beseufzen; aber stets sie als das kleinere von zwei Übeln erwählen. Mit
zunehmendem Alter wird jedoch das: sapere
aude, wage, weise zu sein, in diesem Stücke immer leichter und natürlicher,
und in den sechziger Jahren ist der Trieb zur Einsamkeit ein wirklich
naturgemäßer, ja instinktartiger. Denn jetzt vereinigt sich alles, ihn zu
befördern. Der stärkste Zug der Geselligkeit, Weiberliebe und Geschlechtstrieb,
wirkt nicht mehr; ja, die Geschlechtslosigkeit des Alters legt den Grund zu
einer gewissen Selbstgenügsamkeit, die allmählich den Geselligkeitstrieb
überhaupt absorbiert. Von tausend Täuschungen und Torheiten ist man
zurückgekommen; das aktive Leben ist meistens abgetan, man hat nichts mehr zu
erwarten, hat keine Pläne und Absichten mehr; die Generation, der man
eigentlich angehört, lebt nicht mehr; von einem fremden Geschlecht umgeben,
steht man schon objektiv und wesentlich allein.
Montag, 17. September 2018
Infolge
langer Erfahrung hat man aufgehört, von den Menschen viel zu erwarten; da sie,
im ganzen genommen nicht zu den Leuten gehören, welche bei näherer Bekanntschaft
gewinnen: vielmehr weiß man, daß, von seltenen Glücksfällen abgesehen, man
nichts antreffen wird, als sehr defekte Exemplare der menschlichen Natur,
welche es besser ist, unberührt zu lassen. Man ist daher den gewöhnlichen
Täuschungen nicht mehr ausgesetzt, merkt jedem bald an was er ist und wird
selten den Wunsch fühlen, nähere Verbindung mit ihm einzugehen.
Endlich
ist auch, zumal wenn man an der Einsamkeit eine Jugendfreundin erkennt, die
Gewohnheit der Isolation und des Umganges mit sich selbst hinzugekommen und zur
zweiten Natur geworden. Demnach ist jetzt die Liebe zur Einsamkeit welche
früher dem Geselligkeitstriebe erst abgerungen werden mußte, eine ganz
natürliche und einfache: man ist in der Einsamkeit wie der Fisch im Wasser.
Daher fühlt jede vorzügliche, folglich den übrigen unähnliche, mithin allein
stehende Individualität sich, durch diese ihr wesentliche Isolation, zwar in
der Jugend gedrückt, aber im Alter erleichtert.
Denn
freilich wird dieses wirklichen Vorzugs des Alters jeder immer nur nach Maßgabe
seiner intellektuellen Kräfte teilhaft, also der eminente Kopf vor allen,
jedoch in geringerem Grade wohl jeder. Nur höchst dürftige und gemeine Naturen
werden im Alter noch so gesellig sein, wie ehedem: sie sind der Gesellschaft,
zu der sie nicht mehr passen, beschwerlich, und bringen es höchstens dahin,
toleriert zu werden, während sie ehemals gesucht werden.
An
dem dargelegten, entgegengesetzten Verhältnisse zwischen der Zahl unserer
Lebensjahre und dem Grade unserer Geselligkeit läßt sich auch noch eine
teleogische Seite herausfinden. Je jünger der Mensch ist, desto mehr hat er
noch, in jeder Beziehung, zu lernen: nun hat ihn die Natur auf den
wechselseitigen Unterricht verwiesen, welchen jeder im Umgange mit
seinesgleichen empfängt und in Hinsicht auf welchen die menschliche
Gesellschaft eine große Bell-Lancaster'sche Erziehungsanstalt genannt werden
kann; da Bücher und Schulen künstliche, weil vom Plane der Natur abliegende
Anstalten sind. Sehr zweckmäßig also besucht er die natürliche Unterrichtsanstalt
desto fleißiger, je jünger er ist.
Nihil est ab
omni parte beatum.
Nichts ist in jeder Beziehung glücklich sagt Horaz, und »Kein Lotus ohne
Stengel« lautet ein indisches Sprichwort: so hat denn auch die Einsamkeit,
neben so vielen Vorteilen, ihre kleinen Nachteile und Beschwerden; die jedoch,
im Vergleich mit denen der Gesellschaft, gering sind, daher wer etwas rechtes
an sich selber hat, es immer leichter finden wird, ohne die Menschen
auszukommen, als mit ihnen. –
Unter
jenen Nachteilen ist übrigens einer, der nicht so leicht, wie die übrigen, zum
Bewußtsein gebracht wird, nämlich dieser: wie durch anhaltend fortgesetztes
Zuhausebleiben unser Leib so empfindlich gegen äußere Einflüsse wird, daß jedes
kühle Lüftchen ihn krankhaft affiziert; so wird, durch anhaltende
Zurückgezogenheit und Einsamkeit, unser Gemüt so empfindlich, daß wir durch die
unbedeutendsten Vorfälle, Worte, wohl gar durch bloße Mienen, uns beunruhigt,
oder gekränkt, oder verletzt fühlen; während der, welcher stets im Getümmel
bleibt, dergleichen gar nicht beachtet.
