Zunächst
erfordert jede Gesellschaft notwendig eine gegenseitige Accommodation und
Temperatur; daher wird sie, je größer, desto fader. Ganz er selbst sein darf
jeder nur so lange er allein ist: wer also nicht die Einsamkeit liebt, der
liebt auch nicht die Freiheit: denn nur wenn man allein ist, ist man frei:
Zwang ist der unzertrennliche Gefährte jeder Gesellschaft, und jede fordert
Opfer, die umso schwerer fallen, je bedeutender die eigene Individualität ist.
Donnerstag, 17. Dezember 2015
Ferner,
je höher einer auf der Rangliste der Natur steht, desto einsamer steht er, und
zwar wesentlich und unvermeidlich. Dann aber ist es eine Wohltat für ihn, wenn
die physische Einsamkeit der geistigen entspricht: widrigenfalls dringt die
häufige Umgebung heterogener Wesen störend, ja, feindlich auf ihn ein, raubt
ihm sein Selbst und hat nichts als Ersatz dafür zu geben.
Sodann,
während die Natur zwischen Menschen die weiteste Verschiedenheit, im
Moralischen und Intellektuellen, gesetzt hat, stellt die Gesellschaft, diese
für nichts achtend, sie alle gleich, oder vielmehr sie setzt an ihre Stelle die
künstlichen Unterschiede und Stufen des Standes und Ranges, welche der Rangliste
der Natur sehr oft diametral entgegenlaufen. Bei dieser Anordnung stehen sich
die, welche die Natur niedrig gestellt hat, sehr gut; die wenigen aber, welche
sie hoch stellte, kommen dabei zu kurz; daher diese sich der Gesellschaft zu
entziehen pflegen und in jeder, sobald sie zahlreich ist, das Gemeine
vorherrscht.
Was
den großen Geistern die Gesellschaft verleidet, ist die Gleichheit der Rechte,
folglich der Ansprüche, bei der Ungleichheit der Fähigkeiten, folglich der
(gesellschaftlichen) Leistungen, der andern. Die sogenannte gute Societät läßt
Vorzüge aller Art gelten, nur nicht die geistigen, diese sind sogar
Kontrebande. Sie verpflichtet uns, gegen jede Torheit, Narrheit, Verkehrtheit,
Stumpfheit, grenzenlose Geduld zu beweisen; persönliche Vorzüge hingegen sollen
sich Verzeihung erbetteln, oder sich verbergen; denn die geistige Überlegenheit
verletzt durch ihre bloße Existenz, ohne alles Zutun des Willens.
Donnerstag, 26. November 2015
Demnach
hat die Gesellschaft, welche man die gute nennt, nicht nur den Nachteil, daß
sie uns Menschen darbietet, die wir nicht loben und lieben können, sondern sie
läßt auch nicht zu, daß wir selbst seien, wie es unserer Natur angemessen ist;
vielmehr nötigt sie uns, des Einklanges mit den anderen wegen, einzuschrumpfen,
oder gar uns selbst zu verunstalten. Geistreiche Reden oder Einfälle gehören
nur vor geistreiche Gesellschaft: in der gewöhnlichen sind sie geradezu
verhaßt; denn um in dieser zu gefallen, ist durchaus notwendig, daß man platt
und borniert sei.
In
solcher Gesellschaft müssen wir daher mit schwerer Selbstverleugnung
dreiviertel unserer selbst aufgeben, um uns den andern zu verähnlichen. Dafür
haben wir dann freilich die andern: aber je mehr eigenen Wert einer hat, desto
mehr wird er finden, daß hier der Gewinn den Verlust nicht deckt und das
Geschäft zu seinem Nachteil ausschlägt; weil die Leute, in der Regel, insolvent
sind, d. h. in ihrem Umgang nichts haben, das für die Langweiligkeit, die
Beschwerden und Unannehmlichkeiten desselben und für die Selbstverleugnung, die
er auflegt, schadlos hielte: demnach ist die allermeiste Gesellschaft so
beschaffen, daß, wer sie gegen die Einsamkeit vertauscht, einen guten Handel
macht.
Dazu
kommt noch, daß die Gesellschaft, um die echte, d. i. die geistige
Überlegenheit, welche sie nicht verträgt und die auch schwer zu finden ist, zu
ersetzen, eine falsche, konventionelle, auf willkürlichen Satzungen beruhende
und traditionell, unter den höheren Ständen sich fortpflanzende, auch, wie die
Parole, veränderliche Überlegenheit, beliebig angenommen hat: diese ist, was
der gute Ton, le bon ton, genannt wird. Wenn sie jedoch einmal mit der
echten in Kollision gerät, zeigt sich ihre Schwäche. – Zudem: quand le bon ton arrive, le bon sens se
retire (Wo der gute Ton sich einstellt, zieht sich der gesunde Menschenverstand
zurück).
Samstag, 14. November 2015
Samstag, 7. November 2015
Quand un homme et une femme ont l'un pour l'autre
une passion violente, il me semble toujours que, quels que soient les obstacles
qui les séparent, un mari, des parents, etc., les deux amants sont l'un à
l'autre, de par la nature, qu'ils appartiennent de droit divin, malgré les lois
et les conventions humaines.
