Freitag, 15. Dezember 2017


Trois d’entre eux, ignorans combien coutera un jour à leur repos et à leur bon heur la connoissance des corruptions de deçà, et que de ce commerce naistra leur ruyne, comme je presuppose qu’elle soit desjà avancée, bien miserables de s’estre laissez piper au desir de la nouvelleté, et avoir quitté la douceur de leur ciel pour venir voir le nostre, furent à  Rouan, du temps que le feu Roy Charles neufiesme y estoit.

Drei von ihnen, nicht ahnend, wie teuer eines Tages die Kenntnis unserer Sittenzerrüttung ihrer Ruhe und ihrem Glück zu stehen kommen und dass aus diesem Verkehr ihr Verderben entspringen wird, das, wie ich annehme, schon weit fortgeschritten ist, beklagenswert genug, dass sie sich vom Reiz des Unbekannten hatten verlocken lassen, von der Lieblichkeit ihrer Himmelsstriche zu scheiden, um die unsern zu besuchen, kamen zu der Zeit nach Rouen, als weiland König Karl IX. sich dort aufhielt.

Le Roy parla à eux long temps ; on leur fit voir nostre façon, nostre pompe, la forme d’une belle ville. Apres cela quelqu’un en demanda leur advis, et voulut sçavoir d’eux ce qu’ils y avoient trouvé de plus admirable : ils respondirent trois choses, d’où j’ay perdu la troisiesme, et en suis bien marry ; mais j’en ay encore deux en memoire.

Donnerstag, 30. November 2017


Ils dirent qu’ils trouvoient en premier lieu fort estrange que tant de grands hommes, portans barbe, forts et armez, qui estoient autour du Roy (il est vray-semblable que ils parloient des Suisses de sa garde), se soubsmissent à obeyr à un enfant, et qu’on ne choisissoit plus tost quelqu’un d’entr’eux pour commander ; secondement (ils ont une façon de leur langage telle, qu’ils nomment les hommes moitié les uns des autres) qu’ils avoyent aperçeu qu’il y avoit parmy nous des hommes pleins et gorgez de toutes sortes de commoditez, et que leurs moitiez estoient mendians à leurs portes, décharnez de faim et de pauvreté ; et trouvoient estrange comme ces moitiez icy necessiteuses pouvoient souffrir une telle injustice, qu’ils ne prinsent les autres à la gorge, ou missent le feu à leurs maisons.

Sie sagten, sie hätten es zum ersten sehr seltsam gefunden, dass so viele grosse Männer, bärtig, stark und gewaffnet, die den König umgaben (wahrscheinlich sprachen sie von den Schweizern seiner Leibwache), sich herbeiliessen, einem Kind zu gehorchen, und dass man nicht eher einen von ihnen wählte, um den Befehl zu führen; zum zweiten (sie haben in ihrer Sprache eine Ausdrucksweise, derart, dass sie die Menschen als Hälften voneinander bezeichnen) hätten sie bemerkt, dass es unter uns üppige, mit allen Annehmlichkeiten gesättigte Menschen gebe und dass ihre anderen Hälften, von Armut und Hunger ausgemergelt, bettelnd vor ihren Türen stünden; und fänden es wunderlich, wie diese derart bedürftigen Hälften eine solche Ungerechtigkeit ertragen könnten und dass sie nicht die andern an der Gurgel packten oder Feuer an ihre Häuser legten.

Montag, 13. November 2017


Sometimes men appear on earth who are rare and exquisite; who shine with their virtue, and whose eminent qualities give off a tremendous luster. Similar to those extraordinary stars whose presence one cannot explain, and whose fate one knows even less after they disappear, they have neither ancestors nor descendants: they are the only members of their race.

Freitag, 10. November 2017

Il apparaît de temps en temps sur la surface de la terre des hommes rares, exquis, qui brillent par leu vertu, et dont les qualités éminentes jettent un  éclat prodigieux. Semblable à ces étoiles extraordinaires dont on ignore les causes, et dont on sait encore moins ce qu'elles deviennent après avoir disparu, ils n'ont ni aïeuls, ni descendants: ils composent seuls toute leur race.

Es erscheinen von Zeit zu Zeit auf der Oberfläche der Erde seltene, ausgesuchte Männer, von deren Tugend ein Glanz ausgeht und deren hohe Eigenschaften einen wunderbaren Schein werfen. Jenen ausserordentlichen Gestirnen gleich, deren Ursache man nicht kennt, und von denen man noch weniger weiss, was sie werden, wenn sie verschwunden sind, haben sie weder Ahnen noch Enkel: sie machen allein ihre Rasse aus. 

