Mich deucht, es sei verzeihlich, ein Wunderwerk zu bezweifeln, zum
wenigsten so lange, als man seine Wahrheit mit natürlichen, nicht
wunderbaren Mitteln bestreiten kann, und bin hierin der Meinung des heiligen
Augustin: es sei besser, bei Dingen, welche schwer zu beweisen und gefährlich
zu glauben sind, auf die Seite des Zweifels zu neigen als auf die Seite der
Leichtgläubigkeit. Es sind einige Jahre her, daß ich durch die Länder eines
souveränen Fürsten reiste, der, um mir eine Gunst zu erzeigen und meinem
Unglauben einen Stoß zu versetzen, die Gnade hatte und mir, in seiner
Gegenwart, an einem abgelegenen Ort zehn bis zwölf Gefangene von dieser Gattung
vorführen ließ; unter andern eine alte Frau, die durch ihre Häßlichkeit und
Mißgestalt freilich hexenmäßig genug aussah und von langen Zeiten her dieser
Profession wegen berüchtigt war. Ich fand Beweise, freies Bekenntnis und ich
weiß selbst nicht was für unmerkliche Kennzeichen an diesem beklagenswürdigen
Weib und erkundigte mich und sprach so viel ich wollte, wobei ich auf alles,
soviel wie möglich, die genaueste Aufmerksamkeit hatte. Auch bin ich nicht der
Mensch, der sich den Verstand durch Vorurteile umwenden läßt. Kurz und
gewissenhaft zu sagen: ich hätte ihr viel eher Nieswurz als einen
Schierlingstrank verordnet.
Captisque res magis mentibus, quam consceleratis, similis visa.
Die Sache scheint mehr auf Rechnung des Wahnsinns als der Bosheit zu
setzen.
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