Samstag, 27. Dezember 2025

 

Es ist schwer, sein Urteil gegen die allgemeine Meinung rein zu erhalten. Die erste Überzeugung von einem Gegenstand fängt bei den Einfältigen an, von da wird sie den Klügern mitgeteilt durch Ansehen, Zahl und Alter der Zeugnisse. Ich glaube nicht Hunderten, was ich nicht einem glauben kann, und beurteile die Meinungen nicht nach den Jahren.

Samstag, 13. Dezember 2025

 

C'est chose difficile de resoudre son jugement contre les opinions communes. La premiere persuasion, prinse du subject mesme, saisit les simples; de là elle s'espend aux habiles, soubs l'authorité du nombre et ancienneté des tesmoignages. Pour moy, de ce que je n'en croirois pas un, je n'en croirois pas cent uns. Et ne juge pas les opinions par les ans.


 

 

It is a hard matter for a man to resolve his judgement against common opinions. The first perswasion taken from the very subject, seizeth on the simple: whence under th’authoritie of the number and antiquitie of testimonies, it extends it selfe on the wiser sort. As for me, in a matter, which I could not believe being reported by one: I should never credite the same, though affirmed by a hundred. And I judge not opinions, by yeares.

Freitag, 28. November 2025

 

C'est dans les femmes une violente preuve d'une réputation bien nette et bien établie, qu'elle ne soit pas même effleurée par la familiarité de quelque-unes qui ne leur ressemblent point; et qu'avec toute la pente qu'on a aux malignes explications, on ait recours à une tout autre raison de ce commerce qu'à celle de la convenance des moeurs.

 

Es ist bei den Frauen ein deutlicher Beweis für einen klaren und fest etablierten Ruf, dass sie sich nicht einmal von der Vertrautheit einiger weniger, die ihnen überhaupt nicht ähnlich sind, beeinflussen lassen; und dass man trotz aller Neigung zu böswilligen Erklärungen auf einen ganz anderen Grund für diesen Umgang zurückgreift als den der guten Sitten.

It is a violent proof of a very unstained and established reputation in a woman, if she is not even sullied by her familiarity with certain women who do not resemble her at all; and if, with all the inclination people have to give malignant explanations, they nonetheless ascribe this intimacy to a completely different reason than a similarity of morals.

Mittwoch, 19. November 2025

Dienstag, 11. November 2025

 

Quelques femmes ont voulu cacher leur conduite sous les dehors de la modestie; et tout ce que chacune a pu gagner par une continuelle affectation, et qui ne s'est jamais démentie, a été de faire dire de soi: On l'aurait prise pour une vestale.

 

Einige Frauen wollten ihr Verhalten unter dem Deckmantel der Bescheidenheit verbergen; und alles, was jede einzelne durch ständige Affektiertheit erreichen konnte, die nie nachließ, war, dass man über sie sagte: Man hätte sie für eine Vestalin halten können.

 

Some women have tried to hide their conduct under a cover of modesty; and all that any of them have been able to win through this continual affectation, which is never confounded, is to have people say: You would think she was a Vestal virgin.

Freitag, 7. November 2025

Mittwoch, 5. November 2025

 

A woman is easy to govern, provided that a man takes some trouble to do so. Even a single man can be seen governing many; he cultivates their esprit and their memory, fixes and determines their religion; he even undertakes to rule their heart. They neither approve nor disapprove, neither praise nor condemn, until after they have consulted his eyes and countenance. He is the source of their joys and their chagrins, of their desires, of their jealousies, of their hatreds and of their loves; he makes them break from their gallants; he makes them upset at or reconciled to their husbands, and he profits from the intervals in between. He takes care of their affairs, solicits for them in their lawsuits, and goes to see their judges; he gives them his doctor, merchant and craftsmen; he interferes in finding them a residence, he furnishes it, and he orders their carriages. One sees him with them when they take a ride, throughout the streets of the town, and on walks, as well as in their pew at church and in their box at the theater; he makes their visits with them; he accompanies them to the baths, to the waters, on their travels; he has the most comfortable apartment in their country houses. He grows old without losing his authority: a little esprit and a great deal of time to lose was enough for him to keep it; the children, the heirs, the daughter-in-law, the niece, the servants, everyone depends on him. He began by making himself esteemed; he ends by making himself feared. This friend from so long ago, who is so necessary, dies without anyone crying over him; and ten women he was the tyrant of inherit upon his death their freedom.

 

Une femme est aisé à gouverner, pourvu que ce soit un homme qui s'en donne la peine. Un seul même en gouverne plusieurs; il cultive leur esprit et leur mémoire, fixe et détermine leur religion; il entreprend même de régler leur coeur. Elles n'approuvent et ne désapprouvent, ne louent et ne condamnent, qu'après avoir consulté ses yeux et son visage. Il est le dépositaire de leur joies et de leurs chagrins, de leurs désirs, de leurs jalousies, de leurs haines et de leurs amours; il les fait rompre avec leurs galants; il les brouille et les réconcilie avec leurs maris, et il profite des interrègnes. Il prend soin de leurs affaires, sollicite leur procès, et voit leurs juges; il leur donne son médecin, son marchand, ses ouvriers; il s'ingère de les loger, de les meubler, et il ordonne de leur équipage. On le voit avec elles dans leurs carrosses, dans les rues d'une ville et aux promenades, ainsi que dans leur banc à un sermon, et dans leur loge à la comédie; il fait avec elles les mêmes visites; il les accompagne au bain, aux eaux, dans les voyages; il a le plus commode appartement chez elles à la compagne. Il vieillit sans déchoir de son autorité: un peu d'esprit et beaucoup de temps à perdre lui suffit pour la conserver; les enfants, les héritiers, la bru, la nièce, les domestiques, tout en dépend. Il a commencé par se faire estimer; il finit par se faire craindre. Cet ami si ancien, si nécessaire, meurt sans qu'on le pleure; et dix femmes dont il était le tyran héritent par sa mort de la liberté.


