Erinnerung
Für mich ist nichts gefährlicher, als - mich zu
erinnern. Habe ich mich irgend eines früheren Verhältnisses erinnert, so hat
das Verhältnis selbst aufgehört. Man sagt, dass Trennung dazu helfe, die Liebe
aufzufrischen. Das ist durchaus wahr; aber diese wird dadurch auf rein
poetische Art aufgefrischt. In der Erinnerung zu leben, ist das am meisten
vollendete Leben, das sich denken läßt. Die Erinnerung befriedigt reichlicher,
als alte Wirklichkeit, und sie hat eine Sicherheit, wie sie keiner Wirklichkeit
eigen ist. Ein in der Erinnerung fortlebendes Verhältnis ist schon in die
Ewigkeit übergegangen und hat kein zeitliches Interesse mehr.
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