Mittwoch, 30. Dezember 2020

Die menschliche Würde findet doch noch Anerkennung in der Natur: denn will man die Vögel von den Obstbäumen fern halten, so stellt man ein Etwas auf, das wie ein Mensch aussehen muß; und sogar die sehr entfernte Menschenähnlichkeit, wie eine Vogelscheuche sie darstellt, genügt, um Respekt einzuflößen.   

Mittwoch, 23. Dezember 2020

Mein Lebensresultat kommt hinaus auf ein reines Nichts, eine Stimmung, eine einzelne Farbe. Mein Resultat wird einigermaßen dem Gemälde jenes Künstlers ähnlich, welcher den Durchgang der Juden durchs rote Meer malen sollte, und zu dem Ende die ganze Wand rot anstrich, indem er erklärte: die Juden waren hinüber, die Ägypter ertrunken.


Laß andre darüber klagen, dass die Zeit böse sei: ich klage darüber, dass sie jämmerlich ist, denn sie ist ohne Leidenschaft. Die Gedanken der Menschen sind dünn, zart und hinfällig, wie Spitzen, welche selbst so bemitleidenswert sind, wie die armen Spitzenweberinnen. Ihre Herzensgedanken sind zu erbärmlich, um böse und sündhaft zu sein. Für einen Wurm würde es vielleicht als Sünde gelten können, solche Gedanken zu hegen, nicht für einen Menschen, welcher nach Gottes Bilde geschaffen ist. Ihre Lüfte sind gemessen und mattherzig, ihre Leidenschaften schläfrig. Sie tun ihre Pflicht, diese Krämerseelen, erlauben sich aber doch, hierin den Juden ähnlich, die Gold- und Silbermünzen ein bißchen zu beschneiden; sie meinen, daß, auch wenn unser Herrgott noch so ordentlich Buch führe, man dennoch insgeheim ihn schon ein wenig anführen könne. Pfui über sie! Daher wendet meine Seele sich immer zum Alten Testamente und zu Shakespeare zurück. Da empfindet man doch: das sind Menschen, die da reden; da haßt man, da liebt man, bringt seinen Feind um, verflucht seine Nachkommen durch alle Geschlechter hindurch; da sündigt man.

Donnerstag, 10. Dezember 2020

Rätselhaft muß man nicht allein andern sein, sondern auch sich selbst. Ich studiere mich selbst; bin ich dessen müde, so rauche ich zum Zeitvertreib eine Zigarre und denke: Gott der Herr weiß, was er eigentlich mit mir gemeint hat, oder was er aus mir machen will.

Der Zauberer Virgilius ließ sich selbst in Stücke hauen und in einen Küchengrapen hineinthun, um acht Tage lang gekocht und durch diesen Prozeß verjüngt zu werden. Er stellte einen andern an, der aufpassen sollte, daß kein Unbefugter in den Grapen hineingucke. Der Aufpasser konnte indes der Versuchung nicht widerstehen, es geschah vor der Zeit: Virgilius verschwand, als Kind, mit einem Schrei. Ich habe auch zu früh in den Grapen, die Retorte des Lebens und der geschichtlichen Entwickelung geguckt, und bringe es niemals weiter, als daß ich ein Kinde bleibe.

Samstag, 5. Dezember 2020

»Niemals darf man den Mut verlieren; wenn die Trübsale sich am furchtbarsten über einem türmen, dann erblickt man in den Wolken eine hilfreiche Hand.« Also sprach Se. Wohlehrwürden Jesper Morten im letzten Nachmittagsgottesdienste. Ich bin nun gewohnt, mich fleißig unter freiem Himmel umherzutreiben; aber so etwas habe ich nie bemerkt. Vor einigen Tagen ward ich auf einer Tour über Feld solch ein Phänomen gewahr. Eigentlich war's wohl keiner Hand, eher einem Arme ähnlich, der sich aus dem Gewölke hervorstreckte. Ich versank in Nachdenken. Es fiel mir ein: wäre nur Jesper Morten jetzt zur Stelle, um zu entscheiden, ob er diese Erscheinung gemeint habe! - Wie ich so mitten in diesen Gedanken dastehe, werde ich von einem Wanderer angeredet, welcher, nach den Wolken emporzeigend, spricht: »Sehen Sie die Wasserhose? in diesen Gegenden sieht man sie seltener: sie reißt zuweilen ganze Häuser mit sich fort.« »Ih, Gott bewahre!« dachte ich, »ist das eine Wasserhose?« Und ich nahm Reißaus, so schnell ich konnte. Was hätte der ehrwürdige Pastor Jesper Morten an meiner Stelle getan? –


Mittwoch, 11. November 2020

Nos jugemens sont encores malades, et suyvent la depravation de nos meurs. Je voy la pluspart des esprits de mon temps faire les ingenieux à obscurcir la gloire des belles et genereuses actions anciennes, leur donnant quelque interpretation vile, et leur controuvant des occasions et des causes vaines. Grande subtilité! Qu'on me donne l'action la plus excellente et pure, je m'en vois y fournir vraysemblablement cinquante vitieuses intentions. Dieu sçait, à qui les veut estendre, quelle diversité d'images ne souffre nostre interne volonté. Ils ne font pas tant malitieusement que lourdement et grossierement les ingenieux à tout leur mesdisance. 