Wer
nun aber, zumal in jüngeren Jahren, so oft ihn auch schon gerechtes Mißfallen
an den Menschen in die Einsamkeit zurückgescheucht hat, doch die Oede
derselben, auf die Länge, zu ertragen nicht vermag, dem rate ich, daß er sich
gewöhne, einen Teil seiner Einsamkeit, in die Gesellschaft mitzunehmen, also
daß er lerne, auch in der Gesellschaft, in gewissem Grade, allein zu sein,
demnach was er denkt nicht sofort den andern mitzuteilen, und andererseits mit
dem, was sie sagen, es nicht genau zu nehmen, vielmehr, moralisch wie
intellektuell, nicht viel davon zu erwarten und daher, hinsichtlich ihrer
Meinungen, diejenige Gleichgültigkeit in sich zu befestigen, die das sicherste
Mittel ist, um stets eine lobenswerte Toleranz zu üben.
Er
wird alsdann, obwohl mitten unter ihnen, doch nicht so ganz in ihrer
Gesellschaft sein, sondern hinsichtlich ihrer sich mehr rein objektiv
verhalten. Dies wird ihn vor zu genauer Berührung mit der Gesellschaft, und
dadurch vor jeder Besudlung, oder gar Verletzung schützen. Man kann auch die
Gesellschaft einem Feuer vergleichen, an welchem der Kluge sich in gehöriger
Entfernung wärmt, nicht aber hineingreift, wie der Tor, der dann, nachdem er
sich verbrannt hat, in die Kälte der Einsamkeit flieht und jammert, daß das
Feuer brennt.
Sonntag, 16. September 2018
Probate
Ratschläge für Autoren
Man
schreibt seine Gedanken nachlässig nieder; man läßt sie drucken. Bei den
verschiedenen Korrekturen wird man dann allmählich eine Menge guter Einfälle
bekommen. Fasset daher Mut, die ihr euch noch nicht erkühnt habt, etwas drucken
zu lassen. Auch Druckfehler sind nicht zu verachten; und witzig zu werden mit
Hilfe von Druckfehlern, darf man als eine legale Manier ansehen, auf welche man
es wird.
Samstag, 15. September 2018
Montag, 3. September 2018
Sonntag, 19. August 2018
Donnerstag, 16. August 2018
Autant en font ceux-cy à leur tour. Ils ne
demandent à leurs prisonniers autre rançon que la confession et recognoissance
d’estre vaincus ; mais il ne s’en trouve pas un, en tout un siecle, qui
n’ayme mieux la mort que de relascher, ny par contenance, ny de parole, un seul
point d’une grandeur de courage invincible : il ne s’en void aucun qui
n’ayme mieux estre tué et mangé, que de requerir seulement de ne l’estre pas.
Ebenso halten es jene für ihr Teil. Sie fordern von ihren Gefangenen
kein anderes Lösegeld als das Eingeständnis und die Anerkennung ihrer
Überwindung; aber in einem ganzen Jahrhundert gibt es nicht einen einzigen, der
nicht lieber in den Tod ginge, als dass er, sei es durch seine Haltung, sei es
durch Worte, sich um das Geringste von der Grösse seines unerschütterlichen
Mutes vergäbe: es findet sich nicht einer, der es nicht vorzöge, getötet und
aufgegessen zu werden, als auch nur eine Bitte um Verschonung zu tun.
Dienstag, 14. August 2018
Ils les traictent en toute liberté, affin que
la vie leur soit d’autant plus chere ; et les entretiennent communément
des menasses de leur mort future, des tourmens qu’ils y auront à souffrir, des
apprests qu’on dresse pour cet effect, du detranchement de leurs membres, et du
festin qui se fera à leurs despens. Tout cela se faict pour cette seule fin
d’arracher de leur bouche quelque parole molle ou rabaissée, ou de leur donner
envie de s’en fuyr, pour gaigner cet avantage de les avoir espouvantez, et d’avoir
faict force à leur constance. Car aussi, à le bien prendre, c’est en ce seul
point que consiste la vraye victoire :
victoria nulla est
Quam quae confessos animo quoque subjugat hostes.
Ein Sieg ist nichts, der nicht auch im Geist den geständigen Feind unterwirft.
Les Hongres, tres-belliqueux combattans, ne poursuivoient jadis leur pointe, outre avoir rendu l’ennemy à leur mercy. Car, en ayant arraché cette confession, ils le laissoyent aller sans offense, sans rançon, sauf, pour le plus, d’en tirer parole de ne s’armer des lors en avant contre eux.
victoria nulla est
Quam quae confessos animo quoque subjugat hostes.
Ein Sieg ist nichts, der nicht auch im Geist den geständigen Feind unterwirft.
Les Hongres, tres-belliqueux combattans, ne poursuivoient jadis leur pointe, outre avoir rendu l’ennemy à leur mercy. Car, en ayant arraché cette confession, ils le laissoyent aller sans offense, sans rançon, sauf, pour le plus, d’en tirer parole de ne s’armer des lors en avant contre eux.
