Donnerstag, 21. Dezember 2023

 

Kein Zufall ist so unglücklich, als dass kluge Leute nicht Vorteil daraus zögen, und keiner so glücklich, als dass unüberlegte ihn nicht zu ihrem Nachteil wenden könnten.

 

Il n'y a point d'accidents si malheureux dont les habiles gens ne tirent quelque avantage, ni de si heureux que les imprudents ne puissent tourner à leur préjudice.

 

There is no accident so unfortunate that clever people don't turn it to some advantage, nor any accident so fortunate that imprudent people can't turn it against them.

 

Sonntag, 10. Dezember 2023

 

Es scheint, dass unsere Taten unter guten oder bösen Gestirnen stehen, denen sie einen großen Teil des Lobes oder Tadels verdanken, der auf sie fällt.

 

 

Il semble que nos actions aient des étoiles heureuses ou malheureuses, à qui elles doivent une grande partie de la louange et du blâme qu'on leur donne.

 

It seems that our actions have fortunate or unfortunate stars, to which they owe a great part of the praise or blame people give them.

Sonntag, 3. Dezember 2023

 

Obwohl die Menschen sich auf ihre großen Taten etwas zugute tun, sind diese doch meist nicht Resultat eines großen Vorsatzes, sondern des Zufalls.

 

Quoique les hommes se flattent de leurs grandes actions, elles ne sont pas souvent les effets d'un grand dessein, mais des effets du hasard.

 

Although men flatter themselves for their great actions, they are often not the result of a grand design but of chance.

Dienstag, 28. November 2023

Der römische Kanzleistil erforderte, daß selbst dasjenige, was ein Zeuge mit seinen Augen gesehen zu haben versicherte und ein Richter nach seinem innigsten Wissen und Gewissen verordnete, mit der Formel ausgedrückt wurde: Mich deucht. Man bringt mir einen Widerwillen gegen die wahrscheinlichsten Sätze bei, wenn man mir solche als unfehlbar aufstellt. Ich habe gern solche Worte, welche die Verwegenheit unserer Behauptungen mildern und mindern: vielleicht, gewissermaßen, zum Teil, man sagt, ich glaube, und dergleichen. Hätte ich Kinder zu erziehen gehabt, ich würde ihnen alle diese Frageweise, nicht entscheidende Antworten in den Mund gelegt haben: Was will das sagen? Ich versteh' es nicht; es mag sein; ist das möglich? – wodurch sie viel mehr im sechzigsten Jahre die Sprache der Schüler geführt, als im zehnten Jahre die Lehrmeister gespielt hätten, wie sie jetzt tun. Wer sich von der Unwissenheit heilen will, muß sie eingestehen.

Le stile à Romme portoit que cela mesme qu'un tesmoin deposoit pour l'avoir veu de ses yeux, et ce qu'un juge ordonnoit de sa plus certaine science, estoit conceu en cette forme de parler: Il me semble. On me faict hayr les choses vray-semblables quand on me les plante pour infallibles. J'ayme ces mots, qui amollissent et moderent la temerité de nos propositions: A l'avanture, Aucunement, Quelque, On dict, Je pense, et semblables. Et si j'eusse eu à dresser des enfans, je leur eusse tant mis en la bouche cette façon de respondre, enquesteuse, non resolutive: Qu'est-ce à dire? Je ne l'entends pas, Il pourroit estre, Est-il vray? qu'ils eussent plustost gardé la forme d'apprentis à soixante ans que de representer les docteurs à dix ans, comme ils font. Qui veut guerir de l'ignorance, il faut la confesser.

Dienstag, 21. November 2023

Iris ist die Tochter des Thaumas. Bewunderung ist der Grund aller Philosophie, Nachforschung ihr Fortschritt, Unwissenheit ihr Ende. Ja, es gibt eine tapfre, edelmütige Unwissenheit, welche an Ehre und Kühnheit der Gelehrsamkeit nichts nachgibt, eine Unwissenheit, welche an sich zu erkennen nicht wenig Gelehrsamkeit erfordert als die Erkenntnis der Gelehrsamkeit.

Iris est fille de Thaumantis. L'admiration est fondement de toute philosophie, l'inquisition le progrez, l'ignorance le bout. Voire dea, il y a quelque ignorance forte et genereuse qui ne doit rien en honneur et en courage à la science, ignorance pour laquelle concevoir il n'y a pas moins de science que pour concevoir la science.

Dienstag, 7. November 2023

 

Ich sah in meiner Kindheit einen Rechtshandel über einen sonderbaren Vorfall, welchen Corras, Parlamentsrat von Toulouse, drucken ließ. Zwei Menschen nämlich machten Anspruch darauf, eine Person zu sein. Ich erinnere mich noch (weiter aber erinnere ich mich auch nichts mehr), daß es mir damals so vorkam, derjenige, welcher für strafbar erklärt wurde, habe seinen Betrug so wunderbar, so weit über unsere Einsicht und die Einsicht dessen, welcher Richter war, getrieben, daß ich den Ausspruch sehr gewagt fand, der ihn zum Strange verurteilte. Laßt uns doch eine Urteilsformel einführen, welche sagt: Der Gerichtshof sieht die Sache nicht ein. Alsdann verfahren wir freimütiger und offenherziger als Areopagiten, welche, da man in sie drang, über eine Sache abzuurteilen, die sie nicht zu entwickeln vermochten, den Bescheid gaben, die Parteien sollten nach hundert Jahren wieder vorsprechen.

