Freitag, 16. Februar 2018


4) Die Rolle des Instinkts in der Geschlechtsliebe.
Aller Geschlechtsliebe liegt ein durchaus auf das zu Erzeugende gerichteter Instinkt zum Grunde. Die Natur pflanzt überhaupt den Instinkt da ein, wo das handelnde Individuum den Zweck zu verstehen unfähig, oder ihn zu verfolgen unwillig sein würde. Daher pflanzt sie ihn in dem hier betrachteten Fall auch dem Menschen ein, als welcher den Zweck zwar verstehen könnte, ihn aber nicht mit dem nötigen Eifer, nämlich sogar auf Kosten seines individuellen Wohls, verfolgen würde. Also nimmt hier, wie bei allem Instinkt, die Wahrheit die Gestalt des Wahns an, um auf den Willen zu wirken. Um das Individuum, welches vermöge des tief in ihm wurzelnden Egoismus nur für egoistische Zwecke empfänglich ist, für den Bestand und die Beschaffenheit der Gattung in Tätigkeit zu setzen und sogar der Opfer für den Gattungszweck fähig zu machen, musste die Natur dem Individuum einen gewissen Wahn einpflanzen, vermöge dessen ihm als ein Gut für sich selbst erscheint, was in Wahrheit bloß eines für die Gattung ist, so dass dasselbe dieser dient, während es sich selber zu dienen wähnt. Dieser Wahn ist der Instinkt. Derselbe ist in den meisten Fällen anzusehen als der Sinn der Gattung, welcher aber das ihr Frommende nur durch die Täuschung des Individuums, dass es individuellen Zwecken nachzugehen wähnt, während es in Wahrheit bloß generelle verfolgt, erreichen kann.

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