Dienstag, 13. Oktober 2015
Nostre verité de
maintenant, ce n’est pas ce qui est, mais ce qui se persuade à autruy : comme
nous appellons monnoye non celle qui est loyalle seulement, mais la fauce aussi
qui a mise. Nostre nation est de long temps reprochée de ce vice : car
Salvianus Massiliensis, qui estoit du temps de Valentinian l’Empereur, dict
qu’aux François le mentir et se parjurer n’est pas vice, mais une façon de
parler. Qui voudroit encherir sur ce tesmoignage, il pourroit dire que ce leur
est à present vertu. On s’y forme, on s’y façonne, comme à un exercice
d’honneur ; car la dissimulation est des plus notables qualitez de ce siecle.
Donnerstag, 8. Oktober 2015
Nostre intelligence
se conduisant par la seule voye de la parolle, celuy qui la fauce, trahit la
societé publique. C’est le seul util par le moien duquel se communiquent nos
volontez et nos pensées, c’est le truchement de nostre ame : s’il nous faut,
nous ne nous tenons plus, nous ne nous entreconnoissons plus. S’il nous trompe,
il rompt tout nostre commerce et dissoult toutes les liaisons de nostre police.
Da wir uns
untereinander nur durch das Wort zu verständigen vermögen, verrät, wer es
fälscht, die menschliche Gemeinschaft. Es ist das einzige Mittel, durch das wir
unseren Willen und unsere Gedanken austauschen, es ist der Mittler unserer
Seele : wenn wir es verlieren, so haben wir keinen Zusammenhang und keine Kenntnis mehr voneinander. Wenn es
uns betrügt, zerstört es allen unseren Umgang und zerreisst alle Bande unserer
Gesellschaft.
Certaines nations
des nouvelles Indes (on n’a que faire d’en remarquer les noms, ils ne sont plus
; car jusques à l’entier abolissement des noms et ancienne cognoissance des
lieux s’est estandue la desolation de cette conqueste, d’un merveilleux exemple
et inouy) offroyent à leurs Dieux du sang humain, mais non autre que tiré de
leur langue et oreilles, pour expiation du peché de la mensonge, tant ouye que
prononcée.
Gewisse Völker der
neuen Welt (es erübrigt sich, ihre Namen zu nennen, sie sind nicht mehr
vorhanden ; denn bis zur gänzlichen Vertilgung der Namen und der alten
Kunde von ihren Wohnsitzen hat sich die Verwüstung dieser Eroberungen
erstreckt, ein unerhörter und entsetzlicher Vorgang) brachten ihren Göttern
Menschenblut dar, aber nur solches, das aus ihrer Zunge und ihren Ohren gezapft
war, zur Sühne der angehörten wie der gesagten Lügen.
Freitag, 2. Oktober 2015
Dienstag, 15. September 2015
Ils ont fait le théâtre, ces empressés, les machines, les ballets, les
vers, la musique, tout le spectacle, jusqu'à la salle où s'est donné le
spectacle, j'entends le toit et les quatre murs dès leurs fondements. Qui doute
que la chasse sur l'eau, l'enchantement de la Table, la merveille du Labyrinthe
ne soient encore de leur invention? J'en juge par le mouvement qu'ils se
donnent, et par l'air content dont ils s'applaudissent sur tout le succès. Se
je me trompe, et qu'ils n'aient contribué en rien à cette fête si superbe, si
galante, si longtemps soutenue, et où un seul a suffi pour le projet et pour la
dépense, j'admire deux choses: la tranquillité et le flegme de celui qui a tout
remué, comme l'embarras et l'action de ceux qui n'ont rien fait.
They made a theater, these zealots, as well as machines, ballets,
verses, music, the whole spectacle, even the room where the spectacle was
given, I mean the cieling, the four walls and their foundation. Who
doubts that the hunt on the water, the enchantment of the Table, the
marvel of the Labyrinth is also of their invention? I judge so by the
movement they went into at the time and the happy air with which they
congratulated each other on the success of these things. If I am mistaken, and
they haven't contributed anything to this celebration, which was so
magnificent, so galant and planned for so long, and for which
only one person was needed to plan and pay for it, I admire two things: the
tranquility and flegme of the person who did everything, and the
involvement and action of those who did nothing at all.
… Täusche ich mich, haben sie in
nichts zu diesem grossartigen, glanzvollen, abwechslungsvollen und
unerschöpflichen Feste beigetragen und
hat ein einziger genügt, um den Plan zu entwerfen und ihn durchzuführen, so
bewundere ich zweierlei: die Ruhe und
die Kaltblütigkeit dessen, der das alles in Bewegung gesetzt hat, und die Wichtigtuerei und Geschäftigkeit
derer, die nichts getan haben.
Mittwoch, 2. September 2015
Der H** G** reicht bis unmittelbar an das Nichts heran. Viele andere
Werke gleichen ihm darin. Es gehört ebensoviel Erfindungsgabe dazu, sich durch
ein dummes Buch zu bereichern, als Dummheit, es zu kaufen: es hiesse, den
Geschmack des Volkes zu verkennen, wollte man bisweilen nicht grosse
Plattheiten wagen.