 

Je vy en mon enfance un procés, que Corras, conseiller de Toulouse, fist imprimer, d'un accident estrange: de deux hommes qui se presentoient l'un pour l'autre. Il me souvient (et ne me souvient aussi d'autre chose) qu'il me sembla avoir rendu l'imposture de celuy qu'il jugea coulpable si merveilleuse et excedant de si loing nostre connoissance, et la sienne qui estoit juge, que je trouvay beaucoup de hardiesse en l'arrest qui l'avoit condamné à estre pendu. Recevons quelque forme d'arrest qui die: La court n'y entend rien, plus librement et ingenuement que ne firent les Areopagites, lesquels, se trouvans pressez d'une cause qu'ils ne pouvoient desveloper, ordonnerent que les parties en viendroient à cent ans.

 

Die Hexen in meiner Nachbarschaft geraten in Lebensgefahr durch die Lehren jedes neuen Schriftstellers, der Träume für Tatsachen ausgibt. Die Beispiele, welche uns die Heilige Schrift von dergleichen Dingen gibt, diese sehr gewiß und unwidersprechlichen Zeugnisse, auf unsere neueren Vorfälle anzuwenden, von denen wir doch weder Ursachen noch Mittel sehen, dazu gehört ein höherer Verstand als der unsrige. Es ziemt vielleicht nur diesem einzigen allmächtigen Zeugnis, uns zu sagen: Dieses ist Zauberei und dieses, jenes aber ist es nicht. Gott selbst müssen wir glauben, nichts ist vernünftiger, aber nicht jemanden unter uns, der sich über seine eigene Erzählung verwundert (und notwendigerweise darüber verwundern muß, wenn er nicht ganz von Sinnen ist), er mag nun die Handlung eines andern oder seine eigene berichten.

Les sorcieres de mon voisinage courent hazard de leur vie, sur l'advis de chaque nouvel autheur qui vient donner corps à leurs songes. Pour accommoder les exemples que la divine parolle nous offre de telles choses, tres-certains et irrefragables exemples, et les attacher à nos evenemens modernes, puisque nous n'en voyons ny les causes ny les moyens, il y faut autre engin que le nostre. Il appartient à l'avanture à ce seul tres-puissant tesmoignage de nous dire: Cettuy-cy en est, et celle-là, et non cet autre. Dieu en doit estre creu, c'est vrayement bien raison; mais non pourtant un d'entre nous, qui s'estonne de sa propre narration (et necessairement il s'en estonne s'il n'est hors de sens), soit qu'il l'employe au faict d'autruy, soit qu'il l'employe contre soy-mesme.

Montag, 30. Oktober 2023

 

Je voudrais qu'il me fût permis de crier de toute ma force à ces hommes saints qui ont été autrefois blesse's des femmes: « Fuyez les femmes, ne les dirigez point, laissez à d'autres le soin de leur salut. »

 

 

I wish that I were allowed to cry with all my strength to those holy men who formerly suffered through women: "Flee from women, do not be their spiritual director at all, leave it for others to care for their salvation!"

 

 

Ich wollte, es wäre mir erlaubt, mit meiner ganzen Kraft den heiligen Männern, die ehemals von den Frauen verwundet worden sind, zuzurufen: „Fliehet die Frauen, übernehmt nicht, sie zu leiten, überlasst anderen die Sorge für ihr Heil.“

Mittwoch, 18. Oktober 2023

 

Si une femme pouvait dire à son confesseur, avec ses autres faiblesses, celles qu'elle a pour son directeur, et le temps qu'elle perd dans son enntretien, peut-être lui serait-il donné pour pénitence d'y renoncer.

 

If a woman could say to her confessor, along with her other weaknesses, the ones she has for her spiritual director, and the time she loses in his company, perhaps he would give her the penance of renouncing him.

 

 

Wenn eine Frau ihrem Beichtvater mit ihren übrigen Schwächen diejenigen gestehen könnte, die sie für ihren Gewissensrat hat, und die Zeit, die sie durch die Unterhaltung mit ihm verliert, würde ihr vielleicht als Buße auferlegt, auf ihn zu verzichten.

Montag, 9. Oktober 2023

 

Le capital pour une femme n'est pas d'avoir un directeur, mais de vivre si uniment qu'elle s'en puisse passer.

 

What is most important for a woman is not to have a spiritual director, but to live so harmoniously that she can do without one.

 

Das Wesentliche für eine Frau ist nicht, einen Gewissensrat zu haben, sondern so im Gleichgewicht zu leben, dass sie ihn entbehren kann.

Donnerstag, 28. September 2023

 

Diesem entsprechend finden wir die Päderastie durchgängig als ein Laster alter Männer. Nur solche sind es, welche dann und wann, zum öffentlichen Skandal, darauf betroffen werden. Dem eigentlich männlichen Alter ist sie fremd, ja, unbegreiflich. Wenn ein Mal eine Ausnahme hievon vorkommt; so glaube ich, daß es nur in Folge einer zufälligen und vorzeitigen Depravation der Zeugungskraft seyn kann, welche nur schlechte Zeugungen liefern könnte, denen vorzubeugen, die Natur sie ablenkt. Daher auch richten die in großen Städten leider nicht seltenen Kinäden ihre Winke und Anträge stets an ältere Herren, niemals an die im Alter der Kraft stehenden, oder gar an junge Leute. Auch bei den Griechen, wo Beispiel und Gewohnheit hin und wieder eine Ausnahme von dieser Regel herbeigeführt haben mag, finden wir von den Schriftstellern, zumal den Philosophen, namentlich Plato und Aristoteles, in der Regel, den Liebhaber ausdrücklich als ältlich dargestellt.

