Daher
also sollen wir die Dinge, welche unser Wohl und Wehe betreffen, bloß mit dem
Auge der Vernunft und der Urteilskraft betrachten, folglich trockener und
heller Überlegung mit bloßen Begriffen in abstraktem operieren. Die Phantasie
soll dabei aus dem Spiele bleiben: denn urteilen kann sie nicht, sondern bringt
bloße Bilder vor die Augen, welche das Gemüt unnützer- und oft sehr
peinlicherweise bewegen. Am strengsten sollte diese Regel abends beobachtet
werden. Denn wie die Dunkelheit uns furchtsam macht und uns überall
Schreckensgestalten erblicken läßt, so wirkt, ihr analog, die Undeutlichkeit
der Gedanken; weil jede Ungewißheit Unsicherheit gebiert: deshalb nehmen des
Abends, wenn die Abspannung Verstand und Urteilskraft mit einer subjektiven
Dunkelheit überzogen hat, der Intellekt müde und verwirrt ist und den Dingen
nicht auf den Grund zu kommen vermag, die Gegenstände unserer Meditation, wenn
sie unsere persönlichen Verhältnisse betreffen, leicht ein gefährliches
Aussehen an und werden zu Schreckbildern.
Donnerstag, 15. September 2022
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen