Am
meisten ist dies der Fall nachts im Bette, als wo der Geist völlig abgespannt
und daher die Urteilskraft ihrem Geschäfte gar nicht mehr gewachsen, die
Phantasie aber noch rege ist. Da gibt die Nacht allem und jedem ihren schwarzen
Anstrich. Daher sind unsere Gedanken vor dem Einschlafen, oder gar beim
nächtlichen Erwachen, meistens fast ebenso arge Verzerrungen und Verkehrungen
der Dinge, wie die Träume es sind, und dazu, wenn sie persönliche
Angelegenheiten betreffen, gewöhnlich pechschwarz, ja entsetzlich. Am Morgen
sind dann alle solche Schreckbilder, so gut wie die Träume, verschwunden; dies
bedeutet das spanische Sprichwort: die Nacht ist gefärbt, weiß ist der Tag.
Aber auch schon abends, sobald das Licht brennt, sieht der Verstand wie das
Auge nicht so klar, wie bei Tage: daher diese Zeit nicht zur Meditation
ernster, zumal unangenehmer Angelegenheiten geeignet ist.
Donnerstag, 15. September 2022
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