 

 

Eine Frau ist leicht zu lenken, vorausgesetzt, dass sich ein Mann darum bemüht. Ein einziger Mann lenkt sogar mehrere Frauen; er bildet ihren Geist und ihr Gedächtnis, legt ihre Religion fest und bestimmt sie; er unternimmt es sogar, ihre Herzen zu lenken. Sie stimmen zu oder lehnen ab, loben oder verurteilen nur, nachdem sie seine Augen und sein Gesicht konsultiert haben. Er ist der Hüter ihrer Freuden und ihrer Sorgen, ihrer Wünsche, ihrer Eifersüchteleien, ihres Hasses und ihrer Liebe; er trennt sie von ihren Liebhabern; er entzweit sie mit ihren Ehemännern und versöhnt sie wieder mit ihnen, und er nutzt die Zwischenzeiten. Er kümmert sich um ihre Angelegenheiten, führt ihre Prozesse und besucht ihre Richter; er stellt ihnen seinen Arzt, seinen Händler, seine Handwerker zur Verfügung; er mischt sich in ihre Unterbringung und Einrichtung ein und bestimmt über ihre Ausstattung. Man sieht ihn mit ihnen in ihren Kutschen, auf den Straßen der Stadt und bei Spaziergängen, ebenso wie auf ihrer Bank bei einer Predigt und in ihrer Loge im Theater; er macht mit ihnen die gleichen Besuche; er begleitet sie zum Bad, zu den Quellen, auf Reisen; er hat die bequemste Wohnung bei ihnen auf dem Lande. Er altert, ohne seine Autorität zu verlieren: Ein wenig Geist und viel Zeit reichen ihm aus, um sie zu bewahren; die Kinder, die Erben, die Schwiegertochter, die Nichte, die Bediensteten – alle hängen von ihm ab. Zunächst hat er sich Respekt verschafft, schließlich sorgt er dafür, dass man ihn fürchtet. Dieser so alte, so notwendige Freund stirbt, ohne dass man um ihn trauert; und zehn Frauen, deren Tyrann er war, erlangen durch seinen Tod die Freiheit.

Dienstag, 28. Oktober 2025

 

Sollte denn nicht, wie ihr Wesen, so auch ihr Daseyn in dem der Species aufgehn? Der Fluch der Gemeinheit stellt den Menschen dem Thiere darin nahe, daß er ihm Wesen und Daseyn nur in der Species zugesteht.

Von selbst aber versteht sich, daß jedes Hohe, Große, Edele, seiner Natur zufolge, isolirt dastehn wird in einer Welt, wo man, das Niedrige und Verwerfliche zu bezeichnen, keinen bessern Ausdruck finden konnte, als den, der das in der Regel Vorhandene besagt: »gemein«. -

Donnerstag, 23. Oktober 2025

Man könnte die Geistlosigkeit und Langweiligkeit der Schriften der Alltagsköpfe sogar daraus ableiten, daß sie immer nur mit halbem Bewußtseyn reden, nämlich den Sinn ihrer eigenen Worte nicht selbst eigentlich verstehn, da solche bei ihnen ein Erlerntes und fertig Aufgenommenes sind; daher sie mehr die ganzen Phrasen (phrases banales) als die Worte zusammengefügt haben. Leute von Geist hingegen reden, in ihren Schriften, wirklich zu uns, und daher vermögen sie, uns zu beleben und zu unterhalten: nur sie stellen die einzelnen Worte mit vollem Bewußtseyn, mit Wahl und Absicht zusammen. Daher verhält ihr Vortrag sich zu dem der oben Geschilderten wie ein wirklich gemaltes Bild zu einem mit Schablonen verfertigten: dort nämlich liegt in jedem Wort, wie in jedem Pinselstrich, specielle Absicht; hier hingegen ist Alles mechanisch aufgesetzt. Den selben Unterschied kann man in der Musik beobachten. Denn überall ist es stets die Allgegenwart des Geistes in allen Theilen, welche die Werke des Genies charakterisirt: sie ist der von Lichtenberg bemerkten Allgegenwart der Seele Garricks in allen Muskeln seines Körpers analog.  

Donnerstag, 16. Oktober 2025

Dienstag, 14. Oktober 2025

Wer nachlässig schreibt, legt dadurch zunächst das Bekenntnis ab, dass er selbst seinen Gedanken keinen großen Wert beilegt. Sodann aber auch, wie Vernachlässigung des Anzugs Geringschätzung der Gesellschaft, in die man tritt, verrät, so bezeugt flüchtiger, nachlässiger, schlechter Stil eine beleidigende Geringschätzung des Lesers.  

 Zur Charakteristik derselben gehört nun auch Dies, daß sie, wo möglich, alle entschiedenen Ausdrücke vermeiden, um nöthigenfalls immer noch den Kopf aus der Schlinge ziehn zu können: daher wählen sie in allen Fällen den abstrakteren Ausdruck; Leute von Geist hingegen den konkreteren; weil dieser die Sache der Anschaulichkeit näher bringt, welche die Quelle aller Evidenz ist. Jene Vorliebe für das Abstrakte läßt sich durch viele Beispiele belegen: ein besonders lächerliches aber ist dieses, daß man in der Deutschen Schriftstellerei dieser letzten zehn Jahre fast überall, wo »bewirken«, oder »verursachen« stehn sollte, »bedingen« findet; weil Dies, als abstrakter und unbestimmter, weniger besagt (nämlich »nicht ohne Dieses« statt »durch Dieses«) und daher immer noch Hinterthürchen offen läßt, die Denen gefallen, welchen das stille Bewußtseyn ihrer Unfähigkeit eine beständige Furcht vor allen entschiedenen Ausdrücken einflößt. Bei Andern jedoch wirkt hier bloß der nationale Hang, in der Litteratur jede Dummheit, wie im Leben jede Ungezogenheit, sogleich nachzuahmen, welcher durch das schnelle Umsichgreifen Beider belegt wird; während ein Engländer, bei Dem, was er schreibt, wie bei Dem, was er thut, sein eigenes Urtheil zu Rathe zieht: Dies ist im Gegentheil Niemanden weniger nachzurühmen, als dem Deutschen. In Folge des besagten Hergangs sind die Worte »bewirken« und »verursachen« aus der Büchersprache der letzten 10 Jahre fast ganz verschwunden und überall ist bloß von »bedingen« die Rede. Die Sache ist, des charakteristisch Lächerlichen wegen, erwähnenswerth.  

