Setzt man also den Zweck des Daseins in die
gänzliche Umkehrung unseres Wesens, so ist damit der Verlauf des Lebens, das
Leiden und schließlich der Tod in Übereinstimmung. Das Leben stellt sich
alsdann dar als ein Läuterungsprozess, dessen reinigende Lauge der Schmerz ist.
Ist der Prozess vollbracht, so lässt er die ihm vorhergegangene Immoralität und
Schlechtigkeit als Schlacke zurück.
Freitag, 3. Juni 2016
Alles Leiden hat, indem es eine
Mortifikation und Aufforderung zur Resignation ist, der Möglichkeit nach eine
heilende Kraft. Hieraus ist es zu erklären, dass großes Unglück, tiefe
Schmerzen schon an sich eine gewisse Ehrfurcht einflößen. Ganz ehrwürdig wird
uns aber der Leidende erst dann, wann er, den Lauf seines Lebens als eine Kette
von Leiden überblickend, oder einen großen und unheilbaren Schmerz betrauernd,
seinen Blick vom Einzelnen zum Allgemeinen erhoben hat und sein eigenes Leiden
nur als Beispiel des Ganzen betrachtet und dann das Ganze des Lebens, als
wesentliches Leiden aufgefasst, ihn zur Resignation bringt.
Dienstag, 24. Mai 2016
Der
immer allgemeiner werdende verkehrte Gebrauch des Wortes Frauen statt Weiber
gehört zu jenem Sprachverderb, durch den die Sprache verarmt, denn Frau heißt uxor und Weib mulier;
die deutsche Sprache hat, wie die lateinische, den Vorzug, für genus und species (mulier und uxor), zwei
entsprechende Wörter zu haben und darf ihn nicht aufgeben. Die Weiber wollen
nicht mehr Weiber heißen, aus demselben Grunde, aus welchem die Juden
Israeliten und die Schneider Kleidermacher genannt werden wollen, u. s. w.;
weil nämlich dem Worte beigemessen wird, was nicht ihm, sondern der Sache
anhängt.
Mittwoch, 11. Mai 2016
Dienstag, 3. Mai 2016
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