Freitag, 28. Dezember 2012
Wenn dennoch einer den Ruhm, welcher zum Nachruhm werden soll, erlebt, so wird es selten früher als im Alter geschehen: allenfalls gibt es bei Künstlern und Dichtern Ausnahmen von dieser Regel, am wenigsten bei Philosophen. Eine Bestätigung derselben geben die Bildnisse der durch ihre Werke berühmten Männer, da dieselben meistens erst nach dem Eintritt ihrer Celebrität angefertigt wurden: in der Regel sind sie alt und grau dargestellt, namentlich die Philosophen. Inzwischen steht eudämonologisch genommen die Sache ganz recht. Ruhm und Jugend auf einmal ist zu viel für einen Sterblichen. Unser Leben ist so arm, daß seine Güter haushälterischer verteilt werden müssen. Die Jugend hat vollauf an ihrem eigenen Reichtum und kann sich daran genügen lassen. Aber im Alter, wenn alle Genüsse und Freuden, wie die Bäume im Winter, abgestorben sind, dann schläft am gelegensten der Baum des Ruhmes aus als ein echtes Wintergrün: auch kann man ihn den Winterbirnen vergleichen, die im Sommer wachsen, aber im Winter genossen werden. Im Alter gibt es keinen schöneren Trost, als daß man die ganze Kraft seiner Jugend Werken einverleibt hat, die nicht mit altern.
Wollen wir jetzt noch etwas näher die Wege betrachten, auf welchen man, in den Wissenschaften, als dem uns zunächst Liegenden, Ruhm erlangt, so läßt sich hier folgende Regel aufstellen. Die durch solchen Ruhm bezeichnete intellektuelle Überlegenheit wird allemal an den Tag gelegt durch eine neue Kombination irgendwelcher Data. Diese nun können sehr verschiedener Art sein; jedoch wird der durch ihre Kombination zu erlangende Ruhm umso größer und ausgebreiteter sein, je mehr sie selbst allgemein bekannt und jedem zugänglich sind. Bestehen z. B. die Data in einigen Zahlen, oder Kurven, oder auch in einer speziellen physikalischen, zoologischen, botanischen, oder anatomischen Tatsache, oder auch in einigen verdorbenen Stellen alter Autoren, oder in halb verlöschten Inschriften, oder in solchen, deren Alphabet uns fehlt, oder in dunklen Punkten der Geschichte; so wird der durch die richtige Kombination derselben zu erlangende Ruhm sich nicht viel weiter erstrecken, als die Kenntnis der Data selbst, also auf eine kleine Anzahl meistens zurückgezogen lebender und auf den Ruhm in ihrem Fach neidischer Leute. –
Sind hingegen die Data solche, welche das ganze Menschengeschlecht kennt, sind es z. B. wesentliche, allen gemeinsame Eigenschäften des menschlichen Verstandes, oder Gemütes, oder Naturkräfte, deren ganze Wirkungsart wir beständig vor Augen haben, oder der allbekannte Lauf der Natur überhaupt; so wird der Ruhm, durch eine neue, wichtige und evidente Kombination Licht über sie verbreitet zu haben, sich mit der Zeit fast über die ganze zivilisierte Welt erstrecken. Denn, sind die Data Jedem zugänglich, so wird ihre Kombination es meistens auch sein. –
Dennoch wird hierbei der Ruhm allemal nur der überwundenen Schwierigkeit entsprechen. Denn, je allbekannter die Data sind, desto schwerer ist es, sie auf eine neue und doch richtige Weise zu kombinieren; da schon eine überaus große Anzahl von Köpfen sich an ihnen versucht und die möglichen Kombinationen derselben erschöpft hat. Hingegen werden Data, welche, dem großen Publiko unzugänglich, nur auf mühsamen und schwierigen Wegen erreichbar sind, fast immer noch neue Kombinationen zulassen: wenn man daher an solche nur mit geradem Verstande und gesunder Urteilskraft, also einer mäßigen geistigen Überlegenheit, kommt; so ist es leicht möglich, daß man eine neue und richtige Kombination derselben zu machen das Glück habe. Denn zwar erfordert die Lösung von Problemen solcher Art großes Studium und Arbeit, während in jener andern Art, in welcher eben der größte und ausgebreiteste Ruhm zu erwerben ist, die Data unentgeltlich gegeben sind: allein in dem Maße, wie diese letztere Art, weniger Arbeit erfordert; gehört mehr Talent, ja Genie dazu, und mit diesen hält, hinsichtlich des Wertes und der Wertschätzung, keine Arbeit, oder Studium, den Vergleich aus.
Sonntag, 16. Dezember 2012
Und mit den Händen? wir fordern, wir versprechen, rufen, verabschieden, drohen, bitten, flehen, verneinen, verweigern, fragen, bewundern, zählen, bekennen, bereuen, fürchten, schämen uns, bezweifeln, belehren, befehlen, hetzen, ermuntern, beteuern, bezeugen, klagen an, verurteilen, verzeihen, beschimpfen, verschmähen, trotzen, grollen, schmeicheln, spenden Beifall, segnen, demütigen, verspotten, versöhnen, empfehlen, lobpreisen, jubeln, frohlocken, bemitleiden, betrüben uns, grämen uns, verzweifeln, staunen, schreien und schweigen; und was nicht? mit einem Reichtum und einer Mannigfaltigkeit, die der Zunge in nichts nachsteht. Mit dem Kopfe: wir laden ein, weisen fort, gestehen, leugnen, bestreiten, bewillkommnen, ehren, huldigen, verachten, ersuchen, entlassen, schäkern, wehklagen, ermuntern, schelten, geben klein bei, bieten Trotz, vermahnen, drohen, versichern, erkundigen. Was mit den Augenbrauen ? was mit den Schultern ? Da ist keine Bewegung, die nicht spräche.
