Donnerstag, 17. Dezember 2015


Zunächst erfordert jede Gesellschaft notwendig eine gegenseitige Accommodation und Temperatur; daher wird sie, je größer, desto fader. Ganz er selbst sein darf jeder nur so lange er allein ist: wer also nicht die Einsamkeit liebt, der liebt auch nicht die Freiheit: denn nur wenn man allein ist, ist man frei: Zwang ist der unzertrennliche Gefährte jeder Gesellschaft, und jede fordert Opfer, die umso schwerer fallen, je bedeutender die eigene Individualität ist.

Demgemäß wird jeder in genauer Proportion zum Werte seines eigenen Selbst die Einsamkeit fliehen, ertragen, oder lieben. Denn in ihr fühlt der Jämmerliche seine ganze Jämmerlichkeit, der große Geist seine ganze Größe, kurz, jeder sich, als was er ist.

Ferner, je höher einer auf der Rangliste der Natur steht, desto einsamer steht er, und zwar wesentlich und unvermeidlich. Dann aber ist es eine Wohltat für ihn, wenn die physische Einsamkeit der geistigen entspricht: widrigenfalls dringt die häufige Umgebung heterogener Wesen störend, ja, feindlich auf ihn ein, raubt ihm sein Selbst und hat nichts als Ersatz dafür zu geben.

Sodann, während die Natur zwischen Menschen die weiteste Verschiedenheit, im Moralischen und Intellektuellen, gesetzt hat, stellt die Gesellschaft, diese für nichts achtend, sie alle gleich, oder vielmehr sie setzt an ihre Stelle die künstlichen Unterschiede und Stufen des Standes und Ranges, welche der Rangliste der Natur sehr oft diametral entgegenlaufen. Bei dieser Anordnung stehen sich die, welche die Natur niedrig gestellt hat, sehr gut; die wenigen aber, welche sie hoch stellte, kommen dabei zu kurz; daher diese sich der Gesellschaft zu entziehen pflegen und in jeder, sobald sie zahlreich ist, das Gemeine vorherrscht.

Was den großen Geistern die Gesellschaft verleidet, ist die Gleichheit der Rechte, folglich der Ansprüche, bei der Ungleichheit der Fähigkeiten, folglich der (gesellschaftlichen) Leistungen, der andern. Die sogenannte gute Societät läßt Vorzüge aller Art gelten, nur nicht die geistigen, diese sind sogar Kontrebande. Sie verpflichtet uns, gegen jede Torheit, Narrheit, Verkehrtheit, Stumpfheit, grenzenlose Geduld zu beweisen; persönliche Vorzüge hingegen sollen sich Verzeihung erbetteln, oder sich verbergen; denn die geistige Überlegenheit verletzt durch ihre bloße Existenz, ohne alles Zutun des Willens.

Donnerstag, 26. November 2015


Demnach hat die Gesellschaft, welche man die gute nennt, nicht nur den Nachteil, daß sie uns Menschen darbietet, die wir nicht loben und lieben können, sondern sie läßt auch nicht zu, daß wir selbst seien, wie es unserer Natur angemessen ist; vielmehr nötigt sie uns, des Einklanges mit den anderen wegen, einzuschrumpfen, oder gar uns selbst zu verunstalten. Geistreiche Reden oder Einfälle gehören nur vor geistreiche Gesellschaft: in der gewöhnlichen sind sie geradezu verhaßt; denn um in dieser zu gefallen, ist durchaus notwendig, daß man platt und borniert sei.

In solcher Gesellschaft müssen wir daher mit schwerer Selbstverleugnung dreiviertel unserer selbst aufgeben, um uns den andern zu verähnlichen. Dafür haben wir dann freilich die andern: aber je mehr eigenen Wert einer hat, desto mehr wird er finden, daß hier der Gewinn den Verlust nicht deckt und das Geschäft zu seinem Nachteil ausschlägt; weil die Leute, in der Regel, insolvent sind, d. h. in ihrem Umgang nichts haben, das für die Langweiligkeit, die Beschwerden und Unannehmlichkeiten desselben und für die Selbstverleugnung, die er auflegt, schadlos hielte: demnach ist die allermeiste Gesellschaft so beschaffen, daß, wer sie gegen die Einsamkeit vertauscht, einen guten Handel macht.

Dazu kommt noch, daß die Gesellschaft, um die echte, d. i. die geistige Überlegenheit, welche sie nicht verträgt und die auch schwer zu finden ist, zu ersetzen, eine falsche, konventionelle, auf willkürlichen Satzungen beruhende und traditionell, unter den höheren Ständen sich fortpflanzende, auch, wie die Parole, veränderliche Überlegenheit, beliebig angenommen hat: diese ist, was der gute Ton, le bon ton,  genannt wird. Wenn sie jedoch einmal mit der echten in Kollision gerät, zeigt sich ihre Schwäche. – Zudem: quand le bon ton arrive, le bon sens se retire (Wo der gute Ton sich einstellt, zieht sich der gesunde Menschenverstand zurück).

Samstag, 14. November 2015


Love seduces us through our vanity; hé! how to resist a feeling that embellishes our idea of what we have, gives us back what we have lost and other things that we don't have at all?  

C'est par notre amour-propre que l'amour nous séduit; hé! comment résister à un sentiment qui embellit à nos yeux ce que nous avons, nous rend ce que nous avons perdu et nous donne ce que nous n'avons pas?     

Samstag, 7. November 2015


Quand un homme et une femme ont l'un pour l'autre une passion violente, il me semble toujours que, quels que soient les obstacles qui les séparent, un mari, des parents, etc., les deux amants sont l'un à l'autre, de par la nature, qu'ils appartiennent de droit divin, malgré les lois et les conventions humaines.    

When a man and woman have a violent passion for each other, it seems to me that whatever the obstacles are that separate them, a husband, parents, etc., the two lovers belong to one another, according to nature, by divine right, despite human conventions and laws.  
 
 
 

Wenn ein Mann und eine Frau eine heftige Leidenschaft füreinander haben, so glaube ich immer, dass sie von Natur zusammengehören, dass sie sich trotz aller Hindernisse wie Gatten, Eltern usw. aus göttlichem Recht besitzen, allen Satzungen und menschlichen Übereinkommen zum Trotz.

If you take vanity away from love, too little is left. Once it is purged of vanity, it is a weak convalescent that can hardly lift himself.  

Ôtez l'amour-propre de l'amour, il en reste trop peu de chose. Une fois purgé de vanité, c'est un convalescent affaibli, qui peut à peine se traîner.     