Assez d’avantages gaignons nous sur nos ennemis, qui
sont avantages empruntez, non pas nostres. C’est la qualité d’un portefaix, non
de la vertu, d’avoir les bras et les jambes plus roides ; c’est une
qualité morte et corporelle que la disposition ; c’est un coup de la
fortune de faire broncher nostre ennemy, et de luy esblouyr les yeux par la
lumiere du Soleil ; c’est un tour d’art et de science, et qui peut tomber
en une personne lache et de neant, d’estre suffisant à l’escrime. L’estimation
et le pris d’un homme consiste au cœur et en la volonté ; c’est là où gist
son vray honneur : la vaillance c’est la fermeté, non pas des jambes et
des bras, mais du courage et de l’ame ; elle ne consiste pas en la valeur
de nostre cheval, ny de nos armes, mais en la nostre.
Celuy qui tombe obstiné en son courage, si succiderit, de genu pugnat. Qui pour
quelque dangier de la mort voisine ne relasche aucun point de son
asseurance ; qui regarde encores, en rendant l’ame, son ennemy d’une veue
ferme et desdaigneuse, il est battu, non pas de nous, mais de la fortune ;
il est tué, non pas vaincu.
Sonntag, 22. Juli 2018
Pour revenir à nostre histoire, il s’en faut
tant que ces prisonniers se rendent, pour tout ce qu’on leur fait, qu’au
rebours, pendant ces deux ou trois mois qu’on les garde, ils portent une
contenance gaye ; ils pressent leurs maistres de se haster de les mettre en
cette espreuve ; ils les deffient, les injurient, leur reprochent leur
lacheté et le nombre des batailles perdues contre les leurs.
J’ay une chanson faicte par un prisonnier, où
il y a ce traict : qu’ils viennent hardiment trétous et s’assemblent pour
disner de luy : car ils mangeront quant et quant leurs peres et leurs
ayeux, qui ont servy d’aliment et de nourriture à son corps. Ces muscles,
dit-il, cette cher et ces veines, ce sont les vostres, pauvres fols que vous
estes ; vous ne recognoissez pas que la substance des membres de vos
ancestres s’y tient encore : savourez les bien, vous y trouverez le goust
de vostre propre chair. Invention qui ne sent aucunement la barbarie. Ceux qui
les peignent mourans, et qui representent cette action quand on les assomme, ils
peignent le prisonnier crachant au visage de ceux qui le tuent et leur faisant
la moue.
Mögen sie nur kühnlich kommen allesamt und sich versammeln, um von ihm
zu essen; denn sie werden damit doch nur ihre eigenen Väter und Ahnen
verzehren, die seinem Leib zu Speise und Nahrung gedient haben. Diese Muskeln,
sagt er, dieses Fleisch und diese Adern sind die euren, arme Narren, die ihr
seid; ihr merkt nicht, dass Saft und Mark der Glieder eurer Ahnen noch darin
wohnen: lasst sie euch munden, ihr werdet darin den Geschmack eures eigenen Fleisches
finden.
De vray, ils ne cessent jusques au dernier
souspir de les braver et deffier de parole et de contenance. Sans mentir, au
pris de nous, voilà des hommes bien sauvages ; car, ou il faut qu’ils le
soyent bien à bon escient, ou que nous le soyons : il y a une merveilleuse
distance entre leur forme et la nostre.
Sie hören fürwahr bis zum letzten Atemzug nicht auf, ihnen zu trotzen
und sie mit Worten und Mienen herauszufordern. Ohne Lüge, welch wilde Menschen
sind dies doch im Vergleich zu uns; denn entweder müssen wahrlich sie es sein,
oder wir müssen es sein: es liegt ein ungeheuerlicher Abstand zwischen ihrem
Wesen und dem unsern.
Freitag, 13. Juli 2018
Die kurzsichtigen, ich
meine die beschränkten und in ihre kleine Sphäre eingeschlossenen Geister
können den universalen Reichtum an Talenten, dem man manchmal bei einem und
demselben Gegenstand begegnet, nicht erfassen: wenn sie Gefälligkeit
feststellen, schliessen sie die Gründlichkeit aus; wenn sie den körperlichen
Reizen, Beweglichkeit, Geschmeidigkeit, Gewandtheit zu begegnen glauben, wollen
sie nicht auch noch seelische Gaben, Tiefe, Überlegungskraft, Weisheit
anerkennen: sie streichen aus der Geschichte des Sokrates, dass er getanzt hat.
Les
vues courtes, je veux dire les esprits bornés et resserrés dans leur petite
sphère, ne peuvent comprendre cette universalité de talents que l'on remarque
quelquefois dans un même sujet: où ils voient l'agréable, ils en excluent le
solide; où ils croient découvrir les grâces du corps, l'agilité, la souplesse,
la dextérité, ils ne veulent plus y admettre les dons de l'âme, la profondeur,
la réflexion, la sagesse: ils ôtent de l'histoire de Socrate qu'il ait dansé.
People
with limited views, I mean those spirits who are bound and restricted in their
little sphere, cannot comprehend that universality of talents that one
sometimes finds in a single person: where they see someone pleasant, they
exclude the possibility that he is solid; where they discover bodily grace,
agility, suppleness, and dexterity, they don't want to admit any graces of the
soul, depth, reflection, or wisdom: they remove from the biography of Socrates
the fact that he danced.