 

Insbesondere ist in dieser Hinsicht eine Stelle des Plutarch bemerkenswerth im Liber amatorius, c. 5: Ho paidikos erôs, opse gegonôs, kai par' hôran tô biô, nothos kai skotios, exelaunei ton gnêsion erôta kai presbyteron.

Puerorum amor, qui, quum tarde in vita et intempestive, quasi spurius et occultus, exstitisset, germanum et natu majorem amorem expellit. 

 

Die Liebe zu Kindern, die, wenn sie spät im Leben und unzeitgemäß existiert, wie unecht und verborgen, verdrängt die aufrichtige und ältere Liebe.

Samstag, 23. September 2023

 

Sogar unter den Göttern finden wir nur die ältlichen, den Zeus und den Herakles, mit männlichen Geliebten versehn, nicht den Mars, Apollo, Bakchus, Merkur. – Inzwischen kann im Orient der in Folge der Polygamie entstehende Mangel an Weibern hin und wieder gezwungene Ausnahmen zu dieser Regel veranlassen: eben so in noch neuen und daher weiberlosen Kolonien, wie Kalifornien u.s.w. – Dem entsprechend nun ferner, daß das unreife Sperma, eben so wohl wie das durch Alter depravirte, nur schwache, schlechte und unglückliche Zeugungen liefern kann, ist, wie im Alter, so auch in der Jugend eine erotische Neigung solcher Art zwischen Jünglingen oft vorhanden, führt aber wohl nur höchst selten zum wirklichen Laster, indem ihr, außer den oben genannten Motiven, die Unschuld, Reinheit, Gewissenhaftigkeit und Verschämtheit des jugendlichen Alters entgegensteht.

 

Aus dieser Darstellung ergiebt sich, daß, während das in Betracht genommene Laster den Zwecken der Natur, und zwar im Allerwichtigsten und ihr Angelegensten, gerade entgegenzuarbeiten scheint, es in Wahrheit eben diesen Zwecken, wiewohl nur mittelbar, dienen muß, als Abwendungsmittel größerer Uebel. Es ist nämlich ein Phänomen der absterbenden und dann wieder der unreifen Zeugungskraft, welche der Species Gefahr drohen: und wiewohl sie alle Beide aus moralischen Gründen pausiren sollten; so war hierauf doch nicht zu rechnen; da überhaupt die Natur das eigentlich Moralische bei ihrem Treiben nicht in Anschlag bringt. Demnach griff die, in Folge ihrer eigenen Gesetze, in die Enge getriebene Natur, mittelst Verkehrung des Instinkts, zu einem Nothbehelf, einem Stratagem, ja, man möchte sagen, sie bauete sich eine Eselsbrücke, um, wie oben dargelegt, von zweien Uebeln dem größern zu entgehn. Sie hat nämlich den wichtigen Zweck im Auge, unglücklichen Zeugungen vorzubeugen, welche allmälig die ganze Species depraviren könnten, und da ist sie, wie wir gesehn haben, nicht skrupulös in der Wahl der Mittel. Der Geist, in welchem sie hier verfährt, ist der selbe, in welchem sie, wie oben, Kapitel 27, angeführt, die Wespen antreibt, ihre Jungen zu erstechen: denn in beiden Fällen greift sie zum Schlimmen, um Schlimmerem zu entgehn: sie führt den Geschlechtstrieb irre, um seine verderblichsten Folgen zu vereiteln.

 

Meine Absicht bei dieser Darstellung ist zunächst die Lösung des oben dargelegten auffallenden Problems gewesen; sodann aber auch die Bestätigung meiner, im vorstehenden Kapitel ausgeführten Lehre, daß bei aller Geschlechtsliebe der Instinkt die Zügel führt und Illusionen schafft, weil der Natur das Interesse der Gattung allen andern vorgeht, und daß Dies sogar bei der hier in Rede stehenden, widerwärtigen Verirrung und Ausartung des Geschlechtstriebes gültig bleibt; indem auch hier, als letzter Grund, die Zwecke der Gattung sich ergeben, wiewohl sie, in diesem Fall, bloß negativer Art sind, indem die Natur dabei prophylaktisch verfährt.

 

Diese Betrachtung wirft daher auf meine gesammte Metaphysik der Geschlechtsliebe Licht zurück. Ueberhaupt aber ist durch diese Darstellung eine bisher verborgene Wahrheit zu Tage gebracht, welche, bei aller ihrer Seltsamkeit, doch neues Licht auf das innere Wesen, den Geist und das Treiben der Natur wirft. Demgemäß hat es sich dabei nicht um moralische Verwarnung gegen das Laster, sondern um das Verständniß des Wesens der Sache gehandelt. Uebrigens ist der wahre, letzte, tief metaphysische Grund der Verwerflichkeit der Päderastie dieser, daß, während der Wille zum Leben sich darin bejaht, die Folge solcher Bejahung, welche den Weg zur Erlösung offen hält, also die Erneuerung des Lebens, gänzlich abgeschnitten ist. – Endlich habe ich auch, durch Darlegung dieser paradoxen Gedanken, den durch das immer weitere Bekanntwerden meiner von ihnen so sorgfältig verhehlten Philosophie jetzt sehr deconcertirten Philosophieprofessoren eine kleine Wohlthat zufließen lassen wollen, indem ich ihnen Gelegenheit eröffnete zu der Verläumdung, daß ich die Päderastie in Schutz genommen und anempfohlen hätte.

Mittwoch, 20. September 2023

Someone said that to take things from the ancients was like robbing the towns beyond national borders; but plundering things from the moderns was like stealing pocket change on street corners. 

