Sonntag, 21. Dezember 2014


Il faut trier de toute une nation une douzaine d’hommes pour juger d’un arpent de terre ; et le jugement de nos inclinations et de nos actions, la plus difficile matiere et la plus importante qui soit, nous la remettons à la voix de la commune et de la tourbe, mere d’ignorance, d’injustice et d’inconstance.

Um über einen Acker Landes zu urteilen, muß man aus einer ganzen Nation ein Dutzend Männer aussuchen; und über unsere Neigungen und unsere Handlungen zu urteilen, welches das schwerste und wichtigste Geschäft unter allen ist, überlassen wir der Stimme des gemeinen Haufens, der Mutter der Unwissenheit, der Ungerechtigkeit und der Unbeständigkeit!

Est-ce raison faire dependre la vie d’un sage du jugement des fols ? An quidquam stultius quam quos singulos contemnas, eos aliquid putare esse universos ?

Ist wohl einiger Sinn dabei, das Leben eines weisen Mannes vom Urteile der Narren abhängig zu machen? An quidquam stultius quam, quos singulos contemnas, eos aliquid putare esse universos? - Ist wohl etwas Verrückteres, als auf deren Urteil im Ganzen etwas zu bauen, die man einzeln genommen für dumm und unwissend hält.

Quiconque vise à leur plaire, il n’a jamais faict ; c’est une bute qui n’a ny forme ny prise. Nihil tam inaestimabile est quam animi multitudinis.  

Wer es darauf angelegt, ihnen zu gefallen, der kommt zu keinem Ende ; das ist ein Ziel, das weder Halt noch Gestalt hat. Nil tam inaestimabile est quam animi multitudinis. - Nichts verdient mehr, verachtet zu werden, als die Gesinnungen und Meinungen des großen Haufens.

Freitag, 5. Dezember 2014


Demetrius disoit plaisamment de la voix du peuple, qu’il ne faisoit non plus de recette de celle qui luy sortoit par en haut, que de celle qui luy sortoit par en bas. Celuy-là dict encore plus : Ego hoc judico, siquando turpe non sit, tamen non esse non turpe, quum id a multitudine laudetur.

Demetrius sagte scherzhafterweise von der Stimme des Volks, er mache sich ebensowenig aus der, welche ihm von oben ausgehe, wie aus der, welche ihm unten entfahre. Und dieser hier geht noch weiter : Ego hoc judico, si quando turpe non sit, tamen non esse non turpe, quum id a multiudine laudetur.
Nach meinem Urteil muß das, was auch an sich nicht tadelnswürdig wäre, es schon dadurch werden, daß der dumme Haufen es preist.

Donnerstag, 20. November 2014


Allein dieser Ausdruck Würde des Menschen, einmal von Kant ausgesprochen, wurde nachher das Schiboleth aller rat- und gedankenlosen Moralisten, die ihren Mangel an einer wirklichen oder wenigstens doch irgendetwas sagenden Grundlage der Moral hinter jenen imponierenden Ausdruck Würde des Menschen versteckten, klug darauf rechnend, daß auch ihr Leser sich gern mit einer solchen Würde angetan sehen und demnach damit zufrieden gestellt sein würde.
Aber hiervon auch abgesehen, scheint mir der Begriff der Würde auf ein am Willen so sündliches, am Geiste so beschränktes, am Körper so verletzbares und hinfälliges Wesen, wie der Mensch ist, nur ironisch anwendbar zu sein.
Jeder Wert ist die Schätzung einer Sache im Vergleich mit einer anderen, also ein Vergleichsbegriff, mithin relativ und diese Relativität macht eben das Wesen des Begriffs Wert aus. Ein unvergleichbarer, unbedingter, absoluter Wert, dergleichen die Würde sein soll, ist demnach, wie so vieles in der Philosophie, die mit Worten gestellte Aufgabe zu einem Gedanken, der sich gar nicht denken läßt, so wenig wie die höchste Zahl oder der größte Raum.

Dienstag, 11. November 2014


Null’art, nulle soupplesse d’esprit pourroit conduire nos pas à la suitte d’un guide si desvoyé et si desreiglé. En cette confusion venteuse de bruits de raports et opinions vulgaires qui nous poussent, il ne se peut establir aucune route qui vaille. Ne nous proposons point une fin si flotante et vagabonde : allons constammant apres la raison : que l’approbation publique nous suyve par là, si elle veut ; et, comme elle despend toute de la fortune, nous n’avons point loy de l’esperer plustost par autre voye que par celle là.

Keine Kunst, keine Geschmeidigkeit des Geistes könnte unsere Schritte nach einem so irrigen und unwissenden Wegweiser leiten. In dieser Verwirrung von Windgeräusch, von Volksmeinung und Gerüchten, durch welche wir uns treiben lassen, läßt sich kein Weg ausmachen, der etwas tauge. Laßt uns kein so wankelhaftes, unbeständiges Ziel vorstecken, folgen wir immer geradewegs der Vernunft. Auf diesem Wege möge uns der öffentliche Beifall folgen, wenn er will, und weil er ganz vom Glück abhängt, so haben wir keinen Grund, ihn auf einem andern Wege zu erwarten als auf diesem.

Quand pour sa droiture je ne suyverois le droit chemin, je le suyvrois pour avoir trouvé par experience qu’au bout du conte c’est communement le plus heureux et le plus utile. Le marinier antien disoit ainsin à Neptune en une grande tempeste : O Dieu, tu me sauveras, si tu veux ; tu me perderas, si tu veux : mais si tiendrai je tousjours droit mon timon.

