Mittwoch, 19. Januar 2022
Mit Recht schätzt
Plato das Greisenalter glücklich, sofern es den bis dahin uns unablässig
beunruhigenden Geschlechtstrieb endlich los ist. Sogar ließe sich behaupten,
dass der Mensch erst nach Erlöschen des Geschlechtstriebes ganz vernünftig
wird. Gewiss aber ist, dass die Melancholie der Jugend mit von der dämonischen
Herrschaft des Geschlechtstriebes herrührt, die Heiterkeit des Alters dagegen
die Heiterkeit Dessen ist, der eine lange getragene Fessel los ist und sich nun
frei bewegt. - Andererseits jedoch ließe sich sagen, dass nach erloschenem Geschlechtstrieb
der eigentliche Kern des Lebens verzehrt und nur noch die Schale desselben
vorhanden sei.
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