Quelqu'un a dit que de prendre sur les anciens, c'était pirater au-delà de la ligne; mais que de piller les modernes, c'était filouter au coin des rues.

 

Jemand sagte, die Alten bestehlen, heiße außerhalb der Dreimeilenzone rauben, die Modernen plündern, sei Taschendiebstahl an Straßenecken.

Mittwoch, 6. September 2023

 

Quand un homme aimable ambitionne le petit avantage de plaire à autres qu'à ses amis comme le font tant d'hommes, surtout de gens de lettres, pour qui plaire est comme un métier, il est clair qu'ils ne peuvent y être portés que par un motif d'intérêt ou de vanité. Il faut qu'ls choisissent entre le rôle d'une courtisane et celui d'une coquette, ou si l'on veut d'un comédien. L'homme qui se rend aimable pour une société, parce qu'il s'u plaît, est le seul qui joue le rôle d'un honnête homme.    

 

When a pleasant man has the ambition to gain the petty advantage of pleasing people other than his friends, as so many men do, especially men of letters for whom pleasing others is almost a profession, it is clear that they can only be driven by self-interest or vanity. Such a person has to choose between the role of a courtisan and that of a coquette, or if one likes, an actor. A man who makes himself pleasant for a group of people because he enjoys himself with them is the only person who plays the role of an honest man. 

Wenn ein liebenswürdiger Mann aus Ehrgeiz den geringen Vorteil sucht, andern als seinen Freunden zu gefallen, wie es so viele Literaten tun, für die das Gefallen fast ein Gewerbe ist, so stecken sicher berechnende oder eitle Motive dahinter. Er muss wählen zwischen der Rolle einer Kurtisane und der einer Kokette, oder, wenn man so will, der des Komödianten. Nur wer sich bemüht, aus Neigung für eine bestimmte Gesellschaft liebenswürdig zu sein, kann als redlicher Mann gelten.

Mittwoch, 30. August 2023

 

Ewige Nacht

Mein Leben ist wie eine ewige Nacht. Sterbe ich einmal, so kann ich mit Achilles sagen:

»Du bist vollbracht, Nachtwache meines Daseins.«

Donnerstag, 17. August 2023

 

Wie doch die menschliche Natur durchweg sich gleich bleibt! Mit welcher angebornen Genialität kann oft ein kleines Kind uns in lebendigem Bilde darstellen, was in den größern Lebensverhältnissen vor sich geht. Heute amüsierte ich mich über den kleinen Ludwig. Da saß er in seinem kleinen Stuhl; mit besonderem Behagen blickte er um sich. Da ging das Kindermädchen Maren durch das Zimmer. »Maren!« rief er. »Ja, kleiner Ludwig,« antwortete sie mit gewohnter Freundlichkeit und trat zu ihm. Er legte seinen Kopf etwas auf die linke Seite, richtete auf sie seine großen Augen mit einer gewissen Schelmerei und sagte danach ganz phlegmatisch: das sei nicht die Maren; das sei eine andre Maren. Was tun wir Erwachsenen? Wir winken der ganzen Welt; und ist sie uns nun freundlich entgegengekommen, dann sagen wir, das sei nicht die Maren.

Dienstag, 15. August 2023

 

Zur Erkenntnis der Wahrheit bin ich vielleicht gekommen, zur Seligkeit sicherlich nicht. Was soll ich tun? »In der Welt wirken!« so antworten die Menschen. Sollte ich der Welt also mein Herzeleid mitteilen, einen Beitrag zu dem Beweise liefern, wie traurig und jämmerlich alles ist, vielleicht einen neuen Flecken im Menschenleben entdecken, der bisher unbeachtet geblieben war? Ich könnte alsdann den seltenen Lohn einernten, berühmt zu werden, gleich dem Manne, der die Flecken im Stern Jupiter entdeckt hat. Ich ziehe es doch vor, zu schweigen.

Freitag, 4. August 2023

Unsre Zeit erinnert sehr an die Auflösungsperiode des griechischen Staates: alles ist noch so, wie es vor alters war, aber keiner glaubt's, daß es so bleibt. Das unsichtbare Geistesband ist verschwunden, daher die ganze Zeit zugleich komisch und tragisch ist; tragisch, weil sie untergeht, komisch, weil sie besteht; denn immer trägt doch das Unvergängliche das Vergängliche, der Geist den Leib, und wär's möglich, daß ein Leichnam noch eine Weile die gewohnten Funktionen ausführte, so würde das zugleich komisch und tragisch sein. Aber laß die Zeit nur zehren; je mehr sie von dem substantiellem Gehalt, der in der romantischen Liebe lag, aufgezehrt hat, um so größer wird auch das Verderben sein, und man wird mit Schrecken und Verzweiflung sehen, wie unglücklich man sich selber gemacht hat.


Donnerstag, 27. Juli 2023

Tod und Genuss. – Es ist eine schwere Krankheit, ein Leben, das so kurz ist und nicht zweimal kommt, nicht zu geniessen. Glücklich, die an die Seelenwanderung glauben!  

Sonntag, 23. Juli 2023

Tod und Lebensfreude. -  Man hängt am Leben anderer nur soweit, wie man am eigenen hängt. Man hängt am Leben nur, soweit es Freuden bietet. Ich verstehe jetzt, warum die Bauern ruhig sterben und mit Gemütsruhe die anderen sterben sehen. Ein Mann im Gefängnis wird Todesnachrichten aus der ganzen Welt ohne Erregung aufnehmen. Das ist auch die Ursache der militärischen Tapferkeit: das harte Leben des Feldzugs. Man schlägt sich nie tapferer, als wenn man eine Nacht im Biwak zugebracht hat. Man verachtet das eigene Leben sowie das der Gefährten; man langweilt sich. 