Unsere Urteile sind ebenfalls krank und folgen dem Verderben unserer Sitten. Ich sehe die meisten Geistern meiner Zeit sich damit sehr scharfsinnig gebärden, dass sie den Ruhm der schönen und hochherzigen Taten des Altertums verdunkeln, indem sie ihnen irgendeine verächtliche Auslegung geben und ihnen nichtige Anlässe und Gründe unterschieben. Welch grosse Gedankentiefe! Man gebe mir die vortrefflichste und reinste Handlung, und ich werde euch dafür auf der Stelle mit allem Schein der Wahrheit fünfzig nichtswürdige Absichten ausfindig machen. Gott weiss, welche Vielfalt von Deutungen, wenn man sie nur zerpflücken will, unser innerer Wille gestattet. Sie spielen nicht so sehr spitzfindig als vielmehr ungeschlacht und plump die Neunmalklugen mit ihrer Lästersucht.

Samstag, 31. Oktober 2020

Ein geheimes, galantes Leben ist selten. Viele Frauen werden durch den Namen ihres Gatten nicht besser bezeichnet als durch den ihrer Geliebten.


Il y a peu de galanteries secrètes. Bien des femmes ne sont pas mieux désignées par le nom de leurs maris que par celui de leurs amants.


Few affairs are secrets. Many women are as well recognized by the name of their lovers as by the name of their husbands.

Sonntag, 25. Oktober 2020

A woman forgets a man who she no longer loves even to the point of not remembering that she once showed him favor.

Une femme oublie d'un homme qu'elle n'aime plus jusques aux faveurs qu'il a reçues d'elle.


Eine Frau, die einen Mann nicht mehr liebt, vergisst alles, selbst die Gunst, die sie ihm gewährt hat.


Samstag, 24. Oktober 2020

Die Frauen werden durch die Gunst, die sie ihnen einräumen, an die Männer gefesselt, die Männer werden durch eben diese Gunstbeweise geheilt.

Women attach themselves to men with the favor that they show them: men are cured of their love by these same favors.


Les femmes s'attachent aux hommes par les faveurs qu'elles leur accordent: les hommes guérissent par ces mêmes faveurs.

Mittwoch, 14. Oktober 2020

Caprices very often accompany beauty in women; they serve as its antidote, so that their beauty does less harm to men, who, without such a remedy, would never be cured of their love. 

Le caprice est dans les femmes tout proche de la beauté, pour être son contre-poison, et afin qu'elle nuise moins aux hommes, qui n'en guériraient pas sans remède.

Die Launenhaftigkeit der Frau ist eng mit ihrer Schönheit verknüpft, ein Gegengift gegen sie, damit sie den Männern, die sonst nicht von ihr genesen könnten, etwas weniger schade.

Samstag, 10. Oktober 2020

Il échappe à une jeune personne de petites choses qui persuadent beaucoup, et qui flattent sensiblement celui pour qui elles sont faites. Il n'échappe presque rien aux hommes; leurs caresses sont volontaires; ils parlent, ils agissent, ils sont empressés, et persuadent moins.

Sonntag, 20. September 2020

In Arkadien geboren sind wir alle, d. h. wir treten in die Welt voller Ansprüche auf Glück und Genuß, und bewahren die thörichte Hoffnung solche durchzusetzen, bis das Schicksal uns unsanft packt und uns zeigt, daß nichts unser ist, sondern alles seins, da es ein unbestreitbares Recht hat nicht nur auf allen unsern Besitz und Erwerb, sondern auf Arm, Bein, Auge und Ohr, ja auf die Nase mitten im Gesicht. Sodann kommt die Erfahrung und lehrt uns daß Glück und Genuß bloße Chimären sind, die eine Illusion uns in der Ferne zeigt, hingegen das Leiden, der Schmerz real sind, sich selbst unmittelbar kundgeben ohne der Illusion und Erwartung zu bedürfen. 

Der Mensch ist im Grunde ein wildes, entsetzliches Tier. Wir kennen es bloß im Zustand der Bändigung und Zähmung, welcher Zivilisation heißt: daher erschrecken uns die gelegentlichen Ausbrüche seiner Natur. Aber wo und wann einmal Schloß und Kette der gesetzlichen Ordnung abfallen und Anarchie eintritt, da zeigt sich, was er ist. 

Mittwoch, 9. September 2020

Mein Leben in der wirklichen Welt ist ein bittersüßer Trank. Es ist nämlich, wie mein Dasein überhaupt, ein stetes Erwerben von Erkenntnis, Gewinnen von Einsicht, das hier diese wirkliche Welt und mein Verhältnis zu ihr betrifft. Der Gehalt dieser Erkenntnis ist traurig und niederschlagend. Aber die Form der Erkenntnis überhaupt, das Gewinnen an Einsicht, das Eindringen in die Wahrheit ist durchaus erfreulich und mischt fortwährend seine Süße in jene Bitterkeit, seltsamerweise.  