Man nehme der Liebe die Eigenliebe – es bleibt wenig übrig. Von Eitelkeit gereinigt, gleicht sie einem schwachen Rekonvaleszenten, der sich mühsam fortschleppt.

Dienstag, 13. Oktober 2015


Mais, à qui croyrons nous parlant de soy, en une saison si gastée ?

Aber wem werden wir in einer so verderbten Zeit glauben schenken, wenn er von sich selbst spricht ?


Le premier traict de la corruption des mœurs, c’est le bannissement de la verité : car, comme disoit Pindare, l’estre veritable est le commencement d’une grande vertu, et le premier article que Platon demande au gouverneur de sa republique.


Das erste Kennzeichen einreissender Sittenverderbnis ist die Verbannung der Wahrheit : denn, wie Pindar sagte, die Wahrhaftigkeit ist der Anfang einer grossen Tugend, und sie ist die erste Forderung, die Plato an den Leiter seiner Republik stellt.

Nostre verité de maintenant, ce n’est pas ce qui est, mais ce qui se persuade à autruy : comme nous appellons monnoye non celle qui est loyalle seulement, mais la fauce aussi qui a mise. Nostre nation est de long temps reprochée de ce vice : car Salvianus Massiliensis, qui estoit du temps de Valentinian l’Empereur, dict qu’aux François le mentir et se parjurer n’est pas vice, mais une façon de parler. Qui voudroit encherir sur ce tesmoignage, il pourroit dire que ce leur est à present vertu. On s’y forme, on s’y façonne, comme à un exercice d’honneur ; car la dissimulation est des plus notables qualitez de ce siecle.

Donnerstag, 8. Oktober 2015


Nostre intelligence se conduisant par la seule voye de la parolle, celuy qui la fauce, trahit la societé publique. C’est le seul util par le moien duquel se communiquent nos volontez et nos pensées, c’est le truchement de nostre ame : s’il nous faut, nous ne nous tenons plus, nous ne nous entreconnoissons plus. S’il nous trompe, il rompt tout nostre commerce et dissoult toutes les liaisons de nostre police.

Da wir uns untereinander nur durch das Wort zu verständigen vermögen, verrät, wer es fälscht, die menschliche Gemeinschaft. Es ist das einzige Mittel, durch das wir unseren Willen und unsere Gedanken austauschen, es ist der Mittler unserer Seele : wenn wir es verlieren, so haben wir keinen Zusammenhang  und keine Kenntnis mehr voneinander. Wenn es uns betrügt, zerstört es allen unseren Umgang und zerreisst alle Bande unserer Gesellschaft.

Certaines nations des nouvelles Indes (on n’a que faire d’en remarquer les noms, ils ne sont plus ; car jusques à l’entier abolissement des noms et ancienne cognoissance des lieux s’est estandue la desolation de cette conqueste, d’un merveilleux exemple et inouy) offroyent à leurs Dieux du sang humain, mais non autre que tiré de leur langue et oreilles, pour expiation du peché de la mensonge, tant ouye que prononcée.

Gewisse Völker der neuen Welt (es erübrigt sich, ihre Namen zu nennen, sie sind nicht mehr vorhanden ; denn bis zur gänzlichen Vertilgung der Namen und der alten Kunde von ihren Wohnsitzen hat sich die Verwüstung dieser Eroberungen erstreckt, ein unerhörter und entsetzlicher Vorgang) brachten ihren Göttern Menschenblut dar, aber nur solches, das aus ihrer Zunge und ihren Ohren gezapft war, zur Sühne der angehörten wie der gesagten Lügen.

Freitag, 2. Oktober 2015


Ce bon compaignon de Grece disoit que les enfans s’amusent par les osselets, les hommes par les parolles.

Jener gute alte Grieche sagte, die Kinder spielten mit Knöchelchen und die Männer mit Worten.

Dienstag, 15. September 2015

Ils ont fait le théâtre, ces empressés, les machines, les ballets, les vers, la musique, tout le spectacle, jusqu'à la salle où s'est donné le spectacle, j'entends le toit et les quatre murs dès leurs fondements. Qui doute que la chasse sur l'eau, l'enchantement de la Table, la merveille du Labyrinthe ne soient encore de leur invention? J'en juge par le mouvement qu'ils se donnent, et par l'air content dont ils s'applaudissent sur tout le succès. Se je me trompe, et qu'ils n'aient contribué en rien à cette fête si superbe, si galante, si longtemps soutenue, et où un seul a suffi pour le projet et pour la dépense, j'admire deux choses: la tranquillité et le flegme de celui qui a tout remué, comme l'embarras et l'action de ceux qui n'ont rien fait.
They made a theater, these zealots, as well as machines, ballets, verses, music, the whole spectacle, even the room where the spectacle was given, I mean the cieling, the four walls and their foundation. Who doubts that the hunt on the water, the enchantment of the Table, the marvel of the Labyrinth is also of their invention? I judge so by the movement they went into at the time and the happy air with which they congratulated each other on the success of these things. If I am mistaken, and they haven't contributed anything to this celebration, which was so magnificent, so galant and planned for so long, and for which only one person was needed to plan and pay for it, I admire two things: the tranquility and flegme of the person who did everything, and the involvement and action of those who did nothing at all.
 … Täusche ich mich, haben sie in nichts zu diesem grossartigen, glanzvollen, abwechslungsvollen und unerschöpflichen  Feste beigetragen und hat ein einziger genügt, um den Plan zu entwerfen und ihn durchzuführen, so bewundere ich zweierlei:  die Ruhe und die Kaltblütigkeit dessen, der das alles in Bewegung gesetzt hat,  und die Wichtigtuerei und Geschäftigkeit derer, die nichts getan haben.

Mittwoch, 2. September 2015

Le H** G** est immédiatement au-dessous de rien. Il y a bien d'autres ouvrages qui lui ressemblent. Il y a autant d'invention à s'enrichir par un sot livre qu'il y a de sottise à l'acheter: c'est ignorer le goût du peuple que de ne pas hasarder quelquefois de grandes fadaises.

The H** G** is immediately below nothing. There are many works like it. It takes as much fabrication to become rich by a foolish book as it takes stupidity to buy it: a person ignores the taste of the people if he doesn't risk writing extreme nonsense. 

Der H** G** reicht bis unmittelbar an das Nichts heran. Viele andere Werke gleichen ihm darin. Es gehört ebensoviel Erfindungsgabe dazu, sich durch ein dummes Buch zu bereichern, als Dummheit, es zu kaufen: es hiesse, den Geschmack des Volkes zu verkennen, wollte man bisweilen nicht grosse Plattheiten wagen.