Our best spirit discovers our duty, our promise to do it, and if there is danger, then with danger: it inspires courage, or it supplies it.

Le bon esprit nous découvre notre devoir, notre engagement à le faire, et s'il y a du péril, avec péril: il inspire le courage, ou il y supplée.

Samstag, 28. Oktober 2017


Die Tüchtigkeit des Geistes enthüllt uns unsere Pflicht und unsere Bereitwilligkeit, sie zu erfüllen, sei es auch, dass Gefahr damit verbunden ist: sie verleiht Mut oder ersetzt ihn.

Dienstag, 17. Oktober 2017

Wie die Schichten der Erde die lebenden Wesen vergangener Epochen reihenweise aufbewahren; so bewahren die Bretter der Bibliotheken reihenweise die vergangenen Irrtümer und deren Darlegungen, welche, wie jene Ersteren, zu ihrer Zeit, sehr lebendig waren und viel Lärm machten, jetzt aber starr und versteinert dastehen, wo nur noch die literarische Paläontologie sie betrachtet.
Nichts ist gewisser, als dass, allgemein ausgesprochen, die schwere Sünde der Welt es ist, welche das viele und große Leiden der Welt herbeiführt. Dieser Ansicht gemäß ist die Geschichte vom Sündenfall die einzige metaphysische, wenn auch im Gewand der Allegorie auftretende Wahrheit im Alten Testament. Denn nichts Anderem sieht unser Dasein so ähnlich, wie der Folge eines Fehltritts und eines strafbaren Gelüstens. (P. II, 323.) — Der Gott Jehova, der animi causa und de gaieté de coeur diese Welt der Not und des Jammers hervorbringt und dann gar sich selber Beifall klatscht, mit παντα καλα λιαν, das ist nicht zu ertragen.

Montag, 2. Oktober 2017

Die Musik steht ganz abgesondert von den anderen schönen Künsten. Sie ist nicht die Nachbildung, Wiederholung irgend einer Idee der Wesen in der Welt; dennoch muss sie sich, analog den übrigen Künsten, zur Welt in irgend einem Sinne wie Darstellung zum Dargestellten, wie Nachbild zum Vorbild verhalten. Auch muss ihre nachbildliche Beziehung zur Welt eine sehr innige, unendlich wahre und richtig treffende sein, weil sie von Jedem augenblicklich verstanden wird und eine gewisse Unfehlbarkeit dadurch zu erkennen gibt, dass ihre Form sich auf ganz bestimmte, in Zahlen auszudrückende Regeln zurückführen lässt. Worin besteht nun diese eigentümliche nachbildliche Beziehung der Musik zur Welt, durch die sie sich von den anderen Künsten unterscheidet? In Folgendem. Zweck aller anderen Künste ist, die Erkenntnis der Ideen durch Darstellung einzelner Dinge anzuregen. Sie alle objektivieren also den Willen nur mittelbar, nämlich mittelst der Ideen. Die Musik hingegen, die Ideen übergehend, ist eine so unmittelbare Objektivation und Abbild des ganzen Willens, wie die Welt selbst es ist, ja wie die Ideen es sind. Die Musik ist also keineswegs, gleich den anderen Künsten, das Abbild der Ideen; sondern Abbild des Willens selbst, dessen Objektität auch die Ideen sind. Deshalb eben ist die Wirkung der Musik so sehr viel mächtiger, als die der andern Künste; denn diese reden nur vom Schatten, sie aber vom Wesen. Da es inzwischen der selbe Wille ist, der sich sowohl in den Ideen, als in der Musik, nur in jedem von beiden auf verschiedene Weise, objektiviert; so muss ein Parallelismus, eine Analogie sein zwischen der Musik und den Ideen.

Die Musik ist darin von allen anderen Künsten verschieden, dass sie nicht Abbild der Erscheinung oder, richtiger, der adäquaten Objektität des Willens, sondern unmittelbar Abbild des Willens selbst ist und also zu allem Physischen der Welt das Metaphysische, zu aller Erscheinung das Ding an sich darstellt. Man könnte demnach die Welt ebenso wohl verkörperte Musik, als verkörperten Willen nennen. Gesetzt daher, es gelänge eine vollkommen richtige, vollständige und ins Einzelne gehende Erklärung der Musik, also eine ausführliche Wiederholung dessen, was sie ausdrückt, in Begriffen zu geben, so würde diese sofort auch eine genügende Wiederholung und Erklärung der Welt in Begriffen, oder einer solchen ganz gleichlautend, also die wahre Philosophie sein.

