Montag, 2. Oktober 2017

Die Musik steht ganz abgesondert von den anderen schönen Künsten. Sie ist nicht die Nachbildung, Wiederholung irgend einer Idee der Wesen in der Welt; dennoch muss sie sich, analog den übrigen Künsten, zur Welt in irgend einem Sinne wie Darstellung zum Dargestellten, wie Nachbild zum Vorbild verhalten. Auch muss ihre nachbildliche Beziehung zur Welt eine sehr innige, unendlich wahre und richtig treffende sein, weil sie von Jedem augenblicklich verstanden wird und eine gewisse Unfehlbarkeit dadurch zu erkennen gibt, dass ihre Form sich auf ganz bestimmte, in Zahlen auszudrückende Regeln zurückführen lässt. Worin besteht nun diese eigentümliche nachbildliche Beziehung der Musik zur Welt, durch die sie sich von den anderen Künsten unterscheidet? In Folgendem. Zweck aller anderen Künste ist, die Erkenntnis der Ideen durch Darstellung einzelner Dinge anzuregen. Sie alle objektivieren also den Willen nur mittelbar, nämlich mittelst der Ideen. Die Musik hingegen, die Ideen übergehend, ist eine so unmittelbare Objektivation und Abbild des ganzen Willens, wie die Welt selbst es ist, ja wie die Ideen es sind. Die Musik ist also keineswegs, gleich den anderen Künsten, das Abbild der Ideen; sondern Abbild des Willens selbst, dessen Objektität auch die Ideen sind. Deshalb eben ist die Wirkung der Musik so sehr viel mächtiger, als die der andern Künste; denn diese reden nur vom Schatten, sie aber vom Wesen. Da es inzwischen der selbe Wille ist, der sich sowohl in den Ideen, als in der Musik, nur in jedem von beiden auf verschiedene Weise, objektiviert; so muss ein Parallelismus, eine Analogie sein zwischen der Musik und den Ideen.

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