Die Ähnlichkeit, welche zwischen dem Genie
und dem Kindesalter Statt findet, beruht auf dem Beiden eigentümlichen
Überschuss der Erkenntniskräfte über die Bedürfnisse des Willens und dem daraus
entspringenden Vorwalten der bloß erkennenden Tätigkeit. Wirklich ist jedes
Kind gewissermaßen ein Genie, und jedes Genie gewissermaßen ein Kind. Die
Verwandtschaft Beider zeigt sich zunächst in der Naivität und erhabenen
Einfalt, welche ein Grundzug des echten Genies ist; sie tritt außerdem in
manchen Zügen an den Tag, so dass eine gewisse Kindlichkeit allerdings zum
Charakter des Genies gehört. Jedes Genie ist schon darum ein großes Kind, weil
es in die Welt hineinschaut als in ein Fremdes, ein Schauspiel, daher mit
objektivem Interesse. Jenes dem Kindesalter natürliche Überwiegen des sensiblen
Systems und der erkennenden Tätigkeit erhält sich beim Genie, abnormer Weise,
das ganze Leben hindurch, wird also hier ein perennierendes.
Sonntag, 9. August 2015
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