Ich würde ihm deswegen nicht folgen, weil der geradeste Weg der kürzeste ist, sondern ich würde ihm folgen, weil ich aus der Erfahrung weiß, daß er am Ende immer als der glücklichste und der nützlichste befunden wird. Ein alter Schiffer unter den Alten sagte folgendermaßen zu Neptun: »O Gott, du kannst mich retten, wenn du willst; wenn du willst, kannst du mich untergehen lassen, aber mein Ruder halte ich immer geradeaus.«

Freitag, 7. November 2014

Every time I see infatuation in a woman, or even in a man, I begin to distrust that persons sensibility. This rule has never misled me.
Sooft ich Vernarrtheit an einem Mann oder einer Frau sehe, zweifle ich an ihrer sinnlichen Empfänglichkeit. Diese Regel hat mich noch niemals getäuscht.
Toutes les fois que je vois de l'engouement dans une femme, ou même dans un homme, je commence à me défier de sa sensibilité. Cette règle ne m'a jamais trompé.

Freitag, 24. Oktober 2014

The contemplative life is often miserable. We must act more, think less, and not watch ourselves live.
Das kontemplative Leben ist oft elend. Man muss mehr handeln, weniger denken und sich nicht leben sehen.
La vie contemplative est souvent misérable. Il faut agir davantage, penser moins, et ne pas se regarder vivre.

Dienstag, 21. Oktober 2014

An honest man who has gotten rid of all illusions is a man par excellence. Though he may have little esprit, his society is very pleasant. He can't be a pedant, not placing importance in anything. He is indulgent, because he remembers that he had the same illusions that others are still occupied with. Being carefree is the reason for his confidence in his commerce with men, and for not giving in to petty annoyances. If people give him such annoyances or betray him, he forgets or disdains it. He has more gaiety than others, because he is constantly in a position to make epigrams on them. He has the truth, and laughs at the false steps that people take who are groping around in false ideas. He is a man who, from a place that is lit, sees the ridiculous gestures that people are making who are walking in a dark room at their own peril. With laughter, he breaks the false weights and measures that people apply to men and things.
L'honnête homme, détrompé de toutes les illusions, est l'homme par excellence. Pour peu qu'il ait d'esprit, sa société est très aimable. Il ne saurait être pédant, ne mettant d'importance à rien. Il est indulgent, parce qu'il se souvient qu'il a eu des illusions, comme ceux qui en sont encore occupés. C'est un effet de son insouciance d'être sûr dans le commerce, de ne se permettre ni redites, ni tracasseries. Si on se les permet à son égard, il les oublie ou les dédaigne. Il doit être plus gai qu'un autre, parce qu'il est constamment en état d'épigramme contre son prochain. Il est dans le vrai, et rit des faux pas de ceux qui marchent à tâtons dans le faux. C'est un homme qui, d'un endroit éclairé, voit dans une chambre obscure les gestes ridicules de ceux qui s'y promènent au hasard. Il brise en riant les faux poids et les fausses mesures qu'on applique aux hommes et aux choses. 

Montag, 20. Oktober 2014

One of the great misfortunes of man is that even his good qualities sometimes don't help him, and that the art of using them for his benefit and of governing them well is often only the fruit of tardy experience.

Un des grands malheurs de l'homme, c'est que ses bonnes qualités même lui sont quelquefois inutiles, et que l'art de s'en servir et de les bien gouverner n'est souvent qu'un fruit tardif de l'expérience.     

Donnerstag, 2. Oktober 2014

Sie sitzt im Sofa am Theetisch, ich an ihrer Seite. Ihr Herz klopft, aber ohne Leidenschaft, der Busen bewegt sich, aber ohne Unruhe, sie wechselt zuweilen die Farbe, aber in kaum merklichen Übergängen.

Man kann ein Weib doch immer wieder und wieder betrachten und an ihr Studien machen. Mag das einer nicht, und hat daran keine Freude, der kann alles sein, nur kein wirklicher Ästhetiker. Das Herrliche, das Göttliche in der Ästhetik ist gerade, dass sie in einem Verhältnis zum Schönen steht. Ich denke mit wahrer Freude, wie sich doch die Sonne der Weiblichkeit in unendlich vielen Strahlen bricht. Ein verwirrender Reichtum von Weiblichkeit, von dem jedes einzelne Weib einen kleinen Teil hat, doch so, dass ihr übriges sich harmonisch um diesen Teil schliesst. In dieser Hinsicht ist die weibliche Schönheit bis in das Unendliche teilbar.
Doch jeder einzelne Teil der Schönheit muss harmonisch beherrscht sein, sonst wird der Eindruck verwirrt und man kommt auf den Gedanken, als habe die Natur mit diesem Mädchen etwas vorgehabt, was aber nur Vorsatz geblieben ist. Mein Auge wird nie müde, die vielen zerstreuten Emanationen weiblicher Schönheit zu betrachten. Jedes junge Mädchen ist eine solche, und trotzdem sie nur ein Teil davon ist, doch in sich selbst vollendet glücklich, fröhlich, schön. Jeder einzelne Strahl ist von besonderer Schönheit, jeder hat das Seine; munteres Lächeln, schelmischer Blick, fragende Augen, ausgelassener leichter Sinn, hängender Kopf, stille Wehmut, tiefes Ahnen, irdisches Heimweh, drohende Brauen, fragende Lippen, geheimnisvolle Stirn, verführerische Locken, himmlischer Stolz, irdische Schüchternheit, Engelreinheit, leises Erröten, leichter Gang, reizendes Schweben, schmachtende Haltung, träumerisches Sehnen, unerklärliches Seufzen, schlanker Wuchs, weiche Formen, wogender Busen, kleiner Fuss, reizende Hand.