Samstag, 29. August 2015
Marot et Rabelais sont inexcusables d'avoir semé l'ordure dans leurs
écrits: tous deux avaient assez de génie et de naturel pour pouvoir s'en
passer, même à l'égard de ceux qui cherchent moins à admirer qu'à rire dans un
auteur. Rabelais surtout est incompréhensible: son livre est une énigme, quoi
qu'on veuille dire, inexplicable; c'est une chimère, c'est le visage d'une
belle femme avec des pieds et une queue de serpent, ou de quelque autre bête
plus difforme; c'est un monstrueux assemblage d'une morale fine et ingénieuse,
et d'une sale corruption. Où il est mauvais, il passe bien loin au delà du pire,
c'est le charme de la canaille; où il est bon, il va jusques à l'exquis et à
l'excellent, il peut être le mets des plus délicats.
Marot and Rabelais are
inexcusable for having mixed trash into their works: both had enough genius and
natural power to be able to do without it, even among readers who look
more to laugh at than admire an author. Rabelais above all is incomprehensible:
his book is an enigma, whatever people say, it is inexplicable; it's
a chimera, it's the face of a beautiful woman with the feet and tail of a
serpent, or of some other misshapen beast; it's a monstrous assemblage of
subtle and ingenious morality and of foul corruption. When it is bad, it passes
far beyond the worst things, it's the charm of the canaille; when it is good,
it is exquisite and excellent, it can be enjoyed by the most delicate tastes.
Marot und Rabelais sind unentschuldbar, weil sie den Unflat in ihre
Schriften gebracht haben. … Rabelais vor allem ist unbegreiflich: sein Buch ist
ein unerklärliches Rätsel, was man auch sagen mag, es ist eine Chimäre mit dem
Gesichte einer schönen Frau und dem Schwanz einer Schlange oder irgendeines
anderen noch ungestalteren Wesens; es
ist ein scheussliches Gemisch aus einer feinen, erfinderischen Moral und einer
unsauberen Verdorbenheit. Wo es schlecht ist, lässt es das Schlimmste weit
unter sich und wird das Entzücken des rohsten Pöbels: wo es gut ist, reicht es
bis zum Ausgewähltesten und Ausgezeichnetsten heran, eine Speise für die
Anspruchsvollsten.
Donnerstag, 20. August 2015
9. Sich selber genügen, sich selber alles in allem sein, und
sagen können: omnia mea mecum porto, alles meinige trage ich mit mir, ist gewiß
für unser Glück die förderlichste Eigenschaft: daher der Ausspruch des
Aristoteles: Den Selbstgenügsamen gehört das Glück; – nicht zu oft wiederholt
werden kann. (Auch ist es im Wesentlichen derselbe Gedanke, den in einer
überaus artigen Wendung die Sentenz Chamforts ausdrückt, welche ich dieser
Abhandlung als Motto vorgesetzt habe.) Denn teils darf man, mit einiger
Sicherheit, auf niemand zählen, als auf sich selbst, und teils sind die
Beschwerden und Nachteile, die Gefahr und der Verdruß, welche die Gesellschaft
mit sich führt, unzählig und unausweichbar.
Kein verkehrterer Weg zum Glück, als das Leben in der großen
Welt, in Saus und Braus: denn es bezweckt, unser elendes Dasein in eine
Succession von Freude, Genuß, Vergnügen zu verwandeln, wobei die Enttäuschung
nicht ausbleiben kann; so wenig, wie bei der obligaten Begleitung dazu, dem
gegenseitigen einander Belügen.
Sonntag, 9. August 2015
Genie. - Das Wesen des Genies besteht in der Fähigkeit zu jener ganz im
Objekt aufgehenden reinen Kontemplation, durch welche die Ideen der Dinge
aufgefasst werden. Da nun diese ein gänzliches Vergessen der eigenen Person und
ihrer Beziehungen verlangt; so ist Genialität nichts Anderes, als die
vollkommenste Objektivität, d. h. objektive Richtung des Geistes,
entgegengesetzt der subjektiven, auf die eigene Person, d. i. den Willen,
gehenden. Demnach ist Genialität die Fähigkeit, sich rein anschauend zu
verhalten, sich in die Anschauung zu verlieren und die Erkenntnis, welche
ursprünglich nur zum Dienste des Willens da ist, diesem Dienste zu entziehen,
sonach seiner Persönlichkeit sich auf eine Zeit völlig zu entäußern, um als
rein erkennendes Subjekt, klares Weltauge übrig zu bleiben; und dieses nicht
auf Augenblicke, sondern so anhaltend und mit so viel Besonnenheit, als nötig
ist, um das Aufgefasste durch überlegte Kunst zu wiederholen. Damit der Genius
in einem Individuum hervortrete, muss diesem ein Maß der Erkenntniskraft
zugefallen sein, welches das zum Dienste eines individuellen Willens
erforderliche weit übersteigt, welcher frei gewordene Überschuss der Erkenntnis
jetzt zum willensreinen Subjekt, zum hellen Spiegel des Wesens der Welt wird.
Im Genie erreicht der freie und daher
abnorme Gebrauch des Intellekts den Grad, wo das Erkennen zur Hauptsache, zum
Zweck des ganzen Lebens wird, das eigene Dasein hingegen zur Nebensache, zum
bloßen Mittel herabsinkt, also das normale Verhältnis sich gänzlich umkehrt.
Demnach lebt das Genie im Ganzen genommen mehr in der übrigen Welt mittelst der
erkennenden Auffassung derselben, als in seiner eigenen Person. Ihm benimmt die
ganz abnorme Erhöhung der Erkenntniskräfte die Möglichkeit, seine Zeit durch
das bloße Dasein und dessen Zwecke auszufüllen; sein Geist bedarf beständiger
und starker Beschäftigung.
