Samstag, 4. April 2026

 

Freilich ist zu dieser Lenkung und Ablenkung unserer selbst, wie zu so viel anderem, Selbstzwang erfordert: zu diesem aber sollte uns die Überlegung stärken, daß jeder Mensch gar vielen und großen Zwang von außen zu erdulden hat, ohne welchen es in keinem Leben abgeht; daß jedoch ein kleiner, an der rechten Stelle angebrachter Selbstzwang nachmals vielem Zwange von außen vorbeugt; wie ein kleiner Abschnitt des Kreises zunächst dem Centro einem oft hundertmal größern an der Peripheri entspricht. Durch nichts entziehn wir uns so sehr dem Zwange von außen, wie durch Selbstzwang: das besagt Senekas Ausspruch: Willst du alle Dinge der Gewalt unterwerfen, so unterwirf dich deiner Vernunft. Auch haben wir den Selbstzwang noch immer in der Gewalt, und können, im äußersten Fall, wo er unsere empfindlichste Stelle trifft, etwas nachlassen: hingegen der Zwang von außen ist ohne Rücksicht, ohne Schonung und unbarmherzig. Daher ist es weise, diesem durch jenen zuvorzukommen.

 

Unsern Wünschen ein Ziel stecken, unsere Begierden im Zaume halten, unsern Zorn bändigen, stets eingedenk, daß dem einzelnen nur ein unendlich kleiner Teil alles Wünschenswerten erreichbar ist, hingegen viele Übel jeden treffen müssen, also, mit einem Worte: Sich enthalten und sich zurückhalten – ist eine Regel, ohne deren Beobachtung weder Reichtum noch Macht verhindern können, daß wir uns armselig fühlen. Dahin zielt Horaz: Stets überlege dir und suche den Rat der Weisen, wie du dein Leben in Ruhe zubringen kannst, damit dich nicht ständig rastlose Habsucht plagt und foltert, noch die Angst, noch die Hoffnung auf Besitz unwichtiger Dinge.

 

Montag, 30. März 2026

 

Der Feierabend eines Schriftstellers, der gute Werke veröffentlicht hat, wird vom Publikum mehr geachtet als die betriebsame Fruchtbarkeit eines Autors, der nur die mittelmäßigen Werke vermehrt. Das Schweigen eines Menschen, der bekannt ist dadurch, dass er etwas zu sagen hat, macht mehr Eindruck als das Geschwätz des Redseligen.  


 

Donnerstag, 26. März 2026

 

Le repos d'un écrivain qui a fait de bons ouvrages est plus respecté du public que la fécondité active d'un auteur qui multiplie les ouvrages médiocres. C'est ainsi que le silence d'un homme connu pour bien parler impose beaucoup plus que le bavardage d'un homme qui ne parle pas mal. 

The repose of a writer who has created good works is more respected by the public than the fecundity of an author who multiplies mediocre ones. In the same way, the silence of man who is known for speaking well is very much more imposing than the loquaciousness of a man who doesn't speak badly.

Donnerstag, 12. März 2026

Donnerstag, 5. März 2026

 

Le travail du poète, et souvent de l'homme de lettres, lui sont bien peu fructueux à lui-même; et de la part du public, il se trouve placé entre le grand merci et le va te promener. Sa fortune se réduit à jouir de lui-même et du temps.    

 

 

The work of a poet, and often of a man of letters, is seldom very profitable to him; and with regard to the public, he finds himself between a thank you very much and a go take a walk. His fortune reduces itself to enjoying himself and his time. 

 

Dem Dichter - und oft auch dem Schriftsteller - trägt ihre Arbeit wenig Früchte, und das Publikum lässt ihnen die Wahl zwischen dem allerschönsten Dank und einem „Verschwinde bitte“. Ihr ganzer Reichtum ist, sich selbst und die Zeit zu genießen.