Mittwoch, 6. November 2019


Die Verehrung, welche der gebildete große Haufe dem Genie zollt, artet, gerade so wie die, welche die Gläubigen ihren Heiligen widmen, gar leicht in läppischen Reliquiendienst aus. Wie Tausende von Christen die Reliquien eines Heiligen anbeten, dessen Leben und Lehre ihnen unbekannt ist; wie die Religion Tausender von Buddhisten viel mehr in der Verehrung des Dahtu (heiligen Zahns), ja, der ihn einschließenden Dagoba (Stupa), oder der heiligen Patra (Eßnapf), oder der versteinerten Fußstapfe, oder des heiligen Baumes, den Buddha gesät hat, besteht, als in der gründlichen Kenntnis und treuen Ausübung seiner hohen Lehre; so wird Petrarcas Haus in Arquà, Tassos angebliches Gefängnis in Ferrara, Shakespeares Haus in Stratfort, nebst seinem Stuhl darin, Goethes Haus in Weimar, nebst Mobilien, Kants alter Hut, imgleichen die respektiven Autographen, von vielen aufmerksam und ehrfurchtsvoll angegafft, welche die Werke der Männer nie gelesen haben. Sie können nun eben weiter nichts als gaffen.

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