Allgemein und zugleich populär redend kann man sagen: die Musik überhaupt ist die Melodie, zu der die Welt der Text ist.

Freitag, 22. September 2017


Der Künstler lässt uns durch seine Augen in die Welt blicken. Dass er diese Augen hat, dass er das Wesentliche, außer allen Relationen Liegende der Dinge erkennt, ist die Gabe des Genius, das Angeborene; dass er aber im Stande ist, auch uns diese Gabe zu leihen, uns seine Augen aufzusetzen, dies ist das Erworbene, das Technische der Kunst.
Ein glückliches Leben ist unmöglich, höchstens kann der Mensch einen heroischen Lebenslauf erlangen. Einen solchen führt Der, welcher in irgend einer Art und Angelegenheit für das Allen irgendwie zu Gute Kommende mit übergroßen Schwierigkeiten kämpft und am Ende siegt, dabei aber schlecht oder gar nicht belohnt wird. Dann bleibt er, am Schluss, wie der Prinz im Re corvo des Gozzi, versteinert, aber in edler Stellung und mit großmütiger Gebärde stehen. Sein Andenken bleibt und wird als Das eines Heros gefeiert; sein Wille, durch Mühe und Arbeit, schlechten Erfolg und Undank der Welt ein ganzes Leben hindurch mortifiziert, erlischt in der Nirwana.

Freitag, 15. September 2017


Die Naturforscher sagen, dass durch alle Tiergattungen hindurch die Entartung beim Weibchen anfängt. Die Philosophen können diese Beobachtung auf die Moral in der zivilisierten Gesellschaft anwenden.  

Les naturalistes disent que, dans toutes les espèces animales, la dégénération commence par les femelles. Les philosophes peuvent appliquer au moral cette observation, dans la société civilisée. 

Naturalists say that in every species, degeneration begins with females. Philosophers can apply this observation to morals in civilized society.  
Es scheint, dass die Liebe die wirklichen Vollkommenheiten nicht sucht, sondern eher fürchtet. Sie liebt nur die, die sie selbst schafft oder erdichtet, sie gleicht den Königen, die nur die Grösse gelten lassen, die sie selbst erschaffen haben.  

Il semble que l'amour ne cherche pas les perfections réelles; on dirait qu'il les craint. Il n'aime que celles qu'il crée, qu'il suppose; il ressemble à ces rois qui ne reconnaissent de grandeurs que celles qu'ils ont faites.  

It seems that love does not look for real perfections; people say that it fears them. It only loves the ones that it creates, that it imagines; it resembles kings who don't recognize any grandeur that they didn't institute.  

Donnerstag, 17. August 2017


Je parlay à l’un d’eux fort long temps ; mais j’avois un truchement qui me suyvoit si mal, et qui estoit si empesché à recevoir mes imaginations par sa bestise, que je n’en peus tirer guiere de plaisir.

Ich habe lange mit einem von ihnen gesprochen : aber ich hatte einen Dolmetscher, der mir so schlecht folgte und so unbeholfen war, meine Gedanken in seinem Stumpfsinn zu begreifen, dass ich nicht viel Vergnügen daran finden konnte.

Sur ce que je luy demanday quel fruit il recevoit de la superiorité qu’il avoit parmy les siens (car c’estoit un Capitaine, et nos matelots le nommoient Roy), il me dict que c’estoit marcher le premier à la guerre ; de combien d’hommes il estoit suyvy, il me montra une espace de lieu, pour signifier que c’estoit autant qu’il en pourroit en une telle espace, ce pouvoit estre quatre ou cinq mille hommes ; si, hors la guerre, toute son authorité estoit expirée, il dict qu’il luy en restoit cela que, quand il visitoit les vilages qui dépendoient de luy, on luy dressoit des sentiers au travers des hayes de leurs bois, par où il peut passer bien à l’aise. Tout cela ne va pas trop mal : mais quoy, ils ne portent point de haut de chausses.

Auf meine Frage, welchen Gewinn er aus dem Vorrang ziehe, den er unter den seinen besass (denn er war ein Häuptling, und unsere Seeleute nannten ihn König), antwortete er mir, den Gewinn, im Kriege voranzugehen; auf die Frage, wieviel Mann ihm folgten, bezeichnete er mir eine gewisse Spanne Raums, um zu bedeuten, es seien so viele, als darauf Platz fänden, es mochten vier- oder fünftausend Menschen sein; und ob nach dem beendeten Krieg sein ganzes Ansehen erloschen sei, darauf antwortete er, es bleibe ihm dies davon, wenn er die Dörfer besuche, die ihm unterstünden, man ihm die Wege durch das Dickicht ihrer Wälder bahne, auf denen er sie bequem durchqueren könne. All das ist so übel nicht: aber einerlei, sie tragen keine Beinkleider.