Betrachtet das Insekt auf eurem Wege: eine kleine, unbewußte Wendung eures Fußtrittes ist über sein Leben oder Tod entscheidend. Seht die Waldschnecke, ohne alle Mittel zur Flucht, zur Wehr, zur Täuschung, zum Verbergen, eine bereite Beute für Jeden. Seht den Fisch sorglos im noch offenen Netze spielen; den Frosch durch seine Trägheit von der Flucht, die ihn retten könnte, abgehalten; den Vogel, der den über ihm schwebenden Falken nicht gewahr wird; die Schaafe, welche der Wolf aus dem Busch ins Auge faßt und mustert. Diese Alle gehn, mit wenig Vorsicht ausgerüstet, arglos unter den Gefahren umher, die jeden Augenblick ihr Daseyn bedrohen. Indem nun also die Natur ihre so unaussprechlich künstlichen Organismen nicht nur der Raublust des Stärkeren, sondern auch dem blindesten Zufall, und der Laune jedes Narren, und dem Muthwillen jedes Kindes, ohne Rückhalt Preis giebt, spricht sie aus, daß die Vernichtung dieser Individuen ihr gleichgültig sei, ihr nicht schade, gar nichts zu bedeuten habe, und daß, in jenen Fällen, die Wirkung so wenig auf sich habe, wie die Ursache. Sie sagt dies sehr deutlich aus, und sie lügt nie: nur kommentirt sie ihre Aussprüche nicht; vielmehr redet sie im lakonischen Stil der Orakel. Wenn nun die Allmutter so sorglos ihre Kinder tausend drohenden Gefahren, ohne Obhut, entgegensendet; so kann es nur seyn, weil sie weiß, daß wenn sie fallen, sie in ihren Schooß zurückfallen, wo sie geborgen sind, daher ihr Fall nur ein Scherz ist. Sie hält es mit dem Menschen nicht anders, als mit den Thieren. Ihre Aussage also erstreckt sich auch auf diesen: Leben oder Tod des Individuums sind ihr gleichgültig. 

Montag, 31. August 2020


Un homme amoureux, qui plaint l'homme raisonnable, me paraît ressembler à un homme qui lit des conte de fées, et qui raille ceux qui lisent l'histoire.


A man in love who pities a man with reason seems to resemble a man who reads fairy tales and who makes fun of someone who reads history.  

Mittwoch, 26. August 2020


En amour, tout est vrai, tout est faux; c'est la seule chose sur laquelle on ne puisse pas dire un absurdité.

Freitag, 21. August 2020


In der Liebe ist alles wahr, alles falsch. Sie ist das einzige Ding, über das man nichts Absurdes sagen kann.

Donnerstag, 20. August 2020

Concerning love, everything is true, everything is false; and it's the one thing about which people can't say something absurd.   

Mittwoch, 19. August 2020

Il paraît qu'il y a dans le cerveau des femmes une case de moins, et dans leur cœur une fibre de plus, que chez les hommes. Il fallait une organisation particulière, pour les rendre capables de supporter, soigner, caresser des enfants.     

Samstag, 15. August 2020

It seems that there is compartment less in the brains of women and a fiber more in their hearts than in men. A particular organization is necessary to make them capable of bearing, caring for and caressing children.   


Sonntag, 2. August 2020


Wahrheit und Seligkeit

Zur Erkenntnis der Wahrheit bin ich vielleicht gekommen, zur Seligkeit sicherlich nicht. Was soll ich tun? «In der Welt wirken!» so antworten die Menschen. Sollte ich der Welt also mein Herzeleid mitteilen, einen Beitrag zu dem Beweise liefern, wie traurig und jämmerlich alles ist, vielleicht einen neuen Flecken im Menschenleben entdecken, der bisher unbeachtet geblieben war? Ich könnte alsdann den seltenen Lohn einernten, berühmt zu werden, gleich dem Manne, der die Flecken im Stern Jupiter entdeckt hat. Ich ziehe es doch vor, zu schweigen.


Maren

Wie doch die menschliche Natur durchweg sich gleich bleibt! Mit welcher angebornen Genialität kann oft ein kleines Kind uns in lebendigem Bilde darstellen, was in den größern Lebensverhältnissen vor sich geht. Heute amüsierte ich mich über den kleinen Ludwig. Da saß er in seinem kleinen Stuhl; mit besonderem Behagen blickte er um sich. Da ging das Kindermädchen Maren durch das Zimmer. »Maren!« rief er. »Ja, kleiner Ludwig,« antwortete sie mit gewohnter Freundlichkeit und trat zu ihm. Er legte seinen Kopf etwas auf die linke Seite, richtete auf sie seine großen Augen mit einer gewissen Schelmerei und sagte danach ganz phlegmatisch: das sei nicht die Maren; das sei eine andre Maren. Was tun wir Erwachsenen? Wir winken der ganzen Welt; und ist sie uns nun freundlich entgegengekommen, dann sagen wir, das sei nicht die Maren.