Samstag, 29. August 2015

Marot et Rabelais sont inexcusables d'avoir semé l'ordure dans leurs écrits: tous deux avaient assez de génie et de naturel pour pouvoir s'en passer, même à l'égard de ceux qui cherchent moins à admirer qu'à rire dans un auteur. Rabelais surtout est incompréhensible: son livre est une énigme, quoi qu'on veuille dire, inexplicable; c'est une chimère, c'est le visage d'une belle femme avec des pieds et une queue de serpent, ou de quelque autre bête plus difforme; c'est un monstrueux assemblage d'une morale fine et ingénieuse, et d'une sale corruption. Où il est mauvais, il passe bien loin au delà du pire, c'est le charme de la canaille; où il est bon, il va jusques à l'exquis et à l'excellent, il peut être le mets des plus délicats.


Marot and Rabelais are inexcusable for having mixed trash into their works: both had enough genius and natural power to be able to do without it, even among readers who look more to laugh at than admire an author. Rabelais above all is incomprehensible: his book is an enigma, whatever people say, it is inexplicable; it's a chimera, it's the face of a beautiful woman with the feet and tail of a serpent, or of some other misshapen beast; it's a monstrous assemblage of subtle and ingenious morality and of foul corruption. When it is bad, it passes far beyond the worst things, it's the charm of the canaille; when it is good, it is exquisite and excellent, it can be enjoyed by the most delicate tastes. 

Marot und Rabelais sind unentschuldbar, weil sie den Unflat in ihre Schriften gebracht haben. … Rabelais vor allem ist unbegreiflich: sein Buch ist ein unerklärliches Rätsel, was man auch sagen mag, es ist eine Chimäre mit dem Gesichte einer schönen Frau und dem Schwanz einer Schlange oder irgendeines anderen  noch ungestalteren Wesens; es ist ein scheussliches Gemisch aus einer feinen, erfinderischen Moral und einer unsauberen Verdorbenheit. Wo es schlecht ist, lässt es das Schlimmste weit unter sich und wird das Entzücken des rohsten Pöbels: wo es gut ist, reicht es bis zum Ausgewähltesten und Ausgezeichnetsten heran, eine Speise für die Anspruchsvollsten.

Donnerstag, 20. August 2015


9. Sich selber genügen, sich selber alles in allem sein, und sagen können: omnia mea mecum porto, alles meinige trage ich mit mir, ist gewiß für unser Glück die förderlichste Eigenschaft: daher der Ausspruch des Aristoteles: Den Selbstgenügsamen gehört das Glück; – nicht zu oft wiederholt werden kann. (Auch ist es im Wesentlichen derselbe Gedanke, den in einer überaus artigen Wendung die Sentenz Chamforts ausdrückt, welche ich dieser Abhandlung als Motto vorgesetzt habe.) Denn teils darf man, mit einiger Sicherheit, auf niemand zählen, als auf sich selbst, und teils sind die Beschwerden und Nachteile, die Gefahr und der Verdruß, welche die Gesellschaft mit sich führt, unzählig und unausweichbar.

Kein verkehrterer Weg zum Glück, als das Leben in der großen Welt, in Saus und Braus: denn es bezweckt, unser elendes Dasein in eine Succession von Freude, Genuß, Vergnügen zu verwandeln, wobei die Enttäuschung nicht ausbleiben kann; so wenig, wie bei der obligaten Begleitung dazu, dem gegenseitigen einander Belügen.

Wie unser Leib in die Gewänder, so ist unser Geist in Lügen verhüllt. Unser Reden, Thun, unser ganzes Wesen, ist lügenhaft: und erst durch diese Hülle hindurch kann man bisweilen unsere wahre Gesinnung errathen, wie durch die Gewänder hindurch die Gestalt des Leibes.

Sonntag, 9. August 2015

Genie. - Das Wesen des Genies besteht in der Fähigkeit zu jener ganz im Objekt aufgehenden reinen Kontemplation, durch welche die Ideen der Dinge aufgefasst werden. Da nun diese ein gänzliches Vergessen der eigenen Person und ihrer Beziehungen verlangt; so ist Genialität nichts Anderes, als die vollkommenste Objektivität, d. h. objektive Richtung des Geistes, entgegengesetzt der subjektiven, auf die eigene Person, d. i. den Willen, gehenden. Demnach ist Genialität die Fähigkeit, sich rein anschauend zu verhalten, sich in die Anschauung zu verlieren und die Erkenntnis, welche ursprünglich nur zum Dienste des Willens da ist, diesem Dienste zu entziehen, sonach seiner Persönlichkeit sich auf eine Zeit völlig zu entäußern, um als rein erkennendes Subjekt, klares Weltauge übrig zu bleiben; und dieses nicht auf Augenblicke, sondern so anhaltend und mit so viel Besonnenheit, als nötig ist, um das Aufgefasste durch überlegte Kunst zu wiederholen. Damit der Genius in einem Individuum hervortrete, muss diesem ein Maß der Erkenntniskraft zugefallen sein, welches das zum Dienste eines individuellen Willens erforderliche weit übersteigt, welcher frei gewordene Überschuss der Erkenntnis jetzt zum willensreinen Subjekt, zum hellen Spiegel des Wesens der Welt wird.

Im Genie erreicht der freie und daher abnorme Gebrauch des Intellekts den Grad, wo das Erkennen zur Hauptsache, zum Zweck des ganzen Lebens wird, das eigene Dasein hingegen zur Nebensache, zum bloßen Mittel herabsinkt, also das normale Verhältnis sich gänzlich umkehrt. Demnach lebt das Genie im Ganzen genommen mehr in der übrigen Welt mittelst der erkennenden Auffassung derselben, als in seiner eigenen Person. Ihm benimmt die ganz abnorme Erhöhung der Erkenntniskräfte die Möglichkeit, seine Zeit durch das bloße Dasein und dessen Zwecke auszufüllen; sein Geist bedarf beständiger und starker Beschäftigung.

Die Ähnlichkeit, welche zwischen dem Genie und dem Kindesalter Statt findet, beruht auf dem Beiden eigentümlichen Überschuss der Erkenntniskräfte über die Bedürfnisse des Willens und dem daraus entspringenden Vorwalten der bloß erkennenden Tätigkeit. Wirklich ist jedes Kind gewissermaßen ein Genie, und jedes Genie gewissermaßen ein Kind. Die Verwandtschaft Beider zeigt sich zunächst in der Naivität und erhabenen Einfalt, welche ein Grundzug des echten Genies ist; sie tritt außerdem in manchen Zügen an den Tag, so dass eine gewisse Kindlichkeit allerdings zum Charakter des Genies gehört. Jedes Genie ist schon darum ein großes Kind, weil es in die Welt hineinschaut als in ein Fremdes, ein Schauspiel, daher mit objektivem Interesse. Jenes dem Kindesalter natürliche Überwiegen des sensiblen Systems und der erkennenden Tätigkeit erhält sich beim Genie, abnormer Weise, das ganze Leben hindurch, wird also hier ein perennierendes.