 

Was dagegen die Schreiberei unserer Philosophaster so gedankenarm und dadurch marternd langweilig macht, ist zwar im letzten Grunde die Armut ihres Geistes, zunächst aber Dieses, dass ihr Vortrag sich durchgängig in höchst abstrakten, allgemeinen und überaus weiten Begriffen bewegt, daher auch meistens nur in unbestimmten, schwankenden, verblasenen Ausdrücken einherschreitet.

Samstag, 4. Oktober 2025


 

 

Die Musik ist eine so große und überaus herrliche Kunst, wirkt so mächtig auf das Innerste des Menschen, wird dort so ganz und so tief von ihm verstanden, als eine ganz allgemeine Sprache, deren Deutlichkeit sogar die der anschaulichen Welt übertrifft.

 

Das unaussprechlich Innige aller Musik, vermöge dessen sie als ein so ganz vertrautes und doch ewig fernes Paradies an uns vorüberzieht, so ganz verständlich und doch so unerklärlich ist, beruht darauf, dass sie alle Regungen unseres innersten Wesens wiedergibt.

 

Die Gehässigkeit unserer Natur würde vielleicht jeden ein Mal zum Mörder machen, wenn ihr nicht eine gehörige Dosis Furcht beigegeben wäre, um sie in Schranken zu halten.

Sonntag, 28. September 2025

Sonntag, 21. September 2025

 

Peu de philosophie mène à mépriser l'érudition; beaucoup de philosophie mène à l'estimer.

 

A little philosophy makes a person scorn erudition; very much philosophy makes him esteem it. 

 

Wenig Philosophie führt zur Verachtung der Gelehrsamkeit, viel Philosophie macht geneigt, sie hochzuschätzen.

Donnerstag, 18. September 2025

Es ist ein grösserer Abstand zwischen diesem oder jenem Menschen als zwischen diesem Menschen und jenem Tier

Sieh, welch ein Unterschied von Mensch zu Mensch

Und es gibt ebenso viele und unzählbare Stufen des Geistes wie Klafter von der Erde bis zum Himmel.

Mittwoch, 17. September 2025

Mittwoch, 10. September 2025

 

Un auteur, homme de goût, est, parmi ce public blasé, ce qu'une jeune femme est au milieu d'un cercle de vieux libertins.    

An author, a man with taste, is, among this blasé public, what a young woman is in a circle of old libertines. 


 

Ein geschmackvoller Autor inmitten dieses blasierten Publikums gleicht einer jungen Frau unter alten Lebemännern.

Donnerstag, 4. September 2025




 

Socrates s'essayoit, ce me semble, encor plus rudement, conservant pour son exercice, la malignité de sa femme, qui est un essay à fer esmoulu. 

Sokrates kämpfte, dünkt mich, einen noch schwereren Kampf, da er zu seiner Prüfung die Bösartigkeit seiner Frau auf sich nahm ; das ist eine Probe mit scharfem Eisen.

Samstag, 30. August 2025

Man frage mich, was man will! Nur frage man mich nicht nach Gründen. Einem jungen Mädchen vergibt man es, daß sie keine Gründe anzugeben weiß. »Sie lebt in Gefühlen«, heißt es. Anders mit mir. Im allgemeinen habe ich so viele und meistens einander widersprechende Gründe, daß es aus diesem Grunde mir unmöglich ist, Gründe anzugeben. Auch was Ursache und Wirkung betrifft, so will es mir scheinen, daß die eine mit der andern nicht zusammenhängt. Bald geht aus ungeheuren und gewaltigen Ursachen eine sehr geringfügige, eine unansehnlich kleine Wirkung hervor, zuweilen gar keine; bald erzeugt eine winzig kleine Ursache eine kolossale Wirkung.      

Donnerstag, 28. August 2025

 

Ja, der Winter hat auch seine Vorzüge, Ein brillant erleuchteter Saal kann für ein junges Mädchen in Balltoilette eine sehr passende Umgebung sein; aber teils zeigt sie sich hier selten ganz vorteilhaft, teils erinnert da alles zu sehr an des Dichters Wort:

»Ach, die Rosen welken bald«

Dienstag, 19. August 2025


 

 

Zu gewissen Zeiten möchte ich allerdings einen Ballsaal mit seinem kostbaren Luxus und dem unbezahlbaren Überfluß von Tugend und Schönheit, mit feinem mannigfachen Spiel so vieler Kräfte nicht entbehren; aber ich genieße da nicht so sehr, sondern schwelge mehr nur in der Möglichkeit des Genusses. Da fesselt nicht eine einzelne Schönheit, sondern die Totalität; ein Traumbild schwebt an einem vorüber, in welchem all jene weiblichen Wesen sich durcheinander konfigurieren, und alle diese Bewegungen suchen etwas, sie suchen Ruhe in einem einzigen Bilde, das nicht gesehen wird.