Samstag, 12. August 2017


Welch ein Vergnügen wäre es mir, so jemand zuzuhören, der mir die Lebensweise, die Redensarten und die Geschicke meiner Ahnen berichten würde ! Wie aufmerksam würde ich ihm lauschen!

Quel contentement me seroit ce d’ouir ainsi quelqu’un qui me recitast les meurs, le visage, la contenance, les parolles communes et les fortunes de mes ancestres ! Combien j’y serois attentif !

Sonntag, 16. Juli 2017


S'il est ordinaire d'être vivement touché des choses rares, pourqoui le sommes-nous si peu de la vertu?
Wenn wir von seltenen Dingen so berührt warden, warum sind wir es so wenig von der Tugend?

If it is common to be very touched by rare things, why do we have so little virtue?

Freitag, 7. Juli 2017


Un homme de mérite, et qui est en place,  n'est jamais incommode par sa vanité; il s'étourdit moins du poste qu'il occupe qu'il n'est humilié par un plus grand qu'il ne remplit pas et dont il se croit digne: plus capable d'inquiétude que de fierté ou de mépris pour les autres, il ne pèse qu'à soi-même.

A man with merit is never inconvenienced by his vanity; he is even less stunned by his place in society than he is humiliated by the place he doesn't have and that he believes he is worthy of: more ready to worry over than to be proud or scornful toward others, he only allows things to be weighed by himself.

Il faut en France beaucoup de fermeté et une grande étendue d'esprit pour se passer des charges et des emplois, et consentir ainsi à demeurer chez soi, et à rien faire. Personne presque n'a assez de mérite pour jouer ce rôle avec dignité, ni assez de fonds pour remplir le vide du temps, sans ce que le vulgaire appelle des affaires. Il ne manque cependant à l'oisivité du sage qu'un meilleur nom, et que méditer, parler, lire, et être tranquille s'appelât travailler.

Very much firmness and a great scope of spirit is needed for a person in France to do without offices and employment and to consent to stay at his home and not do anything. Nearly no one has enough merit to fill this role worthily, nor enough profundity to prevent his life from seeming empty without what vulgar people call business. However, the leisure of someone who is wise only lacks a better name; someone who calls meditating, speaking, reading, and being tranquil his work.

Freitag, 16. Juni 2017


Jener inneren Leere aber und Dürftigkeit der Menschen ist auch dieses zuzuschreiben, daß, wenn einmal, irgend einen edelen, idealen Zweck beabsichtigend, Menschen besserer Art zu einem Verein zusammentreten, alsdann der Ausgang fast immer dieser ist, daß aus jenem Plebs der Menschheit, welcher, in zahlloser Menge, wie Ungeziefer, überall alles erfüllt und bedeckt, und stets bereit ist, jedes, ohne Unterschied, zu ergreifen, um damit seiner Langenweile, wie unter andern Umständen seinem Mangel, zu Hilfe zu kommen, – auch doch einige sich einschleichen oder eindrängen und dann bald entweder die ganze Sache zerstören oder sie so verändern, daß sie ziemlich das Gegenteil der ersten Absicht wird. –

Übrigens kann man auch die Geselligkeit betrachten als ein geistiges Erwärmen der Menschen aneinander, gleich jenem körperlichen, welches sie bei großer Kälte, durch Zusammendrängen hervorbringen. Allein wer selbst viel geistige Wärme hat, bedarf solcher Gruppierung nicht. Diesem allen zufolge steht die Geselligkeit eines jeden ungefähr im umgekehrten Verhältnisse seines intellektuellen Wertes; und »er ist sehr ungesellig« sagt beinahe schon »er ist ein Mann von großen Eigenschaften.«

Dem intellektuell hochstehenden Menschen gewährt nämlich die Einsamkeit einen zwiefachen Vorteil: erstlich den, mit sich selber zu sein, und zweitens den, nicht mit andern zu sein. Diesen letzteren wird man hoch anschlagen, wenn man bedenkt, wie viel Zwang, Beschwerde und selbst Gefahr jeder Umgang mit sich bringt. Tout notre mal vient de ne pouvoir être seuls, sagt La Bruyère.

