Samstag, 23. Juni 2012

Ich bin über die ritterliche Ehre weitläufig gewesen, aber in guter Absicht – und weil gegen die moralischen und intellektuellen Ungeheuer auf dieser Welt der alleinige Herkules die Philosophie ist.
Seitdem Amors Köcher auch vergiftete Pfeile führt, ist in das Verhältnis der Geschlechter zueinander ein fremdartiges, feindseliges, ja teuflisches Element gekommen; infolge wovon ein finsteres und furchtsames Mißtrauen es durchzieht; und der mittelbare Einfluß einer solchen Änderung in der Grundfeste aller menschlichen Gemeinschaft erstreckt sich, mehr oder weniger, auch auf die übrigen geselligen Verhältnisse; welches auseinander zu sehen mich hier zu weit führen würde.
Im Grunde aber weiß ich sehr wohl, daß es den Regierungen mit der Abstellung der Duelle nicht sehr ernst ist. Die Gehalte der Zivilbeamten, noch viel mehr aber die der Offiziere stehen (von den höchsten Stellen abgesehen) weit unter dem Wert ihrer Leistungen. Zur andern Hälfte werden sie daher mit der Ehre bezahlt. Diese wird zunächst durch Titel und Orden vertreten, im weiteren Sinne durch die Standesehre überhaupt. Für diese Standesehre nun ist das Duell ein brauchbares Handpferd; daher es auch schon auf den Universitäten seine Vorschule hat. Die Opfer desselben bezahlen demnach mit ihrem Blut das Defizit der Gehalte. –

Dienstag, 12. Juni 2012

Les gens qui croient aimer un prince, dans l'instant où ils viennent d' en être bien traités, me rappellent les enfants qui veulent être prêtres le lendemain d' une belle procession, ou soldats le lendemain d' une revue à laquelle ils ont assisté.

Eine grausame Wahrheit, der man aber doch wird beipflichten müssen : in der Welt, besonders in der vornehmen Welt, ist alles Künstlichkeit, Bewusstheit, Berechnung, selbst was zunächst wie Einfachkeit und liebenswürdige Leichtigkeit aussieht. …

Une vérité cruelle, mais dont il faut convenir, c' est que dans le monde, et surtout dans un monde choisi, tout est art, science, calcul, même l' apparence de la simplicité, de la facilité la plus aimable. J' ai vu des hommes dans lesquels ce qui paraissait la grâce d' un premier mouvement était une combinaison, à la vérité très prompte, mais très fine et très savante. J' en ai vu associer le calcul le plus réfléchi à la naïveté apparente de l' abandon le plus étourdi. C' est le négligé savant d' une coquette, d' où l' art a banni tout ce qui ressemble à l' art. Cela est fâcheux, mais nécessaire. En général, malheur à l' homme qui, même dans l' amitié la plus intime, laisse découvrir son faible et sa prise ! J' ai vu les plus intimes amis faire des blessures à l' amour-propre de ceux dont ils avaient surpris le secret. Il paraît impossible que, dans l' état actuel de la société (je parle toujours du grand monde), il y ait un seul homme qui puisse montrer le fond de son âme et les détails de son caractère, et surtout de ses faiblesses, à son meilleur ami. Mais, encore une fois, il faut porter (dans ce monde-là) le raffinement si loin qu' il ne puisse pas même y être suspect, ne fût-ce que pour ne pas être méprisé comme acteur dans une troupe d' excellents comédiens.

Je conseillerais à quelqu' un qui veut obtenir une grâce d' un ministre de l' aborder d' un air triste, plutôt que d' un air riant. On n' aime pas à voir plus heureux que soi.

Samstag, 9. Juni 2012

Der Ruhm, welcher zum Nachruhm werden will, gleicht einer Eiche, die aus ihrem Samen sehr langsam emporwächst, der leichte, ephemere Ruhm den einjährigen, schnellwachsenden Pflanzen, und der falsche Ruhm gar dem schnell hervorschießenden Unkraute, das schleunigst ausgerottet wird. Dieser Hergang beruht eigentlich darauf, daß, je mehr einer der Nachwelt, d. i. eigentlich der Menschheit überhaupt und im ganzen, angehört, desto fremder er seinem Zeitalter ist; weil was er hervorbringt nicht diesem speziell gewidmet ist, also nicht demselben als solchem, sondern nur sofern es ein Teil der Menschheit ist, angehört und daher auch nicht mit dessen Lokalfarbe tingiert ist: infolge hiervon aber kann es leicht kommen, daß dasselbe ihn fremd an sich vorüber gehen läßt. Es schätzt vielmehr die, welche den Angelegenheiten seines kurzen Tages, oder der Laune des Augenblicks dienen und daher ganz ihm angehören, mit ihm leben und mit ihm sterben.
Demgemäß lehren Kunst- und Literaturgeschichte durchgängig, daß die höchsten Leistungen des menschlichen Geistes, in der Regel mit Ungunst aufgenommen worden und darin so lange geblieben sind, bis Geister höherer Art herankamen, die von ihnen angesprochen wurden und sie zu dem Ansehn brachten, in welchem sie nachher, durch die so erlangte Auktorität, sich erhalten haben. Dies alles nur aber beruht, im letzten Grunde, darauf, daß jeder eigentlich nur das ihm Homogene verstehen und schätzen kann. Nun aber ist dem Platten das Platte, dem Gemeinen das Gemeine, dem Unklaren das Verworrene, dem Hirnlosen das Unsinnige homogen, und am allerbesten gefallen jedem seine eigenen Werke, als welche ihm durchaus homogen sind. Daher sang schon der alte fabelhafte Epicharmos:
Kein Wunder ist es, daß ich red' in meinem Sinn,
Und jene, selbst sich selbst gefallend, stehn im Wahn,
Sie wären lobenswert: so scheint dem Hund der Hund
Das schönste Wesen, so dem Ochsen auch der Ochs,
Dem Esel auch der Esel, und dem Schwein das Schwein.