Il faut trier de
toute une nation une douzaine d’hommes pour juger d’un arpent de terre ; et le
jugement de nos inclinations et de nos actions, la plus difficile matiere et la
plus importante qui soit, nous la remettons à la voix de la commune et de la
tourbe, mere d’ignorance, d’injustice et d’inconstance.
Sonntag, 21. Dezember 2014
Um über einen Acker
Landes zu urteilen, muß man aus einer ganzen Nation ein Dutzend Männer
aussuchen; und über unsere Neigungen und unsere Handlungen zu urteilen, welches
das schwerste und wichtigste Geschäft unter allen ist, überlassen wir der
Stimme des gemeinen Haufens, der Mutter der Unwissenheit, der Ungerechtigkeit
und der Unbeständigkeit!
Ist wohl einiger
Sinn dabei, das Leben eines weisen Mannes vom Urteile der Narren abhängig zu
machen? An quidquam stultius quam, quos singulos contemnas, eos aliquid putare
esse universos? - Ist wohl etwas Verrückteres, als auf deren Urteil im Ganzen
etwas zu bauen, die man einzeln genommen für dumm und unwissend hält.
Freitag, 5. Dezember 2014
Demetrius sagte
scherzhafterweise von der Stimme des Volks, er mache sich ebensowenig aus der,
welche ihm von oben ausgehe, wie aus der, welche ihm unten entfahre. Und dieser
hier geht noch weiter : Ego hoc judico, si quando turpe non sit, tamen non
esse non turpe, quum id a multiudine laudetur.
Nach meinem Urteil
muß das, was auch an sich nicht tadelnswürdig wäre, es schon dadurch werden,
daß der dumme Haufen es preist.Donnerstag, 20. November 2014
Allein
dieser Ausdruck Würde des Menschen, einmal
von Kant ausgesprochen, wurde nachher das Schiboleth aller rat- und
gedankenlosen Moralisten, die ihren Mangel an einer wirklichen oder wenigstens
doch irgendetwas sagenden Grundlage der Moral hinter jenen imponierenden
Ausdruck Würde des Menschen versteckten,
klug darauf rechnend, daß auch ihr Leser sich gern mit einer solchen Würde angetan sehen und demnach damit
zufrieden gestellt sein würde.
Jeder Wert ist die Schätzung einer Sache im
Vergleich mit einer anderen, also ein Vergleichsbegriff, mithin relativ und
diese Relativität macht eben das Wesen des Begriffs Wert aus. Ein unvergleichbarer,
unbedingter, absoluter Wert, dergleichen die Würde sein soll, ist demnach, wie so vieles in der Philosophie, die
mit Worten gestellte Aufgabe zu einem Gedanken, der sich gar nicht denken läßt,
so wenig wie die höchste Zahl oder der größte Raum.
Dienstag, 11. November 2014
Null’art, nulle
soupplesse d’esprit pourroit conduire nos pas à la suitte d’un guide si desvoyé
et si desreiglé. En cette confusion venteuse de bruits de raports et opinions
vulgaires qui nous poussent, il ne se peut establir aucune route qui vaille. Ne
nous proposons point une fin si flotante et vagabonde : allons constammant
apres la raison : que l’approbation publique nous suyve par là, si elle veut ;
et, comme elle despend toute de la fortune, nous n’avons point loy de l’esperer
plustost par autre voye que par celle là.
Keine Kunst, keine
Geschmeidigkeit des Geistes könnte unsere Schritte nach einem so irrigen und
unwissenden Wegweiser leiten. In dieser Verwirrung von Windgeräusch, von
Volksmeinung und Gerüchten, durch welche wir uns treiben lassen, läßt sich kein
Weg ausmachen, der etwas tauge. Laßt uns kein so wankelhaftes, unbeständiges
Ziel vorstecken, folgen wir immer geradewegs der Vernunft. Auf diesem Wege möge
uns der öffentliche Beifall folgen, wenn er will, und weil er ganz vom Glück
abhängt, so haben wir keinen Grund, ihn auf einem andern Wege zu erwarten als
auf diesem.
