Secreti loquimur.
Samstag, 2. April 2016
Es ist für den
Winkel einer Hausbibliothek und zum Zeitvertreib eines Nachbarn, eines
Verwandten, eines Freundes bestimmt, dem es Freude macht, mich in diesem Abbild
wieder anzutreffen und mit mir Umgang zu pflegen. Andere haben sich das Herz
gefasst, von sich zu reden, weil sie in sich einen würdigen und reichen
Gegenstand entdeckt haben, ich hingegen, weil ich ihn so unergiebig und dürr befunden
habe, dass kein Verdacht von Eigenruhm darauf fallen kann. Ich urteile gern
über die Handlungen anderer ; mit den meinen gebe ich ihrer Nichtigkeit
halber wenig Stoff zur Beurteilung. Ich finde nicht so viel Gutes an mir, dass
ich es nicht ohne Erröten mitteilen könnte.
C’est pour le coin
d’une librairie, et pour en amuser un voisin, un parent, un amy, qui aura
plaisir à me racointer et repratiquer en cett’ image. Les autres ont pris cœur
de parler d’eux pour y avoir trouvé le subject digne et riche ; moy, au
rebours, pour l’avoir trouvé si sterile et si maigre qu’il n’y peut eschoir
soupçon d’ostentation. Je juge volontiers des actions d’autruy ; des miennes,
je donne peu à juger à cause de leur nihilité. Je ne trouve pas tant de bien en
moy que je ne le puisse dire sans rougir.
Freitag, 18. März 2016
Ich habe mein Buch
nicht mehr gemacht, als mein buch mich gemacht hat, ein Buch vom Fleisch und
Blut seines Verfassers, nur mit mir selbst beschäftigt, als ein Teil meines
Lebens, nicht mit anderen beschäftigtund auf fremde Zwecke eingerichtet wie
alle anderen Bücher. Habe ich meine Zeit damit verloren, dass ich mir so
unablässig, so eingehend von mir Rechenschaft abgelegt habe ?
Je n’ay pas plus
faict mon livre que mon livre m’a faict, livre consubstantiel à son autheur,
d’une occupation propre, membre de ma vie ; non d’une occupation et fin tierce
et estrangere comme tous autres livres. Ay-je perdu mon temps de m’estre rendu
compte de moy si continuellement, si curieusement ?
Donnerstag, 3. März 2016
Combien de fois m’a
cette besongne diverty de cogitations ennuyeuses ! et doivent estre contées
pour ennuyeuses toutes les frivoles. Nature nous a estrenez d’une large faculté
à nous entretenir à part, et nous y appelle souvent pour nous apprendre que
nous nous devons en partie à la société, mais en la meilleure partie à nous.
Aux fins de renger ma fantasie à resver mesme par quelque ordre et projet, et
la garder de se perdre et extravaguer au vent, il n’est que de donner corps et
mettre en registre tant de menues pensées qui se presentent à elle. J’escoute à
mes resveries par ce que j’ay à les enroller.
Wie oft hat mich
diese Beschäftigung von verdriesslichen Gedanken abgelenkt ! und zu den
verdriesslichen müssen alle hohlen und leeren gerechnet werden. Die Natur hat
uns mit einer grossen Fähigkeit beschenkt, uns mit uns selbst zu unterhalten,
und lädt uns oft dazu ein, um uns zu lehren, dass wir uns zum Teil der
Gesellschaft, zum grössern Teil uns selber schulden. Um meine Einbildung dazu
anzuhalten, selbst in ihren Hirngespinsten mit einiger Ordnung und Absicht zu
verfahren, und zu verhüten, dass sie sich verliere und zerflattere, gab es nur
eines, all diesen Gedanken, die sich in ihr einstellen, Gestalt zu geben und
sie festzuhalten. Ich gebe meinen närrischen Einfällen Gehör, weil ich sie zu
Buch zu bringen habe.
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