Sonntag, 26. Juli 2020


Lebensalter

Seltsam genug, immer ist es dasselbe, was durch alle Lebensalter hindurch einen beschäftigt; und immer kommt man gleich weit, oder vielmehr, man geht zurück. Als ich fünfzehn Jahre alt war, schrieb ich auf dem Gymnasium mit vieler Salbung über die Beweise für Gottes Dasein und die Unsterblichkeit der Seele, über den Begriff des Glaubens, über die Bedeutung des Wunders. Für das examen artium (vor meiner Immatrikulation) verfaßte ich eine Abhandlung über die Unsterblichkeit der Seele, wofür mir das Zeugnis prae caeteris (nämlich laudabilis) zu teil wurde. Später gewann ich durch eine Abhandlung über diese Materie den Preis. Wer sollte glauben, dass ich, nach einem so soliden und vielversprechenden Anfange, jetzt, in meinem 25. Jahre, dahin gekommen bin, dass ich nicht einen einzigen Beweis für die Unsterblichkeit der Seele zu führen weiß. Lebhaft erinnere ich mich aus meinen Schuljahren, wie ein von mir geschriebener Aufsatz über denselben Gegenstand von dem Lehrer außerordentlich gerühmt und vorgelesen wurde, und zwar ebensosehr der Vortrefflichkeit des Inhalts wie der Sprache wegen. Ach! ach! ach! Diesen Aufsatz habe ich schon längst fortgeworfen. Welch ein Unglück! Vielleicht würde meine zweifelnde Seele durch denselben zur Festigkeit gebracht worden sein, sowohl durch die vortreffliche Sprache als den Inhalt. Daher ist es eben mein wohlgemeinter Rat an Eltern, Vorgesetzte und Lehrer, den ihnen anvertrauten Jungen einzuschärfen, die im fünfzehnten Jahre abgefaßten Aufsätze ja aufzubewahren. Diesen Rat zu erteilen, ist das Einzige, was ich zum Besten der Menschheit zu tun vermag.


Kette

Was ist's, was mich fesselt? - Woraus war die Kette geschmiedet, mit welcher der Fenriswolf gefesselt wurde? Sie war zusammengeschweißt aus dem Geräusch, das die Füße des Katers machen, wenn er über den Erdboden streicht, aus den Bärten der Weiber, den Wurzeln der Felsen, der Streu des Bären, dem Atem der Fische und dem Speichel der Vögel. So bin auch ich mit einer Kette gefesselt, die aus düsteren Einbildungen, schreckhaften Träumen, unruhigen Gedanken, bangen Ahnungen, unerklärlichen Beängstigungen geschmiedet ist. Diese Kette ist von sehr großer Geschmeidigkeit, weich wie Seide, der stärksten Anspannung nachgebend und gar nicht zu zerreißen.

Sonntag, 19. Juli 2020


Lachen

Sowie es, der Sage nach, dem (Pythagoräer) Parmoniskus ging, welcher in der throphonischen Höhle die Fähigkeit zu lachen verlor, aber auf Delos sie wiederbekam beim Anblick eines unförmlichen Klotzes, welcher als Bildnis der Göttin Leto ausgestellt wurde, gerade so ist es mir ergangen. Als ich sehr jung war, da verlernte ich in der throphonischen Höhle das Lachen; als ich die Augen aufschlug und die Wirklichkeit betrachtete, da fing ich an, zu lachen, und habe seit dieser Zeit hiermit nicht aufgehört. Ich habe gesehen, dass die Bedeutung des Lebens darin besteht, ein Brot, eine Verfolgung zu bekommen, das höchste Ziel darin, Justizrat zu werden; dass das heiße Verlangen der Liebe darauf hinausgeht eine gute Partie zu machen; dass der stetige Genuß der Freundschaft so viel heißt, als einander in Geldverlegenheiten auszuhelfen; dass die Weisheit nichts weiter ist, als was eben die meisten dafür gelten lassen; dass Begeisterung so viel heißt, als eine Standrede zu halten; dass der Mut sich darin bewährt, es darauf zu wagen, dass man in 10 Rbd. Mulkt verurteilt werde; dass Herzlichkeit bedeutet, nach einem Diner zu einander: «Wohl bekomm's! gesegnete Mahlzeit!» zu sagen; die Frömmigkeit darin, einmal im Jahre zum Abendmahl zu gehen. Das habe ich gesehen, und ich lache.


Echo

Ich habe nur einen Freund; das ist das Echo. Und warum ist es mein Freund? Weil ich meinen Kummer liebe, und diesen nimmt es mir nicht fort. Ich habe nur einen Vertrauten, das ist die Stille der Nacht; und warum ist sie meine Vertraute? Weil sie schweigt.