Quand pour sa
droiture je ne suyverois le droit chemin, je le suyvrois pour avoir trouvé par
experience qu’au bout du conte c’est communement le plus heureux et le plus
utile. Le marinier antien disoit ainsin à Neptune en une grande tempeste : O
Dieu, tu me sauveras, si tu veux ; tu me perderas, si tu veux : mais si
tiendrai je tousjours droit mon timon.
Ich würde ihm
deswegen nicht folgen, weil der geradeste Weg der kürzeste ist, sondern ich
würde ihm folgen, weil ich aus der Erfahrung weiß, daß er am Ende immer als der
glücklichste und der nützlichste befunden wird. Ein alter Schiffer unter den
Alten sagte folgendermaßen zu Neptun: »O Gott, du kannst mich retten, wenn du willst;
wenn du willst, kannst du mich untergehen lassen, aber mein Ruder halte ich
immer geradeaus.«
Freitag, 7. November 2014
Freitag, 24. Oktober 2014
Dienstag, 21. Oktober 2014
An honest man who has gotten rid of all
illusions is a man par excellence. Though he may have little esprit, his
society is very pleasant. He can't be a pedant, not placing importance in
anything. He is indulgent, because he remembers that he had the same illusions
that others are still occupied with. Being carefree is the reason for his
confidence in his commerce with men, and for not giving in to petty annoyances.
If people give him such annoyances or betray him, he forgets or disdains it. He
has more gaiety than others, because he is constantly in a position to make
epigrams on them. He has the truth, and laughs at the false steps that people
take who are groping around in false ideas. He is a man who, from a place that
is lit, sees the ridiculous gestures that people are making who are walking in
a dark room at their own peril. With laughter, he breaks the false weights and
measures that people apply to men and things.
L'honnête homme, détrompé de toutes les
illusions, est l'homme par excellence. Pour peu qu'il ait d'esprit, sa société
est très aimable. Il ne saurait être pédant, ne mettant d'importance à rien. Il
est indulgent, parce qu'il se souvient qu'il a eu des illusions, comme ceux qui
en sont encore occupés. C'est un effet de son insouciance d'être sûr dans le
commerce, de ne se permettre ni redites, ni tracasseries. Si on se les permet à
son égard, il les oublie ou les dédaigne. Il doit être plus gai qu'un autre,
parce qu'il est constamment en état d'épigramme contre son prochain. Il est
dans le vrai, et rit des faux pas de ceux qui marchent à tâtons dans le faux.
C'est un homme qui, d'un endroit éclairé, voit dans une chambre obscure les
gestes ridicules de ceux qui s'y promènent au hasard. Il brise en riant les
faux poids et les fausses mesures qu'on applique aux hommes et aux choses.
Montag, 20. Oktober 2014
Donnerstag, 2. Oktober 2014
Man
kann ein Weib doch immer wieder und wieder betrachten und an ihr Studien
machen. Mag das einer nicht, und hat daran keine Freude, der kann alles sein,
nur kein wirklicher Ästhetiker. Das Herrliche, das Göttliche in der Ästhetik
ist gerade, dass sie in einem Verhältnis zum Schönen steht. Ich denke mit
wahrer Freude, wie sich doch die Sonne der Weiblichkeit in unendlich vielen
Strahlen bricht. Ein verwirrender Reichtum von Weiblichkeit, von dem jedes
einzelne Weib einen kleinen Teil hat, doch so, dass ihr übriges sich harmonisch
um diesen Teil schliesst. In dieser Hinsicht ist die weibliche Schönheit bis in
das Unendliche teilbar.
Doch jeder einzelne
Teil der Schönheit muss harmonisch beherrscht sein, sonst wird der Eindruck
verwirrt und man kommt auf den Gedanken, als habe die Natur mit diesem Mädchen
etwas vorgehabt, was aber nur Vorsatz geblieben ist. Mein Auge wird nie müde,
die vielen zerstreuten Emanationen weiblicher Schönheit zu betrachten. Jedes
junge Mädchen ist eine solche, und trotzdem sie nur ein Teil davon ist, doch in
sich selbst vollendet glücklich, fröhlich, schön. Jeder einzelne Strahl ist von
besonderer Schönheit, jeder hat das Seine; munteres Lächeln, schelmischer
Blick, fragende Augen, ausgelassener leichter Sinn, hängender Kopf, stille Wehmut,
tiefes Ahnen, irdisches Heimweh, drohende Brauen, fragende Lippen,
geheimnisvolle Stirn, verführerische Locken, himmlischer Stolz, irdische
Schüchternheit, Engelreinheit, leises Erröten, leichter Gang, reizendes
Schweben, schmachtende Haltung, träumerisches Sehnen, unerklärliches Seufzen,
schlanker Wuchs, weiche Formen, wogender Busen, kleiner Fuss, reizende Hand.