Das Seine hat jeder Schönheitsstrahl. Habe ich angeschaut, und immer wieder angeschaut, habe ich gelächelt, geseufzt, geschmeichelt und gedroht, begehrt und versucht, gelacht und geweint, habe ich gehofft und gefürchtet, gewonnen und verloren, – dann schliesst sich das einzelne zu einem harmonischen Ganzen und meine Seele freut sich, mein Herz pocht, und die Leidenschaft durchglüht meine Brust. Und dieses Mädchen, dieses eine, die einzige in der ganzen Welt, sie muss mein sein, mein werden. Gott behalte deinen Himmel, wie sie nur mir gehört.

Dienstag, 23. September 2014

Arsène, du plus haut de son esprit, contemple les hommes, et dans l'éloignement d'où il les voit, il est comme effrayé de leur petitesse; loué, exalté, et porté jusqu'aux cieux par de certaines gens qui se sont promis de s'admirer réciproquement, il croit, avec quelque mérite qu'il a, posséder tout celui qu'on peut avoir, et qu'il n'aura jamais; occupé et rempli de ses sublimes idées, il se donne à peine le loisir de prononcer quelques oracles; élevé par son caractère au-dessus des jugements humains, il abandonne aux âmes communes le mérite d'une vie suivie et uniforme, et il n'est responsable de ses inconstances qu'à ce cercle d'amis qui les idolâtrent: eux seuls savent juger, savent penser, savent écrire, doivent écrire; il n'y a point d'autre ouvrage d'esprit si bien reçu dans le monde, et si universellement goûté des honnêtes gens, je ne dis pas qu'il veuille approuver, mais qu'il daigne lire: incapable d'être corrigé par cette peinture, qu'il ne lira point. 
Arsène, from the height of his esprit, contemplates men; and from such a great distance, he is fightened by their littleness; having been praised, exalted, and carried into the heavens by certain people who admire him in return for his admiration, he thinks that he has all the merit that it is possible for man to have, and that he will never have; occupied and filled with sublime ideas, he hardly has the time to pronounce a few prophesies; lifted by his character above human discernment, he leaves it to common souls to have a regulated and uniform life; he only has to account for his fickleness to the circle of friends that idolize him: only they are able to judge, to think, to write, and they are the only ones who should write; there is no work of literature in the world that has been so well received and so universally enjoyed by honest men, that he will, not approve of it, but deign to read it: he is incapable of being corrected by this portrait, which he will never see. 
La même justesse d'esprit qui nous fait écrire de bonnes choses nous fait appréhender qu'elles ne le soient pas assez pour mériter d'être lues.  
Un esprit médiocre croit écrire divinement; un bon esprit croit écrire raisonnablement. 

Montag, 1. September 2014

Il y a dans l’art un point de perfection, comme de bonté ou de maturité dans la nature. Celui qui le sent et qui l’aime a le goût parfait ; celui qui ne le sent pas, et qui aime en deçà ou au delà, a le goût défectueux. Il y a donc un bon et un mauvais goût, et l’on dispute des goûts avec fondement.
There is a point of perfection in art, just as there is health or maturity in nature. Those who sense and love it have good taste; those who don't sense it and like either before it or after have a defective taste. There is therefore a good and a bad taste, and we dispute tastes with reason.

L’on n’a guère vu jusques à présent un chef-d'œuvre d’esprit qui soit l’ouvrage de plusieurs : Homère a fait l’Iliade, Virgile l’Énéide, Tite-Live ses Décades, et l’Orateur romain ses Oraisons.
A masterpiece that was made by many people has hardly ever yet been seen: Homer wrote the Iliad, Virgil the Aeneid, Livy his Ab Urbe Condita, and Cicero his Orations.

Donnerstag, 21. August 2014

Ce que j'ai appris, je ne le sais plus. Le peu que je sais encore, je l'ai deviné.
Was ich gelernt habe, weiss ich nicht mehr. Das wenige, was ich weiss, habe ich erraten.   

What I've learned, I no longer know. The little that I still know, I guessed.

Donnerstag, 7. August 2014


Ma vie entière est un tissu de contrastes apparents avec mes principes. Je n'aime point les princes, et je suis attaché à une princesse et à un prince. On me connaît des maximes républicaines, et plusieurs de mes amis sont revêtus de décorations monarchiques. J'aime la pauvreté volontaire, et je vis avec des gens riches. Je fuis les honneurs, et quelques-uns sont venus à moi. Les lettres sont presque ma seule consolation, et je ne vois point de beaux esprits, et ne va point à l'Académie. Ajoutez que je crois les illusions nécessaires à l'homme, et je vis sans illusions; que je crois les passions plus utiles que la raison, et je ne sais plus ce que c'est que les passions, etc.     