Erinnerung

Für mich ist nichts gefährlicher, als - mich zu erinnern. Habe ich mich irgend eines früheren Verhältnisses erinnert, so hat das Verhältnis selbst aufgehört. Man sagt, dass Trennung dazu helfe, die Liebe aufzufrischen. Das ist durchaus wahr; aber diese wird dadurch auf rein poetische Art aufgefrischt. In der Erinnerung zu leben, ist das am meisten vollendete Leben, das sich denken läßt. Die Erinnerung befriedigt reichlicher, als alte Wirklichkeit, und sie hat eine Sicherheit, wie sie keiner Wirklichkeit eigen ist. Ein in der Erinnerung fortlebendes Verhältnis ist schon in die Ewigkeit übergegangen und hat kein zeitliches Interesse mehr.

Donnerstag, 2. Juli 2020


Wirklichkeit

Was die Philosophen von der Wirklichkeit sagen, ist oft geradeso täuschend, wie wenn man bei einem Trödler auf einem Schilde liest: «Hier wird gerollt.» Käme man nun mit seiner Wäsche, um sie gerollt zu bekommen, so wäre man angeführt: denn das Schild steht da bloß zum Verkaufe.


Gedächtnis

Müßte irgend ein Mensch ein Tagebuch führen, so müßte ich es, und zwar, um meinem Gedächtnis etwas zu Hilfe zu kommen. Nach Verlauf von einiger Zeit geht es mir öfter so, dass ich völlig vergessen habe, welche Gründe mich zu diesem oder jenem vermochten, und das gar nicht nur in betreff geringfügiger Dinge, sondern der allerentscheidendsten Schritte. Fällt mir dann der Beweggrund ein, so kann er mitunter so sonderbarer Art sein, dass ich nicht einmal selbst es glauben mag, dieses sei der Grund gewesen. Ein solcher Zweifel würde beseitigt, wenn ich irgend etwas Geschriebenes hätte, mich daran zu halten. Ein Grund ist überhaupt ein sonderbares Ding. Sehe ich ihn mit meiner vollen Leidenschaft an, so wächst er empor zu einer ungeheuren Notwendigkeit, welche Himmel und Erde in Bewegung setzen kann; bin ich ohne Leidenschaft, dann blicke ich höhnisch lächelnd auf ihn herab. - Ich habe nun schon längere Zeit darüber spekuliert, welcher Grund mich eigentlich bewegen hat, meine Adjunktur (d.h. das Lehreramt an einer gelehrten Schule) niederzulegen. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, so kommt es mir vor, dass eine derartige Anstellung just etwas für mich war. Heute ist mir ein Licht aufgegangen: der Beweggrund war eben dieser, dass ich mich für diesen Posten ganz besonders geschickt halten durfte. Wäre ich damals in meinem Amte geblieben, so hätte ich alles einzusetzen und alles zu verlieren gehabt, nichts zu gewinnen. Deshalb sah ich es als das Richtigste an, meinen Posten aufzugeben und bei einer umherziehenden Schauspielergesellschaft ein Engagement zu suchen, aus dem Grunde, weil ich kein Talent hatte und also alles zu gewinnen.

Sonntag, 28. Juni 2020


Ce personnage là fut veritablement un patron que nature choisit pour montrer jusques où l'humaine vertu et fermeté pouvoit atteindre.

Dieser Mann war wirklich ein Vorbild, das die Natur auserlas, um zu zeigen, zu welcher Vollendung menschliche Tugend und Standhaftigkeit zu gelangen vermag.  

Donnerstag, 18. Juni 2020


Dés ma premiere enfance, la poesie a eu cela, de me transpercer et transporter. Mais ce ressentiment bien vif qui est naturellement en moy, a esté diversement manié par diversité de formes, non tant plus hautes et plus basses (car c'estoient tousjours des plus hautes en chaque espece) comme differentes en couleur: premierement une fluidité gaye et ingenieuse; depuis une subtilité aigue et relevée; enfin une force meure et constante. L'exemple le dira mieux: Ovide, Lucain, Vergile. Mais voylà nos gens sur la carriere.

Mittwoch, 10. Juni 2020


Sit Cato, dum vivit, sane vel Caesare major,

dict l'un.

Grösser war Cato, als Lebender, sogar denn Caesar,

sagt der eine.

Et invictum, devicta morte, Catonem,

dict l'autre.

Und Cato, unbesiegt, da er den Tod besiegte,

sagt der andere.

Samstag, 6. Juni 2020


Et l'autre, parlant des guerres civiles d'entre Caesar et Pompeius,

Victrix causa diis placuit, sed victa Catoni.

Und der dritte,da er von den Bürgerkriegen zwischen Caesar und Pompejus spricht:

Den Göttern gefiel die siegreiche Sache, doch die besiegte dem Cato.

Et le quatriesme, sur les louanges de Caesar:

Et cuncta terrarum subacta,
Praeter atrocem animum Catonis.

Und der vierte, in seinem Lobgedicht auf Caesar:

Und den ganzen Erdkreis zu Füssen,
nur nicht die trotzige Seele des Cato.

Et le maistre du choeur, apres avoir étalé les noms des plus grands Romains en sa peinture, finit en cette maniere:

his dantem jura Catonem.

