10. Neid ist dem Menschen natürlich: dennoch ist er ein Laster und Unglück zugleich. Der Neid der Menschen zeigt an, wie unglücklich sie sich fühlen; ihre beständige Aufmerksamkeit auf fremdes Tun und Lassen, wie sehr sie sich langweilen. Wir sollen daher ihn als den Feind unseres Glückes betrachten und als einen bösen Dämon zu ersticken suchen. Hierzu leitet uns Seneka an mit den schönen Worten: Unser Zustand ist uns dienlich, wenn wir ihn mit keinem andern vergleichen: wer es aber nicht erleiden kann, daß ein anderer glücklicher ist, wird niemals glücklich sein – und wiederum: Wenn du siehst, wie vielen es besser geht als dir, denke auch an die, denen es schlechter geht: also wir sollen öfter die betrachten, welche schlimmer daran sind, als wir, denn die, welche besser daran zu sein scheinen. Sogar wird, bei eingetretenen, wirklichen Übeln, uns den wirksamsten, wiewohl aus derselben Quelle mit dem Neide fließenden Trost die Betrachtung größerer Leiden, als die unsrigen sind, gewähren, und nächstdem der Umgang mit solchen, die mit uns im selben Falle sich befinden, mit den Genossen des Unglücks.
Mittwoch, 8. April 2020
10. Neid ist dem Menschen natürlich: dennoch ist er ein Laster und Unglück zugleich. Der Neid der Menschen zeigt an, wie unglücklich sie sich fühlen; ihre beständige Aufmerksamkeit auf fremdes Tun und Lassen, wie sehr sie sich langweilen. Wir sollen daher ihn als den Feind unseres Glückes betrachten und als einen bösen Dämon zu ersticken suchen. Hierzu leitet uns Seneka an mit den schönen Worten: Unser Zustand ist uns dienlich, wenn wir ihn mit keinem andern vergleichen: wer es aber nicht erleiden kann, daß ein anderer glücklicher ist, wird niemals glücklich sein – und wiederum: Wenn du siehst, wie vielen es besser geht als dir, denke auch an die, denen es schlechter geht: also wir sollen öfter die betrachten, welche schlimmer daran sind, als wir, denn die, welche besser daran zu sein scheinen. Sogar wird, bei eingetretenen, wirklichen Übeln, uns den wirksamsten, wiewohl aus derselben Quelle mit dem Neide fließenden Trost die Betrachtung größerer Leiden, als die unsrigen sind, gewähren, und nächstdem der Umgang mit solchen, die mit uns im selben Falle sich befinden, mit den Genossen des Unglücks.
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