Das
Seine hat jeder Schönheitsstrahl. Habe ich angeschaut, und immer wieder
angeschaut, habe ich gelächelt, geseufzt, geschmeichelt und gedroht, begehrt
und versucht, gelacht und geweint, habe ich gehofft und gefürchtet, gewonnen
und verloren, – dann schliesst sich das einzelne zu einem harmonischen Ganzen
und meine Seele freut sich, mein Herz pocht, und die Leidenschaft durchglüht
meine Brust. Und dieses Mädchen, dieses eine, die einzige in der ganzen Welt,
sie muss mein sein, mein werden. Gott behalte deinen Himmel, wie sie nur mir
gehört.
Dienstag, 23. September 2014
Arsène, du plus haut de son esprit, contemple les hommes, et dans
l'éloignement d'où il les voit, il est comme effrayé de leur petitesse; loué,
exalté, et porté jusqu'aux cieux par de certaines gens qui se sont promis de
s'admirer réciproquement, il croit, avec quelque mérite qu'il a, posséder tout
celui qu'on peut avoir, et qu'il n'aura jamais; occupé et rempli de ses
sublimes idées, il se donne à peine le loisir de prononcer quelques oracles;
élevé par son caractère au-dessus des jugements humains, il abandonne aux âmes
communes le mérite d'une vie suivie et uniforme, et il n'est responsable de ses
inconstances qu'à ce cercle d'amis qui les idolâtrent: eux seuls savent juger,
savent penser, savent écrire, doivent écrire; il n'y a point d'autre ouvrage
d'esprit si bien reçu dans le monde, et si universellement goûté des honnêtes
gens, je ne dis pas qu'il veuille approuver, mais qu'il daigne lire: incapable
d'être corrigé par cette peinture, qu'il ne lira point.
Arsène, from the height of his esprit, contemplates men; and from such a great
distance, he is fightened by their littleness; having been praised, exalted,
and carried into the heavens by certain people who admire him in return for his
admiration, he thinks that he has all the merit that it is possible for man to
have, and that he will never have; occupied and filled with sublime ideas,
he hardly has the time to pronounce a few prophesies; lifted by his character
above human discernment, he leaves it to common souls to have a regulated and
uniform life; he only has to account for his fickleness to the circle of
friends that idolize him: only they are able to judge, to think, to write, and
they are the only ones who should write; there is no work of literature in the
world that has been so well received and so universally enjoyed by honest men,
that he will, not approve of it, but deign to read it: he
is incapable of being corrected by this portrait, which he will never
see.
Montag, 1. September 2014
Il y a dans l’art un point de perfection, comme de bonté ou de maturité
dans la nature. Celui qui le sent et qui l’aime a le goût parfait ; celui
qui ne le sent pas, et qui aime en deçà ou au delà, a le goût défectueux. Il y
a donc un bon et un mauvais goût, et l’on dispute des goûts avec fondement.
Donnerstag, 21. August 2014
Donnerstag, 7. August 2014
Ma vie entière est un tissu de contrastes
apparents avec mes principes. Je n'aime point les princes, et je suis attaché à
une princesse et à un prince. On me connaît des maximes républicaines, et
plusieurs de mes amis sont revêtus de décorations monarchiques. J'aime la
pauvreté volontaire, et je vis avec des gens riches. Je fuis les honneurs, et
quelques-uns sont venus à moi. Les lettres sont presque ma seule consolation,
et je ne vois point de beaux esprits, et ne va point à l'Académie. Ajoutez que
je crois les illusions nécessaires à l'homme, et je vis sans illusions; que je
crois les passions plus utiles que la raison, et je ne sais plus ce que c'est
que les passions, etc.
