Einsamkeit
ist das Los aller hervorragenden Geister: sie werden solche bisweilen
beseufzen; aber stets sie als das kleinere von zwei Übeln erwählen. Mit
zunehmendem Alter wird jedoch das: sapere
aude, wage, weise zu sein, in diesem Stücke immer leichter und natürlicher,
und in den sechziger Jahren ist der Trieb zur Einsamkeit ein wirklich
naturgemäßer, ja instinktartiger. Denn jetzt vereinigt sich alles, ihn zu
befördern. Der stärkste Zug der Geselligkeit, Weiberliebe und Geschlechtstrieb,
wirkt nicht mehr; ja, die Geschlechtslosigkeit des Alters legt den Grund zu
einer gewissen Selbstgenügsamkeit, die allmählich den Geselligkeitstrieb
überhaupt absorbiert. Von tausend Täuschungen und Torheiten ist man
zurückgekommen; das aktive Leben ist meistens abgetan, man hat nichts mehr zu
erwarten, hat keine Pläne und Absichten mehr; die Generation, der man
eigentlich angehört, lebt nicht mehr; von einem fremden Geschlecht umgeben,
steht man schon objektiv und wesentlich allein.
Dienstag, 18. September 2018
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