Sonntag, 10. August 2025

 

Es war auf dem Wege, der zwischen dem nördlichen und östlichen Thore liegt. Die Uhr war ungefähr halb sieben. Die Sonne hatte ihre Kraft verloren, nur die Erinnerung an dieselbe leuchtete aus dem milden Abendrot, das die Landschaft purpurn färbte. Die Natur atmete freier. Der See war klar wie ein Spiegel, der Himmel rein, nur hier und da eine leichte Wolke. Kein Blatt rührte sich. – –

 

Sie war es. Mein Auge hat mich nicht betrogen, aber obgleich ich mich so lange auf diese Stunde vorbereitet hatte, konnte ich doch einer gewissen Unruhe nicht Herr werden. Sie war allein, offenbar nicht mit sich selber, sondern mit ihren eignen Gedanken beschäftigt. Sie dachte nicht, aber die Gedanken hatten ein Bild der Sehnsucht vor ihre Seele gezaubert, ahnungsvoll und unerklärlich wie die Seufzer eines jungen Mädchens. Sie war beschäftigt, nicht mit sich selber, sondern in sich selber; und diese innere Arbeit ihrer Seele war ein unendlicher Friede, eine tiefe Ruhe in sich selber. Das ist der Reichtum eines jungen Mädchens, und wenn man diesen Reichtum in sich aufnimmt, wird man selber reich. Sie ist reich, obgleich sie selber nicht weiß, daß sie etwas besitzt; sie ist reich, sie ist ein Schatz. Ein stiller Friede ruhte auf ihr und ein Schatten leiser Wehmut verklärte ihr Gesicht. Sie war leicht wie Psyche, von der es heißt, daß die Genien sie forttrugen, ja noch leichter war sie; denn sie trug sich selber. Mögen die Lehrer der Kirche über die Himmelfahrt der Madonna streiten, mir ist's nicht unbegreiflich, denn sie gehörte der Welt nicht mehr an; aber die Leichtigkeit eines jungen Mädchens ist unbegreiflich. –

Freitag, 1. August 2025

 

Sie bemerkte nichts und glaubte deshalb auch unbemerkt zu sein. Ich ging in einiger Entfernung und verschlang ihr Bild. Langsam ging sie vorwärts, keine eilende Hast störte ihren Frieden oder die Ruhe der Umgebung. Am See saß ein Knabe und fischte; sie blieb stehen, betrachtete den Spiegel des Wassers und den Kork an der Angelschnur. Sie war nicht rasch gegangen, schien aber doch warm geworden zu sein, und löste ein kleines Tuch, das sie unter dem Shawl um den Hals gebunden hatte. Der Knabe war offenbar nicht gerade davon erbaut, daß er beobachtet wurde, und schaute sich mit einem ziemlich phlegmatischen Blick nach ihr um. Der kleine Bursche sah in der That komisch aus, und ich kann's ihr nicht verdenken, daß sie über ihn lachen mußte. Wie kindlich lachte sie! Wäre sie mit dem Knaben allein gewesen, so hätte sie sich – glaube ich – nicht gefürchtet, den Kampf mit ihm aufzunehmen. Ihr Auge war groß und glänzend; wenn man in dasselbe hineinschaute, hatte es einen dunkeln Glanz, der keine unendlichen Tiefen ahnen ließ; es war rein und unschuldig, mild und ruhig, voller Schelmerei, als sie lächelte.

Mittwoch, 23. Juli 2025

Sonntag, 20. Juli 2025

 

La bonne grace est au corps ce que le bon sens est à l'esprit.

 

Elegante Haltung ist für den Körper, was gesunder Menschenverstand für den Geist.

 

 

Grace is to the body what good sense is to the mind.

Samstag, 5. Juli 2025

Donnerstag, 26. Juni 2025

 

Montaigne ist ein Skeptiker, der alles bezweifelt und nichts glaubt. Er ist ein Feind der Vernunft und ein Freund der Einbildungskraft.

Montag, 23. Juni 2025

 

Daß ein solcher Mensch geschrieben hat, dadurch ist wahrlich die Lust auf dieser Erde zu leben vermehrt worden. Mir wenigstens geht es seit dem Bekanntwerden mit dieser freiesten und kräftigsten Seele so, daß ich sagen muß, was er von Plutarch sagt: «Kaum habe ich einen Blick auf ihn geworfen, so ist mir ein Bein oder ein Flügel gewachsen.» Mit ihm würde ich es halten, wenn die Aufgabe gestellt wäre, es sich auf der Erde heimisch zu machen.

Dienstag, 10. Juni 2025

 

Montaigne verachtet die menschliche Natur und ignoriert die göttliche Gnade. Er ist ein Feind der Religion und ein Freund der Laster.

 

Montaigne ist ein Autor des Unglaubens, der nichts als sich selbst kennt und nichts als sich selbst liebt.

Mittwoch, 4. Juni 2025


 

 

A clever man must determine the priority of his interests and carry out each accordingly. Our voracity often prevents their success by making us chase after many things at the same time, and while we want what is less important overmuch, we fail in what is most consequential.

 

Un habile homme doit régler le rang de ses intérêts, et les conduire chacun dans son ordre. Notre avidité le trouble souvent, en nous faisant courir à tant de choses à la fois, que pour desirer trop les moins importantes, on manque les plus considérables.

 

Ein lebensgewandter Mann muss seine Interessen nach seinem Vorteil abstufen können; oft mengt die Begehrlichkeit sie durcheinander und treibt uns zu so vielen Dingen auf einmal, dass wir, gerade wenn wir nach den unwichtigen greifen, die wichtigen verfehlen.

Mittwoch, 28. Mai 2025

 

Mettez l’autorité, les plaisirs et l’oisiveté d’un côté, la dépendance, les soins et la misère de l’autre : ou ces choses sont déplacées par la malice des hommes, ou Dieu n’est pas Dieu.

Une certaine inégalité dans les conditions, qui entretient l’ordre et la subordination, est l’ouvrage de Dieu, ou suppose une loi divine : une trop grande disproportion, et telle qu’elle se remarque parmi les hommes, est leur ouvrage, ou la loi des plus forts.