Freitag, 9. Juni 2017


Geselligkeit gehört zu den gefährlichen, ja, verderblichen Neigungen, da sie uns in Kontakt bringt mit Wesen, deren große Mehrzahl moralisch schlecht und intellektuell stumpf oder verkehrt ist. Der Ungesellige ist einer, der ihrer nicht bedarf. An sich selber so viel zu haben, daß man der Gesellschaft nicht bedarf, ist schon deshalb ein großes Glück, weil fast alle unsere Leiden aus der Gesellschaft entspringen, und die Geistesruhe, welche, nächst der Gesundheit, das wesentlichste Element unseres Glückes ausmacht, durch jede Gesellschaft gefährdet wird und daher ohne ein bedeutendes Maß von Einsamkeit nicht bestehen kann.

Um des Glückes der Geistesruhe teilhaftig zu werden, entsagen die Zyniker jedem Besitze: wer in gleicher Absicht der Gesellschaft entsagt, hat das weiseste Mittel erwählt. Denn so treffend, wie schön, ist was Bernardin de St. Pierre sagt: Enthaltsamkeit im Essen macht unsern Körper gesund, Enthaltsamkeit im Menschenverkehr die Seele.

Sonach hat, wer sich zeitig mit der Einsamkeit befreundet, ja, sie lieb gewinnt, eine Goldmine erworben. Aber keineswegs vermag dies jeder. Denn wie ursprünglich die Not, so treibt, nach Beseitigung dieser, die Langeweile die Menschen zusammen. Ohne beide bliebe wohl jeder allein; schon weil nur in der Einsamkeit die Umgebung der ausschließlichen Wichtigkeit, ja, Einzigkeit entspricht, die jeder in seinen eigenen Augen hat, und welche vom Weltgedränge zu nichts verkleinert wird; als wo sie, bei jedem Schritt, ein schmerzliches dementi erhält. In diesem Sinne ist die Einsamkeit sogar der natürliche Zustand eines jeden: sie setzt ihn wieder ein, als ersten Adam, in das ursprüngliche, seiner Natur angemessene Glück.

Aber hatte doch auch Adam weder Vater, noch Mutter! Daher wieder ist, in einem andern Sinne, die Einsamkeit dem Menschen nicht natürlich; sofern er nämlich, bei seinem Eintritt in die Welt, sich nicht allein, sondern zwischen Eltern und Geschwistern, also in Gemeinschaft, gefunden hat. Demzufolge kann die Liebe zur Einsamkeit nicht als ursprünglicher Hang da sein, sondern erst infolge der Erfahrung und des Nachdenkens entstehn: und dies wird statthaben, nach Maßgabe der Entwicklung eigener geistiger Kraft, zugleich aber auch mit der Zunahme der Lebensjahre; wonach denn, im ganzen genommen, der Geselligkeitstrieb eines jeden im umgekehrten Verhältnisse seines Alters stehen wird.

Donnerstag, 18. Mai 2017

Qu'est-ce que c'est qu'une maîtresse? une femme près de laquelle on ne se souvient plus de ce qu'on sait par cœur, c'est-à-dire de tous les défauts de son sexe.     

Was ist eine Geliebte? Eine Frau, bei der man alles vergisst, was man sonst auswendig weiss, das heisst alle Fehler ihres Geschlechts.   

What is a mistress? A woman near whom one forgets everything he knows in his heart, that is, any fault of her sex.
Ohr und Geist können müde werden, immer dasselbe zu hören, das Herz nie.       

Il y a des redites pour l'oreille et pour l'esprit; il n'y en a point pour le cœur.

Things can become repetitive to a person's ear and to his intelligence, but not to his heart.  

Freitag, 5. Mai 2017


Je me souviens d'avoir vu un homme quitter les filles d'Opéra, parce qu'il y avait vu, disait-il, autant de fausseté que dans les honnêtes femmes.     

Ich erinnere mich an einen Mann, der mit den Ballettmädchen von der Oper nichts mehr zu tun haben wollte, weil sie, wie er sagte, so falsch seien wie die anständigen Frauen.   

I remember seeing a man who refused to court the girls that worked in an Opera house anymore, because, he said, they were just as false as noblewomen.

Samstag, 29. April 2017


Mme de ... a été rejoindre son amant en Angleterre, pour faire preuve d'une grande tendresse, quoiqu'elle n'en eût guère. À présent, les scandales se donnent par respect humain.     
Mme de ... joined her lover in England, to show how great tenderness she had for him, though she hardly had any at all. At present, scandals occur for the sake of decency.   