Die Ähnlichkeit, welche zwischen dem Genie
und dem Kindesalter Statt findet, beruht auf dem Beiden eigentümlichen
Überschuss der Erkenntniskräfte über die Bedürfnisse des Willens und dem daraus
entspringenden Vorwalten der bloß erkennenden Tätigkeit. Wirklich ist jedes
Kind gewissermaßen ein Genie, und jedes Genie gewissermaßen ein Kind. Die
Verwandtschaft Beider zeigt sich zunächst in der Naivität und erhabenen
Einfalt, welche ein Grundzug des echten Genies ist; sie tritt außerdem in
manchen Zügen an den Tag, so dass eine gewisse Kindlichkeit allerdings zum
Charakter des Genies gehört. Jedes Genie ist schon darum ein großes Kind, weil
es in die Welt hineinschaut als in ein Fremdes, ein Schauspiel, daher mit
objektivem Interesse. Jenes dem Kindesalter natürliche Überwiegen des sensiblen
Systems und der erkennenden Tätigkeit erhält sich beim Genie, abnormer Weise,
das ganze Leben hindurch, wird also hier ein perennierendes.
Donnerstag, 23. Juli 2015
Les femmes ont des fantaisies, des engouements,
quelquefois des goûts. Elles peuvent même s'élever jusqu'aux passions: ce dont
elles sont le moins susceptibles, c'est l'attachement. Elles sont faites pour
commercer avec nos faiblesses, avec notre folie, mais non avec notre raison. Il
existe entre elles et les hommes des sympathies d'épiderme, et très peu de
sympathies d'esprit, d'âme et de caractère. C'est ce qui est prouvé par le peu
de cas qu'elles dont d'un homme de 40 ans. Je dis, même celles qui sont à peu
près de cet âge. Observez que, quand elles lui accordent une préférence, c'est
toujours d'après quelques vue malhonnêtes, d'après un calcul d'intérêt ou de
vanité, et alors l'exception prouve la règle, et même plus que la règle.
Ajoutons que ce n'est pas ici le cas de l'axiome: Qui prouve trop ne prouve
rien.
Women have fantasies, infatuations and sometimes
tastes. They can even elevate themselves to passions: they are least
susceptible to bonds. They indulge mens weaknesses and follies, but not their
reason. They and men have sympathy between their epidermises, and very litte
sympathy between their esprit, soul, and character. This is proved by how
little attention women give to a man who is 40 years old, even women who are
close to this age. Observe that when they show preference for such a man, it's always
because of some dishonest design, for calculated self-interest or vanity, and
then the exception proves the rule and even more than the rule. This is not the
place for the axiom: Who proves too much proves nothing.
Dienstag, 14. Juli 2015
Kunst.
- Nicht bloß die Philosophie, sondern auch die schönen Künste arbeiten im
Grunde darauf hin, das Problem des Daseins zu lösen. Denn das wahre Wesen der
Dinge, des Lebens, des Daseins hat allein Interesse für den von den Zwecken des
Willens frei gewordenen Intellekt. Deshalb ist das Ergebnis jeder rein
objektiven, also auch jeder künstlerischen Auffassung der Dinge ein Ausdruck
mehr vom Wesen des Lebens und Daseins, eine Antwort mehr auf die Frage: „Was ist das Leben?“ Aber die Künste
reden nur die naive und kindliche Sprache der Anschauung, nicht die abstrakte
und ernste der Reflexion; ihre Antwort ist daher ein flüchtiges Bild, nicht
eine bleibende allgemeine Erkenntnis. Sie gewähren immer nur ein Fragment, ein
Beispiel, statt der Regel, nicht das Ganze, als welches nur in der
Allgemeinheit des Begriffes gegeben werden kann. Für diesen daher, also für die
Reflexion und in abstrakto, eine eben
deshalb bleibende und auf immer genügende Beantwortung jener Frage zu geben, —
ist die Aufgabe der Philosophie. In den Werken der darstellenden Künste ist
zwar alle Weisheit enthalten, jedoch nur virtualiter
oder implicite; hingegen dieselbe actualiter und explicite zu liefern ist die Philosophie bemüht, welche in diesem
Sinne sich zu jenen verhält, wie der Wein zu den Trauben.
Mittwoch, 1. Juli 2015
Freitag, 19. Juni 2015
Or les
traits de ma peinture, ne se fourvoyent point, quoy qu’ils se changent et
diversifient. Le monde n’est qu’une branloire perenne : Toutes choses y
branlent sans cesse, la terre, les rochers du Caucase, les pyramides
d’Ægypte : et du branle public, et du leur. La constance mesme n’est autre
chose qu’un branle plus languissant. Je ne puis asseurer mon object : il
va trouble et chancelant, d’une yvresse naturelle. Je le prens en ce poinct,
comme il est, en l’instant que je m’amuse à luy. Je ne peinds pas l’estre, je
peinds le passage : non un passage d’aage en autre, ou comme dict le
peuple, de sept en sept ans, mais de jour en jour, de minute en minute. Il faut
accommoder mon histoire à l’heure. Je pourray tantost changer, non de fortune
seulement, mais aussi d’intention : C’est un contrerolle de divers et muables
accidens, et d’imaginations irresoluës, et quand il y eschet, contraires :
soit que je sois autre moy-mesme, soit que je saisisse les subjects, par autres
circonstances, et considerations. Tant y a que je me contredis bien à
l’advanture, mais la verité, comme disoit Demades, je ne la contredy point.