My whole life is full of apparent contrasts with my principles. I do not like princes at all, and I am tied to a princess and to a prince. People know my republican feelings, and many of my friends are coated with monarchical decorations. I love voluntary poverty, and I live with rich people. I shun honors, and some have been given to me. Letters are nearly my only consolation, and I never see literary men or go to the Académie. Add that I think that illusions are necessary for men, and that I live without them; that I think that passions are more useful than reason, and I no longer have them, etc.
Mein ganzes Leben ist ein Gewebe von ausgenfälligen Kontrasten zu meinen Prinzipien. Ich liebe die Fürsten nicht, und ich bin befreundet mit einer Fürstin und einem Fürsten. Man kennt meine republikanischen Grundsätze und mehrere meiner Freunde haben monarchische Orden. Ich liebe die freiwillige Armut und verkehre mit reichen Leuten. Ich weiche allen Ehrenbezeigungen aus, und doch sind einige zu mir gekommen. Die Literatur ist fast mein einziger Trost, und ich verkehre nicht mit Schöngeistern und gehe nicht zur Akademie. Man nehme hinzu, dass mir Illusionen für die Menschen unentbehrlich zu sein scheinen, und ich lebe ohne Illusionen; ich halte die Leidenschaften für wertvoller als die Vernunft und weiss gar nicht mehr, was Leidenschaften sind, usw.

Samstag, 2. August 2014


When my heart needs tenderness, I remember the loss of the friends I no longer have, and the women whom death has wrenched from me; I occupy their coffins, I see my soul wander around theirs. Alas! I possess three tombs. 
 
 
 
Lorsque mon cœur a besoin d'attendrissement, je me rappelle la perte des amis que je n'ai plus, des femmes que la mort m'a ravies; j'habite leur cercueil, j'envoie mon âme errer autour des leurs. Hélas! je possède trois tombeaux.

Dienstag, 29. Juli 2014


J’ay veu de mon temps mill’ hommes soupples, mestis, ambigus, et que nul ne doubtoit plus prudans mondains que moy, se perdre où je me suis sauvé :
Risi successu posse carere dolos.

Ich habe in meinen Tagen tausend geschmeidige, durchtriebene, doppelzüngige Menschen , die jedermann für weit weltmännischere Köpfe erachtete als mich, sich da ins Verderben stürzen sehen, wo ich ungeschoren davonkam.
Es lächerte mich, erfolglose Listen zu sehen.

Nous appellons agrandir nostre nom, l’estandre et semer en plusieurs bouches ; nous voulons qu’il y soit receu en bonne part et que cette sienne accroissance luy vienne à profit : voylà ce qu’il y peut avoir de plus excusable en ce dessein. Mais l’exces de cette maladie en va jusques là que plusieurs cerchent de faire parler d’eux en quelque façon que ce soit. Trogus Pompeius dict de Herostratus, et Titus Livius de Manlius Capitolinus, qu’ils estoyent plus desireux de grande que de bonne reputation. Ce vice est ordinaire. Nous nous soignons plus qu’on parle de nous, que comment on en parle ; et nous est assez que nostre nom coure par la bouche des hommes, en quelque condition qu’il y coure.
Il semble que l’estre conneu, ce soit aucunement avoir sa vie et sa durée en la garde d’autruy. Moy, je tiens que je ne suis que chez moy ; et, de cette autre mienne vie qui loge en la connoissance de mes amis, à la considerer nue et simplement en soy, je sçay bien que je n’en sens fruict ny jouissance que par la vanité d’une opinion fantastique.

Es scheint, bekannt zu sein bedeute gleichsam, sein Leben und seine Fortdauer bei andern verwahrt zu wissen. Ich meinesteils bin der Überzeugung, dass ich nur bei mir selber bin ; und was dieses mein anderes Leben angeht, das seinen Bestand im Gedenken meiner Freunde hat, weiss ich wohl, wenn ich es nackt und bloss in sich selber betrachte, dass ich davon keinen andern Genuss und Gewinn empfange als durch die Eitelkeit eines leeren Wahns.

Donnerstag, 10. Juli 2014


Als ich der Welt und dem Vermögen entsagte, fand ich Glück, Stille, Gesundheit, ja Reichtum und merkte, dem Sprichwort zum Trotz, dass, wer das Spiel aufgibt, es gewinnt.

En renonçant au monde et à la fortune, j'ai trouvé le bonheur, le calme, la santé, même la richesse; et en dépit du proverb, je m'aperçois que qui quitte la partie la gagne.

When I renounced society and fortune, I found happiness, calm, health and even wealth; and despite the proverb, I find that whoever quits a game wins it.  

Ich habe mich über die Ereignisse sicherlich zu beklagen. Vielleicht auch über Menschen, über die ich aber nicht spreche. Ich beklage mich nur über die Ereignisse und gehe den Menschen aus dem Weg, weil ich nicht mit denen leben will, die mir die Last der Ereignisse aufbürden.

J'ai à me plaindre des choses très certainement, et peut-être des hommes; mais je me tais sur ceux-ci; je ne me plains que des choses, et si j'évite les hommes, c'est pour ne pas vivre avec ceux qui me font porter les poids des choses.    

I could very surely complain about many things, and perhaps many people; but I stay silent about these latter; I only complain about things, and if I avoid men, it's so that I don't have to live with people who would make me bear the weight of things.  

Freitag, 27. Juni 2014


Daher kommt es, daß wir oft auf Dinge hinarbeiten, welche, wenn endlich erlangt, uns nicht mehr angemessen sind; wie auch, daß wir mit den Vorarbeiten zu einem Werke die Jahre hinbringen, welche derweilen unvermerkt uns die Kräfte zur Ausführung desselben rauben.