Quoy des mains ? nous requerons, nous promettons, appellons, congedions, menaçons, prions, supplions, nions, refusons, interrogeons, admirons, nombrons, confessons, repentons, craignons, vergoignons, doubtons, instruisons, commandons, incitons, encourageons, jurons, tesmoignons, accusons, condamnons, absolvons, injurions, mesprisons, deffions, despittons, flattons, applaudissons, benissons, humilions, moquons, reconcilions, recommandons, exaltons, festoyons, resjouïssons, complaignons, attristons, desconfortons, desesperons, estonnons, escrions, taisons : et quoy non ? d'une variation et multiplication à l'envy de la langue. De la teste nous convions, renvoyons, advoüons, desadvoüons, desmentons, bienveignons, honorons, venerons, dedaignons, demandons, esconduisons, egayons, lamentons, caressons, tansons, soubsmettons, bravons, enhortons, menaçons, asseurons, enquerons. Quoy des sourcils ? Quoy des espaules ?
Il faut contraindre l'homme, et le renger dans les barrieres de ceste police. Le miserable n'a garde d'enjamber par effect au delà : il est entravé et engagé, il est assubjecty de pareille obligation que les autres creatures de son ordre, et d'une condition fort moyenne, sans aucune prerogative, præexcellence vraye et essentielle. Celle qu'il se donne par opinion, et par fantasie, n'a ny corps ny goust : Et s'il est ainsi, que luy seul de tous les animaux, ayt cette liberté de l'imagination, et ce desreglement de pensées, luy representant ce qui est, ce qui n'est pas ; et ce qu'il veut ; le faulx et le veritable ; c'est un advantage qui luy est bien cher vendu, et duquel il a bien peu à se glorifier : Car de là naist la source principale des maux qui le pressent, peché, maladie, irresolution, trouble, desespoir.
Mittwoch, 12. Dezember 2012
Quand je me jouë à ma chatte, qui sçait, si elle passe son temps de moy plus que je ne fay d'elle ? Ce defaut qui empesche la communication d'entre elles et nous, pourquoy n'est il aussi bien à nous qu'à elles ? C'est à deviner à qui est la faute de ne nous entendre point : car nous ne les entendons non plus qu'elles nous. Par ceste mesme raison elles nous peuvent estimer bestes, comme nous les estimons. Ce n'est pas grand merveille, si nous ne les entendons pas, aussi ne faisons nous les Basques et les Troglodytes. Toutesfois aucuns se sont vantez de les entendre, comme Apollonius Thyaneus, Melampus, Tiresias, Thales et autres. Et puis qu'il est ainsi, comme disent les Cosmographes, qu'il y a des nations qui reçoyvent un chien pour leur Roy, il faut bien qu'ils donnent certaine interpretation à sa voix et mouvements. Il nous faut remerquer la parité qui est entre nous : Nous avons quelque moyenne intelligence de leurs sens, aussi ont les bestes des nostres, environ à mesme mesure. Elles nous flattent, nous menassent, et nous requierent : et nous elles.
Montag, 3. Dezember 2012
Quand on est trop frappé des maux de la société universelle et des horreurs que présentent la capitale ou les grandes villes, il faut se dire : " il pouvait naître de plus grands malheurs encore de la suite de combinaisons qui a soumis vingt-cinq millions d' hommes à un seul, et qui a réuni sept cent mille hommes sur un espace de deux lieues carrées. "
Samstag, 24. November 2012
Peu de personnes peuvent aimer un philosophe. C' est presque un ennemi public qu' un homme qui, dans les différentes prétentions des hommes, et dans le mensonge des choses, dit à chaque homme et à chaque chose : " je ne te prends que pour ce que tu es ; je ne t' apprécie que ce que tu vaux. " et ce n' est pas une petite entreprise de se faire aimer et estimer avec l' annonce de ce ferme propos.
Freitag, 9. November 2012
Hieraus nun ergibt sich, daß die, welche einen tüchtigen
Verstand und ein richtiges Urteil in sich spüren, ohne jedoch die höchsten
Geistesgaben sich zuzutrauen, viel Studium und ermüdende Arbeit nicht scheuen
dürfen, um mittelst dieser sich aus dem großen Haufen der Menschen, welchen die
allbekannten Data vorliegen, herauszuarbeiten und zu den entlegeneren Orten zu
gelangen, welche nur dem gelehrten Fleiße zugänglich sind. Denn hier, wo die
Zahl der Mitbewerber unendlich verringert ist, wird der auch nur einigermaßen
überlegene Kopf bald zu einer neuen und richtigen Kombination der Data
Gelegenheit finden: sogar wird das Verdienst seiner Entdeckung sich mit auf die
Schwierigkeit, zu den Datis zu gelangen, stützen. Aber der so erworbene Applaus
seiner Wissensgenossen, als welche die alleinigen Kenner in diesem Fache sind,
wird von der großen Menge der Menschen nur von Weitem vernommen werden. –
Will man nun den hier angenommenen Weg bis zum Extrem
verfolgen; so läßt sich der Punkt nachweisen, wo die Data, wegen der großen
Schwierigkeit ihrer Erlangung, für sich allein und ohne daß eine Kombination
derselben erfordert wäre, den Ruhm zu begründen hinreichen. Dies leisten Reisen
in sehr entlegene und wenig besuchte Länder: man wird berühmt durch das, was
man gesehen, nicht durch das, was man gedacht hat. Dieser Weg hat auch noch
einen großen Vorteil darin, daß es viel leichter ist, was man gesehen, als was man
gedacht hat, andern mitzuteilen und es mit dem Verständnis sich ebenso verhält:
demgemäß wird man für das erstere, auch viel mehr Leser finden, als für das
andere. Denn, wie schon Asmus sagt:
»Wenn jemand eine Reise tut,
So kann er was erzählen.«
»Wenn jemand eine Reise tut,
So kann er was erzählen.«
Was aber nun andererseits den mit hohen Fähigkeiten
ausgestatteten Kopf betrifft, als welcher allein sich an die Lösung der großen,
das Allgemeine und Ganze betreffenden und daher schwierigsten Probleme wagen
darf, so wird dieser zwar wohl daran tun, seinen Horizont möglichst
auszudehnen, jedoch immer gleichmäßig, nach allen Seiten, und ohne je sich zu
weit in irgendeine der besonderen und nur wenigen bekannten Regionen zu
verlieren, d. h. ohne auf die Spezialitäten irgendeiner einzelnen Wissenschaft
weit einzugehen, geschweige sich mit den Mikrologien zu befassen. Denn er hat
nicht nötig, sich an die schwer zugänglichen Gegenstände zu machen, um dem
Gedränge der Mitbewerber zu entgehen, sondern eben das allen vorliegende wird
ihm Stoff zu neuen, wichtigen und wahren Kombinationen geben. Dem nun aber
gemäß wird sein Verdienst von allen denen geschätzt werden können, welchen die
Data bekannt sind, also von einem großen Teile des menschlichen Geschlechts.
