Samstag, 29. Februar 2020


Rätselhaft
Rätselhaft muß man nicht allein andern sein, sondern auch sich selbst. Ich studiere mich selbst; bin ich dessen müde, so rauche ich zum Zeitvertreib eine Zigarre und denke: Gott der Herr weiß, was er eigentlich mit mir gemeint hat, oder was er aus mir machen will.


Wozu ich tauge
Wozu ich tauge? Zu gar nichts, oder zu allem Möglichen. Das ist ein ungewöhnliches Geschick. Aber wird man's im Leben zu schätzen wissen? Gott weiß, ob die Mädchen einen Platz finden, welche eine Kondition suchen, sei's als allein dienende, oder im Notfall als «Mädchen für alles.»

Montag, 24. Februar 2020


Gute Nacht
Wenn ich morgens aufstehe, gehe ich sogleich wieder zu Bette. Ich befinde mich am besten des Abends, in dem Augenblicke, wenn ich das Licht ausblase, die Decke mir über den Kopf ziehe. Noch einmal richte ich mich empor, sehe mich mit einer unbeschreiblichen Zufriedenheit im Zimmer um, und so, gute Nacht, unter die Decke!

Donnerstag, 13. Februar 2020


Die Zeit
«Die Zeit geht dahin»; «das Leben ist ein Strom» etc. So sprechen die Leute. Ich kann's nicht merken: die Zeit steht stille, und ich mit ihr. Alle die Pläne, die ich entwerfe, springen gerade so auf mich selbst zurück. Will ich ausspeien, so speie ich mir selbst ins Gesicht.


Bitterer Trank
Das Leben ist mir ein bitterer Trank geworden, und dennoch muß ich ihn einnehmen wie verordnete Tropfen, langsam, zählend.

Sonntag, 26. Januar 2020


Nous embrassons tout, mais nous n’étreignons que du vent.

Wir greifen nach allem, aber wir fassen nur Wind.

Cet homme que j’avoy, estoit homme simple et grossier, qui est une condition propre à rendre veritable tesmoignage : car les fines gens remarquent bien plus curieusement et plus de choses, mais ils les glosent ; et, pour faire valoir leur interpretation et la persuader, ils ne se peuvent garder d’alterer un peu l’Histoire : ils ne vous representent jamais les choses pures, ils les inclinent et masquent selon le visage qu’ils leur ont veu ; et, pour donner credit à leur jugement et vous y attirer, prestent volontiers de ce costé là à la matiere, l’alongent et l’amplifient. Ou il faut un homme tres-fidelle, ou si simple qu’il n’ait pas dequoy bastir et donner de la vray-semblance, à des inventions fauces ; et qui n’ait rien espousé.

Freitag, 10. Januar 2020


Ich wollte, dass jeder schriebe, was er weiss, und soviel er davon weiss, nicht nur in dieser, sondern auch in jeder anderen Sparte. Denn es kann einer eine besondere Kenntnis oder Erfahrung von einem Fluss oder einer Quelle haben, der im übrigen nur weiss, als was jedermann weiss. Gleichwohl wird er, um seinen Brocken an den Mann zu bringen, eine ganze Naturlehre schreiben. Aus diesem Unwesen entspringen manche und grosse Unzuträglichkeiten.

Je voudroy que chacun escrivit ce qu’il sçait, et autant qu’il en sçait, non en cela seulement, mais en tous autres subjects : car tel peut avoir quelque particuliere science ou experience de la nature d’une riviere ou d’une fontaine, qui ne sçait au reste que ce que chacun sçait. Il entreprendra toutes-fois, pour faire courir ce petit lopin, d’escrire toute la physique. De ce vice sourdent plusieurs grandes incommoditez.