4) Die Rolle des Instinkts in der
Geschlechtsliebe.
Aller
Geschlechtsliebe liegt ein durchaus auf das zu Erzeugende gerichteter Instinkt
zum Grunde. Die Natur pflanzt überhaupt den Instinkt da ein, wo das handelnde
Individuum den Zweck zu verstehen unfähig, oder ihn zu verfolgen unwillig sein
würde. Daher pflanzt sie ihn in dem hier betrachteten Fall auch dem Menschen
ein, als welcher den Zweck zwar verstehen könnte, ihn aber nicht mit dem
nötigen Eifer, nämlich sogar auf Kosten seines individuellen Wohls, verfolgen
würde. Also nimmt hier, wie bei allem Instinkt, die Wahrheit die Gestalt des
Wahns an, um auf den Willen zu wirken. Um das Individuum, welches vermöge des
tief in ihm wurzelnden Egoismus nur für egoistische Zwecke empfänglich ist, für
den Bestand und die Beschaffenheit der Gattung in Tätigkeit zu setzen und sogar
der Opfer für den Gattungszweck fähig zu machen, musste die Natur dem
Individuum einen gewissen Wahn einpflanzen, vermöge dessen ihm als ein Gut für
sich selbst erscheint, was in Wahrheit bloß eines für die Gattung ist, so dass
dasselbe dieser dient, während es sich selber zu dienen wähnt. Dieser Wahn ist der
Instinkt. Derselbe ist in den meisten Fällen anzusehen als der Sinn der
Gattung, welcher aber das ihr Frommende nur durch die Täuschung des
Individuums, dass es individuellen Zwecken nachzugehen wähnt, während es in
Wahrheit bloß generelle verfolgt, erreichen kann.Freitag, 16. Februar 2018
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