Montag, 13. April 2026
Samstag, 4. April 2026
Weil die uns betreffenden Angelegenheiten und Begebenheiten ganz vereinzelt, ohne Ordnung und ohne Beziehung auf einander, im grellsten Kontrast und ohne irgend etwas Gemeinsames, als eben daß sie unsere Angelegenheiten sind, auftreten und durcheinanderlaufen; so muß unser Denken und Sorgen um sie eben so abrupt sein, damit es ihnen entspreche. – Sonach müssen wir, wenn wir eines vornehmen, von allem andern abstrahieren und uns der Sache entschlagen, um jedes zu seiner Zeit zu besorgen; zu genießen, zu erdulden, ganz unbekümmert um das Übrige: wir müssen also gleichsam Schiebfächer unserer Gedanken haben, von denen wir eines öffnen, derweilen alle anderen geschlossen bleiben. Dadurch erlangen wir, daß nicht eine schwer lastende Sorge jeden kleinen Genuß der Gegenwart verkümmere und uns alle Ruhe raube; daß nicht eine Überlegung die andere verdränge; daß nicht die Sorge für eine wichtige Angelegenheit die Vernachlässigung vieler geringen herbeiführe usw. Zumal aber soll, wer hoher und edler Betrachtungen fähig ist, seinen Geist durch persönliche Angelegenheiten und niedrige Sorgen nie so ganz einnehmen und erfüllen lassen, daß sie jenen den Zugang versperren: denn das wäre recht eigentlich: um des Lebens Kleinigkeit des Lebens Ziel verfehlen. –
Freilich
ist zu dieser Lenkung und Ablenkung unserer selbst, wie zu so viel anderem,
Selbstzwang erfordert: zu diesem aber sollte uns die Überlegung stärken, daß
jeder Mensch gar vielen und großen Zwang von außen zu erdulden hat, ohne
welchen es in keinem Leben abgeht; daß jedoch ein kleiner, an der rechten
Stelle angebrachter Selbstzwang nachmals vielem Zwange von außen vorbeugt; wie
ein kleiner Abschnitt des Kreises zunächst dem Centro einem oft hundertmal
größern an der Peripheri entspricht. Durch nichts entziehn wir uns so sehr dem
Zwange von außen, wie durch Selbstzwang: das besagt Senekas Ausspruch: Willst
du alle Dinge der Gewalt unterwerfen, so unterwirf dich deiner Vernunft. Auch
haben wir den Selbstzwang noch immer in der Gewalt, und können, im äußersten
Fall, wo er unsere empfindlichste Stelle trifft, etwas nachlassen: hingegen der
Zwang von außen ist ohne Rücksicht, ohne Schonung und unbarmherzig. Daher ist
es weise, diesem durch jenen zuvorzukommen.
Unsern
Wünschen ein Ziel stecken, unsere Begierden im Zaume halten, unsern Zorn
bändigen, stets eingedenk, daß dem einzelnen nur ein unendlich kleiner Teil
alles Wünschenswerten erreichbar ist, hingegen viele Übel jeden treffen müssen,
also, mit einem Worte: Sich enthalten und sich zurückhalten – ist eine Regel,
ohne deren Beobachtung weder Reichtum noch Macht verhindern können, daß wir uns
armselig fühlen. Dahin zielt Horaz: Stets überlege dir und suche den Rat der
Weisen, wie du dein Leben in Ruhe zubringen kannst, damit dich nicht ständig
rastlose Habsucht plagt und foltert, noch die Angst, noch die Hoffnung auf
Besitz unwichtiger Dinge.
Montag, 30. März 2026
Der
Feierabend eines Schriftstellers, der gute Werke veröffentlicht hat, wird vom
Publikum mehr geachtet als die betriebsame Fruchtbarkeit eines Autors, der nur
die mittelmäßigen Werke vermehrt. Das Schweigen eines Menschen, der bekannt ist
dadurch, dass er etwas zu sagen hat, macht mehr Eindruck als das Geschwätz des Redseligen.