So geschieht es denn oft, daß der mit so langer Mühe und vieler Gefahr erworbene Reichtum uns nicht mehr genießbar ist und wir für andere gearbeitet haben; oder auch, daß wir den durch vieljähriges Treiben und Trachten endlich erreichten Posten auszufüllen nicht mehr imstande sind: die Dinge sind zu spät für uns gekommen. Oder auch umgekehrt, wir kommen zu spät mit den Dingen; da nämlich, wo es sich um Leistungen, oder Produktionen handelt: der Geschmack der Zeit hat sich geändert; ein neues Geschlecht ist herangewachsen, welches an den Sachen keinen Anteil nimmt; andere sind auf kürzeren Wegen uns zuvorgekommen usf.

Alles unter dieser Nummer angeführte hat Horaz im Sinne, wenn er sagt:
quid aeternis minorem Consiliis animum fatigas

Was ermüdest du deinen so schwachen Geist mit Plänen für die Ewigkeit?

Freitag, 20. Juni 2014


Überhaupt aber ergeht es uns im Leben wie dem Wanderer, vor welchem, indem er vorwärts schreitet, die Gegenstände andere Gestalten annehmen, als die sie von ferne zeigten, und sich gleichsam verwandeln, indem er sich nähert. Besonders geht es mit unseren Wünschen so. Oft finden wir etwas ganz anderes, ja, besseres, als wir suchten; oft auch das Gesuchte selbst auf einem ganz anderen Wege, als den wir zuerst vergeblich danach eingeschlagen hatten. Zumal wird uns oft da, wo wir, Genuß, Glück, Freude suchten, statt ihrer Belehrung, Einsicht, Erkenntnis – ein bleibendes, wahrhaftes Gut, statt eines vergänglichen und scheinbaren.

Vorzügliche und edle Menschen werden jener Erziehung des Schicksals bald inne und fügen sich bildsam und dankbar in dieselbe: sie sehn ein, daß in der Welt wohl Belehrung, aber nicht Glück zu finden sei, werden es sonach gewohnt und zufrieden, Hoffnungen gegen Einsichten zu vertauschen, und sagen endlich mit Petrarka:
Ein ander Vergnügen, als das zu lernen, laß ich nicht gelten.
Altro diletto che’mparar, non Provo.

Er kann damit sogar dahin kommen, daß sie ihren Wünschen und Bestrebungen gewissermaßen nur noch zum Schein und tändelnd nachgehen, eigentlich aber und im Ernste ihres Innern, bloß Belehrung erwarten; welches ihnen alsdann einen beschaulichen, genialen, erhabenen Anstrich gibt. – Man kann in diesem Sinne auch sagen, es gehe uns wie den Alchemisten, welche, indem sie nur Gold suchten, Schießpulver, Porzellan, Arzneien, ja Naturgesetze entdeckten.

Donnerstag, 12. Juni 2014


La célébrité est le châtiment du mérite et la punition du talent. Le mien, quel qu'il soit, ne me paraît qu'un délateur, né pour toubler mon repos. J'éprouve, en le détruisant, la joie de triompher d'un ennemi. Le sentiment a triomphé chez moi de l'amour-propre même, et la vanité littéraire a péri dans la destruction de l'intérêt que je prenais aux hommes.     

Celebrity is the punishment for having merit and talent. Mine, whatever it was, only seems like an informer who was born to trouble my repose. When I destroyed it, I felt the joy of triumphing over an enemy. Feeling has triumphed even over vanity in me, and my literary vanity perished when I stopped looking for satisfaction from other men.

Donnerstag, 5. Juni 2014

Die Gegenwart allein ist wahr und wirklich: sie ist die real erfüllte Zeit, und ausschließlich in ihr liegt unser Dasein. Daher sollten wir sie stets einer heitern Aufnahme würdigen, folglich jede erträgliche und von unmittelbaren Widerwärtigkeiten oder Schmerzen freie Stunde mit Bewußtsein als solche genießen, d. h. sie nicht trüben durch verdrießliche Gesichter über verfehlte Hoffnungen in der Vergangenheit, oder Besorgnisse für die Zukunft.

Samstag, 31. Mai 2014

I have destroyed my passions, a little like a violent man kills a horse that he cannot govern. 
J'ai détruit mes passions, à peu près comme un homme violent tue son cheval, ne pouvant le gouverner.

Mittwoch, 21. Mai 2014

Man muss nur versuchen, richtig zu denken und zu sprechen; die anderen zu unserem Geschmack und unserem Fühlen zu bringen, wäre ein allzu grosses Unterfangen.
Il faut chercher seulement à penser et à parler juste, sans vouloir amener les autres à notre goût et à nos sentiments; c'est une trop grande entreprise.
It is only necessary to think and speak justly, without wanting to lead others to our taste and feelings; that is too great an undertaking.

Freitag, 16. Mai 2014


Wie der Arbeiter, welcher ein Gebäude aufführen hilft, den Plan des Ganzen entweder nicht kennt, oder doch nicht immer gegenwärtig hat, so verhält der Mensch, indem er die einzelnen Tage und Stunden seines Lebens abspinnt, sich zum Ganzen seines Lebenslaufes und des Charakters desselben. Je würdiger, bedeutender, planvoller und individueller dieser ist, desto mehr ist es nötig und wohltätig, daß der verkleinerte Grundriß desselben, der Plan ihm bisweilen vor die Augen komme. Freilich gehört auch dazu, daß er einen kleinen Anfang in dem »Erkenne dich selbst« gemacht habe, als wisse, was er eigentlich, hauptsächlich und vor allem andern will, was also für sein Glück das Wesentlichste ist, sodann was die zweite und dritte Stelle nach diesem einnimmt; wie auch, daß er erkenne, welches, im ganzen, sein Beruf, seine Rolle und sein Verhältnis zur Welt sei: Ist nun dieses bedeutender und grandioser Art; so wird der Anblick des Planes seines Lebens, im verjüngten Maßstabe, ihn, mehr als irgend etwas, stärken, aufrichten, erheben, zur Tätigkeit ermuntern und von Abwegen zurückhalten.

