Montag, 1. Juli 2019

Überall und zu allen Zeiten hat es viel Unzufriedenheit mit den Regierungen, Gesetzen und öffentlichen Einrichtungen gegeben; großenteils aber nur, weil man stets bereit ist, diesen das Elend zur Last zu legen, welches dem menschlichen Dasein selbst unzertrennlich anhängt, indem es, mythisch zu reden, der Fluch ist, den Adam empfing, und mit ihm sein ganzes Geschlecht. Jedoch nie ist jene falsche Vorspiegelung auf lügenhaftere und frechere Weise gemacht worden, als von den Demagogen der „Jetztzeit“. Diese nämlich sind, als Feinde des Christentums, Optimisten: Die Welt ist ihnen „Selbstzweck“ und daher an sich selbst, d.h. ihrer natürlichen Beschaffenheit nach, ganz vortrefflich eingerichtet, ein rechter Wohnplatz der Glückseligkeit. Die nun hiergegen schreienden, kolossalen Übel der Welt schreiben sie gänzlich den Regierungen zu: Täten nämlich nur diese ihre Schuldigkeit, so würde der Himmel auf Erden existieren, d.h. alle würden ohne Mühe und Not vollauf fressen, saufen, sich propagieren und krepieren können: denn dies ist die Paraphrase ihres „Selbstzwecks“ und das Ziel des „unendlichen Fortschritts der Menschheit“, den sie in pomphaften Phrasen unermüdlich verkündigen.

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