My whole life is full of apparent contrasts with
my principles. I do not like princes at all, and I am tied to a princess and to
a prince. People know my republican feelings, and many of my friends are coated
with monarchical decorations. I love voluntary poverty, and I live with rich
people. I shun honors, and some have been given to me. Letters are nearly my
only consolation, and I never see literary men or go to the Académie. Add that
I think that illusions are necessary for men, and that I live without them;
that I think that passions are more useful than reason, and I no longer have
them, etc.
Mein ganzes Leben ist ein Gewebe von
ausgenfälligen Kontrasten zu meinen Prinzipien. Ich liebe die Fürsten nicht,
und ich bin befreundet mit einer Fürstin und einem Fürsten. Man kennt meine
republikanischen Grundsätze und mehrere meiner Freunde haben monarchische
Orden. Ich liebe die freiwillige Armut und verkehre mit reichen Leuten. Ich
weiche allen Ehrenbezeigungen aus, und doch sind einige zu mir gekommen. Die
Literatur ist fast mein einziger Trost, und ich verkehre nicht mit
Schöngeistern und gehe nicht zur Akademie. Man nehme hinzu, dass mir Illusionen
für die Menschen unentbehrlich zu sein scheinen, und ich lebe ohne Illusionen;
ich halte die Leidenschaften für wertvoller als die Vernunft und weiss gar
nicht mehr, was Leidenschaften sind, usw.
Samstag, 2. August 2014
Dienstag, 29. Juli 2014
Nous appellons
agrandir nostre nom, l’estandre et semer en plusieurs bouches ; nous voulons
qu’il y soit receu en bonne part et que cette sienne accroissance luy vienne à
profit : voylà ce qu’il y peut avoir de plus excusable en ce dessein. Mais
l’exces de cette maladie en va jusques là que plusieurs cerchent de faire
parler d’eux en quelque façon que ce soit. Trogus Pompeius dict de Herostratus,
et Titus Livius de Manlius Capitolinus, qu’ils estoyent plus desireux de grande
que de bonne reputation. Ce vice est ordinaire. Nous nous soignons plus qu’on
parle de nous, que comment on en parle ; et nous est assez que nostre nom coure
par la bouche des hommes, en quelque condition qu’il y coure.
Il semble que l’estre
conneu, ce soit aucunement avoir sa vie et sa durée en la garde d’autruy. Moy,
je tiens que je ne suis que chez moy ; et, de cette autre mienne vie qui loge
en la connoissance de mes amis, à la considerer nue et simplement en soy, je
sçay bien que je n’en sens fruict ny jouissance que par la vanité d’une opinion
fantastique.
Es scheint, bekannt
zu sein bedeute gleichsam, sein Leben und seine Fortdauer bei andern verwahrt
zu wissen. Ich meinesteils bin der Überzeugung, dass ich nur bei mir selber bin ;
und was dieses mein anderes Leben angeht, das seinen Bestand im Gedenken meiner
Freunde hat, weiss ich wohl, wenn ich es nackt und bloss in sich selber
betrachte, dass ich davon keinen andern Genuss und Gewinn empfange als durch
die Eitelkeit eines leeren Wahns.
Donnerstag, 10. Juli 2014
Freitag, 27. Juni 2014
So geschieht es denn oft, daß der mit so langer Mühe und
vieler Gefahr erworbene Reichtum uns nicht mehr genießbar ist und wir für
andere gearbeitet haben; oder auch, daß wir den durch vieljähriges Treiben und
Trachten endlich erreichten Posten auszufüllen nicht mehr imstande sind: die
Dinge sind zu spät für uns gekommen. Oder auch umgekehrt, wir kommen zu spät
mit den Dingen; da nämlich, wo es sich um Leistungen, oder Produktionen
handelt: der Geschmack der Zeit hat sich geändert; ein neues Geschlecht ist
herangewachsen, welches an den Sachen keinen Anteil nimmt; andere sind auf
kürzeren Wegen uns zuvorgekommen usf.