Donnerstag, 21. Juni 2018
Die Kinder der Götter (die
Abkömmlinge der Könige) sind gleichsam den Regeln der Natur entzogen und bilden
ihre Ausnahme. Sie erwarten fast nichts von der Zeit und von den Jahren. Das
Verdienst eilt bei ihnen dem Alter voraus. Wenn sie geboren werden, sind sie
schon unterrichtet und sind eher fertige Menschen, als die gemeinen Menschen
die Kindheit verlassen.
Les
enfants des Dieux, pour ainsi dire, se tirent des règles de la nature, et en
sont comme l'exception. Ils n'attendent presque rien du temps et des années. Le
mérite chez eux devance l'âge. Ils naissent instruits, et ils sont plus tôt des
hommes parfaits que le commun des hommes ne sort de l'enfance.
Samstag, 16. Juni 2018
Dans
la guerre, la distinction entre le héros et le grand homme est délicate :
toutes les vertus militaires font l’un et l’autre. Il semble néanmoins que le
premier soit jeune, entreprenant, d’une haute valeur, ferme dans les périls,
intrépide ; que l’autre excelle par un grand sens, par une vaste prévoyance,
par une haute capacité, et par une longue expérience. Peut-être qu’Alexandre
n’était qu’un héros, et que César était un grand homme.
Dienstag, 12. Juni 2018
Der
Selbstmörder gleicht einem Kranken, der eine schmerzhafte Operation, die ihn
von Grund aus heilen könnte, nachdem sie angefangen, nicht vollenden lässt,
sondern lieber die Krankheit behält; er weist das Leiden, statt es zum Quietiv
des Willens werden zu lassen, von sich, indem er die Erscheinung des Willens,
den Leib, zerstört, damit der Wille ungebrochen bleibe. Dies ist der Grund,
warum beinahe alle Ethiken, sowohl philosophische, als religiöse, den
Selbstmord verdammen, obgleich sie selbst hierzu keine andern, als seltsame,
sophistische Gründe angeben können.
Der
wahre Grund gegen den Selbstmord, aus welchem auch das Christentum denselben
verwirft, ist ein asketischer,
gilt also nur von einem viel höheren ethischen Standpunkte aus, als der, den
europäische Moralphilosophen jemals eingenommen haben. Steigen wir aber von
jenem sehr hohen Standpunkte herab; so gibt es keinen haltbaren moralischen
Grund mehr, den Selbstmord zu verdammen.
Von
dem gewöhnlichen Selbstmorde gänzlich verschieden scheint eine besondere Art
desselben zu sein, der aus dem höchsten Grade der Askese freiwillig gewählte
Hungertod. Es scheint, dass die gänzliche Verneinung des Willens den Grad
erreichen könne, wo selbst der zur Erhaltung der Vegetation des Leibes durch
Aufnahme von Nahrung nötige Wille wegfällt. Weit entfernt, dass diese Art des
Selbstmordes aus dem Willen zum Leben entstünde, hört ein solcher völlig
resignierter Asket bloß darum auf zu leben, weil er ganz und gar aufgehört hat
zu wollen.
Montag, 11. Juni 2018
Die Geschlechtsliebe spielt nicht bloß in Schauspielen und Romanen,
sondern, wie die Erfahrung bestätigt, auch in der wirklichen Welt eine so
bedeutende Rolle, dass die bei einigen Schriftstellern vorkommende Leugnung der
Realität und Wichtigkeit dieser Leidenschaft ein großer Irrtum ist. Die
Erfahrung zeigt, dass die Geschlechtsliebe unter Umständen zu einer
Leidenschaft anwachsen kann, die an Heftigkeit jede andere übertrifft und dann
alle Rücksichten beseitigt, alle Hindernisse mit unglaublicher Kraft und
Ausdauer überwindet, so dass für ihre Befriedigung unbedenklich das Leben
gewagt, ja, wenn solche schlechterdings versagt bleibt, in den Kauf gegeben
wird. Die Geschlechtsliebe erweist sich, nächst der Liebe zum Leben, als die
stärkste und tätigste aller Triebfedern, nimmt die Hälfte der Kräfte und
Gedanken des jüngeren Teiles der Menschheit fortwährend in Anspruch, ist das
letzte Ziel fast jedes menschlichen Bestrebens, erlangt auf die wichtigsten
Angelegenheiten nachteiligen Einfluss, unterbricht die ernsthaftesten
Beschäftigungen zu jeder Stunde, setzt bisweilen selbst die größten Köpfe auf
eine Weile in Verwirrung, zettelt täglich die verworrensten und schlimmsten
Händel an, löst die wertvollsten Verhältnisse auf, zerreißt die festesten
Bande, nimmt bisweilen Leben, oder Gesundheit, bisweilen Reichtum, Rang und
Glück zu ihrem Opfer, ja macht den sonst Redlichen gewissenlos, den bisher
Treuen zum Verräter, tritt demnach im Ganzen auf als ein feindseliger Dämon.
