Montag, 2. Oktober 2017


Die Musik ist darin von allen anderen Künsten verschieden, dass sie nicht Abbild der Erscheinung oder, richtiger, der adäquaten Objektität des Willens, sondern unmittelbar Abbild des Willens selbst ist und also zu allem Physischen der Welt das Metaphysische, zu aller Erscheinung das Ding an sich darstellt. Man könnte demnach die Welt ebenso wohl verkörperte Musik, als verkörperten Willen nennen. Gesetzt daher, es gelänge eine vollkommen richtige, vollständige und ins Einzelne gehende Erklärung der Musik, also eine ausführliche Wiederholung dessen, was sie ausdrückt, in Begriffen zu geben, so würde diese sofort auch eine genügende Wiederholung und Erklärung der Welt in Begriffen, oder einer solchen ganz gleichlautend, also die wahre Philosophie sein.

Allgemein und zugleich populär redend kann man sagen: die Musik überhaupt ist die Melodie, zu der die Welt der Text ist.

Freitag, 22. September 2017


Der Künstler lässt uns durch seine Augen in die Welt blicken. Dass er diese Augen hat, dass er das Wesentliche, außer allen Relationen Liegende der Dinge erkennt, ist die Gabe des Genius, das Angeborene; dass er aber im Stande ist, auch uns diese Gabe zu leihen, uns seine Augen aufzusetzen, dies ist das Erworbene, das Technische der Kunst.
Ein glückliches Leben ist unmöglich, höchstens kann der Mensch einen heroischen Lebenslauf erlangen. Einen solchen führt Der, welcher in irgend einer Art und Angelegenheit für das Allen irgendwie zu Gute Kommende mit übergroßen Schwierigkeiten kämpft und am Ende siegt, dabei aber schlecht oder gar nicht belohnt wird. Dann bleibt er, am Schluss, wie der Prinz im Re corvo des Gozzi, versteinert, aber in edler Stellung und mit großmütiger Gebärde stehen. Sein Andenken bleibt und wird als Das eines Heros gefeiert; sein Wille, durch Mühe und Arbeit, schlechten Erfolg und Undank der Welt ein ganzes Leben hindurch mortifiziert, erlischt in der Nirwana.

Freitag, 15. September 2017


Die Naturforscher sagen, dass durch alle Tiergattungen hindurch die Entartung beim Weibchen anfängt. Die Philosophen können diese Beobachtung auf die Moral in der zivilisierten Gesellschaft anwenden.  

Les naturalistes disent que, dans toutes les espèces animales, la dégénération commence par les femelles. Les philosophes peuvent appliquer au moral cette observation, dans la société civilisée. 

Naturalists say that in every species, degeneration begins with females. Philosophers can apply this observation to morals in civilized society.  
Es scheint, dass die Liebe die wirklichen Vollkommenheiten nicht sucht, sondern eher fürchtet. Sie liebt nur die, die sie selbst schafft oder erdichtet, sie gleicht den Königen, die nur die Grösse gelten lassen, die sie selbst erschaffen haben.  

Il semble que l'amour ne cherche pas les perfections réelles; on dirait qu'il les craint. Il n'aime que celles qu'il crée, qu'il suppose; il ressemble à ces rois qui ne reconnaissent de grandeurs que celles qu'ils ont faites.  

It seems that love does not look for real perfections; people say that it fears them. It only loves the ones that it creates, that it imagines; it resembles kings who don't recognize any grandeur that they didn't institute.