Freitag, 20. Juni 2014
Überhaupt aber ergeht es uns im Leben wie dem Wanderer, vor
welchem, indem er vorwärts schreitet, die Gegenstände andere Gestalten
annehmen, als die sie von ferne zeigten, und sich gleichsam verwandeln, indem
er sich nähert. Besonders geht es mit unseren Wünschen so. Oft finden wir etwas
ganz anderes, ja, besseres, als wir suchten; oft auch das Gesuchte selbst auf
einem ganz anderen Wege, als den wir zuerst vergeblich danach eingeschlagen
hatten. Zumal wird uns oft da, wo wir, Genuß, Glück, Freude suchten, statt
ihrer Belehrung, Einsicht, Erkenntnis – ein bleibendes, wahrhaftes Gut, statt
eines vergänglichen und scheinbaren.
Vorzügliche und edle Menschen werden jener Erziehung des
Schicksals bald inne und fügen sich bildsam und dankbar in dieselbe: sie sehn
ein, daß in der Welt wohl Belehrung, aber nicht Glück zu finden sei, werden es
sonach gewohnt und zufrieden, Hoffnungen gegen Einsichten zu vertauschen, und
sagen endlich mit Petrarka:
Ein ander Vergnügen, als das zu lernen, laß ich nicht
gelten.Altro diletto che’mparar, non Provo.
Er kann damit sogar dahin kommen, daß sie ihren Wünschen und
Bestrebungen gewissermaßen nur noch zum Schein und tändelnd nachgehen,
eigentlich aber und im Ernste ihres Innern, bloß Belehrung erwarten; welches
ihnen alsdann einen beschaulichen, genialen, erhabenen Anstrich gibt. – Man
kann in diesem Sinne auch sagen, es gehe uns wie den Alchemisten, welche, indem
sie nur Gold suchten, Schießpulver, Porzellan, Arzneien, ja Naturgesetze
entdeckten.
Donnerstag, 12. Juni 2014
La célébrité est le châtiment du mérite et la
punition du talent. Le mien, quel qu'il soit, ne me paraît qu'un délateur, né
pour toubler mon repos. J'éprouve, en le détruisant, la joie de triompher d'un
ennemi. Le sentiment a triomphé chez moi de l'amour-propre même, et la vanité
littéraire a péri dans la destruction de l'intérêt que je prenais aux
hommes.
Celebrity is the punishment for having merit and
talent. Mine, whatever it was, only seems like an informer who was born to
trouble my repose. When I destroyed it, I felt the joy of triumphing over an
enemy. Feeling has triumphed even over vanity in me, and my literary vanity
perished when I stopped looking for satisfaction from other men.
Donnerstag, 5. Juni 2014
Die Gegenwart allein ist wahr und wirklich: sie
ist die real erfüllte Zeit, und ausschließlich in ihr liegt unser Dasein. Daher
sollten wir sie stets einer heitern Aufnahme würdigen, folglich jede
erträgliche und von unmittelbaren Widerwärtigkeiten oder Schmerzen freie Stunde
mit Bewußtsein als solche genießen, d. h. sie nicht trüben durch verdrießliche
Gesichter über verfehlte Hoffnungen in der Vergangenheit, oder Besorgnisse für
die Zukunft.
Samstag, 31. Mai 2014
Mittwoch, 21. Mai 2014
Freitag, 16. Mai 2014
Wie der Arbeiter, welcher ein Gebäude aufführen hilft,
den Plan des Ganzen entweder nicht kennt, oder doch nicht immer gegenwärtig
hat, so verhält der Mensch, indem er die einzelnen Tage und Stunden seines
Lebens abspinnt, sich zum Ganzen seines Lebenslaufes und des Charakters
desselben. Je würdiger, bedeutender, planvoller und individueller dieser ist,
desto mehr ist es nötig und wohltätig, daß der verkleinerte Grundriß desselben,
der Plan ihm bisweilen vor die Augen komme. Freilich gehört auch dazu, daß er
einen kleinen Anfang in dem »Erkenne dich selbst« gemacht habe, als wisse, was
er eigentlich, hauptsächlich und vor allem andern will, was also für sein Glück
das Wesentlichste ist, sodann was die zweite und dritte Stelle nach diesem
einnimmt; wie auch, daß er erkenne, welches, im ganzen, sein Beruf, seine Rolle
und sein Verhältnis zur Welt sei: Ist nun dieses bedeutender und grandioser
Art; so wird der Anblick des Planes seines Lebens, im verjüngten Maßstabe, ihn,
mehr als irgend etwas, stärken, aufrichten, erheben, zur Tätigkeit ermuntern
und von Abwegen zurückhalten.
