Und dieser Welt, diesem
Tummelplatz gequälter und geängstigter Wesen, welche nur dadurch bestehn, daß
eines das andere verzehrt, wo daher jedes reißende Thier das lebendige Grab
tausend anderer und seine Selbsterhaltung eine Kette von Martertoden ist, wo
sodann mit der Erkenntniß die Fähigkeit Schmerz zu empfinden wächst, welche
daher im Menschen ihren höchsten Grad erreicht und einen um so höheren, je
intelligenter er ist, – dieser Welt hat man das System des Optimismus anpassen
und sie uns als die beste unter den möglichen andemonstriren wollen. Die
Absurdität ist schreiend. – Inzwischen heißt ein Optimist mich die Augen öffnen
und hineinsehn in die Welt, wie sie so schön sei, im Sonnenschein, mit ihren
Bergen, Thälern, Ströhmen, Pflanzen, Thieren u.s.f. – Aber ist denn die Welt
ein Guckkasten? Zu sehn sind diese Dinge freilich schön; aber
sie zu seyn ist ganz etwas Anderes. – Dann kommt ein Teleolog
und preist mir die weise Einrichtung an, vermöge welcher dafür gesorgt sei, daß
die Planeten nicht mit den Köpfen gegen einander rennen, Land und Meer nicht
zum Brei gemischt, sondern hübsch auseinandergehalten seien, auch nicht Alles
in beständigem Froste starre, noch von Hitze geröstet werde, imgleichen, in
Folge der Schiefe der Ekliptik kein ewiger Frühling sei, als in welchem nichts
zur Reife gelangen könnte, u. dgl. m. –
Donnerstag, 22. Juli 2021
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