Dienstag, 20. März 2012

Will man dieses sehen? Man vergleiche nur einmal unsere Sitten mit den Sitten eines Mahometaners, oder eines Heiden. Wir werden immer den Kürzern ziehen: an statt dass wir uns wegen des Vorzugs unserer Religion ganz ausnehmend und unvergleichlich vor ihnen hervortun sollten, damit es hieße: Sie sind so gerecht, sie sind so liebreich, sie sind so gütig? Sie sind also gewiß Christen.
Alles übrige scheinbare haben alle Religionen mit einander gemeinschaftlich: Hoffnung, Vertrauen, Begebenheiten, Zeremonien. Bußübungen, Märtyrer. Das besondere Kennzeichen unserer Wahrheit sollte unsere Tugend sein: gleichwie sie auch das himmlische und schwereste Kennzeichen, und die herrlichste Frucht der Wahrheit ist.
Demnach tat weiland unser König Ludwig der Heilige Recht, dass er einen Tartarischen König, der ein Christe geworden, und Willens war nach Lyon zu gehen, um dem Papst die Füsse zu küssen, und daselbst diejenige Heiligkeit zu sehen, die er in unsern Sitten zu finden hofte, innständigst davon abmahnete, aus Furcht unsere ausgelassene Lebensart möchte ihm vielmehr einen so heiligen Glauben zuwider machen.
Indessen ereignete sich doch nachgehends einmal gerade das Gegenteil bei einem andern, der in eben dieser Absicht nach Rom gegangen war, und als er daselbst das liederliche Leben der Prälaten, und des damaligen Volks sahe, desto mehr in unserer Religion bestärket wurde, weil er überlegte, wie viel Stärke und Göttlichkeit sie besitzen müßte, da sie ihre Hoheit und ihren Glanz unter einem so großen Verderbnisse, und unter so gottlosen Händen, erhielte.
Wenn wir nur einen einzigen Tropfen Glauben hätten, so würden wir, sagt das Wort Gottes, Berge von ihrer Stelle bewegen können.

Sonntag, 18. März 2012

Meine Tugend ist eine auswendige und zufällige Tugend, oder Unschuld, besser zu sagen. Wäre ich mit ungebärdigeren Leidenschaften zur Welt gekommen, ich fürchte, es wäre erbärmlich mit mir ergangen. Denn ich habe nicht viel von Festigkeit in meiner Seele befunden, um den Leidenschaften zu widerstehen, wenn sie auch nur ein wenig stürmisch gewesen wären. Ich kann das Zanken und Streiten in mir selber nicht ausstehen. So habe ich mir denn keinerlei Dankeschön dafür zu sagen, dass ich von verschiedenen Lastern frei bin. 

Samstag, 3. März 2012

Ceste mienne conception se reconnoist mieux qu'en tout autre lieu, en la comparaison de l'Æneide et du Furieux. Celuy-là on le voit aller à tire d'aisle, d'un vol haut et ferme, suyvant tousjours sa poincte : cestuy-cy voleter et sauteler de conte en conte, comme de branche en brancde, ne se fiant à ses aisles, que pour une bien courte traverse : et prendre pied à chasque bout de champ, de peur que l'haleine et la force luy faille, 
Excursúsque breves tentat.
Und er wagt nur kurze Ausflüge
Les Romains disoyent en leur religion: Hoc age,  que nous disons en la nostre: Sursum corda, ce sont autant de parolles perdues pour moy.
Hoc age – merkt auf
Pour subvenir un peu à la trahison de ma memoire, et à son defaut, si extreme, qu'il m'est advenu plus d'une fois, de reprendre en main des livres, comme recents, et à moy inconnus, que j'avoy leu soigneusement quelques années au paravant, et barbouillé de mes notes : j'ay pris en coustume dépuis quelque temps, d'adjouster au bout de chasque livre (je dis de ceux desquels je ne me veux servir qu'une fois) le temps auquel j'ay achevé de le lire, et le jugement que j'en ay retiré en gros : à fin que cela me represente au moins l'air et idée generale que j'avois conceu de l'autheur en le lisant. Je veux icy transcrire aucunes de ces annotations.

Dienstag, 21. Februar 2012

Das ist ein Dummkopf ! – bald gesagt, so radikal ist man in allem. Was heisst es eigentlich? Es ist jemand, der seine Stellung mit sich selbst verwechselt, sein Ansehen für Verdienst, seinen Ruf für Tüchtigkeit hält. Sind nicht alle Menschen so? Wozu also die Aufregung?