Wie der Wanderer erst, wenn er auf einer Höhe angekommen
ist, den zurückgelegten Weg, mit allen seinen Wendungen und Krümmungen, im
Zusammenhange überblickt und erkennt; so erkennen wir erst am Ende einer
Periode unseres Lebens, oder gar des ganzen, den wahren Zusammenhang unserer
Taten, Leistungen und Werke, die genaue Konsequenz und Verkettung, ja, auch den
Wert derselben. Denn, so lange wir darin begriffen sind, handeln wir nur immer
nach den feststehenden Eigenschaften unseres Charakters, unter dem Einfluß der
Motive, und nach dem Maße unserer Fähigkeiten, also durchweg mit Notwendigkeit,
indem wir in jedem Augenblicke bloß tun, was uns jetzt eben das rechte und
angemessene dünkt.
Erst der Erfolg zeigt was dabei herausgekommen, und der
Rückblick auf den ganzen Zusammenhang das Wie und Wodurch. Daher eben auch sind
wir, während wir die größten Taten vollbringen, oder unsterbliche Werke
schaffen, uns derselben nicht als solcher bewußt, sondern bloß als des unsern
gegenwärtigen Zwecken angemessenen, unsern damaligen Absichten entsprechenden
also jetzt gerade rechten: aber erst aus dem Ganzen in seinem Zusammenhang
leuchtet nachher unser Charakter und unsere Fähigkeiten hervor: und im
einzelnen sehen wir dann, wie wir, als wäre es durch Inspiration geschehn, den einzig
richtigen Weg, unter tausend Abwegen, eingeschlagen haben – von unserm Genius
geleitet. Dies alles gilt vom Theoretischen, wie vom Praktischen, und im
umgekehrten Sinne vom Schlechten und Verfehlten.
Freitag, 9. Mai 2014
Je n'étudie que ce qui me plaît; je n'occupe mon
esprit que des idées qui m'intéressent. Elles seront utiles ou inutiles, soit à
moi, soit aux autres. Le temps amènera ou n'amènera pas les circonstances qui
me feront faire de mes acquisitions un emploi profitable. Dans tous le cas,
j'aurai eu l'avantage inestimable de ne pas me contrarier, et d'avoir obéi à ma
pensée et à mon caractère.
I only study what pleases me; I only occupy my
spirit with the ideas that interest me. They may be useful or useless, either
to myself or to others. Time may or may not bring circumstances in which I can
employ profitably what I have acquired. In any case, I will have had the
inestimable advantage of not denying myself, and of having obeyed my thought
and character.
Donnerstag, 8. Mai 2014
Quand j' étais jeune, ayant les besoins des passions,
et attiré par elle dans le monde, forcé de chercher dans la société et dans les
plaisirs quelques distractions à des peines cruelles, on me prêchait l' amour
de la retraite, du travail, et on m' assommait de sermons pédantesques sur ce
sujet. Arrivé à quarante ans, ayant perdu les passions qui rendent la société
supportable, n' en voyant plus que la misère et la futilité, n' ayant plus besoin du
monde pour échapper à des peines qui n' existaient plus, le goût de la retraite
et du travail est devenu très vif chez moi et a remplacé tout le reste ; j' ai cessé
d' aller dans le monde : alors, on n' a cessé de me tourmenter pour que j' y
revinsse ; j' ai été accusé d' être misanthrope, etc. Que conclure de cette bizarre
différence ? Le besoin que les hommes ont de tout blâmer.
When I was young, having all the needs that come
from passions and led by them into society, forced to look there and in
pleasures for distraction to my cruel pains, people preached love of solitude
and work to me and harassed me with pedantic sermons on the subject. Now that I
am forty years old, having lost the passions that made society bearable, no
longer seeing anything but misery and futility in it, having no more need of it
to escape from pains that no longer exist, love for solitude and work has
become very lively in me, and has replaced everything else. I've stopped going
into society. Since then, however, people haven't stopped plaguing me to go
back into it. I have been accused of being a misanthrope, etc. What conclusion
can be drawn from the difference between what they say now and when I was
young? The need that men have to blame everything.