Hierauf gründet sich der mächtige Unterschied zwischen dem Ruhm, den Dichter
und Philosophen erlangen, und dem, welcher Physikern, Chemikern, Anatomen,
Mineralogen, Zoologen, Philologen, Historikern usw. erreichbar ist.
Dienstag, 23. Oktober 2012
Wie selbst der kräftigste Arm, wenn er einen leichten Körper
fortschleudert, ihm doch keine Bewegung erteilen kann, mit der er weit flöge
und heftig träfe, sondern derselbe schon in der Nähe matt niederfällt, weil es
ihm an eignem materiellen Gehalte gefehlt hat, die fremde Kraft aufzunehmen;
ebenso ergeht es schönen und großen Gedanken, ja, den Meisterwerken des Genies,
wenn, sie aufzunehmen, keine andere, als kleine, schwache oder schiefe Köpfe da
sind. Dies zu bejammern haben die Stimmen der Weisen aller Zeiten sich zum
Chorus vereint. Z.B. Jesus Sirach sagt: Wer mit einem Narren redet, der redet
mit einem Schlafenden. Wenn es aus ist, so spricht er: was ist's. – Und Hamlet:
Eine schalkhafte Rede schläft im Ohr eines Narren. Und Goethe:
Zu dieser intellektuellen Unfähigkeit der Menschen, infolge
welcher das Vortreffliche, wie Goethe sagt, noch seltener erkannt und geschätzt
als gefunden wird, gesellt sich nun hier wie überall, auch noch die moralische
Schlechtigkeit derselben, und zwar als Neid auftretend. Durch den Ruhm nämlich,
den einer erwirbt, wird abermals einer mehr über alle seiner Art erhoben: diese
werden also nur ebenso viel herabgesetzt, so daß jedes ausgezeichnete Verdienst
seinen Ruhm auf Kosten derer erlangt, die keines haben.
Mittwoch, 10. Oktober 2012
La prétention la plus absurde et la plus
injuste, qui serait sifflée dans une assemblée d' honnêtes gens, peut devenir la
matière d' un procès, et dès lors être déclarée légitime ; car tout procès peut
se perdre ou se gagner : de même que, dans les corps, l' opinion la plus folle
et la plus ridicule peut être admise, et l' avis le plus sage rejeté avec mépris.
Il ne s' agit que de faire regarder l' un ou l' autre comme une affaire de
parti, et rien n' est si facile entre les deux partis opposés qui divisent presque
tous les corps.
Les magistrats chargés de veiller sur l' ordre
public tels que le lieutenant criminel, le lieutenant civil, le lieutenant de
police, et tant d' autres, finissent presque toujours par avoir une opinion
horrible de la société. Ils croient connaître les hommes et n' en connaissent
que le rebut. On ne juge pas d' une ville par ses égouts et d' une maison par
ses latrines. La plupart de ces magistrats me rappellent toujours le collège où
les correcteurs ont une cabane auprès des commodités, et n' en sortent que pour
donner le fouet.
Samstag, 6. Oktober 2012
Il y a des hommes qui ne sont point aimables,
mais qui n' empêchent pas les autres de l' être : leur commerce est quelquefois
supportable. Il y en a d' autres qui, n' étant point aimables, nuisent encore par
leur seule présence au développement de l' amabilité d' autrui ; ceux-là sont
insupportables : c' est le grand inconvénient de la pédanterie.
Quel est l' être le plus étranger à ceux qui l' environnent ? Est-ce un français à Pékin ou à Macao ? Est-ce un lapon au Sénégal ? Ou ne serait-ce pas par hasard un homme de mérite sans
or et sans parchemin, au milieu de ceux qui
possèdent l' un de ces deux avantages, ou tous les deux
réunis ? N' est-ce pas une merveille que la société
subsiste avec la convention tacite d' exclure du partage
de ses droits les dix-neuf vingtièmes de la société ?
Donnerstag, 27. September 2012
Je mehr
Fortschritte die Philosophie macht, desto grössere Anstrengungen macht die
Dummheit, um die Herrschaft der Vorurteile zu befestigen. Man sehe nur, welcher
Gunst sich das Adelswesen bei der Regierung erfreut. Es ist soweit gekommen,
dass es nur noch zwei Stände gibt: Adlige oder Dirne, der Rest zählt nicht.
Keine Tugend erhebt eine Frau über ihren Stand, aber das Laster kann bewirken,
dass sie aus ihm heraustritt.
à mesure que la philosophie fait des progrès, la sottise redouble ses efforts pour établir l'
empire des préjugés. Voyez la faveur que le
gouvernement donne aux idées de gentilhommerie. Cela est venu
au point qu' il n' y a plus que deux états pour les femmes : femmes de qualité, ou filles ; le reste n' est rien. Nulle vertu n' élève une femme
au-dessus de son état ; elle n' en sort que par le vice.
Sonntag, 9. September 2012
Quand je me jouë à ma chatte, qui sçait, si elle passe son temps de moy plus que je ne fay d'elle ? Ce defaut qui empesche la communication d'entre elles et nous, pourquoy n'est il aussi bien à nous qu'à elles ? C'est à deviner à qui est la faute de ne nous entendre point : car nous ne les entendons non plus qu'elles nous.
