Quelque mal qu'un homme puisse penser des femmes, il n'y a pas de femme
qui n'en pense encore plus mal que lui.
Samstag, 19. Juni 2021
Freitag, 28. Mai 2021
Die Mädchen gefallen mir nicht. Ihre Schönheit
vergeht wie ein Traum und wie das Gestern, wenn es gewesen ist. Ihre Treue -
ja, ihre Treue! Entweder sind sie treulos - nun, dem denke ich nicht weiter
nach - oder sie sind treu. Gesetzt, ich träfe eine solche, dann würde sie mir
gefallen, in anbetracht, dass sie eine Seltenheit sei. In anbetracht der Länge
der Zeit würde sie mir nicht gefallen. Denn entweder bliebe sie beständig treu,
und alsdann würde ich ja ein Opfer meiner experimentierenden Idee, sofern ich
mit ihr aushalten müßte; oder es käme ein Zeitpunkt, wo sie aufhörte, es zu
sein. Nun, dann hätte ich ja die alte Geschichte.
Horch, zwei wohlbekannte Violinstriche! Diese zwei
Violinstriche, hier in diesem Augenblick, mitten auf der Straße! Habe ich den
Verstand verloren? ist es mein eignes Ohr, welches aus Liebe zu Mozarts Musik
schon aufgehört hat, zuzuhören? Ist es ein Geschenk der Götter an mich
Unglücklichen, der wie ein Bettler an des Tempels Tür sitzt? ein Ohr, das
selber vorträgt, was es selbst vernimmt? Nur diese zwei Violinstriche: denn
jetzt höre ich nichts weiter. Sowie sie in jener unsterblichen Ouvertüre aus
tiefen Choralklängen hervorbrechen, so arbeiten sie sich hier aus dem Gelärme
der Straße hervor, mit der vollen überraschenden Kraft einer Offenbarung. - Es
muß doch hier in der Nähe sein: denn jetzt höre ich deutlich die leichte
Tanzmelodie. - Also, ihr seid's, das unglückliche Künstlerpaar, dem ich diese
Freude verdanke. - Der eine von ihnen, etwa siebzehn Jahre alt, trug einen
grünen Kalmucksrock, mit großen Hornknöpfen. Der Frack war für ihn viel zu
groß. Er hielt die Violine dicht unter dem Kinn; die Mütze war tief in die
Augen gedrückt; seine Hand war unter einem fingerlosen Handschuh versteckt, die
Finger von der Kälte rot und blau. Der andre war älter; er hatte einen
Kutschermantel an. Sie waren beide blind. Ein kleines Mädchen, vermutlich ihre
Führerin, stand vor ihnen, steckte ihre Hände unter ihr Halstuch. Allmählich sammelten
wir wenigen Bewunderer dieser Töne uns umher: ein Postbote mit seinen
Briefpaketen, ein kleiner Junge, ein Dienstmädchen, ein paar Lastträger. Die
herrschaftlichen Karossen rollten lärmend vorüber; die Lastwagen übertönten
diese Musik, welche in einzelnen Tönen auftauchte. - Unglückliches
Künstlerpaar, wisset, dass diese Töne alle Herrlichkeit der Welt in sich
schließen. - War dies nicht wie eine Ratsversammlung?
Mittwoch, 26. Mai 2021
Wie leer und bedeutungslos ist das Leben! - Man
begräbt einen Menschen, begleitet ihn zu Grabe, wirft drei Spaten voll Erde auf
seinen Sarg. Dabei fährt man in der Kutsche hinaus, fährt in der Kutsche nach
Haus, und tröstet sich damit, dass noch ein langes Leben vor einem liege. Wie
lang ist es denn, wenn's auf 7×10 Jahre hinauskommt? Warum macht man's nicht
lieber auf einmal ab? warum bleibt man nicht draußen und steigt mit hinab ins
Grab, und wirft das Los darüber, wem das Unglück widerfahren soll, der
Letztlebende zu sein, welcher die letzten drei Spatenwürfe besorge für den
letzten Toten?
Sonntag, 23. Mai 2021
Ich war nie ein Mensch, das war von Geburt an mein
Unglück; und dieses Unglück wurde durch meine Erziehung erst recht mein
Unglück. Wenn man aber Kind ist – und die anderen Kinder spielen, scherzen,
oder was sonst sie tun: da Geist zu sein, obgleich man Kind und Jüngling ist –
fürchterliche Qual! … Ich habe keine Unmittelbarkeit gehabt und habe darum,
einfach menschlich verstanden, nicht gelebt; mit Reflexion habe ich begonnen
und nicht erst später ein wenig Reflexion gesammelt; ich bin eigentlich Reflexion
von Anfang bis zuletzt. In den beiden Perioden der Unmittelbarkeit, als Kind
und Jüngling, habe ich, um einen Ausweg nicht verlegen, wie das die Reflexion
nie ist, mich mit einer nachgeahmten Jugendlichkeit beholfen und, über die mir
vergönnte Gabe noch nicht klar, den Schmerz durchlitten, nicht wie die anderen
zu sein.
Dienstag, 4. Mai 2021
Meine Seele ist so schwer, dass kein Gedanke sie
mehr tragen und aufrecht halten kann, dass kein Flügelschlag sie zum Äther
emporhebt. Setzt sie sich in Bewegung, dann streicht sie nur am Boden hin, wie
die Vögel in ihrem niedern Fluge, sobald es in den Lüften braust und ein
Unwetter droht. Auf meinem Innern lastet eine Beklemmung, eine Angst, wie die
Ahnung eines Erdbebens.