Und der Meister des Chores, nachdem er in seiner Schilderung die Namen der grössten Römer aufgeführt hat, beschliesst in dieser Weise:

Und ihnen gesetzgebend Cato.



Donnerstag, 28. Mai 2020


Eine schöne Frau, die zudem die wertvollen Eigenschaften eines ehrlichen Mannes besitzt, ist der köstlichste Umgang, dem man in der Welt begegnen kann: sie weist alle Vorzüge der beiden Geschlechter auf.

Dienstag, 19. Mai 2020


Une belle femme qui a les qualités d'un honnête homme est ce qu'il y a au monde d'un commerce plus délicieux: l'on trouve en elle tout le mérite des deux sexes.

A beautiful woman who has the qualities of an honest man provides the most delightful and affecting company in the world: a person finds in her all the merit of both sexes.

Sonntag, 17. Mai 2020


Gewisse Schönheiten, von denen man betroffen wird, sind so vollkommen und so offenbar, dass man sich darauf beschränkt, sie anzusehen und mit ihnen zu sprechen.

L'on peut être touché de certaines beautés si parfaites et d'un mérite si éclatant, que l'on se borne à les voir et à leur parler.

A man can be moved by certain women who have such perfect beauty and such shining merit, that he is satisfied by merely seeing them and speaking with them.

Montag, 11. Mai 2020


Un beau visage est le plus beau de tous les spectacles; et l'harmonie la plus douce est le son de voix de celle que l'on aime.

Ein schönes Gesicht ist das schönste von allen Schauspielen; die süsseste Harmonie ist der Klang der Stimme der geliebten Frau.  
A beautiful face is the most beautiful of all spectacles, and the sweetest harmony is the sound of the voice of the person you love.

Mittwoch, 8. April 2020


10. Neid ist dem Menschen natürlich: dennoch ist er ein Laster und Unglück zugleich. Der Neid der Menschen zeigt an, wie unglücklich sie sich fühlen; ihre beständige Aufmerksamkeit auf fremdes Tun und Lassen, wie sehr sie sich langweilen. Wir sollen daher ihn als den Feind unseres Glückes betrachten und als einen bösen Dämon zu ersticken suchen. Hierzu leitet uns Seneka an mit den schönen Worten: Unser Zustand ist uns dienlich, wenn wir ihn mit keinem andern vergleichen: wer es aber nicht erleiden kann, daß ein anderer glücklicher ist, wird niemals glücklich sein – und wiederum: Wenn du siehst, wie vielen es besser geht als dir, denke auch an die, denen es schlechter geht: also wir sollen öfter die betrachten, welche schlimmer daran sind, als wir, denn die, welche besser daran zu sein scheinen. Sogar wird, bei eingetretenen, wirklichen Übeln, uns den wirksamsten, wiewohl aus derselben Quelle mit dem Neide fließenden Trost die Betrachtung größerer Leiden, als die unsrigen sind, gewähren, und nächstdem der Umgang mit solchen, die mit uns im selben Falle sich befinden, mit den Genossen des Unglücks.

Soviel von der aktiven Seite des Neides. Von der passiven ist zu erwägen, daß kein Haß so unversöhnlich ist, wie der Neid; daher wir nicht unablässig und eifrig bemüht sein sollten, ihn zu erregen, vielmehr besser täten, diesen Genuß, wie manchen andern, der gefährlichen Folgen wegen, uns zu versagen.

Es gibt drei Aristokratien: 1. die der Geburt und des Ranges; 2. die Geldaristokratie; 3. die geistige Aristokratie. Letztere ist eigentlich die vornehmste, wird auch dafür anerkannt, wenn man ihr nur Zeit läßt: hat doch schon Friedrich der Große gesagt: Geniale Menschen stehen so hoch wie Monarchen, und zwar zu seinem Hofmarschall, der Anstoß daran nahm, daß, während Minister und Generäle an der Marschallstafel aßen, Voltaire an einer Tafel Platz nehmen sollte, an welcher bloß regierende Herren und ihre Prinzen saßen. – Jede dieser Aristokratien ist umgeben von einem Heer ihrer Neider, welche gegen jeden ihr Angehörigen heimlich erbittert und, wenn sie ihn nicht zu fürchten haben, bemüht sind, ihm auf mannigfaltige Weise zu verstehen zu geben, »du bist nichts mehr, als wir!« Aber gerade diese Bemühungen verraten ihre Überzeugung vom Gegenteil.

Das von den Beneideten dagegen anzuwendende Verfahren besteht im Fernhalten aller dieser Schar Angehörigen und im möglichsten Vermeiden jeder Berührung mit ihnen, so daß sie durch eine weite Kluft abgetrennt bleiben; wo aber dies nicht angeht, im höchst gelassenen Ertragen ihrer Bemühungen, deren Quelle sie ja neutralisiert: – auch sehen wir dasselbe durchgängig angewandt. Hingegen werden die der einen Aristokratie Angehörigen sich mit denen einer der beiden andern meistens gut und ohne Neid vertragen; weil jeder seinen Vorzug gegen den der andern in die Waage legt.