Montag, 17. April 2017


C’est sans doute une belle harmonie quand le faire et le dire vont ensemble, et je ne veux pas nier que le dire, lors que les actions suyvent, ne soit de plus d’authorité et efficace : comme disoit Eudamidas oyant un philosophe discourir de la guerre : Ces propos sont beaux, mais celuy qui les dict n’en est pas croyable, car il n’a pas les oreilles accoustumées au son de la trompette. Et Cleomenes, oyant un Rhetoricien harenguer de la vaillance, s’en print fort à rire ; et, l’autre s’en scandalizant, il luy dict : J’en ferois de mesmes si c’estoit une arondelle qui en parlast ; mais, si c’estoit un aigle, je l’orrois volontiers.

J’apperçois, ce me semble, és escrits des anciens, que celuy qui dit ce qu’il pense, l’assene bien plus vivement que celuy qui se contrefait. Oyez Cicero parler de l’amour de la liberté, oyez en parler Brutus : les escrits mesmes vous sonnent que cettuy-cy estoit homme pour l’acheter au pris de la vie. Que Cicero, pere d’eloquence, traite du mespris de la mort ; que Seneque en traite aussi : celuy là traine languissant, et vous sentez qu’il vous veut resoudre de chose dequoy il n’est pas resolu ; il ne vous donne point de cœur, car luy-mesmes n’en a point ; l’autre vous anime et enflamme.

Je ne voy jamais autheur, mesmement de ceux qui traictent de la vertu et des offices, que je ne recherche curieusement quel il a esté. Car les Ephores, à Sparte, voyant un homme dissolu proposer au peuple un advis utile, luy commanderent de se taire et prierent un homme de bien de s’en attribuer l’invention et le proposer.
Ich lese nie einen Schriftsteller, auch nicht jene, die von der Tugend und den Pflichten handeln, ohne neugierig nachzuforschen, was für ein Mann er war. Denn wenn die Ephoren zu Sparta einen sittenlosen Mann dem Volke einen nützlichen Vorschlag vortragen hörten, befahlen sie ihm, zu schweigen, und baten einen rechtschaffenen Mann, sich seinen Gedanken anzueignen und ihn dem Volke vorzuschlagen.

Architas Tarentinus, revenant d’une guerre où il avoit esté capitaine general, trouva tout plein de mauvais mesnage en sa maison, et ses terres en frische par le mauvais gouvernement de son receveur ; et, l’ayant fait appeller : Va, luy dict-il, que, si je n’estois en cholere, je t’estrillerois bien’Platon de mesme, s’estant eschauffé contre l’un de ses esclaves, donna à Speusippus charge de le chastier, s’excusant d’y mettre la main luy-mesme sur ce qu’il estoit courroucé. Charillus, Lacedemonien, à un Elote qui se portoit trop insolemment et audacieusement envers luy : Par les Dieux ! dit-il, si je n’estois courroucé, je te ferois tout à cet heure mourir.

Donnerstag, 23. März 2017


Que faire d'Égésippe, qui demande un emploi? Le mettra-t-on dans les finances, ou dans les troupes? Cela est indifférent, et il faut que ce soit l'intérêt seul qui en décide; car il est aussi capable de manier de l'argent, ou de dresser des comptes, que de porter les armes. « Il est propre à tout », disent ses amis, ce qui signifie toujours qu'il n'a pas plus de talent pour une chose que pour une autre, ou en d'autres termes, qu'il n'est propre à rien. Ainsi la plupart des hommes occupés d'eux seuls dans leur jeunesse, corrompus par la paresse ou par le plaisir, croient faussement dans un âge plus avancé qu'il leur suffit d'être inutiles ou dans l'indigence, afin que la république soit engagée à les placer ou à les secourir; et ils profitent rarement de cette leçon si importante, que les hommes devraient employer les premières années de leur vie à devenir tels par leurs études et par leur travail que la république elle-même eût besoin de leur industrie et de leurs lumières, qu'ils fussent comme une pièce nécessaire à tout son édifice, et qu'elle se trouvât portée par ses propres avantages à faire leur fortune ou à l'embellir.
Nous devons travailler à nous rendre très dignes de quelque emploi: le reste ne nous regarde point, c'est l'affaire des autres.

What does Égésippe do, who is asking for employment? Should he be put in finances or the army? This is indifferent, and only self-interest should decide; because he is as capable of managing money, or of keeping records, as of carrying arms. "He is fit for everything", his friends say, which means that he has no more talent for one thing than for another, or in other terms, that he isn't fit for anything. Thus, most men who were only occupied with themselves when they were young, corrupted by laziness or pleasure, falsely believe when they are older that it is enough for them to be useless or indigent for the republic to help and employ them; and they rarely profit from this very important lesson, that men must use the first years of their life to become, with their study and work, such that the republic needs their industry and insight, that they become a necessary part of the whole edifice, and that the state finds it in its own advantage to make their fortune or to increase it.
We must work toward making ourselves very worthy of some office: the rest does not concern us, it is the affair of others.

