Freilich
ist zu dieser Lenkung und Ablenkung unserer selbst, wie zu so viel anderem,
Selbstzwang erfordert: zu diesem aber sollte uns die Überlegung stärken, daß
jeder Mensch gar vielen und großen Zwang von außen zu erdulden hat, ohne
welchen es in keinem Leben abgeht; daß jedoch ein kleiner, an der rechten
Stelle angebrachter Selbstzwang nachmals vielem Zwange von außen vorbeugt; wie
ein kleiner Abschnitt des Kreises zunächst dem Centro einem oft hundertmal
größern an der Peripheri entspricht. Durch nichts entziehn wir uns so sehr dem
Zwange von außen, wie durch Selbstzwang: das besagt Senekas Ausspruch: Willst
du alle Dinge der Gewalt unterwerfen, so unterwirf dich deiner Vernunft. Auch
haben wir den Selbstzwang noch immer in der Gewalt, und können, im äußersten
Fall, wo er unsere empfindlichste Stelle trifft, etwas nachlassen: hingegen der
Zwang von außen ist ohne Rücksicht, ohne Schonung und unbarmherzig. Daher ist
es weise, diesem durch jenen zuvorzukommen.