Samstag, 3. Mai 2014
Montag, 28. April 2014
Nur die Freundschaft vermag bei gewissen
Menschen alle seelischen und geistigen Vorzüge zu entwickeln. In der
Gesellschaft entfalten sich nur einige gefällige Seiten. Schöne Früchte, die
nur an der Sonne reif werden können und im Treibhaus nur reizvolle und
unfruchtbare Blätter hervorgetrieben hätten.
Il n' y a que l' amitié entière qui développe
toutes les qualités de l' âme et de l' esprit de certaines personnes. La
société ordinaire ne leur laisse déployer que quelques agréments. Ce sont de
beaux fruits, qui n' arrivent à leur maturité qu' au soleil, et qui, dans la
serre chaude, n' eussent produit quequelques feuilles agréables et inutiles.
Mittwoch, 16. April 2014
Education must have two foundations, morality and
carefulness: morality to support virtue; carefulness to defend against others'
vices. By inclining this balance to the side of morality, you only make dupes
and martyrs; by inclining it to carefulness, you make calculating egoists. The
principle of all society is to do justice to oneself and to others. If it is
right to love the person next to us as ourselves, it is at least as right to
love ourselves as much as the people next to us.
L' éducation doit porter sur deux bases, la
morale et la prudence : la morale, pour appuyer la vertu ; la prudence, pour
vous défendre contre les vices d' autrui. En faisant pencher la balance du côté
de la morale, vous ne faites que des dupes ou des martyrs ; en la faisant
pencher de l' autre côté, vous faites des calculateurs égoïstes. Le principe de
toute société est de se rendre justice à soi-même et aux autres. Si l' on doit
aimer son prochain comme soi-même, il est au moins aussi juste de s' aimer comme son prochain.
Freitag, 4. April 2014
Nous n’avons pas la
millieme partie des escrits anciens : c’est la fortune qui leur donne vie, ou
plus courte, ou plus longue, selon sa faveur ; et ce que nous en avons, il nous
est loisible de doubter si c’est le pire, n’ayant pas veu le demeurant. On ne
faict pas des histoires de choses de si peu : il faut avoir esté chef à
conquerir un Empire ou un Royaume ; il faut avoir gaigné cinquante deux
batailles assignées, tousjours plus foible en nombre, comme Caesar. Dix mille
bons compaignons et plusieurs grands capitaines moururent à sa suite,
vaillamment et courageusement, desquels les noms n’ont duré qu’autant que leurs
femmes et leurs enfans vesquirent.
Samstag, 22. März 2014
De ceux mesme que nous
voyons bien faire, trois mois ou trois ans apres qu’ils y sont demeurez, il ne
s’en parle non plus que s’ils n’eussent jamais esté. Quiconque considerera avec
juste mesure et proportion de quelles gens et de quels faits la gloire se
maintient en la memoire des livres, il trouvera qu’il y a de nostre siecle fort
peu d’actions et fort peu de personnes qui y puissent pretendre nul droict.
Da die Menschen in ihrer Unbeholfenheit sich nicht hinlänglich mit guter
Münze bezahlen können, so mag man auch noch die falsche dazunehmen. Alle
Gesetzgeber haben sich dieses Mittels bedient, und es gibt kein Gemeinwesen, in
dem sich nicht einiges Beiwerk von feierlichem Trug oder Lügenmeinungen
vorfände, um das Volk in Zucht zu halten.
Puis que les hommes, par
leur insuffisance, ne se peuvent assez payer d’une bonne monnoye, qu’on y
employe encore la fauce. Ce moyen a esté practiqué par tous les Legislateurs,
et n’est police où il n’y ait quelque meslange ou de vanité ceremonieuse ou
d’opinion mensongere, qui serve de bride à tenir le peuple en office. C’est
pour cela que la pluspart ont leurs origines et commencemens fabuleux et
enrichis de mysteres supernaturels.
Montag, 10. März 2014
Dienstag, 4. März 2014
S' il était possible qu' une personne, sans
esprit, pût sentir la grâce, la finesse, l' étendue et les différentes qualités
de l' esprit d' autrui, et montrer qu' elle le sent, la société d' une telle personne,
quand même elle ne produirait rien d' elle-même, serait encore très recherchée.
Même résultat de la même supposition à l' égard des qualités de l' âme.
