Mittwoch, 22. Juni 2022

Erlaubt es mir, ärgerlich zu sein über die Begeisterung der Franzosen über Ludwig XVI. Ich kenne euch, ich weiss, wie leicht es euch fällt, wegen des Übermasses von Wünschen und Hoffnungen einer Sache überdrüssig zu werden. Übrigens, je mehr ich darüber nachdenke, desto deutlicher sehe ich, dass es die schwierigste Sache von der Welt ist, Frankreich in seiner gegenwärtigen Lage gut zu regieren. Ihr seid genau in dem Zustand, in dem Titus Livius die Römer schildert, die weder ihre Übel noch ihre Heilmittel ertragen können. Die Laster haben Wurzel gefasst und sind mit den Sitten zusammengewachsen. Schafft ihr die jungen Damen ab, dann wird der Luxus schwinden, schwinden werden die Luxuskünste, und der Vorrang Frankreichs auf diesem Gebiet, das die Grundlage seines Handels, seines Reichtums, ja selbst seines Ansehens bildet, ist dahin. Ihr habt ungeheure Laster, in der Tat, aber sie sind so, dass ganz Europa sie haben und seinen Lehrmeistern den Unterricht teuer bezahlen möchte. Sind die jungen Damen fort, so wird man die Philosophen angreifen. Sie gehören zusammen, sie sind ein anderer Luxus, aber sie verleihen eurer Nation den augenblicklichen Glanz. Ihr werdet nichts mehr sein, wenn ihr nicht Lehrmeister des Lasters seid.

So steht es heute mit Europa und bei euch. Es ist sehr sonderbar, aber es ist wahr. Lasst uns nichts prophezeien, es ist das Sicherste und am wenigsten Traurige von allem, was man tun kann. Halten wir uns an die Tatsachen, teilen wir sie ohne Kommentar mit, es heisst fast schweigen, wenn man nur die puren Fakten mitteilt.  

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