Die Züge meines Gemäldes aber verwischen sich
nicht, obgleich sie sich ändern und wandeln. Die Welt ist nichts als eine
nimmer ruhende Schaukel. Alle Dinge in ihr schwanken fort und fort: die Erde,
die Felsen des Kaukasus, die Pyramiden Ägyptens, im allgemeinen Schwanken der
Dinge und in ihrem eigenen. Die Beständigkeit selbst ist nichts anderes als ein
zaudernderes Schwanken. Ich kann meinen Gegenstand nicht festhalten. Er geht
taumelnd und wankend in natürlicher Trunkenheit einher. Ich ergreife ihn in
diesem Zustand, wie er ist, in dem Augenblick, in dem ich mich mit ihm
beschäftige. Ich zeige nicht das Sein, ich zeige den Übergang; nicht einen
Übergang von einem Alter zum andern, oder, wie das Volk sagt, von sieben zu
sieben Jahren, sondern von Tag zu Tag, von Minute zu Minute. Ich muß meine
Erzählung nach der Stunde richten. Ich könnte alsbald ein anderer werden, nicht
nur äußerlich, sondern auch ändern Sinnes. Es ist eine Aufzeichnung
verschiedener und veränderlicher Zufälle, unbestimmter, und wenn es sich
trifft, auch gegensätzlicher Einfälle: sei es, daß ich selber anders geworden
bin, sei es, daß ich die Dinge unter andern Umständen und anderem Winkel
betrachte. Indessen gilt, daß ich mir wohl mitunter widerspreche, der Wahrheit
aber, wie Demades sagte, widerspreche ich nicht.
Les
autheurs se communiquent au peuple par quelque marque speciale et
estrangere : moy le premier, par mon estre universel : comme, Michel
de Montaigne : non comme Grammairien ou Poëte, ou Jurisconsulte. Si le
monde se plaint dequoy je parle trop de moy, je me plains dequoy il ne pense
seulement pas à soy.
Wenn sich
die Leute darüber beklagen, dass ich zuviel von mir spreche, so beklage ich
mich darüber, dass sie nicht einmal an sich denken.
Mais
est-ce raison, que si particulier en usage, je pretende me rendre public en
cognoissance ? Est-il aussi raison, que je produise au monde, où la façon
et l’art ont tant de credit et de commandement, des effects de nature et crus
et simples, et d’une nature encore bien foiblette ? Est-ce pas faire une
muraille sans pierre, ou chose semblable, que de bastir des livres sans
science ? Les fantasies de la musique, sont conduits par art, les miennes
par sort. Aumoins j’ay cecy selon la discipline, que jamais homme ne traicta
subject, qu’il entendist ne cogneust mieux, que je fay celuy que j’ay
entrepris : et qu’en celuy là je suis le plus sçavant homme qui vive.
Secondement, que jamais aucun ne penetra en sa matiere plus avant, ny en
esplucha plus distinctement les membres et suittes : et n’arriva plus
exactement et plus plainement, à la fin qu’il s’estoit proposé à sa besongne.
Pour la parfaire, je n’ay besoing d’y apporter que la fidelité : celle-là
y est, la plus sincere et pure qui se trouve. Je dy vray, non pas tout mon
saoul : mais autant que je l’ose dire : Et l’ose un peu plus en
vieillissant : car il semble que la coustume concede à cet aage, plus de
liberté de bavasser, et d’indiscretion à parler de soy. Il ne peut advenir icy,
ce que je voy advenir souvent, que l’artizan et sa besongne se
contrarient : Un homme de si honneste conversation, a-il faict un si sot
escrit ? Ou, des escrits si sçavans, sont-ils partis d’un homme de si
foible conversation ?
Qui a un
entretien commun, et ses escrits rares : c’est à dire, que sa capacité est
en lieu d’où il l’emprunte, et non en luy. Un personnage sçavant n’est pas
sçavant par tout : Mais le suffisant est par tout suffisant, et à ignorer
mesme.
Icy nous
allons conformément, et tout d’un train, mon livre et moy. Ailleurs, on peut
recommander et accuser l’ouvrage, à part de l’ouvrier : icy non : qui
touche l’un, touche l’autre.
Wenn einer
im Gespräch platt und in seinen Schriften trefflich ist, so will das besagen,
dass seine Trefflichkeit da liegt, wo er sie erborgt hat, und nicht in ihm
selber. Ein gelehrter Mann ist nicht gelehrt in allen Dingen; aber der
Verständige ist verständig überall, selbst im Nichtwissen.
Wir gehen
hier einhellig und im gleichen Schritt, mein Buch und ich. Anderswo kann man
das Werk unabhängig von seinem Verfasser loben oder schelten; hier nicht: wer
das eine vornimmt, nimmt auch den anderen vor.
Donnerstag, 28. Mai 2015
Wo jedermann sich
durch die Regsamkeit und Schlagfertigkeit seines Geistes zu empfehlen strebt,
suche ich mein Lob in der Mässigung ; wo andere auf ausgezeichnete und
aufsehenerregende Taten oder auf irgendwelche ausnehmende Gelehrsamkeit pochen,
berufe ich mich auf die Ordnung, die Ausgeglichenheit und Gelassenheit der
Meinungen und der Lebensart.