Wie der Wanderer erst, wenn er auf einer Höhe angekommen ist, den zurückgelegten Weg, mit allen seinen Wendungen und Krümmungen, im Zusammenhange überblickt und erkennt; so erkennen wir erst am Ende einer Periode unseres Lebens, oder gar des ganzen, den wahren Zusammenhang unserer Taten, Leistungen und Werke, die genaue Konsequenz und Verkettung, ja, auch den Wert derselben. Denn, so lange wir darin begriffen sind, handeln wir nur immer nach den feststehenden Eigenschaften unseres Charakters, unter dem Einfluß der Motive, und nach dem Maße unserer Fähigkeiten, also durchweg mit Notwendigkeit, indem wir in jedem Augenblicke bloß tun, was uns jetzt eben das rechte und angemessene dünkt.

Erst der Erfolg zeigt was dabei herausgekommen, und der Rückblick auf den ganzen Zusammenhang das Wie und Wodurch. Daher eben auch sind wir, während wir die größten Taten vollbringen, oder unsterbliche Werke schaffen, uns derselben nicht als solcher bewußt, sondern bloß als des unsern gegenwärtigen Zwecken angemessenen, unsern damaligen Absichten entsprechenden also jetzt gerade rechten: aber erst aus dem Ganzen in seinem Zusammenhang leuchtet nachher unser Charakter und unsere Fähigkeiten hervor: und im einzelnen sehen wir dann, wie wir, als wäre es durch Inspiration geschehn, den einzig richtigen Weg, unter tausend Abwegen, eingeschlagen haben – von unserm Genius geleitet. Dies alles gilt vom Theoretischen, wie vom Praktischen, und im umgekehrten Sinne vom Schlechten und Verfehlten.

Freitag, 9. Mai 2014

Je n'étudie que ce qui me plaît; je n'occupe mon esprit que des idées qui m'intéressent. Elles seront utiles ou inutiles, soit à moi, soit aux autres. Le temps amènera ou n'amènera pas les circonstances qui me feront faire de mes acquisitions un emploi profitable. Dans tous le cas, j'aurai eu l'avantage inestimable de ne pas me contrarier, et d'avoir obéi à ma pensée et à mon caractère.
I only study what pleases me; I only occupy my spirit with the ideas that interest me. They may be useful or useless, either to myself or to others. Time may or may not bring circumstances in which I can employ profitably what I have acquired. In any case, I will have had the inestimable advantage of not denying myself, and of having obeyed my thought and character.

Donnerstag, 8. Mai 2014

Quand j' étais jeune, ayant les besoins des passions, et attiré par elle dans le monde, forcé de chercher dans la société et dans les plaisirs quelques distractions à des peines cruelles, on me prêchait l' amour de la retraite, du travail, et on m' assommait de sermons pédantesques sur ce sujet. Arrivé à quarante ans, ayant perdu les passions qui rendent la société supportable, n' en voyant plus que la misère et la futilité, n' ayant plus besoin du monde pour échapper à des peines qui n' existaient plus, le goût de la retraite et du travail est devenu très vif chez moi et a remplacé tout le reste ; j' ai cessé d' aller dans le monde : alors, on n' a cessé de me tourmenter pour que j' y revinsse ; j' ai été accusé d' être misanthrope, etc. Que conclure de cette bizarre différence ? Le besoin que les hommes ont de tout blâmer.
When I was young, having all the needs that come from passions and led by them into society, forced to look there and in pleasures for distraction to my cruel pains, people preached love of solitude and work to me and harassed me with pedantic sermons on the subject. Now that I am forty years old, having lost the passions that made society bearable, no longer seeing anything but misery and futility in it, having no more need of it to escape from pains that no longer exist, love for solitude and work has become very lively in me, and has replaced everything else. I've stopped going into society. Since then, however, people haven't stopped plaguing me to go back into it. I have been accused of being a misanthrope, etc. What conclusion can be drawn from the difference between what they say now and when I was young? The need that men have to blame everything.

Samstag, 3. Mai 2014


Alles ist gesagt, und seit mehr als siebentausend Jahren kommt man zu spät – seit es Menschen gibt, die denken. Auf dem Gebiete der Sitten ist das Trefflichste und Beste heimgebracht; nach den Alten und den Geschicktesten unter den Neueren kann man nur Nachlese halten.
Everything has been said, and one comes into the world too late after seven thousand years in which there have been thinking men. The most beautiful and best mores have shown themselves; one can only glean from the ancients and the clever among the moderns.
Tout est dit, et l’on vient trop tard depuis plus de sept mille ans qu’il y a des hommes et qui pensent. Sur ce qui concerne les moeurs, le plus beau et meilleur est enlevé; l’on ne fait que glaner après les anciens et les habiles d’entre les modernes.