Dienstag, 18. Juli 2023

Die Verfolgung der Freiheit. - Wollen Sie meine Prophezeiung wissen? Ich sage eine grausame Verfolgung aller selbständigen und freien Geister voraus. Und warum? Weil es notwendig ist,  dass irgend jemand unrecht bekommt. Und niemand verführt alle Parteien so leicht dazu, ihm unrecht zu geben, wie ein abseits stehender Gelehrter mit wirklich viel Geist, der niemandem Vorteil bringt und niemandem etwas zuleide tut. Er muss unrecht haben, er ist an allem schuld. Man muss ihn verfolgen. Der Hof, die Parlamente, die Regierung, die Geistlichkeit, die Jesuiten, die Jansenisten, sie alle kommen auf ihre Rechnung. Das sagt mir mein Herz. Und mein Herz sieht oft sehr schwarz, aber nur selten falsch.    

Reisen der Fürsten. - Fürsten langweilt das Reisen bald. Ihr Charakter wird ihnen zur Last, die sie bedrückt. Sind sie großmütig, so stürzen sie sich ins Unglück, geben sie weniger aus, so ist man verstimmt. Sie fühlen ihre Stellung zwischen Untergang und Verachtung, und diese Lage immer inmitten der Diebe und der Unzufriedenen ermüdet sie schließlich. Ich weiß nicht, welcher Dämon des Jahrhunderts den Fürsten einfallen lässt, sich den andern Völkern zu zeigen. Findet man sie besser als den eigenen Fürsten, so hinterlassen sie die unwürdigste Sehnsucht, findet man sie gleich oder sogar schlechter, so hinterlassen sie Niedergeschlagenheit und Verzweiflung im menschlichen Herzen. Manches ist nur im Wunsch schön. Die Liebe hat solche Schönheiten, und ich finde, auch die Tugend der Fürsten ist wie die Freude an einer Jungfernschaft. Es ist besser, sie sich vorzustellen als sie zu genießen.

Montag, 3. Juli 2023

Der Marquis ist noch nicht zurück, er hat nicht zu Hause gespeist, aber er wird nicht mehr lange auf sich warten lassen, wie mir seine Leute sagen. 

Wenn unsere Leser das Beste über den Enthusiasmus in der Tugend, was vielleicht jemals darüber gesagt worden ist, lesen wollen, so empfehlen wir Ihnen den 8. Dialog der « Dialogues sur le commerce des blés par l’abbé Galiani », und wenn sie eins der besten, lehrreichsten und zugleich wichtigsten und unterhaltendsten Bücher, das seit hundert Jahren zum Vorschein gekommen ist, lesen wollen, das ganze Buch, welches, im Vorbeigehen gesagt, nicht so viel Eindruck in der Welt gemacht hat, als ein so außerordentliches Buch hätte machen sollen; und dies ohne Zweifel bloß deswegen, weil sehr wenige Leute Verstand und Witz genug haben, es zu verstehen.     

Dienstag, 27. Juni 2023

 

Um es in der Welt zu etwas zu bringen, tut man, als habe man es zu etwas gebracht.

 

Pour s'établir dans le monde, on fait tout ce que l'on peut pour y paroître établi.

 

In order to become established in the world, a person does everything he can to make it seem like he already is established.

Freitag, 23. Juni 2023

 

Der Hass gegen Günstlinge ist nichts anderes als Liebe zur Gunst. Der Unmut, keine Gunst zu besitzen, tröstet und mildert sich durch die Verachtung derer, die sie besitzen, und wir verweigern ihnen unseren Respekt, weil wir ihnen nicht nehmen können, was Ihnen den Respekt aller übrigen verschafft.

 

La haine pour les favoris n'est autre chose que l'amour de la faveur. Le dépit de ne la pas posséder se console et s'adoucit par le mépris que l'on témoigne de ceux qui la possèdent; et nous leur refusons nos hommages, ne pouvant pas leur ôter ce qui leur attire ceux de tout le monde.

 

Hatred for people's favorites is only love of people's favor. Spite for not being a person's favorite oneself is consoled and softened by the scorn that a person shows to the person who is the favorite; and we refuse to think well of that person because we can't take away from him the qualities that make everyone else do so.

Dienstag, 6. Juni 2023

 

Die Verachtung des Reichtums war bei den Philosophen ein geheimer Trieb, ihre Verdienste an dem ungerechten Schicksal durch Geringschätzung eben der Güter, die es ihnen versagte, zu rächen. Es war die Kunst, sich vor den Demütigungen der Armut zu schützen. Ein Umweg zu der Achtung, die sie nicht durch Reichtum gewinnen konnten.

 

Le mépris des richesses étoit, dans les philosophes, un desir caché de venger leur mérite de l'injustice de la fortune, par le mépris des mêmes biens dont elle les privoit; c'étoit un secret pour se garantir de l'avilissement de la pauvreté; c'étoit un chemin détourné pour aller à la considération qu'ils ne pouvoient avoir par les richesses.

 

Scorn for wealth in philosophers was a hidden desire to avenge their merit for the injustice of chance by scorning the same good things which they were deprived of; it was a secret way to save themselves from seeming base because of being poor; it was a detour to the consideration that they didn't have through wealth.

Samstag, 20. Mai 2023

 

Ich bin schwerfällig, halte mich ein wenig an das Handgreifliche und Wahrscheinliche und suche den alten Vorwurf zu vermeiden:

Majorem fidem homines adhibent iis, quae non intelligunt. Cupidine humani ingenii libentius obscura creduntur. 

