Deshalb beruht der gute Stil hauptsächlich darauf, daß
man wirklich etwas zu sagen habe: bloß diese Kleinigkeit ist es, die den meisten
Schriftstellern unsrer Tage abgeht und dadurch Schuld ist an ihrem so schlechten
Vortrage. Besonders aber ist der generische Charakter der philosophischen Schriften
dieses Jahrhunderts das Schreiben, ohne eigentlich etwas zu sagen zu haben: er ist
ihnen allen gemeinsam und kann daher auf gleiche Weise am Salat, wie am Hegel, am
Herbart, wie am Schleiermacher studirt werden. Da wird, nach homoiopathischer
Methode, das schwache Minimum eines Gedankens mit 50 Seiten Wortschwall diluirt
und nun, mit grenzenlosem Zutrauen zur wahrhaft deutschen Geduld des Lesers, ganz
gelassen, Seite nach Seite, so fortgeträtscht. Vergebens hofft der zu dieser Lektüre
verurtheilte Kopf auf eigentliche, solide und substantielle Gedanken: er schmachtet,
ja, er schmachtet nach irgend einem Gedanken, wie der Reisende in der arabischen
Wüste nach Wasser, — und muß verschmachten.
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