Freitag, 3. April 2020


11. Man überlege ein Vorhaben reiflich und wiederholt, ehe man dasselbe ins Werk setzt, und selbst nachdem man alles auf das Gründlichste durchdacht hat, räume man noch der Unzulänglichkeit aller menschlichen Erkenntnis etwas ein, infolge welcher es immer noch Umstände geben kann, die zu erforschen oder vorherzusehen unmöglich ist und welche die ganze Berechnung unrichtig machen könnten. Dieses Bedenken wird stets ein Gewicht auf die negative Schale legen und uns anraten, in wichtigen Dingen, ohne Not, nichts zu ruhen: quieta non movere, das Ruhende nicht bewegen.

Ist man aber einmal zum Entschluß gekommen und hat Hand ans Werk gelegt, so daß jetzt alles seinen Verlauf zu nehmen hat und nur noch den Ausgang abzuwarten steht; dann ängstige man sich nicht durch stets erneuerte Überlegung des bereits Vollzogenen und durch wiederholtes Bedenken der möglichen Gefahr; vielmehr entschlage man der Sache sich jetzt gänzlich, halte das ganze Gedankenfach derselben verschlossen, sich mit der Überzeugung beruhigend, daß man alles zu seiner Zeit reiflich erwogen habe. Diesen Rat erteilt auch das italienische Sprichwort legala bene, e poi lascia la andare, welches Goethe übersetzte »Du, sattle gut und reite getrost« – wie denn beiläufig gesagt, ein großer Teil seiner unter der Rubrik »Sprichwörtlich« gegebenen Gnomen übersetzte italienische Sprichwörter sind.

Kommt dennoch ein schlimmer Ausgang, so ist es weil alle menschlichen Angelegenheiten dem Zufall und dem Irrtum unterliegen. Daß Sokrates, der Weiseste der Menschen, um nur in seinen eigenen, persönlichen Angelegenheiten das Richtige zu treffen oder wenigstens Fehltritte zu vermeiden, eines warnenden Dämonions bedurfte, beweist, daß hierzu kein menschlicher Verstand ausreicht. Daher ist jener, angeblich von einem Papste herrührende Ausspruch, daß von jedem Unglück, das uns trifft, wir selbst, wenigstens in irgend etwas, die Schuld tragen, nicht unbedingt und in allen Fällen wahr: wiewohl bei weitem in den meisten. Sogar scheint das Gefühl hiervon viel Anteil daran zu haben, daß die Leute ihr Unglück möglichst zu verbergen suchen und, so weit es gelingen will, eine zufriedene Miene aufsetzen. Sie besorgen, daß man vom Leiden auf die Schuld schließen werde.

Freitag, 27. März 2020

La femme qui s'estime plus pour les qualités de son âme ou de son esprit que pour sa beauté, est supérieure à son sexe. Celle qui s'estime plus pour sa beauté que pour son esprit ou pour les qualités de son âme, est de son sexe. Mais celle qui s'estime plus pour sa naissance ou pour son rang que pour sa beauté, est hors de son sexe, et au-dessous de son sexe. 

A woman who thinks well of herself more because of the qualities of her soul or esprit than her beauty is superior to her sex. One who thinks well of herself more because of her beauty than her esprit or the qualities of her soul belongs to her sex. But one who thinks well of herself more because of her birth or rank than because of her beauty doesn't belong to her sex and is below it.  

Donnerstag, 19. März 2020


When a lover is too loved by his mistress, he seems to love her less, and vice versa. Is it with the feelings of peoples hearts as it is with favors? When a person can't hope to repay them, he falls into ingratitude.  

L'amant, trop aimé de sa maîtresse, semble l'aimer moins, et vice versa. En serait-il des sentiments du cœur comme des bienfaits? Quand on n'espère plus pouvoir les payer, on tombe dans l'ingratitude.     

Mittwoch, 4. März 2020


Eine herrsüchtige und hässliche Frau, die gefallen will, gleicht dem Bettler, der befehlen wollte, dass man ihm Almosen gibt.

A woman who is ugly and imperious, and wants to please men, is a poor person who demands that people show him charity.

Une laide impérieuse, et qui veut plaire, est un pauvre qui commande qu'on lui fasse la charité.     

Les femmes ne donnent à l'amitié que ce qu'elles empruntent à l'amour.

Die Frauen geben der Freundschaft nur, was sie der Liebe entlehnen.
Women only give to friendship what they borrow from love.

Samstag, 29. Februar 2020


Rätselhaft
Rätselhaft muß man nicht allein andern sein, sondern auch sich selbst. Ich studiere mich selbst; bin ich dessen müde, so rauche ich zum Zeitvertreib eine Zigarre und denke: Gott der Herr weiß, was er eigentlich mit mir gemeint hat, oder was er aus mir machen will.


Wozu ich tauge
Wozu ich tauge? Zu gar nichts, oder zu allem Möglichen. Das ist ein ungewöhnliches Geschick. Aber wird man's im Leben zu schätzen wissen? Gott weiß, ob die Mädchen einen Platz finden, welche eine Kondition suchen, sei's als allein dienende, oder im Notfall als «Mädchen für alles.»