Die Menschen schenken dem am meisten Glauben, was sie nicht begreifen.

So verblendet ist der Menschen Sinnesart, daß alles Dunkle um so eher von ihnen geglaubt wird.

Ich sehe wohl, daß man in Zorn gerät und mir unter Bedrohung entsetzlicher Schmachreden zu zweifeln verbietet. Das ist eine neue Art zu überzeugen; aber gottlob, daß mein Glaube sich nicht mit Faustschlägen lenken läßt! Mögen sie diejenigen züchtigen, welche ihre Meinung der Falschheit beschuldigen. Ich halte solche nur für schwer und kühn zu glauben und verwerfe ebensowohl als sie die Behauptung des Gegenteils, nur nicht gerade so gebieterisch. Wer seine Meinung durch Befehl und Gebot durchsetzen will, beweist dadurch, daß sie auf schwachen Gründen beruhen müsse. Kommt es auf ein Wort- und Schulgezänk an, so mögen sie ebensoviel Schein für sich haben als ihre Gegner.

Videantur sane, non affirmentur modo.
 

Man betrachte sie, wie man will, nur bestätige man sie nicht.

 

Je suis lourd, et me tiens un peu au massif et au vray-semblable, evitant les reproches anciens:

Majorem fidem homines adhibent iis quae non intelligunt. Cupidine humani ingenii libentius obscura creduntur.

Je vois bien qu'on se courrouce, et me deffend on d'en doubter, sur peine d'injures execrables. Nouvelle façon de persuader. Pour Dieu mercy, ma creance ne se manie pas à coups de poing. Qu'ils gourmandent ceux qui accusent de fauceté leur opinion; je ne l'accuse que de difficulté et de hardiesse, et condamne l'affirmation opposite, egalement avec eux sinon si imperieusement.

Videantur sanè, ne affirmentur modo.

Dienstag, 16. Mai 2023

 

Aber in den wesentlichen Folgerungen, welche sie daraus ziehen, haben jene den Vorteil für sich. Menschen zu töten, dazu gehört eine lichtvolle, reine Einsicht, und unser Leben ist eine zu wesentliche wirkliche Sache, um es wegen solcher übernatürlichen phantastischen Begebenheiten zu verkürzen. Von Vergiftungen mit schädlichen Dingen spreche ich hier nicht; die sind Menschenmord, und zwar von der schändlichsten Gattung. Gleichwohl sagt man, müsse man selbst dabei sich nicht allemal auf das eigene Geständnis dieser Art Menschen verlassen; denn man hat mehr als einmal erlebt, daß sie sich anklagten, Personen ums Leben gebracht zu haben, welche man gesund und lebendig fand.

 

Qui establit son discours par braverie et commandement montre que la raison y est foible. Pour une altercation verbale et scolastique, qu'ils ayent autant d'apparence que leurs contradicteurs; mais en la consequence effectuelle qu'ils en tirent, ceux-cy ont bien de l'avantage. A tuer les gens, il faut une clarté lumineuse et nette; et est nostre vie trop réele et essentielle pour garantir ces accidens supernaturels et fantastiques. Quant aux drogues et poisons, je les mets hors de mon compte: ce sont homicides, et de la pire espece. Toutesfois, en cela mesme on dict qu'il ne faut pas tousjours s'arrester à la propre confession de ces gens icy, car on leur a veu par fois s'accuser d'avoir tué des personnes qu'on trouvoit saines et vivantes.

 

Was andere seltsame Beschuldigungen betrifft, darauf möchte ich gern sagen, es sei genug, daß man einem Menschen von noch so unbescholtenem Charakter in menschlichen Dingen Glauben beimesse. In übernatürlichen Dingen aber kann er nur dann Glauben verlangen, wenn er dazu mit einer übernatürlichen Vollmacht ausgerüstet ist. Dieses Vorrecht, wovon es Gott gefallen hat, solches einigen unserer Zeugnisse beizulegen, muß nicht herabgewürdigt oder leichtsinnigerweise eingeräumt werden. Mir gellen die Ohren von Tausenden dergleichen Sagen: Drei Personen haben ihn an dem und dem Tage im Morgenland gesehen, drei andre am folgenden im Abendland; um diese Stunde, an diesem Ort, so und so gekleidet. Wahrhaftig, das glaubt' ich mir selbst nicht! Warum sollte ich es nicht viel natürlicher und wahrscheinlicher finden, daß zwei Menschen lügen, als daß ein Mensch, innerhalb zwölf Stunden, mit der Eile des Windes von Morgen nach Abend komme? Warum nicht natürlicher, daß unser Verstand aus seiner Stelle verrückt werde, durch die Behendigkeit unseres verrückten Geistes, als daß einer von uns auf einem Besen durch die Luft reite, bei lebendigem Leibe durch seinen Schornstein hinausfahre und von einem fremden Geist fortgeführt werde? Wozu das Suchen nach unbekannten Täuschungen von außen, da wir ja unaufhörlich von innen und von sehr naheliegenden Dingen getäuscht werden!

