Dienstag, 12. April 2016

Nun ja, aber, wird man mir sagen, dieses Vorhaben, sich selbst zum Gegenstand seiner Beschreibung zu nehmen, wäre bei grossen und berühmten Männern zu entschuldigen, die durch ihren grossen Ruf den Wunsch erweckt hätten, sie kennenzulernen. Das ist gewiss : ich gestehe es ein ; und ich weiss wohl, dass kaum ein Flickschuster die Augen von seiner Arbeit aufhebt, um einen Menschen des gemeinen Schlages zu sehen, wogegen, wenn es die Ankunft eines grossen und namhaften Mannes in einer Stadt zu sehen gibt, alle Werkstätten und Kramläden verödet stehen. Jedem anderen als dem, der Nachahmungswürdigkeit besitzt und dessen Leben und Meinungen zum Vorbild dienen können, steht es schlecht an, sich bekannt zu machen. Caesar und Xenophon sind reich genug, ihre Erzählung auf der Grösse ihrer Werke als einem wahren und festen Grunde zu errichten und zu verankern. Im gleichen Sinne wären uns die Tagebücher des grossen Alexander und die Aufzeichnungen, die Augustus, Cato, Sulla, Brutus und andere von ihren Taten hinterlassen hatten, höchst erwünscht. Die Gestalten solcher Männer liebt man und vertieft sich in sie, selbst in Kupfer und Stein.   

VOIRE mais on me dira que ce dessein de se servir de soy pour subject à escrire, seroit excusable à des hommes rares et fameux qui, par leur reputation, auroyent donné quelque desir de leur cognoissance. Il est certain : je l’advoue ; et sçay bien que, pour voir un homme de la commune façon, à peine qu’un artisan leve les yeux de sa besongne, là où, pour voir un personnage grand et signalé arriver en une ville, les ouvroirs et les boutiques s’abandonnent. Il méssiet à tout autre de se faire cognoistre, qu’à celuy qui a dequoy se faire imiter, et duquel la vie et les opinions peuvent servir de patron. Caesar et Xenophon ont eu dequoy fonder et fermir leur narration en la grandeur de leurs faicts comme en une baze juste et solide. Ainsi sont à souhaiter les papiers journaux du grand Alexandre, les commentaires qu’Auguste, Caton, Sylla, Brutus et autres avoyent laissé de leurs gestes. De telles gens on ayme et estudie les figures, en cuyvre mesmes et en pierre.

Samstag, 2. April 2016


Secreti loquimur.

Wir reden unter uns.

Es ist für den Winkel einer Hausbibliothek und zum Zeitvertreib eines Nachbarn, eines Verwandten, eines Freundes bestimmt, dem es Freude macht, mich in diesem Abbild wieder anzutreffen und mit mir Umgang zu pflegen. Andere haben sich das Herz gefasst, von sich zu reden, weil sie in sich einen würdigen und reichen Gegenstand entdeckt haben, ich hingegen, weil ich ihn so unergiebig und dürr befunden habe, dass kein Verdacht von Eigenruhm darauf fallen kann. Ich urteile gern über die Handlungen anderer ; mit den meinen gebe ich ihrer Nichtigkeit halber wenig Stoff zur Beurteilung. Ich finde nicht so viel Gutes an mir, dass ich es nicht ohne Erröten mitteilen könnte.   

C’est pour le coin d’une librairie, et pour en amuser un voisin, un parent, un amy, qui aura plaisir à me racointer et repratiquer en cett’ image. Les autres ont pris cœur de parler d’eux pour y avoir trouvé le subject digne et riche ; moy, au rebours, pour l’avoir trouvé si sterile et si maigre qu’il n’y peut eschoir soupçon d’ostentation. Je juge volontiers des actions d’autruy ; des miennes, je donne peu à juger à cause de leur nihilité. Je ne trouve pas tant de bien en moy que je ne le puisse dire sans rougir.

Freitag, 18. März 2016


Und wenn mich kein Mensch lesen wird, habe ich deswegen meine Zeit damit verloren, dass ich so manche müssigen Stunden mit solch nützlichen und angenehmen Gedanken verbracht habe ?

Et quand personne ne me lira, ay-je perdu mon temps de m’estre entretenu tant d’heures oisifves à pensements si utiles et aggreables ?

Ich habe mein Buch nicht mehr gemacht, als mein buch mich gemacht hat, ein Buch vom Fleisch und Blut seines Verfassers, nur mit mir selbst beschäftigt, als ein Teil meines Lebens, nicht mit anderen beschäftigtund auf fremde Zwecke eingerichtet wie alle anderen Bücher. Habe ich meine Zeit damit verloren, dass ich mir so unablässig, so eingehend von mir Rechenschaft abgelegt habe ?

Je n’ay pas plus faict mon livre que mon livre m’a faict, livre consubstantiel à son autheur, d’une occupation propre, membre de ma vie ; non d’une occupation et fin tierce et estrangere comme tous autres livres. Ay-je perdu mon temps de m’estre rendu compte de moy si continuellement, si curieusement ?