Wie ist sie doch schön! Armer Spiegel,
das muß eine Qual sein. Gut, daß du keine Eifersucht kennst. Ihre Haare sind
dunkel, ihr Teint durchsichtig, wie Samt anzufassen, ich kann's mit meinen
Augen fühlen. Ihre Augen – nein, die habe ich noch nicht gesehen, sie sind von
den langen Wimpern ganz bedeckt. Und ihr Kopf – ein Madonnenkopf, so rein und
unschuldig; er beugt sich etwas, aber nicht im Anschauen des Einen; der
Ausdruck ihres Gesichtes wechselt. Was sie betrachtet, ist das Mannigfaltige,
das im Glanze irdischer Pracht und Herrlichkeit vor ihr ausgebreitet liegt. Sie
zieht einen Handschuh aus und zeigt dem Spiegel – aber auch mir – eine Hand so
weiß und wohlgebildet, als wäre es eine Antike, ohne jeden Schmuck, auch ohne
den verräterischen Ring am vierten Finger – bravo! – Sie schlägt ihr Auge auf,
wie verändert das alles und bleibt doch dasselbe: die Stirn weniger hoch, das
Gesicht nicht so ganz oval wie es zuvor schien, aber lebhafter.
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