Freitag, 19. Juni 2015


Wenn einer im Gespräch platt und in seinen Schriften trefflich ist, so will das besagen, dass seine Trefflichkeit da liegt, wo er sie erborgt hat, und nicht in ihm selber. Ein gelehrter Mann ist nicht gelehrt in allen Dingen; aber der Verständige ist verständig überall, selbst im Nichtwissen.

Wir gehen hier einhellig und im gleichen Schritt, mein Buch und ich. Anderswo kann man das Werk unabhängig von seinem Verfasser loben oder schelten; hier nicht: wer das eine vornimmt, nimmt auch den anderen vor.

Donnerstag, 28. Mai 2015


La recommandation que chacun cherche, de vivacité et promptitude d’esprit, je la pretends du reglement ; d’une action esclatante et signalée, ou de quelque particuliere suffisance, je la pretends de l’ordre, correspondance et tranquillité d’opinions et de meurs.

Wo jedermann sich durch die Regsamkeit und Schlagfertigkeit seines Geistes zu empfehlen strebt, suche ich mein Lob in der Mässigung ; wo andere auf ausgezeichnete und aufsehenerregende Taten oder auf irgendwelche ausnehmende Gelehrsamkeit pochen, berufe ich mich auf die Ordnung, die Ausgeglichenheit und Gelassenheit der Meinungen und der Lebensart.

Omnino, si quidquam est decorum, nihil est profecto magis quam aequabilitas universae vitae, tum singularum actionum : quam conservare non possis, si, aliorum naturam imitans, omittas tuam.

Es gibt fürwahr keine grössere Zierde als den Einklang eines ganzen Lebens in all seinen einzelnen Handlungen : ihn könnt ihr nicht bewahren, wenn ihr, indem ihr das Wesen anderer nachäfft, euer eigenes fahren lässt. (Cicero, De officiis, I, 31)

Donnerstag, 21. Mai 2015


Toute la gloire que je pretens de ma vie, c’est de l’avoir vescue tranquille : tranquille non selon Metrodorus, ou Arcesilas, ou Aristippus, mais selon moy. Puis que la philosophie n’a sçeu trouver aucune voye pour la tranquillité, qui fust bonne en commun, que chacun la cherche en son particulier !

Aller Ruhm, den ich für mein Leben beanspruche, ist der, es ruhig durchlebt zu haben ; ruhig nicht nach der Auffassung des Metrodorus oder Arkesilaos oder Aristipp, sondern nach der meinen. Da die Philosophie keinen Pfad zur Ruhe zu finden vermochte, der für alle gangbar ist, so suche sie ein jeder auf seinem eigenen.

Samstag, 2. Mai 2015


A qui doivent Caesar et Alexandre cette grandeur infinie de leur renommée qu’à la fortune ? Combien d’hommes a elle esteint sur le commencement de leur progrés, desquels nous n’avons aucune connoissance, qui y apportoient mesme courage que le leur, si le malheur de leur sort ne les eut arrestez tout court, sur la naissance de leurs entreprinses ! Au travers de tant et si extremes dangers, il ne me souvient point avoir leu que Caesar ait esté jamais blessé. Mille sont morts de moindres perils que le moindre de ceux qu’il franchit. Infinies belles actions se doivent perdre sans tesmoignage avant qu’il en vienne une à profit.

Qui n’est homme de bien que par ce qu’on le sçaura, et par ce qu’on l’en estimera mieux apres l’avoir sceu ; qui ne veut bien faire qu’en condition que sa vertu vienne à la connoissance des hommes : celuy-là n’est pas homme de qui on puisse tirer beaucoup de service.
Wer nur ein Ehrenmann ist, weil man es erfahren und weil man ihn höher schätzen wird, wenn man es erfährt ; wer nur das Rechte tun will, wenn dafür gesorgt ist, dass seine Tugend den Leuten zu Ohren komme : der ist kein Mann, bei dem viel Brauchbares zu holen ist.