Freitag, 17. März 2017


Il n'y a point au monde un si pénible métier que celui de se faire un grand nom: la vie s'achève que l'on a à peine ébauché son ouvrage.

There is no more troublesome task in the world than that of making a great name: a persons life comes to an end before he has hardly sketched his work.

Sonntag, 5. März 2017


Le génie et les grands talents manquent souvent, quelquefois aussi les seules occasions: tels peuvent être loués de ce qu'ils ont fait, et tels de ce qu'ils auraient fait.

Genius and great talents often are wanting, but sometimes only opportunities to use them; some people can be praised for what they have done and others for what they would have done.

Personne presque ne s'avise de lui-même du mérite d'un autre. 
Les hommes sont trop occupés d'eux-mêmes pour avoir le loisir de pénétrer ou de discerner les autres; de là vient qu'avec un grand mérite et une plus grande modestie l'on peut être longtemps ignoré.   

Nearly no one notices the merit of someone else unless it is pointed out to him. 
Men are too occupied with themselves to have enough leisure to see into or discern others; it is for this reason that with very much merit and even more modesty a man can be ignored for a long time.

Mittwoch, 22. Februar 2017


Was nun andererseits die Menschen gesellig macht ist ihre Unfähigkeit, die Einsamkeit, und in dieser sich selbst, zu ertragen. Innere Leere und Überdruß sind es, von denen sie sowohl in die Gesellschaft, wie in die Fremde und auf Reisen getrieben werden. Ihrem Geiste mangelt es an Federkraft, sich eigene Bewegung zu erteilen: daher suchen sie Erhöhung derselben durch Wein und werden viele auf diesem Wege zu Trunkenbolden. Eben daher bedürfen sie der steten Erregung von außen und zwar der stärksten, d. i. der durch Wesen ihresgleichen. Ohne diese sinkt ihr Geist, unter seiner eigenen Schwere, zusammen und verfällt in eine drückende Lethargie.

Bekanntlich werden Übel dadurch erleichtert, daß man sie gemeinschaftlich erträgt: zu diesen scheinen die Leute die Langeweile zu zählen; daher sie sich zusammensetzen, um sich gemeinschaftlich zu langweilen. Wie die Liebe zum Leben im Grunde nur Furcht vor dem Tode ist, so ist auch der Geselligkeitstrieb der Menschen im Grunde kein direkter, beruht nämlich nicht auf Liebe zur Gesellschaft, sondern auf Furcht vor der Einsamkeit, indem es nicht sowohl die holdselige Gegenwart der andern ist, die gesucht, als vielmehr die Öde und Beklommenheit des Alleinseins, nebst der Monotonie des eigenen Bewußtseins, die geflohen wird; welcher zu entgehn man daher auch mit schlechter Gesellschaft vorlieb nimmt, im gleichen das Lästige und den Zwang, den eine jede notwendig mit sich bringt, sich gefallen läßt.

Hat hingegen der Widerwille gegen dieses alles gesiegt, und ist, infolge davon, die Gewohnheit der Einsamkeit und die Abhärtung gegen ihren unmittelbaren Eindruck eingetreten, so daß sie die oben bezeichneten Wirkungen nicht mehr hervorbringt, dann kann man mit größter Behaglichkeit immerfort allein sein, ohne sich nach Gesellschaft zu sehnen; eben weil das Bedürfnis derselben kein direktes ist und man andererseits sich jetzt an die wohltätigen Eigenschaften der Einsamkeit gewöhnt hat.

Im gleichen ließe sich sagen, daß jeder von ihnen nur ein kleiner Bruch der Idee der Menschheit sei, daher er vieler Ergänzung durch andere bedarf, damit einigermaßen ein volles menschliches Bewußtsein herauskomme: hingegen wer ein ganzer Mensch ist, ein ausgezeichneter Mensch, der stellt eine Einheit und keinen Bruch dar, hat daher an sich selbst genug. Man kann, in diesem Sinne, die gewöhnliche Gesellschaft jener russischen Hornmusik vergleichen, bei der jedes Horn nur einen Ton hat und bloß durch das pünktliche Zusammentreffen aller eine Musik herauskommt. Denn monoton, wie ein solches eintöniges Horn, ist der Sinn und Geist der allermeisten Menschen: sehn doch viele von ihnen schon aus, als hätten sie immerfort nur einen und denselben Gedanken, unfähig irgend einen andern zu denken.