En ces autres accusations extravagantes, je dirois volontiers que c'est bien assez qu'un homme, quelque recommendation qu'il aye, soit creu de ce qui est humain; de ce qui est hors de sa conception et d'un effect supernaturel, il en doit estre creu lors seulement qu'une approbation supernaturelle l'a authorisé. Ce privilege qu'il a pleu à Dieu donner à aucuns de nos tesmoignages ne doibt pas estre avily et communiqué legerement. J'ay les oreilles battues de mille tels comptes: Trois le virent un tel jour en levant; trois le virent lendemain en occident, à telle heure, tel lieu, ainsi vestu. Certes je ne m'en croirois pas moy mesme. Combien trouvé-je plus naturel et plus vraysemblable que deux hommes mentent, que je ne fay qu'un homme en douze heures passe, quand et les vents, d'orient en occident? Combien plus naturel que nostre entendement soit emporté de sa place par la volubilité de nostre esprit detraqué, que cela, qu'un de nous soit envolé sur un balay, au long du tuiau de sa cheminée, en chair et en os, par un esprit estrangier? Ne cherchons pas des illusions du dehors et inconneues, nous qui sommes perpetuellement agitez d'illusions domestiques et nostres.

Freitag, 28. April 2023

 

Wenn der Beichtvater und der Gewissensrat über eine Verhaltungsvorschrift nicht einig werden können, welchen Dritten nimmt dann eine Frau als Schiedsrichter?

 

Si le confesseur et le directeur ne conviennent point sur une règle de conduite, qui sera le tiers qu'une femme prendra pour sur-arbitre?

If the father-confessor and the spiritual director don't agree at all on a rule of conduct, who will be the third person whom a woman will take as arbitrator?


Mittwoch, 26. April 2023

What is a woman who is spiritually directed? Is it a woman who is more obliging to her husband, kinder to her servants, more devoted to her family and its affairs, more ardent and sincere with her friends; who is less of a slave to her mood, less attached to her own interests, who has less love of the commodities of life; I don't say who gives much money to her children who are already rich, but who, being opulent herself and overwhelmed with superfluities, furnishes them with everything necessary, and gives them what they justly deserve; who is more exempt of self-love and of estrangement from others; who is more free of all human attachments? "No," you say, "it doesn't mean any of those things." I insist, and ask again: "Then what is a woman who is spiritually directed?" At last I understand you, it is a woman who has a spiritual director.

Note concerning 'spiritual directors' below: At the time La Bruyère wrote, nearly every fashionable lady had, besides her father-confessor, a spiritual director, who was her 'guide, philosopher and friend.' Boileau, in his tenth satire, says:

But thanks to pious souls, of all mortels
no one is better pampered than a spiritual director of women.

 

Qu'est-ce qu'une femme que l'on dirige? Est-ce une femme plus complaisante pour son mari, plus douce pour ses domestiques, plus appliquée à sa famille et à ses affaires, plus ardente et plus sincère pour ses amis; qui soit moins esclave de son humeur, moins attachée à ses intérêts; qui aime moins les commodités de la vie; je ne dis pas qui fasse des largesses à ses enfants qui sont déjà riches, mais qui, opulente elle-même et accablée du superflu, leur fournisse le nécessaire, et leur rende au moins la justice qu'elle leur droit; qui soit plus exempte d'amour de soi-même et d'éloignement pour les autres; qui soit plus libre de tous attachements humains? « Non, dites-vous, ce n'est rien de toutes ces choses. » J'insiste, et je vous demande: « Qu'est-ce donc qu'une femme que l'on dirige? » Je vous entends, c'est une femme qui a un directeur.

Montag, 10. April 2023

Einige Frauen geben sich in den Klöstern und ihren Liebhabern als galante und freigebige Wohltäterinnen, sie lesen noch unter der Kanzel und im Oratorium zärtliche Billette, wenn niemand sieht, dass sie nicht zu Gott beten.


 

Quelques femmes donnent aux couvents et à leurs amants: galantes et bienfactrices, elles ont jusque dans l'enceinte de l'autel des tribunes et des oratoires où elles lisent des billets tendres, et où personne ne voit qu'elles ne prient point Dieu.

Some women are generous to the church as well as to their lovers: female gallants and benefactresses, in the very precinct of the altar they have their own galleries and oratories where they read their love notes, and where no one sees that they are not praying to God at all.

Sonntag, 12. März 2023

Ich habe mehrmals  erörtert, daß, während die Thiere nur Gattungscharakter haben, dem Menschen allein der eigentliche Individualcharakter zukommt. Jedoch ist in den Meisten nur wenig wirklich Individuelles: sie lassen sich fast gänzlich nach Klassen sortiren. Ce sont des espèces. [Es sind Stückproben.] Ihr Wollen und Denken, wie ihre Physiognomien, ist das der ganzen Species, allenfalls der Klasse von Menschen, der sie angehören, und ist eben darum trivial, alltäglich, gemein, tausend Mal vorhanden. Auch läßt meistens ihr Reden und Thun sich ziemlich genau vorhersagen. Sie haben kein eigenthümliches Gepräge: sie sind Fabrikwaare.

Samstag, 25. Februar 2023

Le philosophe, qui fait tout pour la vanité, a-t-il droit de mépriser le courtisan, qui fait tout pour l'intérêt? Il me semble que l'un emporte les louis d'or et que l'autre se retire content, après en avoir entendu le bruit. D'alembert, courtisan de Voltaire par un intérêt de vanité, est-il bien au-dessus de tel ou tel courtisan de Louis XIV, qui voulait une pension ou un gouvernement?    

Does a philosopher who does everything because of vanity have the right to scorn a courtier who does everything because of self-interest? It seems that the one carries away louis d'ors [valuable gold pieces] and the other rests content after having heard the clatter. Is d'Alembert, who courted Voltaire out of vanity, very much above this or that courtier of Louis XIV, who wanted a pension or a government post? 

Freitag, 24. Februar 2023

Von den Metaphysikern möchte ich gern sagen, was Scaliger von den Basken sagte: «Man glaubt, dass sie einander verstehen, aber ich lasse es mir nicht weismachen.»

