5) Unabhängigkeit der Geschlechtsliebe von
der Freundschaft.
Weil
die verliebte Leidenschaft sich eigentlich um das zu Erzeugende und dessen
Eigenschaften dreht, kann zwischen zwei jungen Leuten verschiedenen
Geschlechts, vermöge der Übereinstimmung ihrer Gesinnung, ihres Charakters,
ihrer Geistesrichtung, Freundschaft bestehen, ohne dass Geschlechtsliebe sich
einmischte; ja sogar kann in dieser Hinsicht eine gewisse Abneigung zwischen
ihnen vorhanden sein. Der Grund hiervon ist, dass ein von ihnen erzeugtes Kind
körperlich oder geistig disharmonierende Eigenschaften haben, kurz, seine
Existenz und Beschaffenheit den Zwecken des Willens zum Leben, wie er sich in
der Gattung darstellt, nicht entsprechen würde. Im entgegengesetzten Fall kann,
bei Heterogenität der Gesinnung, des Charakters und der Geistesrichtung, und
bei der daraus hervorgehenden Abneigung, ja Feindseligkeit, doch die
Geschlechtsliebe aufkommen und bestehen; wo sie dann über jenes Alles
verblendet; verleitet sie hier zur Ehe, so wird es eine sehr unglückliche. Freitag, 16. Februar 2018
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