Nicht allein die unbefriedigte verliebte Leidenschaft hat bisweilen
einen tragischen Ausgang, sondern auch die befriedigte führt öfter zum Unglück
als zum Glück. Denn ihre Anforderungen kollidieren oft so sehr mit der
persönlichen Wohlfahrt des Beteiligten, dass sie solche untergraben, indem sie
mit seinen übrigen Verhältnissen unvereinbar sind und den darauf gebauten
Lebensplan zerstören. Ja, nicht allein mit den äußeren Verhältnissen ist die
Liebe oft im Widerspruch, sondern sogar mit der eigenen Individualität, indem
sie sich auf Personen wirft, welche, abgesehen vom Geschlechtsverhältnis dem
Liebenden verhasst, ja zum Abscheu sein würden. Aber so sehr viel mächtiger ist
der Wille der Gattung als der des Individuums, dass der Liebende in seiner
Verblendung alle jene ihm widerlichen Eigenschaften übersieht. —
In der Tat führt der Genius der Gattung durchweg Krieg mit den
schützenden Genien der Individuen, ist ihr Verfolger und Feind, stets bereit,
das persönliche Glück schonungslos zu zerstören, um seine Zwecke durchzusetzen;
ja, das Wohl ganzer Nationen ist bisweilen das Opfer seiner Laune geworden.
Dies Alles beruht darauf, dass die Gattung, als in welcher die Wurzel unseres
Wesens liegt, ein näheres und früheres Recht auf uns hat, als das Individuum;
daher ihre Angelegenheiten vorgehen.
Montag, 28. Mai 2018
Auf der metaphysischen Identität des Willens, als des Dinges an sich,
bei der zahllosen Vielheit seiner Erscheinungen, beruhen drei Phänomene, welche
man unter den gemeinsamen Begriff der Sympathie bringen kann: 1) das Mitleid
(caritas), die Basis der Gerechtigkeit und Menschenliebe; 2) die
Geschlechtsliebe mit eigensinniger Auswahl (amor), welche das Leben der Gattung
ist, das seinen Vorrang vor dem der Individuen geltend macht; 3) die Magie.
Alle Verliebtheit, wie ätherisch sie sich
auch gebärden mag, wurzelt allein im Geschlechtstriebe, ja, ist durchaus nur
ein näher bestimmter, spezialisierter, wohl gar im strengsten Sinne
individualisierter Geschlechtstrieb. Es ist keine Kleinigkeit, um
die es sich hier handelt. Der Endzweck aller Liebeshändel ist wirklich
wichtiger, als alle anderen Zwecke im Menschenleben und daher des tiefen
Ernstes womit jeder ihn verfolgt, völlig wert. Das nämlich, was dadurch
entschieden wird, ist nichts Geringeres, als die Zusammensetzung der nächsten
Generation. Wie das Sein, die Existentia unserer Nachkommen durch unseren
Geschlechtstrieb überhaupt, so ist das Wesen, die Essentia derselben durch die
individuelle Auswahl bei seiner Befriedigung, d. i. die Geschlechtsliebe,
durchweg bedingt und wird dadurch unwiderruflich festgestellt.
Es handelt sich also in den Liebesangelegenheiten nicht, wie in allen
übrigen Angelegenheiten, um individuelles Wohl und Wehe, sondern um das Dasein
und die spezielle Beschaffenheit des Menschengeschlechts in künftigen Zeiten,
und daher tritt hier der Wille des Einzelnen in erhöhter Potenz, als Wille der
Gattung auf. Die künftige Generation, in ihrer ganzen individuellen
Bestimmtheit, ist es, die sich, mittelst des ganzen Treibens und Mühens
Verliebter um Erlangung des geliebten Gegenstandes, ins Dasein drängt. Ja, sie
selbst regt sich schon in der so umsichtigen, bestimmten und eigensinnigen
Auswahl zur Befriedigung des Geschlechtstriebes, die man Liebe nennt.
Die Leidenschaft der Liebe hat unzählige Grade, deren beide Extreme man
als Αφροδιτη πανδημος und ουρανια bezeichnen mag; dem Wesen nach ist sie jedoch
überall die selbe. Hingegen dem Grade nach wird sie um so mächtiger sein, je
individualisierter sie ist. Die höchsten Grade entspringen aus derjenigen
Angemessenheit beider Individualitäten zu einander, vermöge welcher der
Charakter des Vaters und der Intellekt der Mutter, in ihrer Verbindung, gerade
dasjenige Individuum vollenden, nach welchem der Wille zum Leben als
Gattungswille eine das Maß eines sterblichen Herzens übersteigende Sehnsucht
empfindet. Je vollkommener die gegenseitige Angemessenheit zweier Individuen zu
einander in jeder der mannigfachen Rücksichten, die hier walten, ist, desto
stärker wird ihre gegenseitige Leidenschaft ausfallen.
Montag, 7. Mai 2018
Dienstag, 1. Mai 2018
Dienstag, 3. April 2018
Les hommes y ont plusieurs femmes, et en ont
d’autant plus grand nombre qu’ils sont en meilleure reputation de
vaillance : c’est une beauté remerquable en leurs mariages, que la mesme
jalousie que nos femmes ont pour nous empescher de l’amitié et bien-veuillance
d’autres femmes, les leurs l’ont toute pareille pour la leur acquerir. Estans
plus soigneuses de l’honneur de leurs maris que de toute autre chose, elles
cherchent et mettent leur solicitude à avoir le plus de compaignes qu’elles
peuvent, d’autant que c’est un tesmoignage de la vertu du mary.