Je dirais volontiers des métaphysiciens ce que Scaliger disait des Basques: « On dit qu'ils s'entendent, mais je n'en crois rien. »    

I would willingly say about metaphysicians what Scaliger said about the Basques: "People say that they understand each other, but I don't believe it at all."

Freitag, 3. Februar 2023

Ein wahres Gefühl sieht man so selten, dass ich oft auf der Straße stehen bleibe, um einem Hund zuzuschauen, der einen Knochen abnagt.

Montag, 30. Januar 2023

Lebensalter

Seltsam genug, immer ist es dasselbe, was durch alle Lebensalter hindurch einen beschäftigt; und immer kommt man gleich weit, oder vielmehr, man geht zurück. Als ich fünfzehn Jahre alt war, schrieb ich auf dem Gymnasium mit vieler Salbung über die Beweise für Gottes Dasein und die Unsterblichkeit der Seele, über den Begriff des Glaubens, über die Bedeutung des Wunders. Für das examen artium (vor meiner Immatrikulation) verfaßte ich eine Abhandlung über die Unsterblichkeit der Seele, wofür mir das Zeugnis prae caeteris (nämlich laudabilis) zu teil wurde. Später gewann ich durch eine Abhandlung über diese Materie den Preis. Wer sollte glauben, dass ich, nach einem so soliden und vielversprechenden Anfange, jetzt, in meinem 25. Jahre, dahin gekommen bin, dass ich nicht einen einzigen Beweis für die Unsterblichkeit der Seele zu führen weiß. Lebhaft erinnere ich mich aus meinen Schuljahren, wie ein von mir geschriebener Aufsatz über denselben Gegenstand von dem Lehrer außerordentlich gerühmt und vorgelesen wurde, und zwar ebensosehr der Vortrefflichkeit des Inhalts wie der Sprache wegen. Ach! ach! ach! Diesen Aufsatz habe ich schon längst fortgeworfen. Welch ein Unglück! Vielleicht würde meine zweifelnde Seele durch denselben zur Festigkeit gebracht worden sein, sowohl durch die vortreffliche Sprache als den Inhalt. Daher ist es eben mein wohlgemeinter Rat an Eltern, Vorgesetzte und Lehrer, den ihnen anvertrauten Jungen einzuschärfen, die im fünfzehnten Jahre abgefaßten Aufsätze ja aufzubewahren. Diesen Rat zu erteilen, ist das Einzige, was ich zum Besten der Menschheit zu tun vermag.

 


Mittwoch, 18. Januar 2023

Kette

Was ist's, was mich fesselt? - Woraus war die Kette geschmiedet, mit welcher der Fenriswolf gefesselt wurde? Sie war zusammengeschweißt aus dem Geräusch, das die Füße des Katers machen, wenn er über den Erdboden streicht, aus den Bärten der Weiber, den Wurzeln der Felsen, der Streu des Bären, dem Atem der Fische und dem Speichel der Vögel. So bin auch ich mit einer Kette gefesselt, die aus düsteren Einbildungen, schreckhaften Träumen, unruhigen Gedanken, bangen Ahnungen, unerklärlichen Beängstigungen geschmiedet ist. Diese Kette ist von sehr großer Geschmeidigkeit, weich wie Seide, der stärksten Anspannung nachgebend und gar nicht zu zerreißen.


Mittwoch, 11. Januar 2023

Lachen

Sowie es, der Sage nach, dem (Pythagoräer) Parmoniskus ging, welcher in der throphonischen Höhle die Fähigkeit zu lachen verlor, aber auf Delos sie wiederbekam beim Anblick eines unförmlichen Klotzes, welcher als Bildnis der Göttin Leto ausgestellt wurde, gerade so ist es mir ergangen. Als ich sehr jung war, da verlernte ich in der throphonischen Höhle das Lachen; als ich die Augen aufschlug und die Wirklichkeit betrachtete, da fing ich an, zu lachen, und habe seit dieser Zeit hiermit nicht aufgehört. Ich habe gesehen, dass die Bedeutung des Lebens darin besteht, ein Brot, eine Verfolgung zu bekommen, das höchste Ziel darin, Justizrat zu werden; dass das heiße Verlangen der Liebe darauf hinausgeht eine gute Partie zu machen; dass der stetige Genuß der Freundschaft so viel heißt, als einander in Geldverlegenheiten auszuhelfen; dass die Weisheit nichts weiter ist, als was eben die meisten dafür gelten lassen; dass Begeisterung so viel heißt, als eine Standrede zu halten; dass der Mut sich darin bewährt, es darauf zu wagen, dass man in 10 Rbd. Mulkt verurteilt werde; dass Herzlichkeit bedeutet, nach einem Diner zu einander: »Wohl bekomm's! gesegnete Mahlzeit!« zu sagen; die Frömmigkeit darin, einmal im Jahre zum Abendmahl zu gehen. Das habe ich gesehen, und ich lache.


Freitag, 6. Januar 2023

Echo

Ich habe nur einen Freund; das ist das Echo. Und warum ist es mein Freund? Weil ich meinen Kummer liebe, und diesen nimmt es mir nicht fort. Ich habe nur einen Vertrauten, das ist die Stille der Nacht; und warum ist sie meine Vertraute? Weil sie schweigt.


Schöne Sympathie

Das soziale Streben und die dasselbe begleitende schöne Sympathie verbreitet sich immer mehr. In Leipzig hat sich ein Komitee gebildet, welches aus Sympathie mit dem traurigen Ende alter Pferde den Beschluß gefaßt hat, diese zu essen.