If it were possible for an unintelligent person
to sense grace, subtlety, vastness, and other qualities in the spirit of
others, and to show that he senses them, the company of such a person, even
though he wouldn't produce anything himself, would be very sought after. Given
the same presuppositions but with respect to peoples souls, the same thing
would result again.
Donnerstag, 20. Februar 2014
Il n’y a raison qui n’en
aye une contraire, dict le plus sage party des philosophes. Je remachois
tantost ce beau mot qu’un ancien allegue pour le mespris de la vie : Nul bien
nous peut apporter plaisir, si ce n’est celuy à la perte duquel nous sommes
preparez : In aequo est dolor amissae rei, et timor amittendae ; voulant
gaigner par là que la fruition de la vie ne nous peut estre vrayement
plaisante, si nous sommes en crainte de la perdre.
Il se pourroit
toutes-fois dire, au rebours, que nous serrons et embrassons ce bien, d’autant
plus estroit et avecques plus d’affection que nous le voyons nous estre moins
seur et craignons qu’il nous soit osté. Car il se sent evidemment, comme le feu
se picque à l’assistance du froid, que nostre volonté s’esguise aussi par le
contraste :
Si nunquam Danaen
habuisset ahenea turris,Non esset Danae de Jove facta parens ;
et qu’il n’est rien naturellement si contraire à nostre goust que la
satieté qui vient de l’aisance, ny rien qui l’éguise tant que la rareté et
difficulté.
Mittwoch, 12. Februar 2014
Donnerstag, 30. Januar 2014
Wer
aber vollends die Lehre meiner Philosophie in sich aufgenommen hat und daher
weiß, daß unser ganzes Dasein etwas ist, das besser nicht wäre und welches zu
verneinen und abzuweisen die größte Weisheit ist, der wird auch von keinem
Dinge oder Zustand große Erwartungen hegen, nach nichts auf der Welt mit
Leidenschaft streben, noch große Klagen erheben über sein Verfehlen irgendeiner
Sache: sondern er wird von Plato's: Auch ist keine menschliche Angelegenheit es
wert, dass man sich sehr darum bemüht, durchdrungen sein.
Freitag, 24. Januar 2014
Was
jedoch die Erlangung dieser heilsamen Einsichten besonders erschwert, ist die
schon oben erwähnte Gleißnerei der Welt, welche man daher der Jugend früh
aufdecken sollte. Die allermeisten Herrlichkeiten sind bloßer Schein wie die
Theaterdekoration, und das Wesen der Sache fehlt. Z. B. bewimpelte und
bekränzte Schiffe, Kanonenschüsse, Illumination, Pauken und Trompeten, Jauchzen
und Schreien usw.; dies alles ist das Aushängeschild, die Andeutung, die
Hieroglyphe der Freude: aber die Freude ist daselbst nicht zu finden: sie
allein hat beim Feste abgesagt.
Wo
sie sich wirklich einfindet, da kommt sie in der Regel ungeladen und
ungemeldet, und selbst und ohne Form, ja, still herangeschlichen, oft bei den
unbedeutendsten, futilsten Anlässen, unter den alltäglichsten Umständen, ja,
bei nichts weniger als glänzenden oder ruhmvollen Gelegenheiten: sie ist wie
das Gold in Australien, hierhin und dorthin gestreut, nach der Laune des
Zufalls, ohne alle Regel und Gesetz, meist nur in ganz kleinen Körnchen, höchst
selten in großen Massen. Bei allen jenen oben erwähnten Dingen hingegen ist der
Zweck bloß, andere glauben zu machen, hier wäre die Freude eingekehrt: dieser
Schein, im Kopfe anderer, ist die Absicht.
Nicht
anders als mit der Freude verhält es sich mit der Trauer. Wie schwermütig kommt
jener lange und langsame Leichenzug daher! der Reihe der Kutschen ist kein
Ende. Aber seht nur hinein: sie sind alle leer, und der Verblichene wird
eigentlich bloß von sämtlichen Kutschern der ganzen Stadt zu Grabe geleitet. Sprechendes
Bild der Freundschaft und Hochachtung dieser Welt! Dies also ist die
Falschheit, Hohlheit und Gleißnerei des menschlichen Treibens.
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