Wer
inzwischen Gesellschaft liebt kann sich aus diesem Gleichnis die Regel
abstrahieren, daß, was den Personen seines Umgangs an Qualität abgeht durch die
Quantität einigermaßen ersetzt werden muß. An einem einzigen geistvollen
Menschen kann er Umgang genug haben: ist aber nichts als die gewöhnliche Sorte
zu finden; so ist es gut, von dieser recht viele zu haben, damit durch die
Mannigfaltigkeit und das Zusammenwirken etwas herauskomme, – nach Analogie der
besagten Hornmusik: – und der Himmel schenke ihm dazu Geduld.
Mittwoch, 22. Februar 2017
Montag, 6. Februar 2017
Überhaupt
aber kann jeder im vollkommensten Einklange nur mit sich selbst stehen; nicht
mit seinem Freunde, nicht mit seiner Geliebten: denn die Unterschiede der
Individualität und Stimmung führen allemal eine, wenn auch geringe, Dissonanz
herbei: Daher ist der wahre, tiefe Friede des Herzens und die vollkommene Gemütsruhe,
dieses, nächst der Gesundheit, höchste irdische Gut, allein in der Einsamkeit
zu finden und als dauernde Stimmung nur in der tiefsten Zurückgezogenheit.
Ist
dann das eigene Selbst groß und reich; so genießt man den glücklichsten
Zustand, der auf dieser armen Erde gefunden werden mag. Ja, es sei
herausgesagt: so eng auch Freundschaft, Liebe und Ehe Menschen verbinden; ganz
ehrlich meint jeder es am Ende doch nur mit sich selbst und höchstens noch mit
seinem Kinde.
Je
weniger einer, infolge objektiver oder subjektiver Bedingungen, nötig hat, mit
den Menschen in Berührung zu kommen, desto besser ist er daran. Die Einsamkeit
und Öde läßt alle ihre Übel auf einmal, wenn auch nicht empfinden, doch
übersehen: hingegen die Gesellschaft ist insidiös: sie verbirgt hinter dem
Scheine der Kurzweil, der Mitteilung des geselligen Genusses u. s. f. große,
oft unheilbare Übel. Ein
Hauptstudium der Jugend sollte sein, die Einsamkeit ertragen zu lernen; weil
sie eine Quelle des Glückes, der Gemütsruhe ist.
Freitag, 20. Januar 2017
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