Donnerstag, 23. Juli 2015


Les femmes ont des fantaisies, des engouements, quelquefois des goûts. Elles peuvent même s'élever jusqu'aux passions: ce dont elles sont le moins susceptibles, c'est l'attachement. Elles sont faites pour commercer avec nos faiblesses, avec notre folie, mais non avec notre raison. Il existe entre elles et les hommes des sympathies d'épiderme, et très peu de sympathies d'esprit, d'âme et de caractère. C'est ce qui est prouvé par le peu de cas qu'elles dont d'un homme de 40 ans. Je dis, même celles qui sont à peu près de cet âge. Observez que, quand elles lui accordent une préférence, c'est toujours d'après quelques vue malhonnêtes, d'après un calcul d'intérêt ou de vanité, et alors l'exception prouve la règle, et même plus que la règle. Ajoutons que ce n'est pas ici le cas de l'axiome: Qui prouve trop ne prouve rien.     

Women have fantasies, infatuations and sometimes tastes. They can even elevate themselves to passions: they are least susceptible to bonds. They indulge mens weaknesses and follies, but not their reason. They and men have sympathy between their epidermises, and very litte sympathy between their esprit, soul, and character. This is proved by how little attention women give to a man who is 40 years old, even women who are close to this age. Observe that when they show preference for such a man, it's always because of some dishonest design, for calculated self-interest or vanity, and then the exception proves the rule and even more than the rule. This is not the place for the axiom: Who proves too much proves nothing.  

Dienstag, 14. Juli 2015


Kunst. - Nicht bloß die Philosophie, sondern auch die schönen Künste arbeiten im Grunde darauf hin, das Problem des Daseins zu lösen. Denn das wahre Wesen der Dinge, des Lebens, des Daseins hat allein Interesse für den von den Zwecken des Willens frei gewordenen Intellekt. Deshalb ist das Ergebnis jeder rein objektiven, also auch jeder künstlerischen Auffassung der Dinge ein Ausdruck mehr vom Wesen des Lebens und Daseins, eine Antwort mehr auf die Frage: „Was ist das Leben?“ Aber die Künste reden nur die naive und kindliche Sprache der Anschauung, nicht die abstrakte und ernste der Reflexion; ihre Antwort ist daher ein flüchtiges Bild, nicht eine bleibende allgemeine Erkenntnis. Sie gewähren immer nur ein Fragment, ein Beispiel, statt der Regel, nicht das Ganze, als welches nur in der Allgemeinheit des Begriffes gegeben werden kann. Für diesen daher, also für die Reflexion und in abstrakto, eine eben deshalb bleibende und auf immer genügende Beantwortung jener Frage zu geben, — ist die Aufgabe der Philosophie. In den Werken der darstellenden Künste ist zwar alle Weisheit enthalten, jedoch nur virtualiter oder implicite; hingegen dieselbe actualiter und explicite zu liefern ist die Philosophie bemüht, welche in diesem Sinne sich zu jenen verhält, wie der Wein zu den Trauben.

Mittwoch, 1. Juli 2015


Society, which makes very many men smaller, reduces women to nothing.  

La société, qui rapetisse beaucoup les hommes, réduit les femmes à rien. 

In der Gesellschaft werden die meisten Männer klein, von den Frauen bleibt fast nichts übrig.
Women who belong to the dividing line between the classes, who have a hope or mania for becoming something in society, have neither the happiness that comes from nature, nor that which comes from opinion; they are the unhappiest creatures that I know.

Les femmes d'un état mitoyen, qui ont l'espérance ou la manie d'être quelque chose dans le monde, n'ont ni le bonheur de la nature, ni celui de l'opinion; ce sont les plus malheureuses créatures que j'aie connues.

Freitag, 19. Juni 2015


Les autres forment l’homme, je le recite : et en represente un particulier, bien mal formé : et lequel si j’avoy à façonner de nouveau, je ferois vrayement bien autre qu’il n’est : mes-huy c’est fait.

Andere bilden den Menschen; ich schildere ihn und stelle einen Einzelnen dar, der gar übel gebildet ist und den ich, wenn ich ihn neu zu formen hätte, wahrlich ganz anders erschaffen würde, als er ist. Doch es ist getan.  

Or les traits de ma peinture, ne se fourvoyent point, quoy qu’ils se changent et diversifient. Le monde n’est qu’une branloire perenne : Toutes choses y branlent sans cesse, la terre, les rochers du Caucase, les pyramides d’Ægypte : et du branle public, et du leur. La constance mesme n’est autre chose qu’un branle plus languissant. Je ne puis asseurer mon object : il va trouble et chancelant, d’une yvresse naturelle. Je le prens en ce poinct, comme il est, en l’instant que je m’amuse à luy. Je ne peinds pas l’estre, je peinds le passage : non un passage d’aage en autre, ou comme dict le peuple, de sept en sept ans, mais de jour en jour, de minute en minute. Il faut accommoder mon histoire à l’heure. Je pourray tantost changer, non de fortune seulement, mais aussi d’intention : C’est un contrerolle de divers et muables accidens, et d’imaginations irresoluës, et quand il y eschet, contraires : soit que je sois autre moy-mesme, soit que je saisisse les subjects, par autres circonstances, et considerations. Tant y a que je me contredis bien à l’advanture, mais la verité, comme disoit Demades, je ne la contredy point.
Die Züge meines Gemäldes aber verwischen sich nicht, obgleich sie sich ändern und wandeln. Die Welt ist nichts als eine nimmer ruhende Schaukel. Alle Dinge in ihr schwanken fort und fort: die Erde, die Felsen des Kaukasus, die Pyramiden Ägyptens, im allgemeinen Schwanken der Dinge und in ihrem eigenen. Die Beständigkeit selbst ist nichts anderes als ein zaudernderes Schwanken. Ich kann meinen Gegenstand nicht festhalten. Er geht taumelnd und wankend in natürlicher Trunkenheit einher. Ich ergreife ihn in diesem Zustand, wie er ist, in dem Augenblick, in dem ich mich mit ihm beschäftige. Ich zeige nicht das Sein, ich zeige den Übergang; nicht einen Übergang von einem Alter zum andern, oder, wie das Volk sagt, von sieben zu sieben Jahren, sondern von Tag zu Tag, von Minute zu Minute. Ich muß meine Erzählung nach der Stunde richten. Ich könnte alsbald ein anderer werden, nicht nur äußerlich, sondern auch ändern Sinnes. Es ist eine Aufzeichnung verschiedener und veränderlicher Zufälle, unbestimmter, und wenn es sich trifft, auch gegensätzlicher Einfälle: sei es, daß ich selber anders geworden bin, sei es, daß ich die Dinge unter andern Umständen und anderem Winkel betrachte. Indessen gilt, daß ich mir wohl mitunter widerspreche, der Wahrheit aber, wie Demades sagte, widerspreche ich nicht.