 

Si vous faites cette supposition, que tous les hommes qui peuplent la terre sans exception soient chacun dans l’abondance, et que rien ne leur manque, j’infère de là que nul homme qui est sur la terre n’est dans l’abondance, et que tout lui manque. Il n’y a que deux sortes de richesses, et auxquelles les autres se réduisent, l’argent et les terres : si tous sont riches, qui cultivera les terres, et qui fouillera les mines ? Ceux qui sont éloignés des mines ne les fouilleront pas, ni ceux qui habitent des terres incultes et minérales ne pourront pas en tirer des fruits. On aura recours au commerce, et on le suppose ; mais si les hommes abondent de biens, et que nul ne soit dans le cas de vivre par son travail, qui transportera d’une région à une autre les lingots ou les choses échangées ? qui mettra des vaisseaux en mer ? qui se chargera de les conduire ? qui entreprendra des caravanes ? On manquera alors du nécessaire et des choses utiles. S’il n’y a plus de besoins, il n’y a plus d’arts, plus de sciences, plus d’inventions, plus de mécanique. D’ailleurs cette égalité de possessions et de richesses en établit une autre dans les conditions, bannit toute subordination, réduit les hommes à se servir eux-mêmes, et à ne pouvoir être secourus les uns des autres, rend les lois frivoles et inutiles, entraîne une anarchie universelle, attire la violence, les injures, les massacres, l’impunité.

Si vous supposez au contraire que tous les hommes sont pauvres, en vain le soleil se lève pour eux sur l’horizon, en vain il échauffe la terre et la rend féconde, en vain le ciel verse sur elle ses influences, les fleuves en vain l’arrosent et répandent dans les diverses contrées la fertilité et l’abondance ; inutilement aussi la mer laisse sonder ses abîmes profonds, les rochers et les montagnes s’ouvrent pour laisser fouiller dans leur sein et en tirer tous les trésors qu’ils y renferment. Mais si vous établissez que de tous les hommes répandus dans le monde, les uns soient riches et les autres pauvres et indigents, vous faites alors que le besoin rapproche mutuellement les hommes, les lie, les réconcilie : ceux-ci servent, obéissent, inventent, travaillent, cultivent, perfectionnent ; ceux-là jouissent, nourrissent, secourent, protègent, gouvernent : tout ordre est rétabli, et Dieu se découvre.

Montag, 26. Mai 2025

Sonntag, 25. Mai 2025

 

Il n'y a point d'éloges qu'on ne donne à la prudence; cependant elle ne sauroit nous assurer du moindre évènement.

 

Every praise is given to prudence; meanwhile, it isn't able to assure us of the smallest outcome.

 

Kein Lob, das man nicht der Klugheit spendet, und doch kann sie nicht einmal den Erfolg der geringsten Sache verbürgen.

Freitag, 23. Mai 2025


 

 

La noblesse expose sa vie pour le salut de l’Etat et pour la gloire du souverain ; le magistrat décharge le prince d’une partie du soin de juger les peuples : voilà de part et d’autre des fonctions bien sublimes et d’une merveilleuse utilité ; les hommes ne sont guère capables de plus grandes choses, et je ne sais d’où la robe et l’épée ont puisé de quoi se mépriser réciproquement.

Dienstag, 20. Mai 2025

 

Pendant que les grands négligent de rien connaître, je ne dis pas seulement aux intérêts des princes et aux affaires publiques, mais à leurs propres affaires ; qu’ils ignorent l’économie et la science d’un père de famille, et qu’ils se louent eux-mêmes de cette ignorance ; qu’ils se laissent appauvrir et maîtriser par des intendants ; qu’ils se contentent d’être gourmets ou coteaux, d’aller chez Thaïs ou chez Phryné, de parler de la meute et de la vieille meute, de dire combien il y a de postes de Paris à Besançon, ou à Philisbourg, des citoyens s’instruisent du dedans et du dehors d’un royaume, étudient le gouvernement, deviennent fins et politiques, savent le fort et le faible de tout un État, songent à se mieux placer, se placent, s’élèvent, deviennent puissants, soulagent le prince d’une partie des soins publics. Les grands, qui les dédaignaient, les révèrent : heureux s’ils deviennent leurs gendres.

 Während die Großen es versäumen, sich Kenntnisse anzueignen, nicht nur im Interesse der Fürsten oder der öffentlichen Angelegenheiten, sondern auch ihrem eigenen, während sie nichts von der Sparsamkeit und der Einsicht eines Familienvaters wissen und sich noch dazu mit dieser Unwissenheit brüsten, während sie sich durch Verwalter ausnutzen und bevormunden lassen, während sie sich damit begnügen, Feinschmecker zu sein, zu Thais und Phryne zu gehen, von der ersten und zweiten Meute zu sprechen, die Zahl der Poststationen von Paris nach Besançon oder Philiposburg zu wissen, unterrichten sich Bürger draußen und drinnen im Königreich, studieren die Regierung, werden klug und politisch, kennen die starken und die schwachen Seiten eines ganzen Staates, sinnen darauf, anzukommen, kommen an, bringen sich in die Höhe, werden mächtig, nehmen den Fürsten einen Teil der öffentlichen Lasten ab. Die Großen, die sie verachteten, verehren sie nun: sie sind glücklich, wenn sie ihre Schwiegersöhne werden dürfen. 

Sonntag, 11. Mai 2025

Es gibt Elend auf der Welt, das das Herz ergreift; manchen Leuten fehlt alles, bis auf die Nahrung, sie zagen vor dem Winter, sie fürchten sich zu leben. Anderswo isst man frühreife Früchte. Man tut der Erde und den Jahreszeiten Gewalt an, damit sie den anspruchsvollen Gaumen opfern; einfache Bürger haben, nur weil sie reich waren, die Kühnheit gehabt, mit einem einzigen Bissen die Nahrung von hundert Familien zu verzehren. Widersetze sich, wer will, so großen Extremen: ich mag, wenn ich es kann, weder unglücklich noch glücklich sein, ich schütze mich durch Mittelmäßigkeit, ich flüchte mich in sie.