Par ceste mesme raison elles nous peuvent estimer bestes, comme nous les estimons. Ce n'est pas grand merveille, si nous ne les entendons pas, aussi ne faisons nous les Basques et les Troglodytes. Toutesfois aucuns se sont vantez de les entendre, comme Apollonius Thyaneus, Melampus, Tiresias, Thales et autres. Et puis qu'il est ainsi, comme disent les Cosmographes, qu'il y a des nations qui reçoyvent un chien pour leur Roy, il faut bien qu'ils donnent certaine interpretation à sa voix et mouvements. Il nous faut remerquer la parité qui est entre nous : Nous avons quelque moyenne intelligence de leurs sens, aussi ont les bestes des nostres, environ à mesme mesure. Elles nous flattent, nous menassent, et nous requierent : et nous elles.
Quoy des mains ? nous requerons, nous promettons, appellons, congedions, menaçons, prions, supplions, nions, refusons, interrogeons, admirons, nombrons, confessons, repentons, craignons, vergoignons, doubtons, instruisons, commandons, incitons, encourageons, jurons, tesmoignons, accusons, condamnons, absolvons, injurions, mesprisons, deffions, despittons, flattons, applaudissons, benissons, humilions, moquons, reconcilions, recommandons, exaltons, festoyons, resjouïssons, complaignons, attristons, desconfortons, desesperons, estonnons, escrions, taisons : et quoy non ? d'une variation et multiplication à l'envy de la langue.
Donnerstag, 30. August 2012
Quelle vie que celle de la plupart des gens de la cour ! Ils se laissent ennuyer, excéder, avilir, asservir, tourmenter pour des intérêts misérables. Ils attendent, pour vivre, pour être heureux, la mort de leurs ennemis, de leurs rivaux d' ambition, de ceux même qu' ils appellent leurs amis ; et pendant que leurs voeux appellent cette mort, ils sèchent, ils dépérissent, meurent eux-mêmes, en demandant des nouvelles de la santé de monsieur tel, de madame telle, qui s' obstinent à ne pas mourir.
Montag, 6. August 2012
Sokrates
ist, infolge seiner häufigen Disputationen, oft tätlich mißhandelt worden,
welches er gelassen ertrug: als er einst einen Fußtritt erhielt, nahm er es
geduldig hin und sagte dem, der sich hierüber wunderte: »würde ich denn, wenn
mich ein Esel gestoßen hätte, ihn verklagen ?« – Als ein andermal jemand zu ihm
sagte: »schimpft und schmäht dich denn jener nicht?« war seine Antwort: »nein:
denn was er sagt paßt nicht auf mich.«
Allein
in Athen, Korinth und Rom war ganz gewiß gute und zwar sehr gute Gesellschaft,
auch feine Sitte und guter Ton anzutreffen, ohne daß jener Popanz der
ritterlichen Ehre dahinter gesteckt hätte. Freilich aber führten daselbst auch
nicht, wie bei uns, die Weiber den Vorsitz in der Gesellschaft, welches, wie es
zunächst der Unterhaltung einen frivolen und läppischen Charakter erteilt und
jedes gehaltvolle Gespräch verbannt, gewiß auch sehr dazu beiträgt; daß in
unserer guten Gesellschaft der persönliche Mut den Rang vor jeder anderen
Eigenschaft behauptet; während er doch eigentlich eine sehr untergeordnete,
eine bloße Unteroffizierstugend ist, ja, eine, in welcher sogar Tiere uns
übertreffen, weshalb man z. B. sagt: »mutig wie ein Löwe«.
Sonntag, 22. Juli 2012
Die tiefe
Fühllosigkeit der Redlichkeit gegenüber überrascht und ärgert mehr als das
Laster. Alle, die die öffentliche Niedrigkeit grosse Herren oder Grosse nennt,
alle offiziellen Persönlichkeiten sind meist mit dieser hassenswerten
Fühllosigkeit ausgestattet. Sollte das nicht bei ihnen auf die vage und
unbestimmte Vorstellung zurückgehen, dass die Redlichen zur Intrige nichts
taugen? Man überlässt sie daher als unverwendbar andern oder ihrem eigenen
Schicksal in einem Land, in dem man ohne Intrige, Falschheit, List zu gar
nichts kommt!
Il y a une profonde insensibilité aux vertus qui
surprend et scandalise beaucoup plus que le vice. Ceux que la bassesse publique
appelle grands seigneurs, ou grands, les hommes en place, paraissent, pour la
plupart, doués de cette insensibilité odieuse. Cela ne viendrait-il pas de l'
idée, vague et peu développée dans leur tête, que les hommes, doués de ces
vertus, ne sont pas propres à être des instruments d' intrigue ? Ils les négligent,
ces hommes, comme inutiles à eux-mêmes et aux autres, dans un pays où, sans l'
intrigue, la fausseté et la ruse, on n' arrive à rien !
Die
Gesellschaft, das, was man die Welt nennt, ist nur der Kampf tausend kleiner
entgegengesetzter Interessen, ein ewiges Ringen sich kreuzender, einander
störender, abwechselnd verletzter und gedemütigter Eitelkeiten, die für den
Triumph des einen Tages am nächsten in der Ernüchterung der Niederlage büssen
müssen. Einsam leben, nicht zerrieben werden in diesen jammervollen
Zusammenstössen, in denen man einen Augenblick die Blicke der Welt auf sich
zieht, um im nächsten unterzugehen, das nennt man nichts sein, keine Existenz
haben. Arme Menschheit!
La société, ce qu' on appelle le monde, n' est
que la lutte de mille petits intérêts opposés, une lutte éternelle de toutes les
vanités qui se croisent, se choquent, tour à tour blessées, humiliées l' une
par l' autre, qui expient le lendemain, dans le dégoût d' une défaite, le
triomphe de la veille. Vivre solitaire, ne point être froissé dans ce choc misérable,
où l' on attire un instant les yeux pour être écrasé l' instant d' après, c'
est ce qu' on appelle n' être rien, n' avoir pas d' existence. Pauvre humanité
!