Die Männer haben mehrere Frauen, und in um so grösserer Zahl, je grösser
der Ruf ihrer Tapferkeit ist: es ist ein bemerkenswert schöner Zug ihrer Ehen,
dass mit der gleichen Eifersucht, mit der die unseren uns die Freundschaft und Gunst anderer Frauen verwehren, die ihren sie ihnen zu verschaffen streben. Da
sie um die Ehre ihrer Männer mehr als um alles andere besorgt sind, so gehen
sie mit allem Eifer darauf aus, so zahlreiche Gefährtinnen wie möglich neben
sich zu haben, um so mehr, da dies ein Beweis der Tugend des Ehemanns ist.
Les nostres crieront au miracle ; ce ne
l’est pas : c’est une vertu proprement matrimoniale, mais du plus haut
estage. Et, en la Bible, Lia, Rachel, Sara et les femmes de Jacob fournirent
leurs belles servantes à leurs maris ; et Livia seconda les appetits
d’Auguste, à son interest ; et la femme du Roy Dejotarus, Stratonique,
presta non seulement à l’usage de son mary une fort belle jeune fille de
chambre qui la servoit, mais en nourrit soigneusement les enfans, et leur feit
espaule à succeder aux estats de leur pere.
Et, afin qu’on ne pense point que tout cecy
se face par une simple et servile obligation à leur usance et par l’impression
de l’authorité de leur ancienne coustume, sans discours et sans jugement, et
pour avoir l’ame si stupide que de ne pouvoir prendre autre party, il faut
alleguer quelques traits de leur suffisance.
Freitag, 23. März 2018
Outre celuy que je vien de reciter de l’une
de leurs chansons guerrieres, j’en ay un’autre, amoureuse, qui commence en ce
sens : Couleuvre, arreste toy ; arreste toy, couleuvre, afin que ma
sœur tire sur le patron de ta peinture la façon et l’ouvrage d’un riche cordon
que je puisse donner à m’amie : ainsi soit en tout temps ta beauté et ta
disposition preferée à tous les autres serpens.
Ausser dem, was ich aus einem ihrer kriegerischen Gesänge vorgetragen
habe, besitze ich auch noch ein Liebeslied, das in dieser Weise beginnt:
Schlange, verweile; so weile doch, Schlange, dass meine Schwester vom Muster
deiner Zeichnung die Form und Flechtung eines prächtigen Bandes abnehme, das
ich meiner Liebsten schenken kann; so sei auf alle Zeiten dein Wuchs und deine
Schönheit allen andern Schlangen vorgezogen.
Ce premier couplet, c’est le refrein de la
chanson. Or j’ay assez de commerce avec la poesie pour juger cecy, que non
seulement il n’y a rien de barbarie en cette imagination, mais qu’elle est tout
à fait Anacreontique. Leur langage, au demeurant, c’est un doux langage et qui
a le son aggreable, retirant aux terminaisons Grecques.
Donnerstag, 15. März 2018
You
are fooling yourself, Philemon, if, with your shining carriage, the great
number of rogues that follow you, and the six beasts that pull you, you think
that anyone has more esteem for you: they push aside the whole outfit that is
beside you in order to reach you yourself, who are nothing but a conceited
fool.
Those people who think they are of higher birth or have more esprit because
they have a large cortège, rich clothes and a magnificent train of followers,
must sometimes be pardoned: they read this conclusion in the faces and eyes of
the people who speak to them.
Tu
te trompes, Philémon, si avec ce carrosse brillant, ce grand nombre de coquins
qui te suivent, et ces six bêtes qui te traînent, tu penses que l'on t'en
estime davantage: l'on écarte tout cet attirail qui t'est étranger, pour
pénétrer jusques à toi, qui n'es qu'un fat.
Ce
n'est pas qu'il faut quelquefois pardonner à celui qui, avec un grand cortège,
un habit riche et un magnifique équipage, s'en croit plus de naissance et plus
d'esprit: il lit cela dans la contenance et dans les yeux de ceux qui lui
parlent.
Du irrst dich,
Philemon, wenn du glaubst, man achte dich höher mit deiner glänzenden Kutsche,
dem Schwarm von Tagedieben, die dir folgen, den sechs Tieren, die dich ziehen:
man schiebt diesen ganzen Aufwand, der ja selbst nichts mit dir zu tun hat,
beiseite und dringt bis in dein Inneres, und da bist du nur ein Geck.
Nicht etwa, dass man
bisweilen Nachsicht üben muss gegen den, der sich mit einem grossen Gefolge,
einem reichen Gewande und einem grossartigen Aufzug vornehmer und geistvoller
glaubt: er liest das in der Haltung und in den Augen der Leute, die mit ihm
sprechen.
