Unsre Zeit erinnert sehr an die Auflösungsperiode
des griechischen Staates: alles ist noch so, wie es vor alters war, aber keiner
glaubt's, daß es so bleibt. Das unsichtbare Geistesband ist verschwunden, daher
die ganze Zeit zugleich komisch und tragisch ist; tragisch, weil sie untergeht,
komisch, weil sie besteht; denn immer trägt doch das Unvergängliche das
Vergängliche, der Geist den Leib, und wär's möglich, daß ein Leichnam noch eine
Weile die gewohnten Funktionen ausführte, so würde das zugleich komisch und
tragisch sein. Aber laß die Zeit nur zehren; je mehr sie von dem substantiellem
Gehalt, der in der romantischen Liebe lag, aufgezehrt hat, um so größer wird
auch das Verderben sein, und man wird mit Schrecken und Verzweiflung sehen, wie
unglücklich man sich selber gemacht hat.
Freitag, 4. August 2023
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