Freitag, 20. Juli 2012
Treten Fürsten einmal
aus ihrer elenden Etikette heraus, so geschieht es niemals für einen wirklich verdienstvollen
Mann, sondern eher für eine Dirne oder einen Hanswurst. Wenn Frauen sich ins
Gerede bringen, so fast niemals wegen eines verdienten Mannes. Überhaupt
zerbricht man selten das Joch der öffentlichen Meinung, um sich über sie zu
erheben, sondern fast immer, um noch tiefer zu sinken.
Quand les princes sortent de leurs misérables étiquettes,
ce n' est jamais en faveur d' un homme de mérite, mais d' une fille ou d' un
bouffon. Quand les femmes s' affichent, ce n' est presque jamais pour un honnête
homme, c' est pour une espèce . En tout, lorsque l' on brise le joug de l'
opinion, c' est rarement pour s' élever au-dessus, mais presque toujours pour
descendre au-dessous.
Sonntag, 8. Juli 2012
Nostre raison et nostre ame recevant les fantasies et opinions, qui luy nayssent en dormant, et authorizant les actions de noz songes de pareille approbation, qu'elle fait celles du jour : pourquoy ne mettons nous en doubte, si nostre penser, nostre agir, est pas un autre songer, et nostre veiller, quelque espece de dormir ?
Da unsere Vernunft und unsere Seele die Vorstellungen und Wahngebilde aufnimmt, die ihr im Schlafe aufsteigen, und die Handlungen unserer Träume mit der gleichen Gewogenheit zulässt wie jene des Tages, warum fragen wir uns nicht, ob unser Denken und unser Handeln nicht ein anderes Träumen und unser Wachen eine Art des Schlafes sei ?
Freitag, 6. Juli 2012
Les grands se piquent d'ouvrir une allée dans une forêt, de soutenir des terres par de longues murailles, de dorer des plafonds, de faire venir dix pouces d'eau, de meubler une orangerie; mais de rendre un cœur content, de combler une âme de joie, de prévenir d'extrêmes besoins ou d'y remédier, leur curiosité ne s'étend point jusque-là.
Samstag, 30. Juni 2012
Finalement, il n'y a aucune constante existence, ny de nostre estre, ny de celuy des objects : Et nous, et nostre jugement, et toutes choses mortelles, vont coulant et roulant sans cesse : Ainsi n il ne se peut establir rien de certain de l'un à l'autre, et le jugeant, et le jugé, estans en continuelle mutation et branle.
Am Ende gibt es überhaupt kein beständiges Sein, weder in unserem Wesen noch im Wesen der Dinge. Und wir und unser Urteil und alle sterblichen Dinge fliessen und wogen unaufhörlich dahin. So lässt sich nichts Gewisses vom einen zum andern ermitteln, und der Urteilende und das Beurteilte sind in fortwährender Wandlung und Schwankung begriffen.
A cette conclusion si religieuse, d'un homme payen, je veux joindre seulement ce mot, d'un tesmoing de mesme condition, pour la fin de ce long et ennuyeux discours, qui me fourniroit de matiere sans fin. O la vile chose, dit-il, et abjecte, que l'homme, s'il ne s'esleve au dessus de l'humanité ! Voila un bon mot, et un utile desir : mais pareillement absurde. Car de faire la poignée plus grande que le poing, la brassée plus grande que le bras, et d'esperer enjamber plus que de l'estenduë de noz jambes, cela est impossible et monstrueux : ny que l'homme se monte au dessus de soy et de l'humanité : car il ne peut voir que de ses yeux, ny saisir que de ses prises. Il s'eslevera si Dieu luy preste extraordinairement la main : Il s'eslevera abandonnant et renonçant à ses propres moyens, et se laissant hausser et souslever par les moyens purement celestes.
Samstag, 23. Juni 2012
Auch werden gar keine Gründe dagegen aufgebracht, sondern bloße Redensarten von der »Würde des Menschen«, die sich nicht auf deutliche Begriffe, sondern eben nur wieder auf obigen verderblichen Aberglauben stützen. Daß dieser der Sache zum Grunde liege hat eine fast lächerliche Bestätigung daran, daß noch vor kurzem, in manchen Ländern, beim Militär die Prügelstrafe durch die Lattenstrafe ersetzt worden war, welche doch, ganz und gar wie jene, die Verursachung eines körperlichen Schmerzes ist, nun aber nicht ehrenrührig und entwürdigend sein soll.
Seitdem Amors Köcher auch vergiftete Pfeile führt, ist in das Verhältnis der Geschlechter zueinander ein fremdartiges, feindseliges, ja teuflisches Element gekommen; infolge wovon ein finsteres und furchtsames Mißtrauen es durchzieht; und der mittelbare Einfluß einer solchen Änderung in der Grundfeste aller menschlichen Gemeinschaft erstreckt sich, mehr oder weniger, auch auf die übrigen geselligen Verhältnisse; welches auseinander zu sehen mich hier zu weit führen würde.