Montag, 24. Februar 2020


Gute Nacht
Wenn ich morgens aufstehe, gehe ich sogleich wieder zu Bette. Ich befinde mich am besten des Abends, in dem Augenblicke, wenn ich das Licht ausblase, die Decke mir über den Kopf ziehe. Noch einmal richte ich mich empor, sehe mich mit einer unbeschreiblichen Zufriedenheit im Zimmer um, und so, gute Nacht, unter die Decke!

Donnerstag, 13. Februar 2020


Die Zeit
«Die Zeit geht dahin»; «das Leben ist ein Strom» etc. So sprechen die Leute. Ich kann's nicht merken: die Zeit steht stille, und ich mit ihr. Alle die Pläne, die ich entwerfe, springen gerade so auf mich selbst zurück. Will ich ausspeien, so speie ich mir selbst ins Gesicht.


Bitterer Trank
Das Leben ist mir ein bitterer Trank geworden, und dennoch muß ich ihn einnehmen wie verordnete Tropfen, langsam, zählend.

Sonntag, 26. Januar 2020


Nous embrassons tout, mais nous n’étreignons que du vent.

Wir greifen nach allem, aber wir fassen nur Wind.

Cet homme que j’avoy, estoit homme simple et grossier, qui est une condition propre à rendre veritable tesmoignage : car les fines gens remarquent bien plus curieusement et plus de choses, mais ils les glosent ; et, pour faire valoir leur interpretation et la persuader, ils ne se peuvent garder d’alterer un peu l’Histoire : ils ne vous representent jamais les choses pures, ils les inclinent et masquent selon le visage qu’ils leur ont veu ; et, pour donner credit à leur jugement et vous y attirer, prestent volontiers de ce costé là à la matiere, l’alongent et l’amplifient. Ou il faut un homme tres-fidelle, ou si simple qu’il n’ait pas dequoy bastir et donner de la vray-semblance, à des inventions fauces ; et qui n’ait rien espousé.

Freitag, 10. Januar 2020


Ich wollte, dass jeder schriebe, was er weiss, und soviel er davon weiss, nicht nur in dieser, sondern auch in jeder anderen Sparte. Denn es kann einer eine besondere Kenntnis oder Erfahrung von einem Fluss oder einer Quelle haben, der im übrigen nur weiss, als was jedermann weiss. Gleichwohl wird er, um seinen Brocken an den Mann zu bringen, eine ganze Naturlehre schreiben. Aus diesem Unwesen entspringen manche und grosse Unzuträglichkeiten.

Je voudroy que chacun escrivit ce qu’il sçait, et autant qu’il en sçait, non en cela seulement, mais en tous autres subjects : car tel peut avoir quelque particuliere science ou experience de la nature d’une riviere ou d’une fontaine, qui ne sçait au reste que ce que chacun sçait. Il entreprendra toutes-fois, pour faire courir ce petit lopin, d’escrire toute la physique. De ce vice sourdent plusieurs grandes incommoditez.
Nun finde ich, um wieder auf meinen Gegenstand zu kommen, dass es nach dem, was man mir davon berichtet hat, an diesem Volke nichts Barbarisches oder Wildes gibt, es sei denn, dass jedermann das Barbarei nennt, was nicht seiner Gewohnheit entspricht; wie wir denn in der Tat keinen Prüfstein der Wahrheit und der Vernunft haben als das Beispiel und Vorbild der Meinungen und Bräuche des Landes, in dem wir leben. Hier herrscht nun stets die vollkommene Religion, die vollkommene Staatsordnung, die vollkommene und unübertreffliche Gepflogenheit in allen Dingen.

Or, je trouve, pour revenir à mon propos, qu’il n’y a rien de barbare et de sauvage en cette nation, à ce qu’on m’en a rapporté, sinon que chacun appelle barbarie ce qui n’est pas de son usage ; comme de vray il semble que nous n’avons autre mire de la verité et de la raison que l’exemple et idée des opinions et usances du païs où nous sommes. Là est tousjours la parfaicte religion, la parfaicte police, perfect et accomply usage de toutes choses.

Freitag, 3. Januar 2020


Une femme coquette ne se rend point sur la passion de plaire, et sur l'opinion qu'elle a de sa beauté: elle regarde le temps et les années comme quelque chose seulement qui ride et qui enlaidit les autres femmes; elle oublie du moins que l'âge est écrit sur le visage. La même parure qui a autrefois embelli sa jeunesse, défigure enfin sa personne, éclaire les défauts de sa vieillesse. La mignardise et l'affectation l'accompagnent dans la douleur et dans la fièvre: elle meurt parée et en rubans de couleur.

A coquettish woman never gives up her passion to please men, nor the opinion that she has of her beauty: she regards time and years as things that only wrinkle other women and only make them ugly; she forgets that a persons age is written on his or her face. The same ornament that once embellished her youth finally disfigures her and makes the defects of her age more noticeable. She has a pink color and affectation even in sickness and with fever: she dies covered in make-up and colored ribbons.