Si mon ame pouvoit prendre pied, je ne m’essaierois pas, je me resoudrois : elle est tousjours en apprentissage, et en espreuve.

Wenn meine Seele festen Fuss fassen könnte, so würde ich mich nicht versuchen, ich würde beschliessen: doch sie ist immer in der Lehre und in der Prüfung.

Je propose une vie basse, et sans lustre : C’est tout un, On attache aussi bien toute la philosophie morale, à une vie populaire et privee, qu’à une vie de plus riche estoffe : Chaque homme porte la forme entiere, de l’humaine condition.

Ich trage ein niedriges und ruhmloses Leben vor, doch was verschlägt es. Man gründet ebensowohl die ganze Moralphilosophie auf ein gemeines und namenloses Leben, wie auf ein Leben von reichstem Glanz: jeder Mensch trägt in sich das ganze Bild der Menschlichkeit.

Les autheurs se communiquent au peuple par quelque marque speciale et estrangere : moy le premier, par mon estre universel : comme, Michel de Montaigne : non comme Grammairien ou Poëte, ou Jurisconsulte. Si le monde se plaint dequoy je parle trop de moy, je me plains dequoy il ne pense seulement pas à soy.

Wenn sich die Leute darüber beklagen, dass ich zuviel von mir spreche, so beklage ich mich darüber, dass sie nicht einmal an sich denken.  

Mais est-ce raison, que si particulier en usage, je pretende me rendre public en cognoissance ? Est-il aussi raison, que je produise au monde, où la façon et l’art ont tant de credit et de commandement, des effects de nature et crus et simples, et d’une nature encore bien foiblette ? Est-ce pas faire une muraille sans pierre, ou chose semblable, que de bastir des livres sans science ? Les fantasies de la musique, sont conduits par art, les miennes par sort. Aumoins j’ay cecy selon la discipline, que jamais homme ne traicta subject, qu’il entendist ne cogneust mieux, que je fay celuy que j’ay entrepris : et qu’en celuy là je suis le plus sçavant homme qui vive. Secondement, que jamais aucun ne penetra en sa matiere plus avant, ny en esplucha plus distinctement les membres et suittes : et n’arriva plus exactement et plus plainement, à la fin qu’il s’estoit proposé à sa besongne. Pour la parfaire, je n’ay besoing d’y apporter que la fidelité : celle-là y est, la plus sincere et pure qui se trouve. Je dy vray, non pas tout mon saoul : mais autant que je l’ose dire : Et l’ose un peu plus en vieillissant : car il semble que la coustume concede à cet aage, plus de liberté de bavasser, et d’indiscretion à parler de soy. Il ne peut advenir icy, ce que je voy advenir souvent, que l’artizan et sa besongne se contrarient : Un homme de si honneste conversation, a-il faict un si sot escrit ? Ou, des escrits si sçavans, sont-ils partis d’un homme de si foible conversation ?

Qui a un entretien commun, et ses escrits rares : c’est à dire, que sa capacité est en lieu d’où il l’emprunte, et non en luy. Un personnage sçavant n’est pas sçavant par tout : Mais le suffisant est par tout suffisant, et à ignorer mesme.

Icy nous allons conformément, et tout d’un train, mon livre et moy. Ailleurs, on peut recommander et accuser l’ouvrage, à part de l’ouvrier : icy non : qui touche l’un, touche l’autre.

Wenn einer im Gespräch platt und in seinen Schriften trefflich ist, so will das besagen, dass seine Trefflichkeit da liegt, wo er sie erborgt hat, und nicht in ihm selber. Ein gelehrter Mann ist nicht gelehrt in allen Dingen; aber der Verständige ist verständig überall, selbst im Nichtwissen.

Wir gehen hier einhellig und im gleichen Schritt, mein Buch und ich. Anderswo kann man das Werk unabhängig von seinem Verfasser loben oder schelten; hier nicht: wer das eine vornimmt, nimmt auch den anderen vor.

Donnerstag, 28. Mai 2015


La recommandation que chacun cherche, de vivacité et promptitude d’esprit, je la pretends du reglement ; d’une action esclatante et signalée, ou de quelque particuliere suffisance, je la pretends de l’ordre, correspondance et tranquillité d’opinions et de meurs.

Wo jedermann sich durch die Regsamkeit und Schlagfertigkeit seines Geistes zu empfehlen strebt, suche ich mein Lob in der Mässigung ; wo andere auf ausgezeichnete und aufsehenerregende Taten oder auf irgendwelche ausnehmende Gelehrsamkeit pochen, berufe ich mich auf die Ordnung, die Ausgeglichenheit und Gelassenheit der Meinungen und der Lebensart.

Omnino, si quidquam est decorum, nihil est profecto magis quam aequabilitas universae vitae, tum singularum actionum : quam conservare non possis, si, aliorum naturam imitans, omittas tuam.

Es gibt fürwahr keine grössere Zierde als den Einklang eines ganzen Lebens in all seinen einzelnen Handlungen : ihn könnt ihr nicht bewahren, wenn ihr, indem ihr das Wesen anderer nachäfft, euer eigenes fahren lässt. (Cicero, De officiis, I, 31)

Donnerstag, 21. Mai 2015


Toute la gloire que je pretens de ma vie, c’est de l’avoir vescue tranquille : tranquille non selon Metrodorus, ou Arcesilas, ou Aristippus, mais selon moy. Puis que la philosophie n’a sçeu trouver aucune voye pour la tranquillité, qui fust bonne en commun, que chacun la cherche en son particulier !

Aller Ruhm, den ich für mein Leben beanspruche, ist der, es ruhig durchlebt zu haben ; ruhig nicht nach der Auffassung des Metrodorus oder Arkesilaos oder Aristipp, sondern nach der meinen. Da die Philosophie keinen Pfad zur Ruhe zu finden vermochte, der für alle gangbar ist, so suche sie ein jeder auf seinem eigenen.

