Les gens de lettres aiment ceux qu'ils amusent, comme les voyageurs aiment ceux qu'ils étonnent.
PART OF THE “QUID AUTEM ISTA LOQUOR” PROJECT
Warum nicht in Nyboden geboren
Warum wurde ich nicht in Nyboden geboren? warum
starb ich nicht als kleines Kind? Dann hätte mein Vater mich in einen kleinen
Sarg gelegt, mich selbst unter den Arm genommen, an einem Sonntag-Vormittag
mich nach dem Grabe hinausgetragen, selber Erde darauf geworfen, halblaut ein
paar, nur ihm selbst verständliche Worte gesprochen. Nur das glückliche
Altertum konnte den Einfall haben, dass die kleinen Kinder im Elysium weinten,
weil sie so frühe gestorben seien.
Entweder - Oder
Ein ekstatischer Vortrag
Verheirate dich, du wirst es bereuen; verheirate
dich nicht, du wirst es auch bereuen. Heirate oder heirate nicht, du wirst
beides bereuen. Verlache die Torheiten der Welt, du wirst es bereuen; beweine
sie, beides wirst du bereuen. Traue einem Mädchen, du wirst es bereuen; traue
ihm nicht, du wirst auch dies bereuen. Fange es an, wie du willst, es wird dich
verdrießen. Hänge dich auf, du wirst es bereuen; hänge dich nicht auf, beides
wird dich gereuen. Dieses, meine Herren, ist der Inbegriff aller Lebensweisheit.
Es sind nicht nur einzelne Augenblicke, in denen ich, wie Spinoza sagt, alles
aeterno modo (aus dem Gesichtspunkt der Ewigkeit) betrachte; vielmehr bin ich
beständig aeterno modo. Manche meinen dies gleichfalls zu sein, wenn sie das
eine oder das andre getan haben und danach denn diese Gegensätze verbinden oder
vermitteln. Das ist indes ein Mißverstand: denn die wahre Ewigkeit liegt nicht
hinter einem Entweder-Oder, sondern vor demselben. Ihre Ewigkeit wird daher
auch eine schmerzliche Zeitsukzession sein, da sie an einem zwiefachen Verdruß
oder zwiefacher Reue werden zu zehren haben. Meine Weisheit ist demnach leicht
zu verstehen; denn ich habe nur einen Grundsatz, von welchem ich auch nicht
immer ausgehe. Man hat zu unterscheiden zwischen der erst nachfolgenden
Dialektik eines Entweder-Oder, und der hier angedeuteten ewigen. Sage ich z.B.
hier: ich gehe nicht von meinem Grundsatze aus, so ist dies nur der negative
Ausdruck für meinen Grundsatz, oder das, wodurch er sich selbst in dem
Gegensatze faßt zwischen einem Ausgehen davon oder einem Nichtausgehen. Für die
Zuhörer, die im stande sind mir zu folgen, ungeachtet ich im Grunde keine
Bewegung mache, werde ich jetzt die ewige Wahrheit entwickeln, wobei das
philosophische Denken in sich selbst bleibt und keine höhere gelten läßt. Ginge
ich von meinem Grundsatze aus, so würde ich nicht wieder aufhören können; denn
hörte ich nicht auf, so würde es mich verdrießen; hörte ich auf, so würde es
mich gleichfalls verdrießen. Jetzt hingegen, da ich niemals davon ausgehe, kann
ich immer aufhören; denn mein ewiges Ausgehen ist mein ewiges Aufhören. Die
Erfahrung hat bewiesen, dass es der Philosophie keineswegs so schwer ist,
anzufangen. Weit entfernt: sie fängt ja an mit nichts, und kann also immer
anfangen. Was dagegen der Philosophie und den Philosophen schwer fällt, ist
aufzuhören. Auch dieser Schwierigkeit bin ich entgangen; denn sollte jemand
glauben, daß, indem ich jetzt aufhöre, ich wirklich aufhöre, so beweist er,
dass er keinen spekulativen Begriff hat. Ich höre nämlich nicht in diesem
Augenblicke auf; sondern ich hörte damals auf, als ich anfing. Meine
Philosophie hat daher die vorzügliche Eigenschaft, dass sie kurz ist, und dass
sie unwidersprechlich ist; denn wenn jemand mir widerspricht, so dürfte ich wohl
berechtigt sein, ihn für toll zu erklären. Der Philosoph ist also beständig
aeterno modo (außer der Zeit) und hat nicht, wie der selige Dessauer Sintenis,
nur einzelne »Stunden für die Ewigkeit gelebt.«
Das Unproportionierte
Das Unproportionierte in meinem Körperbau besteht
darin, dass meine Vorderbeine zu klein sind. Gleich dem Hasen auf Neu-Holland
habe ich ganz kleine Vorderbeine, aber unendlich lange Hinterbeine. Gewöhnlich
sitze ich ganz stille; mache ich eine Bewegung vorwärts, so ist das ein
ungeheurer Sprung, zum Schrecken für alle, mit denen ich durch Bande des
Geschlechts und der Freundschaft verknüpft bin.
Angst ums Leben
Sonderbar! mit welch zweideutiger Angst, es zu
verlieren, es zu behalten, hängt der Mensch an diesem Leben. Zuweilen habe ich
daran gedacht, einen entscheidenden Schritt zu tun, gegen welchen alle meine
vorhergegangenen nur Kinderstreiche wären - die große Entdeckungsreise
anzutreten. Sowie ein Schiff, wenn es vom Stapel läuft, mit Kanonenschüssen
begrüßt wird, so würde ich mich selbst begrüßen. Und doch! Ist's der Mut, woran
es mangelt? - Fiele ein Stein herunter und schlüge mich tot, das wäre doch immerhin
ein Ausweg.