Donnerstag, 21. Mai 2015
Toute la gloire que
je pretens de ma vie, c’est de l’avoir vescue tranquille : tranquille non selon
Metrodorus, ou Arcesilas, ou Aristippus, mais selon moy. Puis que la philosophie
n’a sçeu trouver aucune voye pour la tranquillité, qui fust bonne en commun,
que chacun la cherche en son particulier !
Aller Ruhm, den ich
für mein Leben beanspruche, ist der, es ruhig durchlebt zu haben ; ruhig
nicht nach der Auffassung des Metrodorus oder Arkesilaos oder Aristipp, sondern
nach der meinen. Da die Philosophie keinen Pfad zur Ruhe zu finden vermochte,
der für alle gangbar ist, so suche sie ein jeder auf seinem eigenen.
Samstag, 2. Mai 2015
A qui doivent
Caesar et Alexandre cette grandeur infinie de leur renommée qu’à la fortune ?
Combien d’hommes a elle esteint sur le commencement de leur progrés, desquels
nous n’avons aucune connoissance, qui y apportoient mesme courage que le leur,
si le malheur de leur sort ne les eut arrestez tout court, sur la naissance de
leurs entreprinses ! Au travers de tant et si extremes dangers, il ne me
souvient point avoir leu que Caesar ait esté jamais blessé. Mille sont morts de
moindres perils que le moindre de ceux qu’il franchit. Infinies belles actions
se doivent perdre sans tesmoignage avant qu’il en vienne une à profit.
Mittwoch, 29. April 2015
Donnerstag, 23. April 2015
Le philosophe consume sa vie à observer les hommes, et il use ses
esprits à en démêler les vices et le ridicule; s'il donne quelque tour à ses
pensées, c'est moins par une vanité d'auteur, que pour mettre une vérité qu'il
a trouvée dans tout le jour nécessaire pour faire l'impression qui doit servir
à son dessein. Quelques lecteurs croient néanmoins le payer avec usure, s'ils
disent magistralement qu'ils ont lu son livre, et qu'il y a de l'esprit; mais
il leur renvoie tous leurs éloges, qu'il n'a pas cherchés par son travail et
par ses veilles. Il porte plus haut ses projets et agit pour un fin plus
relevée: il demande des hommes un plus grand et un plus rare succès que les
louanges, et même que les récompenses, qui est de les rendre meilleurs.
A philosopher consumes his life in observing men, and he uses his
esprit to unravel and ridicule their vices; if he gives some
expression to his thoughts, it is less for the vanity of being an author than
to make a truth he has seen clearly serve his design. Some readers
nevertheless think that they are repaying him with interest if they
majestically say that they have read his book, and found esprit; but he
leaves all of their praises alone, which he didn't look for with his work
and nightly vigils. He carries his project higher and works toward a
nobler end: he asks from men a greater and rarer success than praises, and even
than any reward, which is to make them better.
Montag, 13. April 2015
Freitag, 10. April 2015
If certain keen and decided people were believed, words would be too
verbose to express feelings: you would have to communicate with them
in signs, or make yourself understood without speaking. Whatever
care you take to be compact and concise, and whatever
reputation you have for being so, they will find you diffuse. You
must leave it to them to supply everything, and write for nobody else. They
understand a phrase from the word that begins it, and a whole chapter from a
phrase: if you have read them a single part of your work, that is enough, they
have experienced it and understand everything. A web of enigmas would be a
pleasure for them to read; and it's unfortunate for them that this maimed style
is so rare, and that few writers work toward it. Comparisons of a
flood whose course, though rapid, is smooth and uniform, or of a fire that,
driven by the wind, spreads far over a forest and consumes oaks and pines, give
them no idea of eloquence. Give them a surprising greek fire, or
a dazzling bolt of lightening, and they will leave you what is good and
beautiful.
Si certains esprits vifs et décisifs étaient crus, ce serait encore trop
que les termes pour exprimer les sentiments: il faudrait leur parler par
signes, ou sans parler se faire entendre. Quelque soin qu'on apporte à être
serré et concis, et quelque réputation qu'on ait d'être tel, ils vous trouvent
diffus. Il faut leur laisser tout à suppléer, et n'écrire que pour eux seuls.
Ils conçoivent un période par le mot qui la commence, et par une période tout
un chapitre: leur avez-vous lu un seul endroit de l'ouvrage, c'est assez, ils
sont dans le fait et entendent l'ouvrage. Un tissu d'énigmes leur serait une
lecture divertissante; et c'est une perte pour eux que ce style estropié qui
les enlève soit rare, et que peu d'écrivains s'en accommodent. Les comparaisons
tirées d'un fleuve dont le cours, quoique rapide, est égal et uniforme, ou d'un
embrasement qui, poussé par les vents, s'épand au loin dans un forêt où il
consume les chênes et les pins, ne leur fournissent aucune idée de l'éloquence.
Montrez-leur un feu grégeois qui les surprenne, ou un éclair qui les éblouisse,
ils vous quittent du bon et du beau.
