Die Kinder der Götter (die
Abkömmlinge der Könige) sind gleichsam den Regeln der Natur entzogen und bilden
ihre Ausnahme. Sie erwarten fast nichts von der Zeit und von den Jahren. Das
Verdienst eilt bei ihnen dem Alter voraus. Wenn sie geboren werden, sind sie
schon unterrichtet und sind eher fertige Menschen, als die gemeinen Menschen
die Kindheit verlassen.
Donnerstag, 21. Juni 2018
Les
enfants des Dieux, pour ainsi dire, se tirent des règles de la nature, et en
sont comme l'exception. Ils n'attendent presque rien du temps et des années. Le
mérite chez eux devance l'âge. Ils naissent instruits, et ils sont plus tôt des
hommes parfaits que le commun des hommes ne sort de l'enfance.
Samstag, 16. Juni 2018
Dans
la guerre, la distinction entre le héros et le grand homme est délicate :
toutes les vertus militaires font l’un et l’autre. Il semble néanmoins que le
premier soit jeune, entreprenant, d’une haute valeur, ferme dans les périls,
intrépide ; que l’autre excelle par un grand sens, par une vaste prévoyance,
par une haute capacité, et par une longue expérience. Peut-être qu’Alexandre
n’était qu’un héros, et que César était un grand homme.
Dienstag, 12. Juni 2018
Der
Selbstmörder gleicht einem Kranken, der eine schmerzhafte Operation, die ihn
von Grund aus heilen könnte, nachdem sie angefangen, nicht vollenden lässt,
sondern lieber die Krankheit behält; er weist das Leiden, statt es zum Quietiv
des Willens werden zu lassen, von sich, indem er die Erscheinung des Willens,
den Leib, zerstört, damit der Wille ungebrochen bleibe. Dies ist der Grund,
warum beinahe alle Ethiken, sowohl philosophische, als religiöse, den
Selbstmord verdammen, obgleich sie selbst hierzu keine andern, als seltsame,
sophistische Gründe angeben können.
Der
wahre Grund gegen den Selbstmord, aus welchem auch das Christentum denselben
verwirft, ist ein asketischer,
gilt also nur von einem viel höheren ethischen Standpunkte aus, als der, den
europäische Moralphilosophen jemals eingenommen haben. Steigen wir aber von
jenem sehr hohen Standpunkte herab; so gibt es keinen haltbaren moralischen
Grund mehr, den Selbstmord zu verdammen.
Von
dem gewöhnlichen Selbstmorde gänzlich verschieden scheint eine besondere Art
desselben zu sein, der aus dem höchsten Grade der Askese freiwillig gewählte
Hungertod. Es scheint, dass die gänzliche Verneinung des Willens den Grad
erreichen könne, wo selbst der zur Erhaltung der Vegetation des Leibes durch
Aufnahme von Nahrung nötige Wille wegfällt. Weit entfernt, dass diese Art des
Selbstmordes aus dem Willen zum Leben entstünde, hört ein solcher völlig
resignierter Asket bloß darum auf zu leben, weil er ganz und gar aufgehört hat
zu wollen.
Montag, 11. Juni 2018
Die Geschlechtsliebe spielt nicht bloß in Schauspielen und Romanen,
sondern, wie die Erfahrung bestätigt, auch in der wirklichen Welt eine so
bedeutende Rolle, dass die bei einigen Schriftstellern vorkommende Leugnung der
Realität und Wichtigkeit dieser Leidenschaft ein großer Irrtum ist. Die
Erfahrung zeigt, dass die Geschlechtsliebe unter Umständen zu einer
Leidenschaft anwachsen kann, die an Heftigkeit jede andere übertrifft und dann
alle Rücksichten beseitigt, alle Hindernisse mit unglaublicher Kraft und
Ausdauer überwindet, so dass für ihre Befriedigung unbedenklich das Leben
gewagt, ja, wenn solche schlechterdings versagt bleibt, in den Kauf gegeben
wird. Die Geschlechtsliebe erweist sich, nächst der Liebe zum Leben, als die
stärkste und tätigste aller Triebfedern, nimmt die Hälfte der Kräfte und
Gedanken des jüngeren Teiles der Menschheit fortwährend in Anspruch, ist das
letzte Ziel fast jedes menschlichen Bestrebens, erlangt auf die wichtigsten
Angelegenheiten nachteiligen Einfluss, unterbricht die ernsthaftesten
Beschäftigungen zu jeder Stunde, setzt bisweilen selbst die größten Köpfe auf
eine Weile in Verwirrung, zettelt täglich die verworrensten und schlimmsten
Händel an, löst die wertvollsten Verhältnisse auf, zerreißt die festesten
Bande, nimmt bisweilen Leben, oder Gesundheit, bisweilen Reichtum, Rang und
Glück zu ihrem Opfer, ja macht den sonst Redlichen gewissenlos, den bisher
Treuen zum Verräter, tritt demnach im Ganzen auf als ein feindseliger Dämon.
Nicht allein die unbefriedigte verliebte Leidenschaft hat bisweilen
einen tragischen Ausgang, sondern auch die befriedigte führt öfter zum Unglück
als zum Glück. Denn ihre Anforderungen kollidieren oft so sehr mit der
persönlichen Wohlfahrt des Beteiligten, dass sie solche untergraben, indem sie
mit seinen übrigen Verhältnissen unvereinbar sind und den darauf gebauten
Lebensplan zerstören. Ja, nicht allein mit den äußeren Verhältnissen ist die
Liebe oft im Widerspruch, sondern sogar mit der eigenen Individualität, indem
sie sich auf Personen wirft, welche, abgesehen vom Geschlechtsverhältnis dem
Liebenden verhasst, ja zum Abscheu sein würden. Aber so sehr viel mächtiger ist
der Wille der Gattung als der des Individuums, dass der Liebende in seiner
Verblendung alle jene ihm widerlichen Eigenschaften übersieht. —
In der Tat führt der Genius der Gattung durchweg Krieg mit den
schützenden Genien der Individuen, ist ihr Verfolger und Feind, stets bereit,
das persönliche Glück schonungslos zu zerstören, um seine Zwecke durchzusetzen;
ja, das Wohl ganzer Nationen ist bisweilen das Opfer seiner Laune geworden.
Dies Alles beruht darauf, dass die Gattung, als in welcher die Wurzel unseres
Wesens liegt, ein näheres und früheres Recht auf uns hat, als das Individuum;
daher ihre Angelegenheiten vorgehen.
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