Samstag, 2. Mai 2015


A qui doivent Caesar et Alexandre cette grandeur infinie de leur renommée qu’à la fortune ? Combien d’hommes a elle esteint sur le commencement de leur progrés, desquels nous n’avons aucune connoissance, qui y apportoient mesme courage que le leur, si le malheur de leur sort ne les eut arrestez tout court, sur la naissance de leurs entreprinses ! Au travers de tant et si extremes dangers, il ne me souvient point avoir leu que Caesar ait esté jamais blessé. Mille sont morts de moindres perils que le moindre de ceux qu’il franchit. Infinies belles actions se doivent perdre sans tesmoignage avant qu’il en vienne une à profit.

Qui n’est homme de bien que par ce qu’on le sçaura, et par ce qu’on l’en estimera mieux apres l’avoir sceu ; qui ne veut bien faire qu’en condition que sa vertu vienne à la connoissance des hommes : celuy-là n’est pas homme de qui on puisse tirer beaucoup de service.
Wer nur ein Ehrenmann ist, weil man es erfahren und weil man ihn höher schätzen wird, wenn man es erfährt ; wer nur das Rechte tun will, wenn dafür gesorgt ist, dass seine Tugend den Leuten zu Ohren komme : der ist kein Mann, bei dem viel Brauchbares zu holen ist. 

Mittwoch, 29. April 2015


Ein Autor sucht vergebens, sich durch sein Werk Bewunderung zu verschaffen. Die Dummköpfe bewundern manchmal, aber es sind Dummköpfe. Die Leute von Geist tragen in sich die Keime aller Wahrheiten und aller Empfindungen, nichts ist neu für sie; sie bewundern wenig, sie stimmen zu und billigen.
An author looks in vain to make himself admired with his work. Fools sometimes admire authors, but they are fools. People with esprit have stored the beginnings of every truth and feeling in themselves, nothing is new to them; they seldom admire, they approve.   
Un auteur cherche vainement à se faire admirer par son ouvrage. Les sots admirent quelquefois, mais ce sont des sots. Les personnes d'esprit ont en eux les semences de toutes les vérités et de tous les sentiments, rien ne leur est nouveau; ils admirent peu, ils approuvent.

Donnerstag, 23. April 2015

Le philosophe consume sa vie à observer les hommes, et il use ses esprits à en démêler les vices et le ridicule; s'il donne quelque tour à ses pensées, c'est moins par une vanité d'auteur, que pour mettre une vérité qu'il a trouvée dans tout le jour nécessaire pour faire l'impression qui doit servir à son dessein. Quelques lecteurs croient néanmoins le payer avec usure, s'ils disent magistralement qu'ils ont lu son livre, et qu'il y a de l'esprit; mais il leur renvoie tous leurs éloges, qu'il n'a pas cherchés par son travail et par ses veilles. Il porte plus haut ses projets et agit pour un fin plus relevée: il demande des hommes un plus grand et un plus rare succès que les louanges, et même que les récompenses, qui est de les rendre meilleurs.
A philosopher consumes his life in observing men, and he uses his esprit to unravel and ridicule their vices; if he gives some expression to his thoughts, it is less for the vanity of being an author than to make a truth he has seen clearly serve his design. Some readers nevertheless think that they are repaying him with interest if they majestically say that they have read his book, and found esprit; but he leaves all of their praises alone, which he didn't look for with his work and nightly vigils. He carries his project higher and works toward a nobler end: he asks from men a greater and rarer success than praises, and even than any reward, which is to make them better.

Montag, 13. April 2015

Wenn eine Lektüre die Seele erhebt und edle und mutige Empfindungen auslöst, soll man nach keinem anderen Massstab für sein Urteil über das Werk suchen; das Werk ist gut und von einer Hand gemacht, die zu ihrer Arbeit berufen ist.

Quand une lecture vous élève l'esprit, et qu'elle vous inspire des sentiments nobles et courageux, ne cherchez pas une autre règle pour juger l'ouvrage; il est bon, et fait de main d'ouvrier.   
When a piece of writing elevates your spirit, and inspires you with noble and courageous feelings, don't look for another rule whereby to judge it; it is good, and shake the hand of the writer.

Freitag, 10. April 2015

If certain keen and decided people were believed, words would be too verbose to express feelings: you would have to communicate with them in signs, or make yourself understood without speaking. Whatever care you take to be compact and concise, and whatever reputation you have for being so, they will find you diffuse. You must leave it to them to supply everything, and write for nobody else. They understand a phrase from the word that begins it, and a whole chapter from a phrase: if you have read them a single part of your work, that is enough, they have experienced it and understand everything. A web of enigmas would be a pleasure for them to read; and it's unfortunate for them that this maimed style is so rare, and that few writers work toward it. Comparisons of a flood whose course, though rapid, is smooth and uniform, or of a fire that, driven by the wind, spreads far over a forest and consumes oaks and pines, give them no idea of eloquence. Give them a surprising greek fire, or a dazzling bolt of lightening, and they will leave you what is good and beautiful. 
Si certains esprits vifs et décisifs étaient crus, ce serait encore trop que les termes pour exprimer les sentiments: il faudrait leur parler par signes, ou sans parler se faire entendre. Quelque soin qu'on apporte à être serré et concis, et quelque réputation qu'on ait d'être tel, ils vous trouvent diffus. Il faut leur laisser tout à suppléer, et n'écrire que pour eux seuls. Ils conçoivent un période par le mot qui la commence, et par une période tout un chapitre: leur avez-vous lu un seul endroit de l'ouvrage, c'est assez, ils sont dans le fait et entendent l'ouvrage. Un tissu d'énigmes leur serait une lecture divertissante; et c'est une perte pour eux que ce style estropié qui les enlève soit rare, et que peu d'écrivains s'en accommodent. Les comparaisons tirées d'un fleuve dont le cours, quoique rapide, est égal et uniforme, ou d'un embrasement qui, poussé par les vents, s'épand au loin dans un forêt où il consume les chênes et les pins, ne leur fournissent aucune idée de l'éloquence. Montrez-leur un feu grégeois qui les surprenne, ou un éclair qui les éblouisse, ils vous quittent du bon et du beau.