Im Grunde aber weiß ich sehr wohl, daß es den Regierungen mit der Abstellung der Duelle nicht sehr ernst ist. Die Gehalte der Zivilbeamten, noch viel mehr aber die der Offiziere stehen (von den höchsten Stellen abgesehen) weit unter dem Wert ihrer Leistungen. Zur andern Hälfte werden sie daher mit der Ehre bezahlt. Diese wird zunächst durch Titel und Orden vertreten, im weiteren Sinne durch die Standesehre überhaupt. Für diese Standesehre nun ist das Duell ein brauchbares Handpferd; daher es auch schon auf den Universitäten seine Vorschule hat. Die Opfer desselben bezahlen demnach mit ihrem Blut das Defizit der Gehalte. –
Dienstag, 12. Juni 2012
Une vérité cruelle, mais dont il faut convenir, c'
est que dans le monde, et surtout dans un monde choisi, tout est art, science,
calcul, même l' apparence de la simplicité, de la facilité la plus aimable. J'
ai vu des hommes dans lesquels ce qui paraissait la grâce d' un premier
mouvement était une combinaison, à la vérité très prompte, mais très fine et
très savante. J' en ai vu associer le calcul le plus réfléchi à la naïveté
apparente de l' abandon le plus étourdi. C' est le négligé savant d' une
coquette, d' où l' art a banni tout ce qui ressemble à l' art. Cela est
fâcheux, mais nécessaire. En général, malheur à l' homme qui, même dans l'
amitié la plus intime, laisse découvrir son faible et sa prise ! J' ai vu les
plus intimes amis faire des blessures à l' amour-propre de ceux dont ils
avaient surpris le secret. Il paraît impossible que, dans l' état actuel de la
société (je parle toujours du grand monde), il y ait un seul homme qui puisse
montrer le fond de son âme et les détails de son caractère, et surtout de ses
faiblesses, à son meilleur ami. Mais, encore une fois, il faut porter (dans ce
monde-là) le raffinement si loin qu' il ne puisse pas même y être suspect, ne
fût-ce que pour ne pas être méprisé comme acteur dans une troupe d' excellents
comédiens.
Samstag, 9. Juni 2012
Der Ruhm, welcher zum Nachruhm werden will, gleicht einer Eiche, die aus ihrem Samen sehr langsam emporwächst, der leichte, ephemere Ruhm den einjährigen, schnellwachsenden Pflanzen, und der falsche Ruhm gar dem schnell hervorschießenden Unkraute, das schleunigst ausgerottet wird. Dieser Hergang beruht eigentlich darauf, daß, je mehr einer der Nachwelt, d. i. eigentlich der Menschheit überhaupt und im ganzen, angehört, desto fremder er seinem Zeitalter ist; weil was er hervorbringt nicht diesem speziell gewidmet ist, also nicht demselben als solchem, sondern nur sofern es ein Teil der Menschheit ist, angehört und daher auch nicht mit dessen Lokalfarbe tingiert ist: infolge hiervon aber kann es leicht kommen, daß dasselbe ihn fremd an sich vorüber gehen läßt. Es schätzt vielmehr die, welche den Angelegenheiten seines kurzen Tages, oder der Laune des Augenblicks dienen und daher ganz ihm angehören, mit ihm leben und mit ihm sterben.
Demgemäß lehren Kunst- und Literaturgeschichte durchgängig, daß die höchsten Leistungen des menschlichen Geistes, in der Regel mit Ungunst aufgenommen worden und darin so lange geblieben sind, bis Geister höherer Art herankamen, die von ihnen angesprochen wurden und sie zu dem Ansehn brachten, in welchem sie nachher, durch die so erlangte Auktorität, sich erhalten haben. Dies alles nur aber beruht, im letzten Grunde, darauf, daß jeder eigentlich nur das ihm Homogene verstehen und schätzen kann. Nun aber ist dem Platten das Platte, dem Gemeinen das Gemeine, dem Unklaren das Verworrene, dem Hirnlosen das Unsinnige homogen, und am allerbesten gefallen jedem seine eigenen Werke, als welche ihm durchaus homogen sind. Daher sang schon der alte fabelhafte Epicharmos:
Donnerstag, 31. Mai 2012
La presomption est nostre maladie naturelle et originelle. La plus calamiteuse et fragile de toutes les creatures c'est l'homme, et quant et quant, la plus orgueilleuse. Elle se sent et se void logée icy parmy la bourbe et le fient du monde, attachée et cloüée à la pire, plus morte et croupie partie de l'univers, au dernier estage du logis, et le plus esloigné de la voute celeste, avec les animaux de la pire condition des trois : et se va plantant par imagination au dessus du cercle de la Lune, et ramenant le ciel soubs ses pieds. C'est par la vanité de ceste mesme imagination qu'il s'egale à Dieu, qu'il s'attribue les conditions divines, qu'il se trie soy-mesme et separe de la presse des autres creatures, taille les parts aux animaux ses confreres et compagnons, et leur distribue telle portion de facultez et de forces, que bon luy semble. Comment cognoist il par l'effort de son intelligence, les branles internes et secrets des animaux ? par quelle comparaison d'eux à nous conclud il la bestise qu'il leur attribue ?
Sonntag, 27. Mai 2012
Il y a des moments où le monde paraît s'
apprécier lui-même ce qu' il vaut. J' ai souvent démêlé qu' il estimait ceux
qui n' en faisaient aucun cas ; et il arrive souvent que c' est une
recommandation auprès de lui que de le mépriser souverainement, pourvu que ce mépris
soit vrai, sincère, naïf, sans affectation, sans jactance.
M. me disait que j' avais un grand malheur : c'était de ne pas me faire à la toute-puissance des
sots. Il avait raison, et j'ai vu qu' en entrant dans le
monde, un sot avait de grands avantages, celui de se
trouver parmi ses pairs. C' est comme frère Lourdis dans
le temple de la sottise :
tout lui plaisait ; et même, en arrivant,
il crut encore être dans son couvent.
tout lui plaisait ; et même, en arrivant,
il crut encore être dans son couvent.
Sonntag, 20. Mai 2012
Dienstag, 15. Mai 2012
Freitag, 4. Mai 2012
Meine Tugend ist eine auswendige und zufällige Tugend, oder Unschuld, besser zu sagen. Wäre ich mit ungebärdigeren Leidenschaften zur Welt gekommen, ich fürchte, es wäre erbärmlich mit mir ergangen. Denn ich habe nicht viel von Festigkeit in meiner Seele befunden, um den Leidenschaften zu widerstehen, wenn sie auch nur ein wenig stürmisch gewesen wären. Ich kann das Zanken und Streiten in mir selber nicht ausstehen. So habe ich mir denn keinerlei Dankeschön dafür zu sagen, dass ich von verschiedenen Lastern frei bin.