Hieraus also erklärt sich nicht nur, warum sie so langweilig, sondern auch warum sie so gesellig sind und am liebsten herdenweise einhergehn: Der Herdentrieb der Menschenheit. Die Monotonie seines eigenen Wesens ist es, die jedem von ihnen unerträglich wird: omnis stultitia laborat fastidio sui. Alle Dummheit leidet an ihrem eigenen Überdruß: – nur zusammen und durch die Vereinigung sind sie irgend etwas; – wie jene Hornbläser.

Dagegen ist der geistvolle Mensch einem Virtuosen zu vergleichen, der sein Konzert allein ausführt; oder auch dem Klavier. Wie nämlich dieses, für sich allein, ein kleines Orchester, so ist er eine kleine Welt und was jene alle erst durch das Zusammenwirken sind, stellt er dar in der Einheit eines Bewußtseins. Wie das Klavier, ist er kein Teil der Symphonie, sondern für das Solo und die Einsamkeit geeignet: soll er mit ihnen zusammenwirken; so kann er es nur sein als Prinzipalstimme mit Begleitung, wie das Klavier; oder zum Tonangeben, bei Vokalmusik, wie das Klavier. –

Wer inzwischen Gesellschaft liebt kann sich aus diesem Gleichnis die Regel abstrahieren, daß, was den Personen seines Umgangs an Qualität abgeht durch die Quantität einigermaßen ersetzt werden muß. An einem einzigen geistvollen Menschen kann er Umgang genug haben: ist aber nichts als die gewöhnliche Sorte zu finden; so ist es gut, von dieser recht viele zu haben, damit durch die Mannigfaltigkeit und das Zusammenwirken etwas herauskomme, – nach Analogie der besagten Hornmusik: – und der Himmel schenke ihm dazu Geduld.

Montag, 6. Februar 2017


Überhaupt aber kann jeder im vollkommensten Einklange nur mit sich selbst stehen; nicht mit seinem Freunde, nicht mit seiner Geliebten: denn die Unterschiede der Individualität und Stimmung führen allemal eine, wenn auch geringe, Dissonanz herbei: Daher ist der wahre, tiefe Friede des Herzens und die vollkommene Gemütsruhe, dieses, nächst der Gesundheit, höchste irdische Gut, allein in der Einsamkeit zu finden und als dauernde Stimmung nur in der tiefsten Zurückgezogenheit.

Ist dann das eigene Selbst groß und reich; so genießt man den glücklichsten Zustand, der auf dieser armen Erde gefunden werden mag. Ja, es sei herausgesagt: so eng auch Freundschaft, Liebe und Ehe Menschen verbinden; ganz ehrlich meint jeder es am Ende doch nur mit sich selbst und höchstens noch mit seinem Kinde.

Je weniger einer, infolge objektiver oder subjektiver Bedingungen, nötig hat, mit den Menschen in Berührung zu kommen, desto besser ist er daran. Die Einsamkeit und Öde läßt alle ihre Übel auf einmal, wenn auch nicht empfinden, doch übersehen: hingegen die Gesellschaft ist insidiös: sie verbirgt hinter dem Scheine der Kurzweil, der Mitteilung des geselligen Genusses u. s. f. große, oft unheilbare Übel. Ein Hauptstudium der Jugend sollte sein, die Einsamkeit ertragen zu lernen; weil sie eine Quelle des Glückes, der Gemütsruhe ist.

Freitag, 20. Januar 2017


Eine geistreiche Frau sagte mir ein Wort, das das Geheimnis ihres Geschlechts sein könnte: dass nämlich jede Frau, die einen Liebhaber nimmt, mehr darüber nachdenkt, wie andere Frauen diesen Menschen sehen, als wie er ihr selbst erscheint.

Une femme d'esprit m'a dit un jour un mot qui pourrait bien être le secret de son sexe: c'est que toute femme, en prenant un amant, tient plus de compte de la manière dont les autres femme voient cet homme, que de la manière dont elle le voit elle-même.
An intelligent woman told me something one day that may well be the secret to her sex: it was that every woman, when she takes a lover, considers how other women view this man more than how she views him herself.  

Der Verkehr zwischen Mann und Frau gleicht dem der Europäer in Indien. Es ist ein kriegerisches Geschäft.

Le commerce des hommes avec les femmes ressemble à celui que les Européens font dans l'Inde: c'est un commerce guerrier. 

The commerce between men and women resembles the commerce between Europeans and the natives in India; it is a martial commerce.