Montag, 5. Mai 2025




 

 

Auf dem Feld kann man gewisse menschenscheue Tiere männlicher und weiblicher Art sehen; sie sind schwarz, fahl und von der Sonne ganz verbrannt, über die Erde gebeugt, die sie mit einer unbesieglichen Hartnäckigkeit durchwühlen; Sie haben etwas wie eine artikulierte Stimme, Schatz und wenn sie sich aufrichten, zeigen sie ein menschliches Antlitz; und wirklich, sie sind auch Menschen. Nachts ziehen sie sich in Schlupfwinkel zurück, wo sie von schwarzem Brot, Wasser und Wurzeln leben; sie ersparen den übrigen Menschen die Mühe zu säen, den Boden zu bestellen und die Früchte zu ernten, und verdienten, dass sie des Brotes nicht ermangeln müssen, das sie gesät haben.

Freitag, 25. April 2025

 

Mittelalter - jene Zeit, wo die Fäuste geübter waren als die Köpfe und die Pfaffen die Vernunft in Ketten hielten.

Sonntag, 20. April 2025

 

Was die Schreiberei unserer Philosophaster so überaus gedankenarm und dadurch marternd langweilig macht, ist zwar im letzten Grunde die Armut ihres Geistes, zunächst aber dieses, daß ihr Vortrag sich durchgängig in höchst abstrakten, allgemein und überaus weiten Begriffen bewegt, daher auch meistens nur in unbestimmten, schwankenden, verblassenen Ausdrücken einherschreitet. Zu diesem … Gange sind sie aber genötigt, weil sie sich hüten müssen, die Erde zu berühren, wo sie, auf das Reale, Bestimmte, Einzelne und Klare stoßend, lauter gefährliche Klippen antreffen würden, an denen ihre Wortdreimaster scheitern könnten. Denn statt Sinne und Verstand fest und unverwandt zu richten auf die anschaulich vorliegende Welt, auf das eigentlich und wahrhaft Gegebene … – kennen sie nichts als nur die höchsten Abstraktionen wie Sein, Wesen, Werden, Absolutes, Unendliches usf., gehen schon von diesen aus und bauen daraus Systeme, deren Gehalt zuletzt auf bloße Worte hinausläuft, die also eigentlich nur Seifenblasen sind, eine Weile damit zu spielen, jedoch den Boden der Realität nicht berühren können, ohne zu platzen.

Freitag, 18. April 2025

Donnerstag, 17. April 2025

 

Deshalb beruht der gute Stil hauptsächlich darauf, daß man wirklich etwas zu sagen habe: bloß diese Kleinigkeit ist es, die den meisten Schriftstellern unsrer Tage abgeht und dadurch Schuld ist an ihrem so schlechten Vortrage. Besonders aber ist der generische Charakter der philosophischen Schriften dieses Jahrhunderts das Schreiben, ohne eigentlich etwas zu sagen zu haben: er ist ihnen allen gemeinsam und kann daher auf gleiche Weise am Salat, wie am Hegel, am Herbart, wie am Schleiermacher studirt werden. Da wird, nach homoiopathischer Methode, das schwache Minimum eines Gedankens mit 50 Seiten Wortschwall diluirt und nun, mit grenzenlosem Zutrauen zur wahrhaft deutschen Geduld des Lesers, ganz gelassen, Seite nach Seite, so fortgeträtscht. Vergebens hofft der zu dieser Lektüre verurtheilte Kopf auf eigentliche, solide und substantielle Gedanken: er schmachtet, ja, er schmachtet nach irgend einem Gedanken, wie der Reisende in der arabischen Wüste nach Wasser, — und muß verschmachten.

Beredsamkeit ist die Fähigkeit, unsere Ansicht einer Sache, oder unsere Gesinnung hinsichtlich derselben, auch in Andern zu erregen, unser Gefühl darüber in ihnen zu entzünden und sie so in Sympathie mit uns zu versetzen; dies Alles aber dadurch, daß wir, mittelst Worten, den Strohm unserer Gedanken in ihren Kopf leiten, mit solcher Gewalt, daß er den ihrer eigenen von dem Gange, den sie bereits genommen, ablenkt und in seinen Lauf mit fortreißt. Dies Meisterstück wird um so größer seyn, je mehr der Gang ihrer Gedanken vorher von dem unserigen abwich. Hieraus wird leicht begreiflich, warum die eigene Ueberzeugung und die Leidenschaft beredt macht, und überhaupt Beredsamkeit mehr Gabe der Natur, als Werk der Kunst ist: doch wird auch hier die Kunst die Natur unterstützen.

Sonntag, 6. April 2025

 

Kein Tier quält jemals bloß um zu quälen, aber dies tut der Mensch.


 

Freitag, 4. April 2025

 

Das Missionswesen ist der Gipfel menschlicher Zudringlichkeit, Arroganz und Impertinenz.

Mittwoch, 26. März 2025

 

On dit et on répète, après avoir lu quelque ouvrage qui respire la vertu: « C'est dommage que les auteurs ne se peignent pas dans leurs écrits, et qu'on ne puisse pas conclure d'un pareil ouvrage que l'auteur est ce qu'il paraît être. » Il est vrai que beaucoup d'exemples autorisent cette pensée; mais j'ai remarquée qu'on fait souvent cette réflexion pour se dispenser d'honorer les vertus dont on trouve l'image dans les écrits d'un honnête homme.    

A person says and says again after having read a work that breathes virtue: "It's too bad that authors do not paint themselves in their works, and that a person cannot conclude from such a work that the author is what he seems to be." It is true that very many examples authorize this thought; but I've noticed that people often make this reflection in order not to have to honor the virtues whose images are found in the writings of an honest man. 

