Freitag, 19. Juni 2015

Die Züge meines Gemäldes aber verwischen sich nicht, obgleich sie sich ändern und wandeln. Die Welt ist nichts als eine nimmer ruhende Schaukel. Alle Dinge in ihr schwanken fort und fort: die Erde, die Felsen des Kaukasus, die Pyramiden Ägyptens, im allgemeinen Schwanken der Dinge und in ihrem eigenen. Die Beständigkeit selbst ist nichts anderes als ein zaudernderes Schwanken. Ich kann meinen Gegenstand nicht festhalten. Er geht taumelnd und wankend in natürlicher Trunkenheit einher. Ich ergreife ihn in diesem Zustand, wie er ist, in dem Augenblick, in dem ich mich mit ihm beschäftige. Ich zeige nicht das Sein, ich zeige den Übergang; nicht einen Übergang von einem Alter zum andern, oder, wie das Volk sagt, von sieben zu sieben Jahren, sondern von Tag zu Tag, von Minute zu Minute. Ich muß meine Erzählung nach der Stunde richten. Ich könnte alsbald ein anderer werden, nicht nur äußerlich, sondern auch ändern Sinnes. Es ist eine Aufzeichnung verschiedener und veränderlicher Zufälle, unbestimmter, und wenn es sich trifft, auch gegensätzlicher Einfälle: sei es, daß ich selber anders geworden bin, sei es, daß ich die Dinge unter andern Umständen und anderem Winkel betrachte. Indessen gilt, daß ich mir wohl mitunter widerspreche, der Wahrheit aber, wie Demades sagte, widerspreche ich nicht.

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