Freitag, 27. März 2015


Um mit vollkommener Besonnenheit zu leben und aus der eigenen Erfahrung alle Belehrung, die sie enthält, herauszuziehen, ist erfordert, daß man oft zurückdenke und was man erlebt, getan, erfahren und dabei empfunden hat rekapituliere, auch sein ehemaliges Urteil mit seinem gegenwärtigen, seinem Vorsatze und Streben mit dem Erfolg und der Befriedigung durch denselben vergleiche. Dies ist die Repetition des Privatissimums, welches jedem die Erfahrung liest. Auch läßt die eigene Erfahrung sich ansehn als der Text; Nachdenken und Kenntnisse als der Kommentar dazu. Viel Nachdenken und Kenntnisse, bei wenig Erfahrung, gleicht den Ausgaben, deren Seiten zwei Zeilen Text und vierzig Zeilen Kommentar darbieten. Viel Erfahrung, bei wenig Nachdenken und geringen Kenntnissen, gleicht den bipontinischen Ausgaben, ohne Noten, welche vieles unverstanden lassen.

Auf die hier gegebene Anempfehlung zielt auch die Regel des Pythagoras, daß man abends, vor dem Einschlafen, durchmustern solle, was man den Tag über getan hat. Wer im Getümmel der Geschäfte, oder Vergnügungen, dahinlebt, ohne je seine Vergangenheit zu ruminieren, vielmehr nur immerfort sein Leben abhaspelt, dem geht die klare Besonnenheit verloren: sein Gemüt wird ein Chaos, und eine gewisse Verworrenheit kommt in seine Gedanken, von welcher alsbald das Abrupte, Fragmentarische, gleichsam Kleingehackte seiner Konversation zeugt. Dies ist um so mehr der Fall je größer die äußre Unruhe, die Menge der Eindrücke, und je geringer die innere Tätigkeit seines Geistes ist.

Hierher gehört die Bemerkung, daß, nach länger Zeit und nachdem die Verhältnisse und Umgebungen, welche auf uns einwirkten, vorübergegangen sind, wir nicht vermögen, unsere damals durch sie erregte Stimmung und Empfindung uns zurückzurufen und zu erneuern: wohl aber können wir unserer eigenen, damals von ihnen hervorgerufenen Äußerungen uns erinnern. Diese nun sind das Resultat, der Ausdruck und der Maßstab jener. Dafür sollte das Gedächtnis, oder das Papier, dergleichen, aus denkwürdigen Zeitpunkten, sorgfältig aufbewahren. Hierzu sind Tagebücher sehr nützlich.

Samstag, 21. März 2015


Alle Beschränkung beglückt. Je enger unser Gesichts-, Wirkungs- und Berührungskreis, desto glücklicher sind wir: je weiter, desto öfter fühlen wir uns gequält, oder geängstigt. Denn mit ihm vermehren und vergrößern sich die Sorgen, Wünsche und Schrecknisse. Darum sind sogar Blinde nicht so unglücklich, wie es uns a priori scheinen muß: dies bezeugt die sanfte, fast heitere Ruhe in ihren Gesichtszügen.

Auch beruht es zum Teil auf dieser Regel, daß die zweite Hälfte des Lebens trauriger ausfällt, als die erste. Denn im Laufe des Lebens wird der Horizont unserer Zwecke und Beziehungen immer weiter: In der Kindheit ist er auf die nächste Umgebung und die engsten Verhältnisse beschränkt; im Jünglingsalter reicht er schon bedeutend weiter; im Mannesalter umfaßt er unsern ganzen Lebenslauf, ja, erstreckt sich oft auf die entferntesten Verhältnisse, auf Staaten und Völker; im Greisen alter umfaßt er die Nachkommen. –

Jede Beschränkung hingegen, sogar die geistige, ist unserm Glücke förderlich. Denn je weniger Erregung des Willens, desto weniger Leiden: und wir wissen, daß das Leiden das Positive, das Glück bloß negativ ist. Beschränktheit des Wirkungskreises benimmt dem Willen die äußeren Veranlassungen zur Erregung; Beschränktheit des Geistes die innern. Nur hat letztere den Nachteil, daß sie der Langenweile die Tür öffnet, welche mittelbar die Quelle unzähliger Leiden wird, indem man, um nur sie zu bannen, nach allem greift, also Zerstreuung, Gesellschaft, Luxus, Spiel, Trunk usw. versucht, welche jedoch Schaden, Ruin und Unglück jeder Art herbeiziehen.
 

Wie sehr hingegen die äußere Beschränkung dem menschlichen Glücke, so weit es gehen kann, förderlich, ja, notwendig sei, ist daran ersichtlich, daß die einzige Dichtungsart, welche glückliche Menschen zu schildern unternimmt, das Idyll, sie stets und wesentlich in höchst beschränkter Lage und Umgebung darstellt. Das Gefühl der Sache liegt auch unserm Wohlgefallen an den sogenannten Genre-Bildern zugrunde. – Demgemäß wird die möglichste Einfachheit unserer Verhältnisse und sogar die Einförmigkeit der Lebensweise, so lange sie nicht Langeweile erzeugt, beglücken; weil sie das Leben selbst, folglich auch die ihm wesentliche Last, am wenigsten spüren läßt, es fließt dahin wie ein Bach, ohne Wellen und Strudel.

Sonntag, 1. März 2015


Je mehr nun aber einem die Furcht Ruhe läßt, desto mehr beunruhigen ihn die Wünsche, die Begierden und Ansprüche. Goethes so beliebtes Lied: »ich hab mein' Sach auf nichts gestellt«, besagt eigentlich, daß erst nachdem der Mensch aus allen möglichen Ansprüchen herausgetrieben und auf das nackte, halbe Dasein zurückgewiesen ist, er derjenigen Geistesruhe teilhaftig wird, welche die Grundlage des menschlichen Glückes ausmacht, indem sie nötig ist, um die Gegenwart, und somit das ganze Leben, genießbar zu finden. Zu eben diesem Zwecke sollten wir stets eingedenk sein, daß der heutige Tag nur einmal kommt und nimmer wieder. Aber wir wähnen, er komme morgen wieder: morgen ist jedoch ein anderer Tag, der auch nur einmal kommt Wir aber vergessen, daß jeder Tag ein integrierender und daher unersetzlicher Teil des Lebens ist, und betrachten ihn vielmehr als unter demselben so enthalten, wie die Individuen unter dem Gemeinbegriff. –

Ebenfalls würden wir die Gegenwart besser würdigen und genießen, wenn wir in guten und gesunden Tagen, uns stets bewußt wären, wie in Krankheiten, oder Betrübnissen, die Erinnerung uns jede schmerz- und entbehrungslose Stunde als unendlich beneidenswert, als ein verlorenes Paradies, als einen verkannten Freund vorhält. Aber wir verleben unsere schönen Tage, ohne sie zu bemerken: erst wenn die schlimmen kommen, wünschen wir jene zurück. Tausend heitere, angenehme Stunden lassen wir, mit verdrießlichem Gesicht, ungenossen an uns vorüberziehen, um nachher, zur trüben Zeit, mit vergeblicher Sehnsucht ihnen nachzuseufzen. Statt dessen sollten wir jede erträgliche Gegenwart, auch die alltägliche, welche wir jetzt so gleichgültig herüberziehen lassen, und wohl gar noch ungeduldig nachschieben, – in Ehren halten, stets eingedenk, daß sie eben jetzt hinüberwallt in jene Apotheose der Vergangenheit, woselbst sie fortan, vom Lichte der Unvergänglichkeit umstrahlt, vom Gedächtnisse aufbewahrt wird, um, wann dieses einst, besonders zur schlimmen Stunde, den Vorhang lüftet, als ein Gegenstand unserer innigen Sehnsucht sich darzustellen.

