Samstag, 20. Mai 2023

 

Ich bin schwerfällig, halte mich ein wenig an das Handgreifliche und Wahrscheinliche und suche den alten Vorwurf zu vermeiden:

Majorem fidem homines adhibent iis, quae non intelligunt. Cupidine humani ingenii libentius obscura creduntur. 

Die Menschen schenken dem am meisten Glauben, was sie nicht begreifen.

So verblendet ist der Menschen Sinnesart, daß alles Dunkle um so eher von ihnen geglaubt wird.

Ich sehe wohl, daß man in Zorn gerät und mir unter Bedrohung entsetzlicher Schmachreden zu zweifeln verbietet. Das ist eine neue Art zu überzeugen; aber gottlob, daß mein Glaube sich nicht mit Faustschlägen lenken läßt! Mögen sie diejenigen züchtigen, welche ihre Meinung der Falschheit beschuldigen. Ich halte solche nur für schwer und kühn zu glauben und verwerfe ebensowohl als sie die Behauptung des Gegenteils, nur nicht gerade so gebieterisch. Wer seine Meinung durch Befehl und Gebot durchsetzen will, beweist dadurch, daß sie auf schwachen Gründen beruhen müsse. Kommt es auf ein Wort- und Schulgezänk an, so mögen sie ebensoviel Schein für sich haben als ihre Gegner.

Videantur sane, non affirmentur modo.
 

Man betrachte sie, wie man will, nur bestätige man sie nicht.

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