Aus dieser Darstellung ergiebt sich,
daß, während das in Betracht genommene Laster den Zwecken der Natur, und zwar
im Allerwichtigsten und ihr Angelegensten, gerade entgegenzuarbeiten scheint,
es in Wahrheit eben diesen Zwecken, wiewohl nur mittelbar, dienen muß, als
Abwendungsmittel größerer Uebel. Es ist nämlich ein Phänomen der absterbenden
und dann wieder der unreifen Zeugungskraft, welche der Species Gefahr drohen:
und wiewohl sie alle Beide aus moralischen Gründen pausiren sollten; so war
hierauf doch nicht zu rechnen; da überhaupt die Natur das eigentlich Moralische
bei ihrem Treiben nicht in Anschlag bringt. Demnach griff die, in Folge ihrer
eigenen Gesetze, in die Enge getriebene Natur, mittelst Verkehrung des
Instinkts, zu einem Nothbehelf, einem Stratagem, ja, man möchte sagen, sie
bauete sich eine Eselsbrücke, um, wie oben dargelegt, von zweien Uebeln dem
größern zu entgehn. Sie hat nämlich den wichtigen Zweck im Auge, unglücklichen
Zeugungen vorzubeugen, welche allmälig die ganze Species depraviren könnten,
und da ist sie, wie wir gesehn haben, nicht skrupulös
in der Wahl der Mittel. Der Geist, in welchem sie hier verfährt, ist der selbe,
in welchem sie, wie oben, Kapitel 27, angeführt, die Wespen antreibt, ihre
Jungen zu erstechen: denn in beiden Fällen greift sie zum Schlimmen, um
Schlimmerem zu entgehn: sie führt den Geschlechtstrieb irre, um seine
verderblichsten Folgen zu vereiteln.
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