Ich bin schwerfällig, halte mich ein wenig an das Handgreifliche und
Wahrscheinliche und suche den alten Vorwurf zu vermeiden:
Majorem fidem homines adhibent iis, quae non intelligunt.
Cupidine humani ingenii libentius obscura creduntur.
Die Menschen schenken dem am meisten Glauben, was sie nicht begreifen.
So verblendet ist der Menschen Sinnesart, daß alles Dunkle um so eher
von ihnen geglaubt wird.
Ich sehe wohl, daß man in Zorn gerät und mir unter Bedrohung
entsetzlicher Schmachreden zu zweifeln verbietet. Das ist eine neue Art zu
überzeugen; aber gottlob, daß mein Glaube sich nicht mit Faustschlägen lenken
läßt! Mögen sie diejenigen züchtigen, welche ihre Meinung der Falschheit
beschuldigen. Ich halte solche nur für schwer und kühn zu glauben und verwerfe
ebensowohl als sie die Behauptung des Gegenteils, nur nicht gerade so
gebieterisch. Wer seine Meinung durch Befehl und Gebot durchsetzen will,
beweist dadurch, daß sie auf schwachen Gründen beruhen müsse. Kommt es auf ein
Wort- und Schulgezänk an, so mögen sie ebensoviel Schein für sich haben als
ihre Gegner.
Videantur sane, non affirmentur modo.
Man betrachte sie, wie man will, nur bestätige man sie nicht.
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