Samstag, 14. April 2012
Wie alle Skeptiker und wie bereits Sokrates empfiehlt er, den Sitten und Gesetzen, den "Gewohnheiten" eines Landes äusserlich, unter dem, kantisch gesprochen, Aspekt der Legalität zu gehorchen. Daher ist er, wie alle Skeptiker, prinzipiell konservativ. Wenn erstens die Argumente für entgegengesetzte Aussagen gleichen Wert haben und zweitens die Theorie insgesamt mehr Verwirrung als Klarheit schafft, ist in praktischen Angelegenheiten das Alte dem Neuen vorzuziehen.
Dieser skeptisch-immanente Konservatismus hat nicht nur eine soziale und politische, sondern auch eine ontologische Komponente. Gehorsam sollte man nicht nur gegenüber den Sitten und Gesetzen sein, sondern gegenüber allem, was geschieht, dem Sein als ganzem, das Montaigne auch "Ordnung", "Schicksal", "Natur" oder "Gott" nennt. Gehorsam als eine Tugend, als eine Einsicht und eine Kraft, zeigt sich hier darin, den Dingen ihren Lauf lassen zu können und sich nicht ständig mit Sorgen zu quälen.
"Selbstbeherrschung" ist bei ihm frei von antik-skeptischen, stoischen, protestantischen oder auch cartesianischen Konnotationen. Es heisst bei ihm, die eigene Unbeherrschbarkeit hinzunehmen und wenigstens insofern zu beherrschen. Auch das gehört zur Affirmation des scheinbar Negativen, zur Fügung ins Unvermeidliche.
Freitag, 13. April 2012
Dienstag, 3. April 2012
Dichter-Existenz. - Vergeblich kämpfe ich dagegen. Mein Fuß gleitet. Mein Leben bleibt doch eine Dichter-Existenz. Kann man sich etwas Unglücklicheres denken? Ich bin dazu ausersehen; das Schicksal lacht mich aus, wenn es mir plötzlich zeigt, dass alles, womit ich gegen dasselbe anarbeite, ein neues Moment eines solchen Daseins wird. Ich bin im stande, die Hoffnung so lebendig zu schildern, dass jede hoffende Persönlichkeit sich zu meiner Schilderung bekennen wird; und dennoch ist sie ein Falsum: denn während ich sie schildere, denke ich an die Erinnerung.
Mein Kummer ist meine Ritterburg, welche wie ein Adlernest hoch oben auf des Berges Gipfel in den Wolken liegt. Von da fliege ich herab in die Wirklichkeit des Lebens und greife meine Beute. Aber ich bleibe nicht dort unten; ich bringe meine Beute heim, und diese Beute ist das Bild, welches ich hineinwebe in die Tapeten meines Schlosses. Hier lebe ich wie ein Verstorbener. Alles Erlebte tauche ich nieder in die Taufe der Vergessenheit, zur Ewigkeit der Erinnerung. Alles Endliche und Zufällige ist vergessen und ausgelöscht. Da sitze ich, wie ein alter, graubärtiger Mann, gedankenvoll, und erkläre mit leiser Stimme die Bilder, fast lispelnd, und an meiner Seite sitzt ein Kind und horcht, obgleich es an alles sich erinnert, ehe ich es erzähle.
Dienstag, 20. März 2012
Wir sollten uns schämen, wenn wir bedenken, dass niemals ein Anhänger einer menschlichen Sekte gewesen, der, wenn gleich seine Lehre noch so schwere und widersinnische Sachen in sich gehalten, seine Aufführung und sein Leben nicht einigermassen darnach eingerichtet hat; und dass eine so göttliche und himmlische Unterweisung die Christen durch nichts, als durch ihre Sprache, kenntlich macht.
Will man dieses sehen? Man vergleiche nur einmal unsere Sitten mit den Sitten eines Mahometaners, oder eines Heiden. Wir werden immer den Kürzern ziehen: an statt dass wir uns wegen des Vorzugs unserer Religion ganz ausnehmend und unvergleichlich vor ihnen hervortun sollten, damit es hieße: Sie sind so gerecht, sie sind so liebreich, sie sind so gütig? Sie sind also gewiß Christen.
Alles übrige scheinbare haben alle Religionen mit einander gemeinschaftlich: Hoffnung, Vertrauen, Begebenheiten, Zeremonien. Bußübungen, Märtyrer. Das besondere Kennzeichen unserer Wahrheit sollte unsere Tugend sein: gleichwie sie auch das himmlische und schwereste Kennzeichen, und die herrlichste Frucht der Wahrheit ist.
Demnach tat weiland unser König Ludwig der Heilige Recht, dass er einen Tartarischen König, der ein Christe geworden, und Willens war nach Lyon zu gehen, um dem Papst die Füsse zu küssen, und daselbst diejenige Heiligkeit zu sehen, die er in unsern Sitten zu finden hofte, innständigst davon abmahnete, aus Furcht unsere ausgelassene Lebensart möchte ihm vielmehr einen so heiligen Glauben zuwider machen.
Indessen ereignete sich doch nachgehends einmal gerade das Gegenteil bei einem andern, der in eben dieser Absicht nach Rom gegangen war, und als er daselbst das liederliche Leben der Prälaten, und des damaligen Volks sahe, desto mehr in unserer Religion bestärket wurde, weil er überlegte, wie viel Stärke und Göttlichkeit sie besitzen müßte, da sie ihre Hoheit und ihren Glanz unter einem so großen Verderbnisse, und unter so gottlosen Händen, erhielte.
Sonntag, 18. März 2012
Meine Tugend ist eine auswendige und zufällige Tugend, oder Unschuld, besser zu sagen. Wäre ich mit ungebärdigeren Leidenschaften zur Welt gekommen, ich fürchte, es wäre erbärmlich mit mir ergangen. Denn ich habe nicht viel von Festigkeit in meiner Seele befunden, um den Leidenschaften zu widerstehen, wenn sie auch nur ein wenig stürmisch gewesen wären. Ich kann das Zanken und Streiten in mir selber nicht ausstehen. So habe ich mir denn keinerlei Dankeschön dafür zu sagen, dass ich von verschiedenen Lastern frei bin.