Montag, 28. April 2014


Only a complete friendship can develop all the qualities of the soul and esprit of certain people. Ordinary society only makes them have a few charms. They are beautiful fruit that only ripen in sunshine, and that, in hothouses, only produce some pleasant and useless leaves.
Nur die Freundschaft vermag bei gewissen Menschen alle seelischen und geistigen Vorzüge zu entwickeln. In der Gesellschaft entfalten sich nur einige gefällige Seiten. Schöne Früchte, die nur an der Sonne reif werden können und im Treibhaus nur reizvolle und unfruchtbare Blätter hervorgetrieben hätten.
Il n' y a que l' amitié entière qui développe toutes les qualités de l' âme et de l' esprit de certaines personnes. La société ordinaire ne leur laisse déployer que quelques agréments. Ce sont de beaux fruits, qui n' arrivent à leur maturité qu' au soleil, et qui, dans la serre chaude, n' eussent produit quequelques feuilles agréables et inutiles.

Mittwoch, 16. April 2014

Education must have two foundations, morality and carefulness: morality to support virtue; carefulness to defend against others' vices. By inclining this balance to the side of morality, you only make dupes and martyrs; by inclining it to carefulness, you make calculating egoists. The principle of all society is to do justice to oneself and to others. If it is right to love the person next to us as ourselves, it is at least as right to love ourselves as much as the people next to us.
L' éducation doit porter sur deux bases, la morale et la prudence : la morale, pour appuyer la vertu ; la prudence, pour vous défendre contre les vices d' autrui. En faisant pencher la balance du côté de la morale, vous ne faites que des dupes ou des martyrs ; en la faisant pencher de l' autre côté, vous faites des calculateurs égoïstes. Le principe de toute société est de se rendre justice à soi-même et aux autres. Si l' on doit aimer son prochain comme soi-même, il est au moins aussi juste de s' aimer comme son prochain.
Bei gewissen leidenschaftlichen Freundschaften hat man zum Glück der Leidenschaft noch die Billigung der Vernunft als Draufgabe.
In certain passionate friendships, the happiness of one's passions and the avowal of one's reason are above any price.
Dans de certaines amitiés passionnées, on a le bonheur des passions et l' aveu de la raison par-dessus le marché.

Freitag, 4. April 2014


Es wird viel sein, wenn man sich in hundert Jahren noch in Bausch und Bogen erinnert, dass es zu unserer Zeit in Frankreich Bürgerkriege gab.
Ce sera beaucoup si, d’yci à cent ans, on se souvient en gros que, de nostre temps, il y a eu des guerres civiles en France.

Pensons nous qu’à chaque harquebousade qui nous touche, et à chaque hazard que nous courons, il y ayt soudain un greffier qui l’enrolle ? et cent greffiers, outre cela, le pourront escrire, desquels les commentaires ne dureront que trois jours et ne viendront à la veue de personne.

Nous n’avons pas la millieme partie des escrits anciens : c’est la fortune qui leur donne vie, ou plus courte, ou plus longue, selon sa faveur ; et ce que nous en avons, il nous est loisible de doubter si c’est le pire, n’ayant pas veu le demeurant. On ne faict pas des histoires de choses de si peu : il faut avoir esté chef à conquerir un Empire ou un Royaume ; il faut avoir gaigné cinquante deux batailles assignées, tousjours plus foible en nombre, comme Caesar. Dix mille bons compaignons et plusieurs grands capitaines moururent à sa suite, vaillamment et courageusement, desquels les noms n’ont duré qu’autant que leurs femmes et leurs enfans vesquirent.

Samstag, 22. März 2014

De ceux mesme que nous voyons bien faire, trois mois ou trois ans apres qu’ils y sont demeurez, il ne s’en parle non plus que s’ils n’eussent jamais esté. Quiconque considerera avec juste mesure et proportion de quelles gens et de quels faits la gloire se maintient en la memoire des livres, il trouvera qu’il y a de nostre siecle fort peu d’actions et fort peu de personnes qui y puissent pretendre nul droict.
Da die Menschen in ihrer Unbeholfenheit sich nicht hinlänglich mit guter Münze bezahlen können, so mag man auch noch die falsche dazunehmen. Alle Gesetzgeber haben sich dieses Mittels bedient, und es gibt kein Gemeinwesen, in dem sich nicht einiges Beiwerk von feierlichem Trug oder Lügenmeinungen vorfände, um das Volk in Zucht zu halten.
Puis que les hommes, par leur insuffisance, ne se peuvent assez payer d’une bonne monnoye, qu’on y employe encore la fauce. Ce moyen a esté practiqué par tous les Legislateurs, et n’est police où il n’y ait quelque meslange ou de vanité ceremonieuse ou d’opinion mensongere, qui serve de bride à tenir le peuple en office. C’est pour cela que la pluspart ont leurs origines et commencemens fabuleux et enrichis de mysteres supernaturels.

Montag, 10. März 2014

Il faut qu'un auteur reçoive avec une égale modestie les éloges et la critique que l'on fait de ses ouvrages.
Ein Autor muss mit der gleichen Bescheidenheit Lob und Kritik hinnehmen.
An author must receive with an equal modesty the praises and the critiques directed at what he wrote.   
La vie des héros a enrichi l'histoire, et l'histoire a embelli les actions des héros: ainsi je ne sais qui sont plus redevables, ou ceux qui ont écrit l'histoire à ceux qui leur en ont fourni une si noble matière, ou ces grands hommes à leurs historiens.
The lives of heroes have enriched history, and history has embellished the actions of heroes: thus, I don't know which is more indebted: the people who have written history to the ones who have given them such noble events, or these great men to their historians.    