Freitag, 27. März 2015
Um mit vollkommener Besonnenheit zu leben und aus der
eigenen Erfahrung alle Belehrung, die sie enthält, herauszuziehen, ist
erfordert, daß man oft zurückdenke und was man erlebt, getan, erfahren und
dabei empfunden hat rekapituliere, auch sein ehemaliges Urteil mit seinem
gegenwärtigen, seinem Vorsatze und Streben mit dem Erfolg und der Befriedigung
durch denselben vergleiche. Dies ist die Repetition des Privatissimums, welches
jedem die Erfahrung liest. Auch läßt die eigene Erfahrung sich ansehn als der
Text; Nachdenken und Kenntnisse als der Kommentar dazu. Viel Nachdenken und
Kenntnisse, bei wenig Erfahrung, gleicht den Ausgaben, deren Seiten zwei Zeilen
Text und vierzig Zeilen Kommentar darbieten. Viel Erfahrung, bei wenig
Nachdenken und geringen Kenntnissen, gleicht den bipontinischen Ausgaben, ohne
Noten, welche vieles unverstanden lassen.
Auf die hier gegebene Anempfehlung zielt auch die Regel des
Pythagoras, daß man abends, vor dem Einschlafen, durchmustern solle, was man
den Tag über getan hat. Wer im Getümmel der Geschäfte, oder Vergnügungen,
dahinlebt, ohne je seine Vergangenheit zu ruminieren, vielmehr nur immerfort
sein Leben abhaspelt, dem geht die klare Besonnenheit verloren: sein Gemüt wird
ein Chaos, und eine gewisse Verworrenheit kommt in seine Gedanken, von welcher
alsbald das Abrupte, Fragmentarische, gleichsam Kleingehackte seiner
Konversation zeugt. Dies ist um so mehr der Fall je größer die äußre Unruhe,
die Menge der Eindrücke, und je geringer die innere Tätigkeit seines Geistes
ist.
Hierher gehört die Bemerkung, daß, nach länger Zeit und
nachdem die Verhältnisse und Umgebungen, welche auf uns einwirkten,
vorübergegangen sind, wir nicht vermögen, unsere damals durch sie erregte
Stimmung und Empfindung uns zurückzurufen und zu erneuern: wohl aber können wir
unserer eigenen, damals von ihnen hervorgerufenen Äußerungen uns erinnern.
Diese nun sind das Resultat, der Ausdruck und der Maßstab jener. Dafür sollte
das Gedächtnis, oder das Papier, dergleichen, aus denkwürdigen Zeitpunkten,
sorgfältig aufbewahren. Hierzu sind Tagebücher sehr nützlich.
Samstag, 21. März 2015
Alle Beschränkung beglückt. Je enger unser Gesichts-,
Wirkungs- und Berührungskreis, desto glücklicher sind wir: je weiter, desto
öfter fühlen wir uns gequält, oder geängstigt. Denn mit ihm vermehren und
vergrößern sich die Sorgen, Wünsche und Schrecknisse. Darum sind sogar Blinde
nicht so unglücklich, wie es uns a priori scheinen muß: dies bezeugt die
sanfte, fast heitere Ruhe in ihren Gesichtszügen.
Auch beruht es zum Teil auf dieser Regel, daß die zweite
Hälfte des Lebens trauriger ausfällt, als die erste. Denn im Laufe des Lebens
wird der Horizont unserer Zwecke und Beziehungen immer weiter: In der Kindheit
ist er auf die nächste Umgebung und die engsten Verhältnisse beschränkt; im
Jünglingsalter reicht er schon bedeutend weiter; im Mannesalter umfaßt er
unsern ganzen Lebenslauf, ja, erstreckt sich oft auf die entferntesten
Verhältnisse, auf Staaten und Völker; im Greisen alter umfaßt er die
Nachkommen. –
Jede Beschränkung hingegen, sogar die geistige, ist unserm
Glücke förderlich. Denn je weniger Erregung des Willens, desto weniger Leiden:
und wir wissen, daß das Leiden das Positive, das Glück bloß negativ ist.
Beschränktheit des Wirkungskreises benimmt dem Willen die äußeren
Veranlassungen zur Erregung; Beschränktheit des Geistes die innern. Nur hat
letztere den Nachteil, daß sie der Langenweile die Tür öffnet, welche mittelbar
die Quelle unzähliger Leiden wird, indem man, um nur sie zu bannen, nach allem
greift, also Zerstreuung, Gesellschaft, Luxus, Spiel, Trunk usw. versucht,
welche jedoch Schaden, Ruin und Unglück jeder Art herbeiziehen.
Wie sehr hingegen die äußere Beschränkung dem menschlichen
Glücke, so weit es gehen kann, förderlich, ja, notwendig sei, ist daran
ersichtlich, daß die einzige Dichtungsart, welche glückliche Menschen zu
schildern unternimmt, das Idyll, sie stets und wesentlich in höchst
beschränkter Lage und Umgebung darstellt. Das Gefühl der Sache liegt auch
unserm Wohlgefallen an den sogenannten Genre-Bildern zugrunde. – Demgemäß wird
die möglichste Einfachheit unserer Verhältnisse und sogar die Einförmigkeit der
Lebensweise, so lange sie nicht Langeweile erzeugt, beglücken; weil sie das
Leben selbst, folglich auch die ihm wesentliche Last, am wenigsten spüren läßt,
es fließt dahin wie ein Bach, ohne Wellen und Strudel.