Mittwoch, 12. März 2025

Dienstag, 4. März 2025

 

What is a man of letters who is not elevated by his character, by the merit of his friends and by a little leisure? If he lacks this last advantage to the point that he can't live decently in the society that his merit calls him to, what need does he have of society? Isn't he obliged then to choose a solitude in which he can cultivate his soul, his character and his reason in peace? Is it necessary for him to carry the weight of society without collecting any of the advantages that it gives to other types of citizens? A man of letters who is forced into going alone will find the happiness there that he has sought elsewhere in vain. It is such a person who can say that by having been refused everything, he has been given everything. On how many occasions can't a person repeat the phrase of Themistocles: "Alas! We would have perished if we hadn't perished!" 

 

… Mehr als ein Schriftsteller hat durch den Entschluss zur Einsamkeit das Glück gefunden, das er sonst vergeblich gesucht hätte. Er kann von sich sagen, dass man ihm alles gab, indem man ihm alles nahm. Wie oft kann er nicht das Wort des Themistokles wiederholen: „Ach, ich würde zugrunde gehen, wenn ich nicht schon zugrunde gegangen wäre.“

 

Qu'est-ce que c'est qu'un homme de lettres qui n'est pas rehaussé par son caractère, par le mérite de ses amis, et par un peu d'aisance? Si ce dernier avantage lui manque au point qu'il soit hors d'état de vivre convenablement dans la société où son mérite l'appelle, qu'a-t-il besoin du monde? Son seul parti n'est-il pas de se choisir une retraite où il puisse cultiver en paix son âme, son caractère et sa raison? Faut-il qu'il porte le poids de la société, sans recueillir un seul des avantages qu'elle procure aux autres classes de citoyens? Plus d'un homme de lettres, forcé de prendre ce parti, y a trouvé le bonheur qu'il eût cherché ailleurs vainement. C'est celui-là qui peut dire qu'en lui refusant tout on lui a tout donné. Dans combien d'occasions ne peut-on pas répéter le mot de Thémistocle: « Hélas! nous périssions si nous n'eussions péri! »    

Samstag, 22. Februar 2025

 

»Also Montag um eins in der Ausstellung.« Sehr wohl, ich werde die Ehre haben, mich kurz vor 1 Uhr einzufinden. Ein kleines Rendezvous. Am Sonnabend entschloß ich mich, meinem abgereisten Freunde Adolf Brunn einen Besuch zu machen. Gegen 6 Uhr abends ging ich nach der Westergade, wo er, wie man mir gesagt hatte, wohnen sollte. Er war indessen nicht zu finden, selbst nicht in der dritten Etage. Aber als ich die Treppe wieder hinuntergehe, höre ich eine melodische, weibliche Stimme halblaut sagen: »Also Montag um eins in der Ausstellung; dann sind die andern aus, aber du weißt, daß ich dich zu Hause nicht sehen darf.« Die Einladung galt nicht mir, sondern einem jungen Menschen, der sich so rasch aus dem Staube machte, daß weder meine Blicke noch meine Schritte ihn verfolgen konnten. Weshalb war doch kein Gas auf den Korridoren? dann hätte ich vielleicht gesehen, ob es der Mühe wert gewesen wäre, so präzis zu erscheinen. Doch nein, hätte auf den Korridoren Gas gebrannt, dann würde ich sehr wahrscheinlich nichts gehört haben.

Das Bestehende ist das Vernünftige, ich bin und bleibe Optimist... Wer ist es nun? In der Ausstellung fehlt es nicht an jungen Mädchen. Es ist zehn Minuten vor eins! Meine schöne Unbekannte! möchte Ihr Zukünftiger immer so präzis wie ich sein, oder wünschen Sie vielleicht, er möchte nicht zu früh kommen? Wie Sie wollen, ich stehe zu Diensten. »Reizende Zauberin, Fee oder Hexe, laß deinen Nebel verschwinden,« offenbare dich, du bist vermutlich schon gegenwärtig, aber unsichtbar für mich, verrate dich, denn nur dann werde ich auf eine Offenbarung hoffen dürfen. Sollten noch andre hier oben sein, die derselbe Wunsch hergeführt hat? Wohl möglich. Wer kennt die Wege eines Menschen, selbst wenn er die Ausstellung besucht. – – Da kommt ein junges Mädchen, sie eilt schneller noch als das böse Gewissen hinter dem Sünder. Sie vergißt das Billet abzugeben; der Portier hält sie auf. Um alles in der Welt, welche Eile! Das muß sie sein. Nur nicht zu heftig, es ist noch nicht eins. Vergessen Sie doch nicht, daß Sie dem Geliebten entgegengehen. Da ist's nicht ganz einerlei, wie man aussieht. Wenn solch junges, unschuldiges Blut zu einem Rendezvous kommt, dann ist sie wie wahnsinnig. Ich dagegen sitze ganz gemütlich auf meinem Stuhl und betrachte eine herrliche Landschaft... Ein Teufelsmädchen, sie stürmt durch alle Zimmer. – – –

 

Ein Rendezvous wird von den Liebenden gewöhnlich als der schönste Augenblick angesehen. Ich selber erinnere mich dessen noch so deutlich, als wär's gestern gewesen, wie ich zum erstenmal nach dem verabredeten Orte eilte, wie war mein Herz so reich in Gedanken an die unbekannte Freude, die meiner wartete, wie ich zum erstenmal drei Schläge mit der Hand machte, zum erstenmal das Fenster sich öffnete, das Gartenpförtchen von der unsichtbaren Hand eines Mädchens geöffnet wurde – zum erstenmal in der hellen Sommernacht sich ein liebes Mädchen unter meinem Mantel verbarg. Doch ist dieses Urteil nicht ohne alle Illusion. Ein Unparteiischer findet nicht immer, daß die Liebenden in diesem Moment am schönsten sind. Ich habe Rendezvous beobachtet, deren Total-Eindruck fast unangenehm berührte, obgleich sie reizend und er schön war. Wer hier häufiger Erfahrungen gemacht hat, wird dadurch gewissermaßen reicher; wohl verliert man dann die süße Unruhe der ungeduldigen Sehnsucht, aber durch die innere Ruhe wird der Augenblick wirklich schön. Ich kann mich ärgern, wenn ein junger Mann bei einer solchen Gelegenheit so verwirrt wird, daß er aus reiner Liebe ein delirium tremens bekommt. Was verstehen Bauern von Gurkensalat? Statt mit aller Ruhe ihre Unruhe zu genießen, und dadurch ihre Schönheit in glühenderem Lichte zu sehen, macht er eine unschöne Konfusion, und kehrt doch vergnügt nach Hause zurück, bildet sich ein, es sei herrlich gewesen. – – –