Samstag, 3. März 2012
Ceste mienne conception se reconnoist mieux qu'en tout autre lieu, en la comparaison de l'Æneide et du Furieux. Celuy-là on le voit aller à tire d'aisle, d'un vol haut et ferme, suyvant tousjours sa poincte : cestuy-cy voleter et sauteler de conte en conte, comme de branche en brancde, ne se fiant à ses aisles, que pour une bien courte traverse : et prendre pied à chasque bout de champ, de peur que l'haleine et la force luy faille,
Excursúsque breves tentat.Und er wagt nur kurze Ausflüge
Pour subvenir un peu à la trahison de ma memoire, et à son defaut, si extreme, qu'il m'est advenu plus d'une fois, de reprendre en main des livres, comme recents, et à moy inconnus, que j'avoy leu soigneusement quelques années au paravant, et barbouillé de mes notes : j'ay pris en coustume dépuis quelque temps, d'adjouster au bout de chasque livre (je dis de ceux desquels je ne me veux servir qu'une fois) le temps auquel j'ay achevé de le lire, et le jugement que j'en ay retiré en gros : à fin que cela me represente au moins l'air et idée generale que j'avois conceu de l'autheur en le lisant. Je veux icy transcrire aucunes de ces annotations.
Dienstag, 21. Februar 2012
Sonntag, 19. Februar 2012
Montag, 30. Januar 2012
Ce qui se dit dans les cercles, dans les salons, dans les soupers, dans les assemblées publiques, dans les livres, même ceux qui ont pour objet de faire connaître la société, tout cela est faux ou insuffisant. On peut dire sur cela le mot italien per la predica , ou le mot latin ad populum phaleras . Ce qui est vrai, ce qui est instructif, c' est ce que la conscience d' un honnête homme, qui a beaucoup vu et bien vu, dit à son ami au coin du feu : quelques-unes de ces conversations-là m' ont plus instruit que tous les livres et le commerce ordinaire de la société. C' est qu' elles me mettaient mieux sur la voie et me faisaient réfléchir davantage.
Was man in verschiedenen Kreisen sagt – in Salons, bei Festessen, in öffentlichen Versammlungen, in Büchern und zwar selbst in solchen, deren Thema die Gesellschaft ist -, all das ist falsch und unzulänglich. Man kann darauf das italienische Wort per la predica oder das lateinische ad populum phaleras anwenden. Wahr und lehrreich ist, was der verantwortungsbewusste, ehrliche Mann, der viel und scharf beobachtet hat, seinem Freund am Kamin sagt; Unterhaltungen dieser Art haben mir mehr gegeben als alle Bücher und all der übliche Verkehr in der Gesellschaft. Denn sie brachten mich auf den richtigen Weg und gaben mir Stoff zum Weiterdenken.
Freitag, 20. Januar 2012
Die Geschlechtsehre der Männer wird durch die der Weiber hervorgerufen, als der entgegengesetzte esprit de corps, welcher verlangt, daß jeder, der die dem Gegenpart so sehr günstige Kapitulation, die Ehe, eingegangen ist, jetzt darüber wache, daß sie ihm gehalten werde, damit nicht selbst dieses Paktum, durch das Einreißen einer laxen Observanz desselben, seine Festigkeit verliere und die Männer, indem sie alles hingeben, nicht einmal des einen versichert seien, was sie dafür erhandeln, des Alleinbesitzes des Weibes.
Demgemäß fordert die Ehre des Mannes, daß er den Ehebruch seiner Frau ahnde und, wenigstens durch Trennung von ihr, strafe. Duldet er ihn wissentlich, so wird er von der Männergemeinschaft mit Schande belegt: jedoch ist diese lange nicht so durchgreifend, wie die durch den Verlust der Geschlechtsehre das Weib treffende, vielmehr nur ein Tadel von geringem Gewicht ist; weil beim Manne die Geschlechtsbeziehung eine untergeordnete ist, indem er in noch vielen anderen und wichtigeren steht.
Montag, 16. Januar 2012
Freitag, 13. Januar 2012
On peut considérer l' édifice métaphysique de la société comme un édifice matériel qui serait composé de différentes niches, ou compartiments, d' une grandeur plus ou moins considérable. Les places avec leurs prérogatives, leurs droits, etc., forment ces divers compartiments, ces différentes niches. Elles sont durables, et les hommes passent. Ceux qui les occupent sont tantôt grands, tantôt petits, et aucun ou presque aucun n' est fait pour sa place. Là, c' est un géant, courbé ou accroupi dans sa niche ; là, c' est un nain sous une arcade : rarement la niche est faite pour la stature. Autour de l' édifice circule une foule d' hommes de différentes tailles. Ils attendent tous qu' il y ait une niche de vide, afin de s' y placer, quelle qu' elle soit. Chacun fait valoir ses droits, c' est-à-dire sa naissance, ou ses protections, pour y être admis. On sifflerait celui qui, pour avoir la préférence, ferait valoir la proportion qui existe entre la niche et l' homme, entre l' instrument et l' étui. Les concurrents même s' abstiennent d' objecter à leur adversaire cette disproportion.
Jamais le monde n' est connu par les livres ; on l' a dit autrefois ; mais ce qu' on n' a pas dit, c' est la raison ; la voici : c' est que cette connaissance est un résultat de mille observations fines dont l' amour-propre n' ose faire confidence à personne, pas même au meilleur ami. On craint de se montrer comme un homme occupé de petites choses, quoique ces petites choses soient très importantes au succès des plus grandes affaires.
Dienstag, 10. Januar 2012
Wenn diese Essays würdig wären, dass man über sie urteile, so könnte es nach meinem Vermuten eintreffen, dass sie den gemeinen und plumpen Geistern nicht sonderlich gefielen, und den erlesenen und hervorragenden nicht besser: jene würden nicht genug davon begreifen, diese begriffen zuviel davon; sie könnten vielleicht in einer mittleren Höhe sachte ihr Leben führen.
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