Freitag, 27. Februar 2015

Eine stolze, edle Seele, die die starken Leidenschaften kennengelernt hat, flieht und fürchtet sie und verschmäht die Galanterie, wie die Seele, die die Freundschaft erfahren hat, die gewöhnlichen Verbindungen und kleinen Interessen verachtet.
Une âme fière et honnête, qui a connu les passions fortes, les fuit, les craint, dédaigne la galanterie; comme l'âme qui a senti l'amitié, dédaigne les liaisons communes et les petits intérêts.

A proud and honest soul who has known strong passions, has fled them and feared them, disdains gallantry; just as a soul that has felt friendship disdains common liaisons and petty self-interests.  

Manche Frau hat sich für ihr Leben unglücklich gemacht, hat sich weggeworfen und entehrt um eines Mannes willen und dann aufgehört, ihn zu lieben, weil er schlecht gepudert war oder seine Nägel schlecht geschnitten hatte oder seine Strümpfe verkehrt angezogen.
Il y a telle femme qui s'est rendue malheureuse pour la vie, qui s'est perdue et déshonorée pour un amant qu'elle a cessé d'aimer parce qu'il a mal ôté sa poudre, ou mal coupé un de ses ongles, ou mis son bas à l'envers.

A certain woman made herself unfortunate for life, was forsaken and dishonored for a lover who she ceased to love because he powdered his face in a way that was ugly, or cut one of his nails in the same way, or put his stockings on inside out.  

Sonntag, 15. Februar 2015


Aber so sehr es uns kränkte, wir wollen es lassen geschehn sein
Und, so schwer es uns wird, den Unmut zähmen im Herzen.

(Homer)

Samstag, 14. Februar 2015


Ein Verliebter ist ein Mann, der liebenswerter sein will als er ist; darum sind fast alle Verliebten lächerlich.

Un homme amoureux est un homme qui veut être plus aimable qu'il ne peut; et voilà pourquoi presque tous les amoureux sont ridicules.     

An amorous man wants to be more pleasing than he can be; and that is why nearly all amorous people are ridiculous.  

Mittwoch, 21. Januar 2015

Ein ernsthafter Autor ist nicht verpflichtet, seinen Geist aufmerksam mit allen abgeschmackten oder schmutzigen oder schlimmen Worten zu füllen, die sich an gewissen Stellen seines Werkes sagen lassen, noch mit allen albernen Anwendungen, die vielleicht ausfindig gemacht werden können – am wenigsten aber, sie um dieser Dinge willen zu unterdrücken. Er ist überzeugt, dass ungeachtet der peinlichsten Genauigkeit, die er auf seine Schriftstellerei verwendet, der kalte Spott der schlechten Spassmacher ein unvermeidliches Übel ist, und dass die besten Dinge ihnen oft nur dazu herhalten müssen, um eine Abgeschmacktheit anzubringen. 
Un auteur sérieux n'est pas obligé de remplir son esprit de toutes les extravagances, de toutes les saletés, de tous les mauvais mots que l'on peut dire, et de toutes les ineptes applications que l'on peut faire au sujet de quelques endroits de son ouvrage, et encore moins de les supprimer. Il est convaincu que quelque scrupuleuse exactitude que l'on ait dans sa manière d'écrire, la raillerie froide de mauvais plaisants est un mal inévitable, et que les meilleures choses ne leur servent souvent qu'à leur faire rencontrer une sottise.
An earnest author is not obliged to fill his soul with all the extravagance, meanness, and bad names that people give his work, nor with all the inept interpretations that people attribute to certain parts, still less suppress them. He is convinced that whatever scrupulous precision that a person has in his manner of writing, the tasteless mockery of jokers is an inevitable evil, and that the best things often only give them an opportunity to find something foolish.   

Montag, 12. Januar 2015

Ein Werk mag der Vollkommenheit noch so nahe kommen, es wird wie ein Nichts inmitten der Kritik dahinschmelzen, wenn sein Autor allen Beurteilern glauben und jede Stelle streichen wollte, die einem von ihnen nicht gefällt.
No work is so accomplished that it wouldn't be completely destroyed by criticism if its author believed all of the people critiquing it, and removed each part that they liked the least. 

Sonntag, 11. Januar 2015

Théocrine sait des choses assez inutiles; il a des sentiments toujours singulier; il est moins profond que méthodique; il n'exerce que sa mémoire; il est abstrait, dédaigneux, et il semble toujours rire en lui-même de ceux qu'il croit ne le valoir pas. Le hasard fait que je lui lis on ouvrage, il l'écoute. Est-il lu, il me parle du sien. « Et du vôtre, me direz-vous, qu'en pense-t-il? » -- Je vous l'ai déjà dit, il me parle du sien.   
Théocrine knows things that are very useless; his feelings are always singular; he is less profound than methodical; he only exercises his memory; he is abstract, disdainful, and he always seems to be laughing inside himself at people who he thinks are not worth enough to be laughed at. By chance, I read my work to him, and he listened. Once I was done, he talked to me about his. "And what did he think about yours?" you ask me. -- I already told you, he talked to me about his.   

Samstag, 3. Januar 2015


In gewissen Dingen ist die Mittelmässigkeit unerträglich: so in der Dichtkunst, der Musik, der Malerei, der öffentlichen Beredsamkeit. Welche Qual, einen mittelmässigen Vortrag mit Schwulst, mittelmässige Verse mit dem ganzen Schwung eines schlechten Dichters vortragen zu hören!
Dieselbe Wertschätzung der Genauigkeit, die uns gute Sachen schreiben lässt, bewirkt auch, dass wir fürchten, sie seien nicht gut genug, um gelesen zu werden.
Ein mittelmässiger Geist glaubt, prachtvoll zu schreiben; ein guter, brauchbar.