Sonntag, 4. März 2018
Après
le mérite personnel, il faut l'avouer, ce sont les éminentes dignités et les
grands titres dont les hommes tirent plus de distinction et plus d'éclat; et
qui ne sait être un Érasme doit penser à être un évêque. Quelques-uns, pour
étendre leur renommée, entassent sur leurs personnes des pairies, des colliers
d'ordre, des primaties, la pourpre, et ils auraient besoin d'une tiare; mais
quel besoin a Trophime d'être cardinal?
Once
a person can't achieve personal merit, he has to get people to admit that he
has it, with the eminent dignities and great titles with which men become so
distinguished and brilliant; and someone who can't be an Erasmus has to think
about becoming a bishop. Some people, to extend their fame, surround themselves
with Peers, the collars of various Orders, the Primaries, purple robes, and
they would need a tiara; but what need does Trophime have of being a cardinal?
Montag, 26. Februar 2018
Ein freier Mann, der keine
Frau hat, kann, wenn er einigen Geist besitzt, sich über den Rang, den ihm seine
äusseren Verhältnisse auferlegen, erheben, sich unter die Welt mischen und mit
den angesehensten Leuten auf gleichem Fusse leben. Das ist weniger leicht, wenn
man gebunden ist: es scheint, dass die Ehe jedem seinen Platz anweist.
Freitag, 16. Februar 2018
4) Die Rolle des Instinkts in der
Geschlechtsliebe.
Aller
Geschlechtsliebe liegt ein durchaus auf das zu Erzeugende gerichteter Instinkt
zum Grunde. Die Natur pflanzt überhaupt den Instinkt da ein, wo das handelnde
Individuum den Zweck zu verstehen unfähig, oder ihn zu verfolgen unwillig sein
würde. Daher pflanzt sie ihn in dem hier betrachteten Fall auch dem Menschen
ein, als welcher den Zweck zwar verstehen könnte, ihn aber nicht mit dem
nötigen Eifer, nämlich sogar auf Kosten seines individuellen Wohls, verfolgen
würde. Also nimmt hier, wie bei allem Instinkt, die Wahrheit die Gestalt des
Wahns an, um auf den Willen zu wirken. Um das Individuum, welches vermöge des
tief in ihm wurzelnden Egoismus nur für egoistische Zwecke empfänglich ist, für
den Bestand und die Beschaffenheit der Gattung in Tätigkeit zu setzen und sogar
der Opfer für den Gattungszweck fähig zu machen, musste die Natur dem
Individuum einen gewissen Wahn einpflanzen, vermöge dessen ihm als ein Gut für
sich selbst erscheint, was in Wahrheit bloß eines für die Gattung ist, so dass
dasselbe dieser dient, während es sich selber zu dienen wähnt. Dieser Wahn ist der
Instinkt. Derselbe ist in den meisten Fällen anzusehen als der Sinn der
Gattung, welcher aber das ihr Frommende nur durch die Täuschung des
Individuums, dass es individuellen Zwecken nachzugehen wähnt, während es in
Wahrheit bloß generelle verfolgt, erreichen kann.
In Folge des Instinkts wirkt bei der
geschlechtlichen Auswahl vor allen Dingen die Rücksicht auf Schönheit des
anderen Individuums, als durch welche der Typus der Gattung möglichst rein und
richtig erhalten wird. Das schwindelnde Entzücken, welches den Mann beim
Anblick eines Weibes von ihm angemessener Schönheit ergreift und ihm die
Vereinigung mit ihr als das höchste Gut vorspiegelt, ist eben der Sinn der
Gattung, welcher, den deutlich ausgedrückten Stempel derselben erkennend, sie
mit diesem perpetuieren möchte. Nächst der Schönheit begehrt (in Folge des
Instinkts) Jeder besonders heftig diejenigen Vollkommenheiten am anderen
Individuum, welche ihm selbst abgehen, ja sogar die Unvollkommenheiten, welche
das Gegenteil seiner eigenen sind.
Die
instinktiv leitenden Rücksichten, welche bei dem geschlechtlichen Wohlgefallen
und der geschlechtlichen Auswahl walten, zerfallen in solche, welche
unmittelbar den Typus der Gattung, d. i. die Schönheit betreffen, in solche,
welche auf psychische Eigenschaften gerichtet sind, und endlich in bloß
relative, welche aus der erforderten Korrektion oder Neutralisation der
Einseitigkeiten und Abnormitäten der beiden Individuen durch einander
hervorgehen.
5) Unabhängigkeit der Geschlechtsliebe von
der Freundschaft.
Weil
die verliebte Leidenschaft sich eigentlich um das zu Erzeugende und dessen
Eigenschaften dreht, kann zwischen zwei jungen Leuten verschiedenen
Geschlechts, vermöge der Übereinstimmung ihrer Gesinnung, ihres Charakters,
ihrer Geistesrichtung, Freundschaft bestehen, ohne dass Geschlechtsliebe sich
einmischte; ja sogar kann in dieser Hinsicht eine gewisse Abneigung zwischen
ihnen vorhanden sein. Der Grund hiervon ist, dass ein von ihnen erzeugtes Kind
körperlich oder geistig disharmonierende Eigenschaften haben, kurz, seine
Existenz und Beschaffenheit den Zwecken des Willens zum Leben, wie er sich in
der Gattung darstellt, nicht entsprechen würde. Im entgegengesetzten Fall kann,
bei Heterogenität der Gesinnung, des Charakters und der Geistesrichtung, und
bei der daraus hervorgehenden Abneigung, ja Feindseligkeit, doch die
Geschlechtsliebe aufkommen und bestehen; wo sie dann über jenes Alles
verblendet; verleitet sie hier zur Ehe, so wird es eine sehr unglückliche.