Dienstag, 4. März 2014


Wenn ein Mensch ohne eigene Begabung die Anmut, die Feinheit, Weite und verschiedene Vorzüge des Geistes eines anderen fühlen und zeigen könnte, dass er sie fühlt – der Umgang mit ihm wäre immer noch sehr gesucht. Von den Vorzügen der Seele gilt dasselbe.
S' il était possible qu' une personne, sans esprit, pût sentir la grâce, la finesse, l' étendue et les différentes qualités de l' esprit d' autrui, et montrer qu' elle le sent, la société d' une telle personne, quand même elle ne produirait rien d' elle-même, serait encore très recherchée. Même résultat de la même supposition à l' égard des qualités de l' âme.
If it were possible for an unintelligent person to sense grace, subtlety, vastness, and other qualities in the spirit of others, and to show that he senses them, the company of such a person, even though he wouldn't produce anything himself, would be very sought after. Given the same presuppositions but with respect to peoples souls, the same thing would result again. 

Donnerstag, 20. Februar 2014

Il n’y a raison qui n’en aye une contraire, dict le plus sage party des philosophes. Je remachois tantost ce beau mot qu’un ancien allegue pour le mespris de la vie : Nul bien nous peut apporter plaisir, si ce n’est celuy à la perte duquel nous sommes preparez : In aequo est dolor amissae rei, et timor amittendae ; voulant gaigner par là que la fruition de la vie ne nous peut estre vrayement plaisante, si nous sommes en crainte de la perdre.

Il se pourroit toutes-fois dire, au rebours, que nous serrons et embrassons ce bien, d’autant plus estroit et avecques plus d’affection que nous le voyons nous estre moins seur et craignons qu’il nous soit osté. Car il se sent evidemment, comme le feu se picque à l’assistance du froid, que nostre volonté s’esguise aussi par le contraste :

Si nunquam Danaen habuisset ahenea turris,Non esset Danae de Jove facta parens ;
et qu’il n’est rien naturellement si contraire à nostre goust que la satieté qui vient de l’aisance, ny rien qui l’éguise tant que la rareté et difficulté.

Mittwoch, 12. Februar 2014

Celui qui déguise la tyrannie, la protection ou même les bienfaits, sous l' air et le nom de l' amitié, me rappelle ce prêtre scélérat qui empoisonnait dans une hostie.
Wer tyrannische Absichten, Herrsucht und selbst Wohltätigkeit unter der Maske der Freundschaft verbirgt, erinnert an den verbrecherischen Priester, der mit der Hostie vergiftet.
Tout est également vain dans les hommes, leurs joies et leurs chagrins ; mais il vaut mieux que la bulle de savon soit d' or ou d' azur, que noire ou grisâtre.
Alles ist gleich eitel am Menschen, seine Freuden und seine Leiden, aber goldene und himmelblaue Seifenblasen sind doch schöner als graue.

Donnerstag, 30. Januar 2014


Wer aber vollends die Lehre meiner Philosophie in sich aufgenommen hat und daher weiß, daß unser ganzes Dasein etwas ist, das besser nicht wäre und welches zu verneinen und abzuweisen die größte Weisheit ist, der wird auch von keinem Dinge oder Zustand große Erwartungen hegen, nach nichts auf der Welt mit Leidenschaft streben, noch große Klagen erheben über sein Verfehlen irgendeiner Sache: sondern er wird von Plato's: Auch ist keine menschliche Angelegenheit es wert, dass man sich sehr darum bemüht, durchdrungen sein.

Freitag, 24. Januar 2014


Was jedoch die Erlangung dieser heilsamen Einsichten besonders erschwert, ist die schon oben erwähnte Gleißnerei der Welt, welche man daher der Jugend früh aufdecken sollte. Die allermeisten Herrlichkeiten sind bloßer Schein wie die Theaterdekoration, und das Wesen der Sache fehlt. Z. B. bewimpelte und bekränzte Schiffe, Kanonenschüsse, Illumination, Pauken und Trompeten, Jauchzen und Schreien usw.; dies alles ist das Aushängeschild, die Andeutung, die Hieroglyphe der Freude: aber die Freude ist daselbst nicht zu finden: sie allein hat beim Feste abgesagt.
Wo sie sich wirklich einfindet, da kommt sie in der Regel ungeladen und ungemeldet, und selbst und ohne Form, ja, still herangeschlichen, oft bei den unbedeutendsten, futilsten Anlässen, unter den alltäglichsten Umständen, ja, bei nichts weniger als glänzenden oder ruhmvollen Gelegenheiten: sie ist wie das Gold in Australien, hierhin und dorthin gestreut, nach der Laune des Zufalls, ohne alle Regel und Gesetz, meist nur in ganz kleinen Körnchen, höchst selten in großen Massen. Bei allen jenen oben erwähnten Dingen hingegen ist der Zweck bloß, andere glauben zu machen, hier wäre die Freude eingekehrt: dieser Schein, im Kopfe anderer, ist die Absicht.

Nicht anders als mit der Freude verhält es sich mit der Trauer. Wie schwermütig kommt jener lange und langsame Leichenzug daher! der Reihe der Kutschen ist kein Ende. Aber seht nur hinein: sie sind alle leer, und der Verblichene wird eigentlich bloß von sämtlichen Kutschern der ganzen Stadt zu Grabe geleitet. Sprechendes Bild der Freundschaft und Hochachtung dieser Welt! Dies also ist die Falschheit, Hohlheit und Gleißnerei des menschlichen Treibens.

Freitag, 10. Januar 2014

Wenige Wohltäter, die nicht wie Satan sagen : So du niederfällst und mich anbetest.
Il y a peu de bienfaiteurs qui ne disent comme Satan : si cadens adoraveris me.