Sonntag, 1. März 2015
Je mehr nun aber einem die Furcht Ruhe läßt, desto mehr
beunruhigen ihn die Wünsche, die Begierden und Ansprüche. Goethes so beliebtes
Lied: »ich hab mein' Sach auf nichts gestellt«, besagt eigentlich, daß erst
nachdem der Mensch aus allen möglichen Ansprüchen herausgetrieben und auf das
nackte, halbe Dasein zurückgewiesen ist, er derjenigen Geistesruhe teilhaftig
wird, welche die Grundlage des menschlichen Glückes ausmacht, indem sie nötig
ist, um die Gegenwart, und somit das ganze Leben, genießbar zu finden. Zu eben
diesem Zwecke sollten wir stets eingedenk sein, daß der heutige Tag nur einmal
kommt und nimmer wieder. Aber wir wähnen, er komme morgen wieder: morgen ist
jedoch ein anderer Tag, der auch nur einmal kommt Wir aber vergessen, daß jeder
Tag ein integrierender und daher unersetzlicher Teil des Lebens ist, und
betrachten ihn vielmehr als unter demselben so enthalten, wie die Individuen
unter dem Gemeinbegriff. –
Ebenfalls würden wir die Gegenwart besser würdigen und
genießen, wenn wir in guten und gesunden Tagen, uns stets bewußt wären, wie in
Krankheiten, oder Betrübnissen, die Erinnerung uns jede schmerz- und
entbehrungslose Stunde als unendlich beneidenswert, als ein verlorenes
Paradies, als einen verkannten Freund vorhält. Aber wir verleben unsere schönen
Tage, ohne sie zu bemerken: erst wenn die schlimmen kommen, wünschen wir jene
zurück. Tausend heitere, angenehme Stunden lassen wir, mit verdrießlichem
Gesicht, ungenossen an uns vorüberziehen, um nachher, zur trüben Zeit, mit
vergeblicher Sehnsucht ihnen nachzuseufzen. Statt dessen sollten wir jede
erträgliche Gegenwart, auch die alltägliche, welche wir jetzt so gleichgültig
herüberziehen lassen, und wohl gar noch ungeduldig nachschieben, – in Ehren
halten, stets eingedenk, daß sie eben jetzt hinüberwallt in jene Apotheose der
Vergangenheit, woselbst sie fortan, vom Lichte der Unvergänglichkeit umstrahlt,
vom Gedächtnisse aufbewahrt wird, um, wann dieses einst, besonders zur
schlimmen Stunde, den Vorhang lüftet, als ein Gegenstand unserer innigen
Sehnsucht sich darzustellen.
Freitag, 27. Februar 2015
Sonntag, 15. Februar 2015
Samstag, 14. Februar 2015
Mittwoch, 21. Januar 2015
Ein ernsthafter Autor ist nicht verpflichtet, seinen
Geist aufmerksam mit allen abgeschmackten oder schmutzigen oder schlimmen
Worten zu füllen, die sich an gewissen Stellen seines Werkes sagen lassen, noch
mit allen albernen Anwendungen, die vielleicht ausfindig gemacht werden können –
am wenigsten aber, sie um dieser Dinge willen zu unterdrücken. Er ist
überzeugt, dass ungeachtet der peinlichsten Genauigkeit, die er auf seine
Schriftstellerei verwendet, der kalte Spott der schlechten Spassmacher ein
unvermeidliches Übel ist, und dass die besten Dinge ihnen oft nur dazu
herhalten müssen, um eine Abgeschmacktheit anzubringen.
Un auteur sérieux n'est pas obligé de remplir son esprit de toutes les
extravagances, de toutes les saletés, de tous les mauvais mots que l'on peut
dire, et de toutes les ineptes applications que l'on peut faire au sujet de
quelques endroits de son ouvrage, et encore moins de les supprimer. Il est
convaincu que quelque scrupuleuse exactitude que l'on ait dans sa manière
d'écrire, la raillerie froide de mauvais plaisants est un mal inévitable, et
que les meilleures choses ne leur servent souvent qu'à leur faire rencontrer
une sottise.
An earnest author is not obliged to fill his soul with all the
extravagance, meanness, and bad names that people give his work, nor with
all the inept interpretations that people attribute to certain parts,
still less suppress them. He is convinced that whatever scrupulous precision
that a person has in his manner of writing, the tasteless mockery
of jokers is an inevitable evil, and that the best things often only
give them an opportunity to find something foolish.
Montag, 12. Januar 2015
Sonntag, 11. Januar 2015
Théocrine sait des choses assez inutiles; il a des sentiments
toujours singulier; il est moins profond que méthodique; il n'exerce que sa
mémoire; il est abstrait, dédaigneux, et il semble toujours rire en lui-même de
ceux qu'il croit ne le valoir pas. Le hasard fait que je lui lis on ouvrage, il
l'écoute. Est-il lu, il me parle du sien. « Et du vôtre, me direz-vous,
qu'en pense-t-il? » -- Je vous l'ai déjà dit, il me parle du sien.
Théocrine knows things that are very useless; his feelings are
always singular; he is less profound than methodical; he only exercises his
memory; he is abstract, disdainful, and he always seems to be laughing inside
himself at people who he thinks are not worth enough
to be laughed at. By chance, I read my work to him, and he listened. Once
I was done, he talked to me about his. "And what did he think about
yours?" you ask me. -- I already told you, he talked to me about his.
Samstag, 3. Januar 2015
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