Sollte
denn nicht, wie ihr Wesen, so auch ihr Daseyn in dem der Species aufgehn? Der
Fluch der Gemeinheit stellt den Menschen dem Thiere darin nahe, daß er ihm
Wesen und Daseyn nur in der Species zugesteht.
PART OF THE “QUID AUTEM ISTA LOQUOR” PROJECT
Man könnte die Geistlosigkeit und Langweiligkeit der Schriften der Alltagsköpfe sogar daraus ableiten, daß sie immer nur mit halbem Bewußtseyn reden, nämlich den Sinn ihrer eigenen Worte nicht selbst eigentlich verstehn, da solche bei ihnen ein Erlerntes und fertig Aufgenommenes sind; daher sie mehr die ganzen Phrasen (phrases banales) als die Worte zusammengefügt haben. Leute von Geist hingegen reden, in ihren Schriften, wirklich zu uns, und daher vermögen sie, uns zu beleben und zu unterhalten: nur sie stellen die einzelnen Worte mit vollem Bewußtseyn, mit Wahl und Absicht zusammen. Daher verhält ihr Vortrag sich zu dem der oben Geschilderten wie ein wirklich gemaltes Bild zu einem mit Schablonen verfertigten: dort nämlich liegt in jedem Wort, wie in jedem Pinselstrich, specielle Absicht; hier hingegen ist Alles mechanisch aufgesetzt. Den selben Unterschied kann man in der Musik beobachten. Denn überall ist es stets die Allgegenwart des Geistes in allen Theilen, welche die Werke des Genies charakterisirt: sie ist der von Lichtenberg bemerkten Allgegenwart der Seele Garricks in allen Muskeln seines Körpers analog.
Wer nachlässig schreibt, legt dadurch zunächst das Bekenntnis ab, dass er selbst seinen Gedanken keinen großen Wert beilegt. Sodann aber auch, wie Vernachlässigung des Anzugs Geringschätzung der Gesellschaft, in die man tritt, verrät, so bezeugt flüchtiger, nachlässiger, schlechter Stil eine beleidigende Geringschätzung des Lesers.
Zur Charakteristik derselben gehört nun auch Dies, daß sie, wo möglich, alle entschiedenen Ausdrücke vermeiden, um nöthigenfalls immer noch den Kopf aus der Schlinge ziehn zu können: daher wählen sie in allen Fällen den abstrakteren Ausdruck; Leute von Geist hingegen den konkreteren; weil dieser die Sache der Anschaulichkeit näher bringt, welche die Quelle aller Evidenz ist. Jene Vorliebe für das Abstrakte läßt sich durch viele Beispiele belegen: ein besonders lächerliches aber ist dieses, daß man in der Deutschen Schriftstellerei dieser letzten zehn Jahre fast überall, wo »bewirken«, oder »verursachen« stehn sollte, »bedingen« findet; weil Dies, als abstrakter und unbestimmter, weniger besagt (nämlich »nicht ohne Dieses« statt »durch Dieses«) und daher immer noch Hinterthürchen offen läßt, die Denen gefallen, welchen das stille Bewußtseyn ihrer Unfähigkeit eine beständige Furcht vor allen entschiedenen Ausdrücken einflößt. Bei Andern jedoch wirkt hier bloß der nationale Hang, in der Litteratur jede Dummheit, wie im Leben jede Ungezogenheit, sogleich nachzuahmen, welcher durch das schnelle Umsichgreifen Beider belegt wird; während ein Engländer, bei Dem, was er schreibt, wie bei Dem, was er thut, sein eigenes Urtheil zu Rathe zieht: Dies ist im Gegentheil Niemanden weniger nachzurühmen, als dem Deutschen. In Folge des besagten Hergangs sind die Worte »bewirken« und »verursachen« aus der Büchersprache der letzten 10 Jahre fast ganz verschwunden und überall ist bloß von »bedingen« die Rede. Die Sache ist, des charakteristisch Lächerlichen wegen, erwähnenswerth.
Was
dagegen die Schreiberei unserer Philosophaster so gedankenarm und dadurch
marternd langweilig macht, ist zwar im letzten Grunde die Armut ihres Geistes,
zunächst aber Dieses, dass ihr Vortrag sich durchgängig in höchst abstrakten,
allgemeinen und überaus weiten Begriffen bewegt, daher auch meistens nur in
unbestimmten, schwankenden, verblasenen Ausdrücken einherschreitet.