Sie bemerkte nichts und glaubte deshalb
auch unbemerkt zu sein. Ich ging in einiger Entfernung und verschlang ihr Bild.
Langsam ging sie vorwärts, keine eilende Hast störte ihren Frieden oder die
Ruhe der Umgebung. Am See saß ein Knabe und fischte; sie blieb stehen,
betrachtete den Spiegel des Wassers und den Kork an der Angelschnur. Sie war
nicht rasch gegangen, schien aber doch warm geworden zu sein, und löste ein
kleines Tuch, das sie unter dem Shawl um den Hals gebunden hatte. Der Knabe war
offenbar nicht gerade davon erbaut, daß er beobachtet wurde, und schaute sich
mit einem ziemlich phlegmatischen Blick nach ihr um. Der kleine Bursche sah in
der That komisch aus, und ich kann's ihr nicht verdenken, daß sie über ihn
lachen mußte. Wie kindlich lachte sie! Wäre sie mit dem Knaben
allein gewesen, so hätte sie sich – glaube ich – nicht gefürchtet, den Kampf
mit ihm aufzunehmen. Ihr Auge war groß und glänzend; wenn man in dasselbe
hineinschaute, hatte es einen dunkeln Glanz, der keine unendlichen Tiefen ahnen
ließ; es war rein und unschuldig, mild und ruhig, voller Schelmerei, als sie
lächelte.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen