Donnerstag, 26. November 2015


Demnach hat die Gesellschaft, welche man die gute nennt, nicht nur den Nachteil, daß sie uns Menschen darbietet, die wir nicht loben und lieben können, sondern sie läßt auch nicht zu, daß wir selbst seien, wie es unserer Natur angemessen ist; vielmehr nötigt sie uns, des Einklanges mit den anderen wegen, einzuschrumpfen, oder gar uns selbst zu verunstalten. Geistreiche Reden oder Einfälle gehören nur vor geistreiche Gesellschaft: in der gewöhnlichen sind sie geradezu verhaßt; denn um in dieser zu gefallen, ist durchaus notwendig, daß man platt und borniert sei.

In solcher Gesellschaft müssen wir daher mit schwerer Selbstverleugnung dreiviertel unserer selbst aufgeben, um uns den andern zu verähnlichen. Dafür haben wir dann freilich die andern: aber je mehr eigenen Wert einer hat, desto mehr wird er finden, daß hier der Gewinn den Verlust nicht deckt und das Geschäft zu seinem Nachteil ausschlägt; weil die Leute, in der Regel, insolvent sind, d. h. in ihrem Umgang nichts haben, das für die Langweiligkeit, die Beschwerden und Unannehmlichkeiten desselben und für die Selbstverleugnung, die er auflegt, schadlos hielte: demnach ist die allermeiste Gesellschaft so beschaffen, daß, wer sie gegen die Einsamkeit vertauscht, einen guten Handel macht.

Dazu kommt noch, daß die Gesellschaft, um die echte, d. i. die geistige Überlegenheit, welche sie nicht verträgt und die auch schwer zu finden ist, zu ersetzen, eine falsche, konventionelle, auf willkürlichen Satzungen beruhende und traditionell, unter den höheren Ständen sich fortpflanzende, auch, wie die Parole, veränderliche Überlegenheit, beliebig angenommen hat: diese ist, was der gute Ton, le bon ton,  genannt wird. Wenn sie jedoch einmal mit der echten in Kollision gerät, zeigt sich ihre Schwäche. – Zudem: quand le bon ton arrive, le bon sens se retire (Wo der gute Ton sich einstellt, zieht sich der gesunde Menschenverstand zurück).

Samstag, 14. November 2015


Love seduces us through our vanity; hé! how to resist a feeling that embellishes our idea of what we have, gives us back what we have lost and other things that we don't have at all?  

C'est par notre amour-propre que l'amour nous séduit; hé! comment résister à un sentiment qui embellit à nos yeux ce que nous avons, nous rend ce que nous avons perdu et nous donne ce que nous n'avons pas?     

Samstag, 7. November 2015


Quand un homme et une femme ont l'un pour l'autre une passion violente, il me semble toujours que, quels que soient les obstacles qui les séparent, un mari, des parents, etc., les deux amants sont l'un à l'autre, de par la nature, qu'ils appartiennent de droit divin, malgré les lois et les conventions humaines.    

When a man and woman have a violent passion for each other, it seems to me that whatever the obstacles are that separate them, a husband, parents, etc., the two lovers belong to one another, according to nature, by divine right, despite human conventions and laws.  
 
 
 

Wenn ein Mann und eine Frau eine heftige Leidenschaft füreinander haben, so glaube ich immer, dass sie von Natur zusammengehören, dass sie sich trotz aller Hindernisse wie Gatten, Eltern usw. aus göttlichem Recht besitzen, allen Satzungen und menschlichen Übereinkommen zum Trotz.

If you take vanity away from love, too little is left. Once it is purged of vanity, it is a weak convalescent that can hardly lift himself.  

Ôtez l'amour-propre de l'amour, il en reste trop peu de chose. Une fois purgé de vanité, c'est un convalescent affaibli, qui peut à peine se traîner.