Lachen
Sowie es, der Sage nach, dem (Pythagoräer)
Parmoniskus ging, welcher in der throphonischen Höhle die Fähigkeit zu lachen
verlor, aber auf Delos sie wiederbekam beim Anblick eines unförmlichen Klotzes,
welcher als Bildnis der Göttin Leto ausgestellt wurde, gerade so ist es mir
ergangen. Als ich sehr jung war, da verlernte ich in der throphonischen Höhle
das Lachen; als ich die Augen aufschlug und die Wirklichkeit betrachtete, da
fing ich an, zu lachen, und habe seit dieser Zeit hiermit nicht aufgehört. Ich
habe gesehen, dass die Bedeutung des Lebens darin besteht, ein Brot, eine
Verfolgung zu bekommen, das höchste Ziel darin, Justizrat zu werden; dass das
heiße Verlangen der Liebe darauf hinausgeht eine gute Partie zu machen; dass
der stetige Genuß der Freundschaft so viel heißt, als einander in
Geldverlegenheiten auszuhelfen; dass die Weisheit nichts weiter ist, als was
eben die meisten dafür gelten lassen; dass Begeisterung so viel heißt, als eine
Standrede zu halten; dass der Mut sich darin bewährt, es darauf zu wagen, dass
man in 10 Rbd. Mulkt verurteilt werde; dass Herzlichkeit bedeutet, nach einem
Diner zu einander: »Wohl bekomm's! gesegnete Mahlzeit!« zu sagen; die
Frömmigkeit darin, einmal im Jahre zum Abendmahl zu gehen. Das habe ich gesehen,
und ich lache.
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