Sonntag, 16. Februar 2025

Montag, 10. Februar 2025

 

Aber wo zum Teufel bleibt der Mensch? die Uhr ist ja gleich zwei. Was für ein Schlingel, ein junges Mädchen so auf sich warten zu lassen. Nein, da bin ich doch ein ganz anders zuverlässiger Mensch! Ich werde sie anreden, wenn sie nun zum fünften Male an mir vorübergeht. »Verzeihen Sie meine Kühnheit, schönes Fräulein, Sie suchen hier oben gewiß Ihre Familie? Sie sind schon öfter an mir vorübergeeilt, und ich habe bemerkt, daß Sie nur bis zu dem vorletzten Zimmer gingen. Sie wissen wohl nicht, daß da noch ein Zimmer ist, und vielleicht treffen Sie dort die, die Sie suchen.« Sie verbeugt sich vor mir. Allerliebst! die Gelegenheit ist günstig; es freut mich, daß der Mensch nicht kommt, man fischt immer am besten in unruhigem Wasser. Wenn ein junges Mädchen erregt ist, kann man oft etwas erreichen, was einem zu andern Zeiten unmöglich wäre. Ich habe mich so höflich und so fremd wie möglich vor ihr verbeugt und sitze nun wieder auf meinem Stuhl, betrachte die Landschaft und lasse sie nicht aus den Augen. Ihr gleich zu folgen, wäre zu viel gewagt, das könnte zudringlich erscheinen; jetzt meint sie, ich habe sie nur mit freundlicher Teilnahme angeredet und bin gut bei ihr angeschrieben.

 

In dem letzten Zimmer ist keine Seele, ich weiß es wohl. Die Einsamkeit wird einen guten Einfluß auf sie ausüben; solange sie viele Menschen um sich sieht, ist sie unruhig, fühlt sie sich allein, so wird sie stiller werden. Ganz richtig, sie bleibt drinnen. Bald komme ich en passant dahin. Ich darf noch eine Frage an sie richten, sie schuldet mir ja eigentlich einen Gruß. – Sie hat sich gesetzt. Armes Mädchen, sie sieht so wehmütig aus, ich glaube gar, sie hat geweint, wenigstens hat sie Thränen in den Augen. Es ist empörend, einem Mädchen solchen Kummer zu bereiten, daß es weinen muß. Aber nur Geduld – du sollst gerächt werden, ich will dich rächen. –

 

Wie ist sie schön, nun die Stürme sich gelegt haben. Ihr ganzes Wesen ist Wehmut und Harmonie des Schmerzes. Sie ist wirklich einnehmend und sieht aus, als nähme sie von dem Geliebten für immer Abschied. Laß ihn laufen! – die Situation ist günstig. Ich muß mich so ausdrücken, daß es aussieht, als glaubte ich wirklich, sie suche ihre Familie oder Bekannte, und ich muß doch so warm sprechen, daß jedes Wort für ihre Gefühle bezeichnend ist, dann werde ich mich schon in ihre Gedanken hineinschleichen. – – – Hol der Teufel den Schlingel. Wahrhaftig, das muß er sein, und ich stehe gerade am erwünschten Ziel. Doch es ist noch nicht alles verloren. Sie muß mich wenigstens noch einmal sehen, dann wird sie unwillkürlich über mich lächeln, weil ich ja glaubte, sie suche hier ihre Familie, und sie suchte etwas ganz andres. Dieses Lächeln weiht mich in ihr Geheimnis ein, das ist immer etwas...

Montag, 3. Februar 2025


 

 

Dank, tausend Dank, mein Mädchen, dieses Lächeln ist mir mehr wert, als du glaubst, es ist der Anfang, und aller Anfang ist schwer. Nun sind wir Bekannte, unsre Bekanntschaft ruht auf einer pikanten Situation.

Donnerstag, 30. Januar 2025

 

La vérité ne fait pas tant de bien dans le monde, que ses apparences y font de mal.

 

The truth doesn't do as many good things in the world as the false appearance of it does harm.

 

Die Wahrheit stiftet nicht soviel Nutzen in der Welt wie ihr Schein Schaden.


Freitag, 24. Januar 2025

Sonntag, 19. Januar 2025

 

L'aversion du mensonge est souvent une imperceptible ambition de rendre nos témoignages considérables, et d'attirer à nos paroles un respect de religion.

 

Hatred of lying is often an imperceptible ambition to make our testimony carry weight, and to make people regard our words as sacred.

 

Abscheu vor Lügen ist oft nichts als versteckter Ehrgeiz, unsern Aussagen ewicht und unsern Worten eine Art religiöser Verehrung zu sichern.

Samstag, 11. Januar 2025

Freitag, 10. Januar 2025

 

Sincerity is an openness of heart. One finds it in very few people; and one usually only sees a subtle dissimulation done for the purpose of acquiring other's trust.

 

Aufrichtigkeit ist Herzensoffenheit. Man trifft sie bei wenigen Menschen; die man gewöhnlich sieht, ist nur eine feine Verstellung, um Vertrauen zu gewinnen.

 

La sincérité est une ouverture de cœur. On la trouve en fort peu de gens;et celle que l'on voit d'ordinaire n'est qu'une fine dissimulation pour attirer la confiance des autres.