6) Das Erhabene und Komische in der
Geschlechtsliebe.
Das
Verliebtsein eines Menschen liefert oft komische, mitunter auch tragische
Phänomene; Beides, weil er, vom Geiste der Gattung in Besitz genommen, jetzt
von diesem beherrscht wird und nicht mehr sich selber angehört. Dadurch wird
sein Handeln dem Individuum unangemessen. Was, bei den höheren Graden des
Verliebtseins, seinen Gedanken einen so poetischen und erhabenen Anstrich,
sogar eine transzendente und hyperphysische Richtung gibt, vermöge welcher er
seinen eigentlichen, sehr physischen Zweck ganz aus den Augen zu verlieren
scheint, ist im Grunde Dieses, dass er jetzt vom Geiste der Gattung, dessen
Angelegenheiten unendlich wichtiger, als alle bloß individuellen sind, beseelt
ist. Das Gefühl, in Angelegenheiten von so transzendenter Wichtigkeit zu
handeln, ist es, was den Verliebten so hoch über alles Irdische, ja über sich
selbst emporhebt und seinen sehr physischen Wünschen eine so hyperphysische
Einkleidung gibt, dass die Liebe eine poetische Episode sogar im Leben des
prosaischsten Menschen wird; in welchem letzteren Falle die Sache bisweilen
einen komischen Anstrich gewinnt. — Der Verliebte sucht im Grunde nicht seine
Sache, sondern die eines Dritten, der erst entstehen soll; wiewohl ihn der Wahn
umfängt, als wäre was er sucht seine Sache. Aber gerade dieses
Nicht-seine-Sache-suchen, welches überall der Stempel der Größe ist, gibt auch
der leidenschaftlichen Liebe den Anstrich des Erhabenen und macht sie zum
würdigen Gegenstande der Dichtung. Mittwoch, 31. Januar 2018
1) Worauf der Gegensatz zwischen dem
Eukolos und Dyskolos beruht.
Wie
im Erkennen, so ist auch im Gefühl des Leidens oder Wohlseins ein sehr großer
Teil subjektiv und a priori bestimmt. In jedem Individuum ist nämlich das Maß
des ihm wesentlichen Frohsinns oder Trübsinns durch seine Natur ein für alle
Mal bestimmt, welches Maß sich gleich bleibt, wie sehr auch die äußeren
Umstände wechseln mögen. Sein Leiden und Wohlsein ist demnach nicht von außen,
sondern eben nur durch jenes Maß, jene Anlage bestimmt, welche zwar durch das
physische Befinden einige Ab- und Zunahme zu verschiedenen Zeiten erfahren
kann, im Ganzen aber die selbe bleibt und nichts Anderes ist, als was man sein
Temperament oder seine Grundstimmung nennt. Auf der ursprünglichen
Verschiedenheit dieser beruht der Platonische Gegensatz zwischen dem Eukolos
und Dyskolos, d. i. zwischen dem, der leichten und dem, der schweren Sinnes
ist.
2) Entgegengesetztes Verhalten des Eukolos
und Dyskolos.
Nach
gleicher Möglichkeit des glücklichen und des unglücklichen Ausganges einer
Angelegenheit wird der Dyskolos beim unglücklichen sich ärgern, oder grämen,
beim glücklichen aber sich nicht freuen; der Eukolos hingegen wird über den
unglücklichen sich nicht ärgern, noch grämen, aber über den glücklichen sich
freuen. Wenn dem Dyskolos von zehn Vorhaben neun gelingen, so freut er sich
nicht über diese, sondern ärgert sich über das Eine misslungene; der Eukolos
weiß, im umgekehrten Fall, sich doch mit dem Einen gelungenen zu trösten und
aufzuheitern. Die Motive, auf welche der Selbstmord erfolgt, sind
beim Dyskolos und Eukolos sehr verschieden. Je größer die Dyskolie ist, ein
desto geringerer Anlass reicht hin, Lebensüberdruss und Selbstmord
herbeizuführen; je größer hingegen die Eukolie ist, desto mehr muss im äußeren
Anlass liegen, um zum Selbstmord zu bestimmen, die Schrecken des Todes zu
überwinden.
3) Vorzug des Dyskolos vor dem Eukolos.
Wie
nicht leicht ein Übel ohne alle Kompensation ist, so ergibt sich auch hier,
dass die Dyskoloi, also die finsteren und ängstlichen Charaktere im Ganzen zwar
mehr imaginäre, dafür aber weniger reale Unfälle und Leiden zu überstehen haben
werden, als die heiteren und sorglosen; denn wer Alles schwarz sieht, stets das
Schlimmste befürchtet und demnach seine Vorkehrungen trifft, wird sich nicht so
oft verrechnet haben, als wer stets den Dingen die heitere Farbe und Aussicht
leiht. Montag, 8. Januar 2018
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